Ausschabung

Von Andreas Hofmann
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Eine Ausschabung ist die operative Entfernung der Gebärmutterschleimhaut mit einem löffelartigen Instrument. Mediziner nennen diesen Eingriff auch Abrasio uteri oder Kürettage. Die Ausschabung der Gebärmutter kann unter anderem nach einer Fehlgeburt, bei Schwangerschaftsabbrüchen oder zu diagnostischen Zwecken bei Blutungsstörungen durchgeführt werden. Lesen Sie alles Wichtige über das Verfahren, wann es notwendig ist und welche Risiken es birgt.

Ausschabung

Was ist eine Ausschabung?

Die Ausschabung ist ein operativer Eingriff, bei dem der Frauenarzt die gesamte Gebärmutterschleimhaut oder Teile davon entfernt. Dazu benutzt er ein spezielles Instrument, eine Art Löffel mit einem stumpfen oder scharfen (schneidenden) Rand - die Kürette. Das Verfahren wird auch als Abrasion oder Curettage (Kürettage) bezeichnet.

Bei der "normalen" (unfraktionierten) Ausschabung wird die Schleimhaut aus Gebärmutterhals und -körper gemeinsam entfernt. Anders bei der fraktionierten Abrasio. Dabei entfernt der Arzt zunächst die Schleimhaut aus dem Gebärmutterhals und anschliessend getrennt davon die aus dem Gebärmutterkörper. Dadurch lässt sich beispielsweise eine Krebsdiagnose genauer einem bestimmten Ort in der Gebärmutter zuordnen.

Bei der Saugkürettage (Absaugung) wird das Gewebe aus der Gebärmutterhöhle mit Hilfe eines Gerätes, das Unterdruck erzeugt, abgesaugt. Diese Technik kommt häufig bei Schwangerschaftsabbrüchen zum Einsatz und ist meist schonender als die Ausschabung.

Wann führt man eine Ausschabung durch?

Eine Ausschabung kann aus diagnostischen oder therapeutischen Gründen (z.B. bei Fehlgeburt oder zur Abtreibung) durchgeführt werden.

Ausschabung zu diagnostischen Zwecken

Frauenärzte führen eine Abrasio oft zu diagnostischen Zwecken durch. Ein Pathologe untersucht die Schleimhaut nach der Gebärmutterausschabung dann mikroskopisch und kann so eventuelle Veränderungen der Zellen erkennen, die beispielsweise auf Krebs hinweisen.

Die fraktionierte Abrasio, bei der man die Schleimhäute der einzelnen Gebärmutterabschnitte getrennt untersucht, lässt Rückschlüsse auf den genauen Ort einer Zellveränderung zu – zum Beispiel bei Gebärmutterhalskrebs. Die Abrasion wird dann zusätzlich oft mit einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) kombiniert, um die Aussagekraft der Ausschabung weiter zu erhöhen.

Ausschabung bei Fehlgeburt und Frühgeburt

Oft notwendig ist der Eingriff nach einer Fehlgeburt (Abort). Wurde dabei nur ein Teil, aber nicht das gesamte Schwangerschaftsgewebe ausgestossen, können die verbliebene Reste (z.B. Plazenta) ernste Probleme verursachen: Anhaltende Blutungen und schwere Infektionen sind typische Risiken bei einem unvollständigen Abort. Die Abrasio ist daher grundsätzlich notwendig bei einer vor der 24. Schwangerschaftswoche erfolgten Fehlgeburt.

Ohne Ausschabung geht es meist, wenn eine Schwangere ihr Kind in der 24. Schwangerschaftswoche oder danach verliert. Man spricht dann aber nicht mehr von Fehlgeburt, sondern von Frühgeburt (oder intrauterinem Fruchttod). Wenn die Blutung nach einem solchen Abgang nachlässt, die Gebärmutter sich rasch zurückbildet und die Plazenta vollständig ausgestossen wurde, kann auf die Ausschabung in der Regel verzichtet werden. Nur wenn Zweifel daran bestehen, ob wirklich das gesamte Schwangerschaftsgewebe abgegangen ist, wird vorsichtshalber eine Kürettage gemacht.

Ausschabung nach Geburt

Nach einer Geburt bleiben sehr oft Teile des Mutterkuchens oder der Eihäute in der Gebärmutter zurück. Kann sich die Gebärmutter nicht richtig zusammenziehen, bluten diese Gewebereste. In der Regel helfen dann bestimmte Medikamente, durch die sich die Gebärmutter wieder zusammenzieht. Wirken diese jedoch nicht ausreichend, hilft nur noch eine Curettage der Schleimhaut. In schweren Fällen muss der Frauenarzt die Gebärmutter vollständig entfernen (Hysterektomie).

Ausschabung bei Blutungsstörungen

Auch vermehrte, verstärkte oder unregelmässige Regelblutungen sind mögliche Gründe für eine Ausschabung. Wechseljahre sind ein üblicher Zeitpunkt für das Auftreten von solchen Blutungsstörungen. Ursache können die Hormonstörungen oder gutartige Zellveränderungen in der Gebärmutterschleimhaut (zum Beispiel Polypen) sein. Auch Zwischenblutungen können eine Abrasion notwendig machen. Diese sind oft auf eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) zurückzuführen.

Ausschabung zum Schwangerschaftsabbruch

Ein operativer (instrumenteller, chirurgischer) Schwangerschaftsabbruch kann prinzipiell mittels Ausschabung erfolgen. In der Regel wählt man dafür aber die meist sanftere Methode der Absaugung (Saugkürettage).

Mehr zu den Methoden, dem Ablauf und den Risiken eines Schwangerschaftsabbruches erfahren Sie im Beitrag Abtreibung.

Was macht man bei einer Ausschabung?

Eine Ausschabung erfolgt üblicherweise in Vollnarkose. Wird etwa nur Gewebe aus dem Gebärmutterhals entfernt, kann dies auch unter lokaler Betäubung geschehen.

Ob eine Ausschabung ambulant erfolgen kann, hängt von der Einschätzung des Arztes und möglichen Begleiterkrankungen der Frau sowie der Art der Ausschabung ab. Generell entscheiden sich Gynäkologen nach Möglichkeit dafür, eine Ausschabung ambulant durchzuführen, um die Belastungen für die Patientinnen möglichst gering zu halten.

Die Ausschabung: Ablauf und Vorbereitung

Bei der Abrasion liegt die Patientin auf einem gynäkologischen Stuhl, wie er auch bei Vorsorgeuntersuchungen verwendet wird.

Nachdem der Operateur die Oberschenkel und den Intimbereich der Frau desinfiziert und teils mit einem sterilen Tuch abgedeckt hat, führt er spezielle Instrumente über die Scheide ein. Der Muttermund wird mit einem Instrument festgehalten, der Gebärmutterhals vorsichtig erweitert.

Dann trägt er mit der Kürette vorsichtig die Schleimhaut im Gebärmutterkörper und im Gebärmutterhals ab. Das abgetragene Gewebe wird aufgefangen, damit es je nach Bedarf genauer untersucht werden kann.

Welche Risiken birgt eine Ausschabung?

Blutungen, Infektionen und/oder Schmerzen treten nach einer Ausschabung häufig auf. Die Behandlung dieser Komplikationen hängt von ihrer Schwere ab.

Starke Blutung nach Ausschabung

Die Gebärmutter ist ein stark durchblutetes Organ. Daher besteht die Gefahr starker Blutungen nach Ausschabung der Schleimhäute. Grund kann sowohl ein zu tief gesetzter Schnitt oder zurückgebliebenes Restgewebe sein. Der Frauenarzt wird entscheiden, ob eine erneute Operation notwendig ist oder ob eine Blutstillung zum Beispiel mithilfe von Medikamenten (Hämostatika) ausreicht.

Wie lange Blutungen nach Ausschabung des Uterus andauern, hängt auch von möglichen Begleiterkrankungen ab, zum Beispiel von Blutgerinnungsstörungen.

Infektion und Perforation von Organen

Wie bei anderen Eingriffen auch erhöht sich nach einer Abrasio das Risiko einer Infektion der Wunde. Diese kann wiederum zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen, die der Arzt dann mit Antibiotika und kreislaufunterstützenden Medikamenten behandelt.

Die Verwendung von spitzen Küretten erhöht die Gefahr, dass der Arzt den Uterus oder auch andere Organe versehentlich durchstösst (Perforation). Über diesen Wundkanal können Keime in die Bauchhöhle aufsteigen und eine Entzündung verursachen.

Gebärmutterhalsschwäche

Im Rahmen einer Gebärmutterausschabung kann das Bindegewebe des Gebärmutterhalses so sehr verletzt werden, dass dieser bei einer darauffolgenden Schwangerschaft das Gewicht des Kindes nicht mehr ausreichend trägt (Gebärmutterhalsschwäche). Dadurch können Frühgeburten ausgelöst oder das Kind während der Geburt geschädigt werden.

Veränderte Menstruation nach Ausschabung

Vernarbungen nach einer Ausschabung im Bereich des Gebärmutterkörpers (Synechien) können zu Unfruchtbarkeit führen, indem sie das richtige Einnisten einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut verhindern. Symptome von Synechien sind eine ausbleibende oder seltenere Periode nach Ausschabung der Schleimhaut sowie Fehlgeburten in der Frühschwangerschaft.

Schmerzen nach Ausschabung

Gerade in den ersten Tagen können ziehende Unterleibsschmerzen nach Ausschabung der Gebärmutter auftreten. Diese ähneln meist den bekannten Menstruationsbeschwerden. Der Arzt kann dagegen Schmerzmittel verabreichen, um die Genesung nach der Kürettage zu unterstützen.

Was muss ich nach einer Ausschabung beachten?

Wenn Ihre Ausschabung ambulant erfolgt, können Sie nach einigen Stunden Überwachung in der Regel noch am selben Tag wieder nach Hause. Organisieren Sie sich im Vorfeld jemanden, der Sie abholt - unter dem Einfluss der Narkosemedikamente dürfen Sie nämlich nicht selbst Auto fahren.

Verhalten Sie sich vorsichtig nach einer Ausschabung der Gebärmutter - schonen Sie sich einige Tage. Das kann Komplikationen verhindern und die Genesung nach der Kürettage unterstützen.

Achten Sie in den Folgetagen auf Warnsymptomen für Komplikationen. Dazu zählen unter anderem plötzlich beginnende und stärker werdende Schmerzen, eine gespannte Bauchdecke, starke Blutungen, übelriechender und eitriger Ausfluss sowie Fieber und Schwäche. Bei Auftreten dieser Anzeichen sollten Sie schnellstmöglich Ihren Frauenarzt aufsuchen.

Mit Sport nach der Ausschabung des Uterus sollten Sie ein bis zwei Wochen warten, um das Risiko von Blutungen zu verringern. Besprechen Sie sich mit Ihrem Frauenarzt.

Zyklus nach Ausschabung

Im Grunde wird sowohl bei einer Abrasion als auch während der normalen Monatsblutung die Gebärmutterschleimhaut abgetragen. Der Eingriff ist jedoch schwerwiegender, weswegen die erste Periode nach Ausschabung des Uterus bis zu acht Wochen auf sich warten lassen kann. In dieser Zeit bildet sich langsam wieder die Schleimhaut in der Gebärmutter, und die Wundheilung wird abgeschlossen. Lassen Sie sich durch eine verzögerte Regelblutung nach Ausschabung des Gewebes also nicht beunruhigen. Bei Zweifeln können Sie sich aber an Ihren Frauenarzt wenden.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Bundesverband für ambulantes Operieren e.V.: "Gebärmutterausschabung (Kürettage oder Abrasio)", unter: www.operieren.de (Abruf: 12.01.2022)
  • Felberbaum, R. et al.: Facharztprüfung Gynäkologie und Geburtshilfe: in Fällen, Fragen und Antworten, Urban & Fischer Verlag / Elsevier, 3. Auflage, 2020
  • Gätje, R. et al.: Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, Thieme, 2. Auflage, 2015
  • Kaufmann, M. et al.: Die Gynäkologie, Springer, 3. Auflage, 2013
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 12.01.2022)
  • S3-Leitlinie "Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom", Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (Stand: Mai 2021)
  • Weyerstahl, T. & Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2013
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