Kehlkopfentzündung (Laryngitis)

Eine Laryngitis geht meist mit einem Fremdkörpergefühl im Hals einher.
Eine Laryngitis geht meist mit einem Fremdkörpergefühl im Hals einher. (ChesiireCat / iStock)

Als Laryngitis wird eine akute oder chronische Entzündung der Kehlkopfschleimhaut bezeichnet. Die akute Kehlkopfentzündung tritt meist als Begleiterscheinung einer virusbedingten Erkältung auf.

In seltenen Fällen wird sie durch Bakterien, mechanische oder chemische Reize verursacht. Kehlkopfentzündungen können in jedem Alter auftreten, der Pseudokrupp hingegen betrifft fast ausschließlich Säuglinge und Kleinkinder.

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Der Kehlkopf bildet den Übergang vom Rachen zur Luftröhre und liegt im vorderen Halsbereich. Bei Männern ist er als sogenannter „Adamsapfel“ sichtbar. Zum einen schützt der Kehlkopf die Luftröhre vor Speisestücken, indem diese beim Schlucken mit dem Kehldeckel verschlossen wird. Zum anderen ist der Kehlkopf ganz wesentlich an der Stimmbildung beteiligt. Die Luft strömt beim Ausatmen aus der Lunge Richtung Kehlkopf und bringt die Stimmbänder zum Schwingen. Dieses Schwingen erzeugt letztlich die Töne. Sind die Stimmbänder entzündet, können sie nicht richtig schwingen, es entsteht kein schöner Klang.

Hauptsymptome einer Laryngitis sind leichte Heiserkeit bis hin zum völligen Verlust der Stimme, rauer, bellender Husten und Halsschmerzen.

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Akute Kehlkopfentzündung

Ursache für akute Kehlkopfentzündungen sind fast ausschließlich Virusinfektionen, die vom Nasen- oder Rachenraum hinunter zum Kehlkopf absteigen. Bei Erwachsenen treten sie häufig zusammen mit einer Rachenentzündung auf und heilen in den meisten Fällen nach wenigen Tagen von selbst ab. Hinzukommen kann auch eine begleitende bakterielle Infektion (Superinfektion), die entsprechend medikamentös behandelt werden muss.

In sehr seltenen Fällen führt ein starkes Anschwellen der Kehlkopfschleimhaut zu einer lebensbedrohlichen Atemnot. Diese Sonderform der aktuellen Kehlkopfentzündung (Pseudokrupp, Laryngitis subglottica oder stenosierende Laryngitis) kommt fast ausschließlich bei Säuglingen und Kleinkindern vor.

Video: Kehldeckelentzündung oder Pseudokrupp?

 

Unterscheidung Pseudokrupp Kehldeckel

 

Weitere mögliche Auslöser für akute Kehlkopfentzündungen sind Bakterien, Stimmüberlastung und Rauchen.

Folgende Symptome können auftreten:

  • Heiserkeit bis zum völligen Verlust der Stimme
  • Halskratzen
  • Fremdkörpergefühl im Halsbereich
  • Hustenreiz
  • Rauer, bellender Husten
  • Halsschmerzen
  • Räusperzwang
  • Atembeschwerden

Chronische Kehlkopfentzündung

Als chronisch bezeichnet man eine Kehlkopfentzündung, wenn sie länger als drei bis vier Wochen anhält. Sie kann sich aus einer akuten, nicht ausgeheilten Laryngitis entwickeln oder von Beginn an chronisch verlaufen.

Auslöser können andauernde Belastungen wie aktives und passives Rauchen, exzessive Stimmbelastung, Reflux, Alkoholkonsum, aber auch chronische Infektionen des Nasen-Rachen-Raumes sein. Umweltfaktoren wie trockene Luft, starke Temperaturwechsel oder eine erhöhte Staub- und Gasbelastung können ebenso an der Entstehung einer chronischen Kehlkopfentzündung beteiligt sein. Das Gleiche gilt für chronische Erkrankungen wie Diabetes, Hypothyreose oder Allergien.

Die genaue Ursache ist jedoch nicht in allen Fällen zu eruieren. Heiserkeiten, die länger als drei bis vier Wochen andauern, sollten in jedem Fall von einem Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen abgeklärt werden. Besonders wichtig ist dabei die Abgrenzung zu einem Stimmbandkarzinom.

Untersuchungen

Der HNO-Arzt untersucht die Stimmbänder entweder direkt mit einem Lupenlaryngoskop oder indirekt mithilfe eines Kehlkopfspiegels über die Mundhöhle. Ist dies nicht möglich, kann der Kehlkopf auch mit einem flexiblen Endoskop über die Nase und den Rachenraum betrachtet werden.

Mithilfe eines sogenannten Stroboskops werden die Stimmbänder mit einer Vergrößerungsoptik betrachtet. Stimmstörungen, bösartige Veränderungen oder tiefer greifende Entzündungen des Kehlkopfes können so diagnostiziert werden. Diese Untersuchung wird routinemäßig ambulant durchgeführt und bereitet keine Schmerzen.

Neben dem Ausschluss anderer Erkrankungen wie Entzündungen der Nebenhöhlen, Mandeln oder Bronchien, kann eine Blutuntersuchung Hinweise auf weitere systemische Erkrankungen liefern. Bei bakteriellen Infektionen kann ein Rachenabstrich zur Identifikation des Erregers herangezogen werden.

Therapie der akuten Laryngitis

Medikamente

Die Therapie einer Kehlkopfentzündung ist immer abhängig von der jeweiligen Ursache. Viral bedingte, akute Kehlkopfentzündungen heilen in der Regel durch einfache Maßnahmen wie Stimmschonung, Dampfinhalation sowie schleimlösende und entzündungshemmende Medikamente komplikationslos aus. Bakterielle Infektionen bedürfen einer Therapie mit Antibiotika.

Allgemeine unterstützende Maßnahmen

  • Stimmruhe

Die Stimmbänder können sich am besten erholen, wenn sie nicht benützt werden. Dies bedeutet, weder zu sprechen, noch zu flüstern. Flüstern belastet die Stimmbänder durch maximale Spannung noch stärker als leises, stimmhaftes Sprechen.

  • Nicht stark husten
  • Schmerzmittel und Entzündungshemmer
  • Antibiotika bei bakteriell bedingten Infektionen
  • Magenschutz bei refluxbedingten Infektionen
  • Rauchverbot aktiv und passiv
  • Inhalation mit Salbei, Kochsalzlösung, Panthenol oder Kamille
  • Angepasstes Raumklima: mindestens 50% Luftfeuchtigkeit, Temperatur 18–20 Grad
  • Ausreichend trinken, um ein Austrocknen der Schleimhäute zu verhindern
  • Zuckerfreie Pastillen zur Unterdrückung des trockenen Hustenreizes und des Fremdkörpergefühls

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Andreas Temmel
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Deutsches Ärzteblatt: Heiserkeit – Ursachen und Therapie. Jg. 112, Heft 19, 8. Mai 2015; https://www.aerzteblatt.de/pdf/112/19/m329.pdf (letzter Zugriff: 15.09.2017)

Apotheken-Umschau: Kehlkopfentzündung (Laryngitis), Stand 19.03.2015; http://www.apotheken-umschau.de/Kehlkopfentzuendung (letzter Zugriff: 15.09.2017)

Webseite der Ordination Dr. Brand: Kehlkopfentzündung; http://www.hno-arzt.wien/fachinformation/kehlkopfentzuendung/ (letzter Zugriff: 15.09.2017)

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