Prostata (Vorsteherdrüse)

Prostata Funktion
Prostatakrebs ist die häufigste Krebsform bei Männern. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. (Jan-Otto / iStockphoto)

Die meisten Männer interessieren sich erst für sie, wenn sie Probleme macht - die Prostata. Sie zählt zu den Geschlechtsorganen des Mannes und ist bei der Zeugung der Kinder nicht weniger wichtig als der Penis und dennoch wird oft wenig über sie gesprochen.

Kurzfassung:

  • Die Prostata wird auch Vorsteherdrüse genannt und liegt etwa unterhalb der Harnblase beim Mann. 
  • Sie produziert den Großteil der männlichen Samenflüssigkeit und ist nicht unerheblich am männlichen Orgasmus beteiligt.
  • Mit dem Alter wird die Prostata  größer und kann in manchen Fällen zu Problemen, wie häufiges Waserlassen, Harnwegsinfekte oder einer Harnverhaltung, führen.
  • Männer ab 45 Jahren sollten jährlich zur Prostatavorsorge gehen, um mögliche Erkrankungen (z.B. Prostatakrebs) frühzeitig erkennen und behandeln zu können. 

Sogar wenn Beschwerden auftreten und das Wasserlassen zur Qual wird, besucht nur ein Drittel der Betroffenen den Arzt. Für die meisten Männer ist die Prostata ein Tabuthema, über das nicht gesprochen wird. Es wäre aber höchste Zeit, das Schweigen zu brechen und regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Denn Prostatakrebs zählt noch vor Lungenkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern.

Was ist die Prostata?

Die Prostata wird auch Vorsteherdrüse genannt und ist ein muskulöses, drüsenartiges Organ. Sie liegt etwa unterhalb der Harnblase und umschließt den Anfangsbereich der Harnröhre bis zum Beckenboden des Mannes. Die Samenleiter, die von den Hoden ausgehen, münden in die Prostata. Durch die Prostata verläuft zudem der paarige angelegte Spritzkanal, durch den auch der Großteil des männlichen Ejakulats druchfließt.

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Was ist die Aufgabe der Prostata?

Erst recht spät, im 18. Jahrhundert, gelang es dem italienischen Arzt Giovanni Battista Morgagni, den korrekten Aufbau und die Funktion der Prostata darzustellen. Zuvor hatten sich Allroundgenie Leonardo da Vinci und der berühmte Anatom Vesalius (1538) vergeblich den Kopf über die Aufgabe dieses Organs zerbrochen - ihre Mutmaßung, die Drüse sei eine "Urinfabrik", lag bedeutend daneben: Durch das Zusammenziehen von Prostatamuskeln entleert die Prostata ihr Sekret explosionsartig in die Harnröhre und befördert Spermien aus dem Hoden im Strahl hinaus. Die rhythmischen Kontraktionen von Beckenboden und Prostata sind dabei nicht unerheblich am männlichen Orgasmus beteiligt.

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Nährlösung für Samenzellen

Die Prostata (40%) liefert zusammen mit den Bläschendrüsen (55%) den größten Anteil am Volumen der Samenflüssigkeit. Ihr Sekret ist die Nährlösung für Samenzellen und enthält alles, was diese auf ihrem beschwerlichen Weg zur Eizelle brauchen:

  • Fruchtzucker zur Verpflegung
  • Wasser, um darin zu schwimmen
  • Basen, welche die Spermien aus ihrer säurestarre im Hoden erweckt

Dazu erhalten Samenzellen folgende Mineralstoffe:

Nur wenn Prostata und Bläschendrüsen für die richtige Mischung im Ejakulat sorgt, ist die Fruchtbarkeit des Mannes gewährleistet.

Von der Kastanie zum Pfirsich

Die unangenehme Eigenschaft der Prostata ist, dass sich ihr Gewebe und ihre Größe mit der Zeit verändert. Hat sie bei jungen Männern etwa die Größe einer Kastanie, leben die meisten älteren Herren bereits eher mit einer pfirsichgroßen Prostata. Schon ab einem Alter von 30 Jahren kann sie an Volumen zunehmen.

Bei über 90 Prozent der 80-Jährigen und der Hälfte aller 70-Jährigen hat die Prostata allerdings dann schon eine Größe erreicht, die Probleme macht: Ihr Wachstum verengt die Harnröhre, die mitten durch sie hindurchführt. In der Folge wird der Harnstrahl immer schwächer, schließlich lässt das angeschwollene Organ den Urin nur noch tröpfchenweise hinaus.

Dadurch kommt es zu häufigem Wasserlassen insbesondere auch in der Nacht und im schlimmsten Fall zum kompletten Harnverhalt oder auch zu einem Verlust der Nierenfunktion. Den betroffenen Männern bleibt nichts anderes übrig, als sich mehrmals täglich mit Hilfe eines Katheters zu erleichtern oder operieren zu lassen. Darüber hinaus kommt es durch den Harnstau in Prostata und Blase zu ständigen Entzündungen (Harnwegsinfektion, Prostatitis).

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Wie kann man einer Prostatavergrößerung entgegenwirken?

Zur Verfügung stehen pflanzliche Präparate (Extrakte aus Sabalfrucht, Brennesselwurzel, Roggenpollen, Kürbissamen sowie Beta-Sitosterin) und pharmazeutische Arzneimittel (Alpha-Rezeptorenblocker, 5a-Reduktasehemme). Bei milden Symptomen ist für  Zubereitungen aus Sabalfrucht-Extrakt (Sägepalme) eine Wirkung nachgewiesen.

Bei stärkeren Beschwerden sollte nach Abklärung durch einen Urologen jedoch unbedingt eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden, da es sonst zu irreversiblen Veränderungen der Blase kommen kann.

Prostatakrebs bei jedem 10. Mann

Ein weiterer wichtiger Grund dafür, seine Prostata nicht zu ignorieren, ist die Krebsgefahr, die von ihr ausgeht. Die bösartige Form der Prostataerkrankung, das Prostatakarzinom, ist der häufigste Krebs bei Männern und mit 120 Neuerkrankungen pro 100.000 Männern und Jahr alles andere als selten.

Jeder zehnte Mann wird in seinem Leben mit der Diagnose "Prostatakrebs" konfrontiert, bei einem Drittel davon führt die Erkrankung zum Tode. Erschreckende Zahlen - trotzdem ist das Prostatakarzinom noch einer der "angenehmsten" Vertreter seiner Art.

Es wächst im Allgemeinen so langsam, dass Betroffene auch ohne Behandlung noch durchschnittlich 10-15 Jahre mit dem Tumor leben können. Zudem ist die Krebstherapie aufgrund der Häufigkeit des Tumors schon sehr weit fortgeschritten, zahlreiche wirksame Behandlungen stehen zur Verfügung.

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Jährlich zum Prostata-Check

Solange noch keine Nachbarorgane befallen sind, betragen die Heilungschancen durch eine Operation oder Strahlentherapie über 90 Prozent, manche sehr langsam wachsende Tumoren kann man auch nur durch "Aktives Überwachen" behandeln. Den anderen zehn Prozent hilft die Therapie auch ohne völliges Verschwinden des Tumors zu einer annähernd normalen Lebensspanne. Derartig gute Chancen im Kampf gegen den Krebs haben jedoch nur jene Männer, die rechtzeitig von ihrer Krankheit erfahren. Jährliche Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen sollten daher für jeden Mann ab 45 selbstverständlich sein.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Dr. Erik Randall Huber, FEBU, FECSM

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Barbara I. Tshisuaka: Gosset, Antoine Louis Charles Sébastien. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005

Uwe Gille: Harn- und Geschlechtssystem, Apparatus urogenitalis. In: Franz-Viktor Salomon et al. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke-Verlag, Stuttgart 2008, 2. Aufl., S. 389–403.

AWMF-Leitlinie "Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms" (Stand: 2016, derzeit in Überarbeitung) http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022OLl_S3_Prostatakarzinom_2016-12.pdf (Online, letzter Zugriff: 29.01.2018)

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