Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch

(Maridav / Shutterstock)

Für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch wird ein Medikament mit dem Wirkstoff Mifepriston, die sogenannte "Abtreibungspille", verabreicht. Mifepriston (Mifegyne®) ist ein Steroid, das ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Progesteron aufgebaut ist.

Mifepriston wirkt diesem entgegen, indem es seine Angriffspunkte besetzt, aber keine Hormonwirkung auslöst. Es verhindert also, dass Progesteron seine Wirkung entfalten kann. Progesteron wird vom Eierstock gebildet und verändert die Gebärmutterschleimhaut, sodass sich die befruchtete Eizelle einnisten und entwickeln kann.

Nach der Einnahme der Abtreibungspille wird, je nach Ursache des Schwangerschaftsabbruchs, eventuell ein weiteres Medikament (Prostaglandin-Analogon) eingenommen. Prostaglandin-Analoga wirken wehenauslösend – es kommt zu einem Abgang des Embryos, der Plazenta und der Gebärmutterschleimhaut.

Wann und wie wird die Abtreibungspille verabreicht?

Schwangerschaftsabbruch ohne medizinische Indikation

In Österreich ist es möglich, ohne medizinische Notwendigkeit für die Mutter oder das Kind einen Schwangerschaftsabbruch bis zum Ende des 3. Schwangerschaftsmonats (ca. 12.–13. Schwangerschaftswoche) vornehmen zu lassen. Diese Form der Abtreibung wird als Schwangerschaftsabbruch ohne medizinische Indikation bezeichnet.

Die Anwendung der Abtreibungspille beim medikamentösen Schwangerschaftsabbruch ohne medizinische Indikation darf nur bis zum 63. Tag nach der letzten Regelblutung erfolgen. Es sollte sichergestellt sein, dass eine Abtreibung wirklich gewünscht wird.

Daher muss die betroffene Frau zuvor von einem behandelnden Arzt über den Abbruch, dessen Auswirkungen und die möglichen Komplikationen aufgeklärt werden. Vor der Einnahme der Medikamente muss die betroffene Frau mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass sie den Schwangerschaftsabbruch tatsächlich wünscht.

Mifepriston wird in Tablettenform im Beisein eines Arztes eingenommen. Ab diesem Zeitpunkt kann die Austreibungsphase beginnen. Nach der Tabletteneinnahme muss die betroffene Frau etwa eine Stunde in der medizinischen Einrichtung bleiben.

36 bis 48 Stunden danach muss ein Prostaglandin-Analogon oral (über den Mund) oder als Vaginaltablette eingenommen werden. Auch diese Einnahme sollte medizinisch überwacht werden. 7 bis 21 Tage danach wird der Erfolg des Abbruchs mittels transvaginalen Ultraschalls überprüft.

Abbruch einer Schwangerschaft aus medizinischen Gründen

Der Schwangerschaftsabbruch aus medizinischen Gründen ist auch über das erste Schwangerschaftsdrittel hinaus möglich. Mifepriston dient dabei der Vorbereitung für die Wirkung von Prostaglandin-Analoga. Es wird in Tablettenform eingenommen, 36 bis 48 Stunden danach wird ein Prostaglandin-Analogon verabreicht. Die Verabreichung dieses Medikaments wird so oft wiederholt, bis der Abbruch abgeschlossen ist.

Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch

Mifepriston darf bis zum Ende der 9. Schwangerschaftswoche zum Zweck eines medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs verabreicht werden. Danach ist eine medikamentöse Abtreibung nicht mehr möglich; die Alternative ist der chirurgische Schwangerschaftsabbruch.

Chirurgischer Schwangerschaftsabbruch

Die Abtreibungspille kann zur Erweichung und Erweiterung des Muttermundes vor einer chirurgischen Abtreibung eingesetzt werden. Nachdem eine Tablette Mifepriston verabreicht wurde, erfolgt innerhalb von 36 bis 48 Stunden der chirurgische Schwangerschaftsabbruch.

Einleitung von Wehen nach dem Tod eines ungeborenen Kindes

Ist der Fötus in der Gebärmutter abgestorben, muss er etwa ab der 13. bis 14. Schwangerschaftswoche vaginal geboren werden. Dazu werden an zwei aufeinander folgenden Tagen Mifepriston-Tabletten verabreicht. Wenn innerhalb von 72 Stunden nach der ersten Tabletteneinnahme keine Wehen ausgelöst werden können, muss der Schwangerschaftsabbruch chirurgisch erfolgen – je nach Größe des Kindes über die Scheide oder über einen Bauchschnitt.

Wer darf Mifepriston verabreichen?

Die Abtreibungspille darf ausschließlich von Ärzten verordnet werden, die in einem Krankenhaus oder einem Zentrum mit offizieller Ermächtigung zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen tätig sind. Sie wird in Gegenwart des Arztes oder nach schriftlicher ärztlicher Anordnung in Gegenwart eines Angehörigen des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege verabreicht.

Welche Untersuchungen müssen vor einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden?

  • Ultraschalluntersuchung zur Begutachtung des Embryos und Ausschluss einer extrauterinen Schwangerschaft (v.a. Eileiterschwangerschaft)
  • Schwangerschaftstest
  • Blutprobe zur Bestimmung des Rhesusfaktors und zum Ausschluss von Erkrankungen, bei denen die Abtreibungspille nicht eingesetzt werden darf; wenn nötig, wird vor der Abtreibung eine Rhesus-Prophylaxe verabreicht, damit keine Antiköper gegen den Rhesusfaktor gebildet werden, was nachfolgende Schwangerschaften gefährden könnte.

Ist der Schwangerschaftsabbruch durch die Abtreibungspille zu 100% sicher?

Nein. In seltenen Fällen (1,3–7,5%) kann es sein, dass die Schwangerschaft bestehen bleibt oder der Schwangerschaftsabbruch nicht vollständig beendet werden kann. Deshalb muss die Frau nach ein bis drei Wochen unbedingt zu einer Kontrolluntersuchung gehen. Wenn die Schwangerschaft weiter besteht, kann sie chirurgisch entfernt werden.

Es ist nicht ausreichend bekannt, ob Mifepriston eine schädigende Wirkung auf den Embryo hat. Bleibt die Schwangerschaft trotz Abtreibungspille bestehen, wird daher ein chirurgischer Abbruch empfohlen – er ist aber nicht unbedingt notwendig.

Welche Komplikationen können beim medikamentösen Schwangerschaftsabbruch auftreten?

Durch die Einnahme von Mifepriston kommt es immer zu – teilweise sehr starken – Blutungen aus der Scheide. Daher muss vor allem bei Frauen mit Blutgerinnungsstörungen und Blutarmut (Anämie) die Sicherheit der Abtreibung durch die Abtreibungspille individuell abgeschätzt werden.

Frauen sollten nach einem Schwangerschaftsabbruch mit der Abtreibungspille keine weiten Reisen unternehmen. Der behandelnde Arzt sollte darüber informieren, wer kontaktiert werden soll, wenn sehr starke Blutungen auftreten. In diesem Fall wird eine Ultraschalluntersuchung vorgenommen, um einen unvollständigen Schwangerschaftsabbruch oder eine extrauterine Schwangerschaft (z.B. Eileiterschwangerschaft) ausschließen zu können.

War der Abtreibungsversuch vergeblich, wird der betroffenen Frau eine andere Methode für den Schwangerschaftsabbruch angeboten. Möchte sie keinen weiteren Versuch der Abtreibung vornehmen und ist der Eingriff aus medizinischen Gründen nicht notwendig, wird die Schwangerschaft mittels Ultraschall regelmäßig kontrolliert. Wird eine extrauterine Schwangerschaft entdeckt, wird diese behandelt.

Bleibt eine Blutung weiterhin bestehen, kann mit einer Kürettage (Ausschabung) nachbehandelt werden.

Welche Nebenwirkungen hat die Abtreibungspille?

Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Krämpfe der Gebärmutter treten sehr häufig, leichte bis moderate Magen- oder Darmkrämpfe sowie Infektionen (Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut, Beckenentzündungen) häufig auf. Schwere Nebenwirkungen an der Haut oder das Einreißen der Gebärmutter (Uterusruptur) durch ein Prostaglandin-Analogon und andere schwere Nebenwirkungen sind möglich.

Was ist nach dem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch zu beachten?

Nach einem Schwangerschaftsabbruch mit der Abtreibungspille ist es möglich, noch vor Einsetzen der nächsten Regelblutung wieder schwanger zu werden. Da dies eventuell nicht erwünscht ist und zusätzlich eine gewisse Zeit nach der Einnahme der Abtreibungspille eine fruchtschädigende Wirkung durch Mifepriston nicht auszuschließen ist, sollte mindestens bis zum Ende des nachfolgenden Monatszyklus das Eintreten einer Schwangerschaft durch entsprechende Verhütungsmaßnahmen verhindert werden.

Ein Schwangerschaftsabbruch kann für jede betroffene Frau psychisch belastend sein. Sowohl die Trauer über den Verlust eines Kindes als auch Selbstvorwürfe können auch noch Jahre nach dem Schwangerschaftsabbruch auftreten und lange bestehen bleiben. In diesen Fällen ist es wichtig, eine Person des Vertrauens zu kontaktieren, mit der es möglich ist, über den Schwangerschaftsabbruch und seine Folgen zu sprechen.

Wann darf Mifepriston nicht eingenommen werden?

  • bei (chronischem) Nierenversagen
  • bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile
  • bei schwerem, therapeutisch nicht kontrollierbarem Asthma
  • bei angeborener Porphyrie (Störung der Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin)
  • bei Leberversagen
  • von stillenden Frauen
  • bei Verdacht auf eine extrauterine Schwangerschaft (z.B. Eileiterschwangerschaft)
  • von unterernährten Frauen

Welche weiteren Gegenanzeigen bestehen für den Einsatz von Mifepriston?

Schwangerschaftsabbruch ohne medizinische Indikation

  • wenn eine Schwangerschaft nicht durch eine Ultraschalluntersuchung oder biologische Tests (Beta-hCG-Messung) bestätigt wurde
  • nach dem 63. Tag nach der letzten Regelblutung
  • bei Gegenanzeigen für die Einnahme von Prostaglandin-Analoga

Erweichung und Erweiterung des Muttermundes vor dem chirurgischen Abbruch

  • wenn eine Schwangerschaft nicht durch eine Ultraschalluntersuchung oder biologische Tests (Beta-hCG-Messung) bestätigt wurde
  • bei einer Schwangerschaft nach dem 84. Tag nach der letzten Regelblutung

Vorbereitung für die Wirkung von Prostaglandin-Analoga beim Abbruch einer Schwangerschaft aus medizinischen Gründen (nach dem ersten Drittel der Schwangerschaft)

  • bei Gegenanzeigen für die Einnahme von Prostaglandin-Analoga

Einleitung von Wehen beim Tod eines ungeborenen Kindes

  • wenn der Kopf des Kindes zu groß ist, um durch das Becken der Mutter geboren zu werden

Wann darf ein Prostaglandin-Analogon nicht verabreicht werden?

  • nach vorausgegangenem Kaiserschnitt oder anderen großen Operationen der Gebärmutter
  • wenn der Kopf des Kindes zu groß ist, um durch das Becken der Mutter geboren zu werden
  • bei Frauen, die öfter als sechsmal vaginal geboren haben

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Aktualisiert am:
Quellen

Weltgesundheitsorganisation, www.who.int (Zugriff: März 2012)
Austria-Codex online (Zugriff: März 2012)

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