Orthopädische Schuhe

Von Andreas Hofmann
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Orthopädische Schuhe werden bei bestimmten Krankheitsbildern speziell für Patienten angefertigt, um ihre Beschwerden zu lindern. Erkrankungen, bei denen häufig orthopädische Schuhe benötigt werden, sind unter anderem die Zuckerkrankheit und Fussfehlstellungen. Lesen Sie alles über orthopädische Schuhe, wann sie benötigt werden und was Sie beachten müssen.

orthopädische Schuhe

Was sind orthopädische Schuhe?

Orthopädie-Schuhe sind medizinische Schuhe, die ein ausgebildeter Orthopädieschuhtechniker für einen Patienten individuell anfertigt. Sie dienen der Stabilisierung und Verbesserung des Ganges bei schweren Fuss- oder Beinfehlstellungen und verringern Schmerzen. Auch beugen sie Fehlbelastungen vor, die wiederum zu Komplikationen führen können. Orthopädische Schuhe kommen immer dann zum Einsatz, wenn massgefertigte Schuheinlagen oder technische Anpassungen gewöhnlicher Schuhe nicht mehr ausreichen, um Beschwerden zu lindern.

Orthopädische Schuhe gibt es als normale Alltagsschuhe, als Sport- oder Badeschuhe und als Hausschuhe. Für den beruflichen Einsatz werden auch orthopädische Sicherheitsschuhe hergestellt. Folgende Eigenschaften zeichnen orthopädische Schuhe aus:

  • Druckentlastung
  • Ermöglichung einer natürlichen Abrollbewegung
  • Stabilisierung des Fussbetts
  • Verringerung von Schmerzen beim Gehen
  • Ausgleich von Beinlängenunterschieden

Wann benötigt man orthopädische Schuhe?

Viele Erkrankungen beziehungsweise Fusseigenschaften können das Tragen von orthopädischen Schuhen notwendig machen. Dazu zählen vor allem:

  • Fussfehlstellungen, zum Beispiel Plattfuss, Hohlfuss oder Klumpfuss
  • Durchblutungs- und Empfindungsstörungen mit Geschwürbildung bei zuckerkranken Patienten (Diabetisches Fusssyndrom)
  • Stabilisierung des Restfusses nach Amputation von Fussanteilen
  • Arthrose im Sprunggelenk oder in den Fusswurzelgelenken
  • Lähmungen im Beinbereich
  • Rheumatische Erkrankungen im Fuss
  • Gelenkinstabilitäten
  • Beinlängenunterschied von mehr als drei Zentimeter

Ein orthopädischer Schuh stellt erst die letzte Möglichkeit der Behandlung dar. Ein Arzt wird sie nur verschreiben, wenn Krankengymnastik, besonders geformte Konfektionsschuhe, orthopädische Einlagen und Anpassungen durch einen Orthopädieschuhtechniker keinen Erfolg gezeigt haben.

Was macht man bei der Anpassung von orthopädischen Schuhen?

Nachdem der Arzt orthopädische Schuhe verschrieben hat, lässt der Patient seinen Fuss bei einem Orthopädieschuhtechniker vermessen. Dabei zeichnet der Techniker nicht nur die Umrisse beider Füsse auf, sondern erstellt auch mit digitalen Messgeräten ein Druckprofil der Fusssohle. Dadurch erkennt er, an welcher Stelle die Füsse besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Zusätzlich überprüft er das Gangbild und vermisst die Beinachsen sowie mögliche Unterschiede in den Beinlängen.

Anhand dieser Informationen werden die orthopädischen Schuhe genau auf die Bedürfnisse des Patienten ausgerichtet. Computergestützt wird dann ein Holzleisten – ein Abbild des Fusses – gefräst, mit dem schliesslich ein Probeschuh aus Kunststoff erstellt wird, um Passgenauigkeit und Komfort zu gewährleisten. Passt der Probeschuh, stellt der Orthopädieschuhtechniker die eigentlichen Orthopädie-Schuhe in Handarbeit her. Der Patient hat hierbei selbstverständlich Einfluss auf das Design.

Welche Risiken bergen orthopädische Schuhe?

Auch wenn orthopädische Schuhe meist sehr gut an die Füsse der Patienten angepasst sind, können Druckstellen an den Füssen auftreten. In der ersten Zeit nach Erhalt der neuen Schuhe sollten Patienten deswegen ihre Füsse täglich auf Druckstellen oder Verletzungen untersuchen.

Insbesondere medizinische Schuhe mit hoher Sohle erfordern anfangs eine gewisse Zeit der  Umgewöhnung. Gerade ältere Menschen mit Bewegungseinschränkungen sind daher in der Umgewöhnungsphase gefährdet, beim Gehen zu stürzen.

Was muss ich nach dem Erhalt von orthopädischen Schuhen beachten?

Wenn Sie orthopädische Schuhe bekommen, sollten Sie anfangs genau auf Beschwerden achten und Ihre Füsse auf Druckstellen kontrollieren, damit sich keine Geschwüre bilden. Informieren Sie Ihren Hausarzt über Schmerzen, damit dieser die Korrektur der Schuhe veranlasst.

Pflege der Orthopädie-Schuhe

Orthopädische Schuhe sollten sorgfältig gepflegt werden, damit ihre Funktion möglichst lange erhalten bleibt. Hierzu stehen Ihnen je nach Material handelsübliche Pflegeprodukte zur Verfügung. Achten Sie ausserdem darauf, dass die Schuhe nicht zu feucht werden. 

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Baumgartner, R. et al.: Orthopädieschuhtechnik: Grundlagen, Handwerk, Orthopädie, Maurer-Verlag, 2., überarb. u. aktual. Aufl., 2013
  • „Eigenanteils- und Zuschussempfehlungen bei Hilfsmitteln mit Gebrauchsgegenstandsanteil“ des GKV-Spitzenverbandes: www.aok-gesundheitspartner.de (Abruf: 19.07.2015)
  • Hilfsmittelverzeichnis „Schuhe“ des GKV-Spitzenverbandes: www.hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de (Abruf: 19.07.2015)
  • Informationsbroschüre „Verordnungsratgeber für Orthopädische Maßschuhe, Schuhzurichtungen und Therapieschuhe“: www.sanitaetshaus-aktuell.de (Abruf: 19.07.2015)
  • „Verordnung über die Versorgung mit Hilfsmitteln und über Ersatzleistungen nach dem Bundesversorgungsgesetz“ des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz: www.gesetze-im-internet.de (Abruf: 19.07.2015)
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