Prostatakrebs

Von 
und , Wissenschaftsjournalistin
Aktualisiert am
Dr. med. Fabian Sinowatz

Dr. med. Fabian Sinowatz ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

Alle NetDoktor-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Prostatakrebs (Prostatakarzinom) ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Der bösartige Tumor in der Vorsteherdrüse verursacht anfangs keine Symptome. Deshalb wird er oft erst später entdeckt. Männer sollten deshalb regelmäßig zur Früherkennungsuntersuchung gehen: Die Heilungschancen bei Prostatakrebs sind umso besser, je frühzeitiger der bösartige Tumor entdeckt und behandelt wird. Lesen Sie hier mehr über Ursachen und Symptome bei Prostatakrebs, Diagnostik, Therapiemöglichkeiten und Prognose.

Prostatkrebs

Kurzübersicht

  • Was ist Prostatakrebs? Eine bösartige Wucherung in der Vorsteherdrüse (Prostata) und eine der häufigsten Krebserkrankung bei Männern.
  • Symptome: anfangs oft keine, später unspezifische Beschwerden wie Schmerzen beim Urinieren und Ejakulieren, Blut im Urin und/oder in der Samenflüssigkeit, Erektionsprobleme
  • Ursachen: nicht genau bekannt; mögliche Risikofaktoren sind vor allem höheres Alter und genetische Veranlagung
  • Diagnose: Erhebung der Krankengeschichte, Tastuntersuchung, Blutuntersuchung (PSA-Wert), Ultraschall, evtl. Kernspintomografie, Analyse einer Gewebeprobe (für eine sichere Diagnose). Bei bestätigtem Prostatakarzinom weitere Untersuchungen, wie Computertomografie.
  • Behandlung: Im Frühstadium eventuell nur "aktive Überwachung". Ansonsten Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie und/oder Hormontherapie.
  • Zuständiger Facharzt: Urologe
  • Prognose: Bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung gute Heilungschancen. Hat der Krebs bereits gestreut, sinkt die Lebenserwartung erheblich.

Prostatakrebs: Beschreibung

Prostatakrebs (Prostatakarzinom, kurz: Prostata-Ca, PCa) ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz die häufigste Krebserkrankung bei Männern (und die dritthäufigste tödlich verlaufende Tumorerkrankung in Europa): Pro Jahr erkranken in Europa etwa 376.000 Männer neu an einem bösartigen Tumor in der Vorsteherdrüse. Das Risiko für ein Prostatakarzinom steigt vor allem mit dem Alter. Vor dem 50. Lebensjahr tritt Prostatakrebs nur selten auf.

Prostatakrebs darf nicht verwechselt werden mit der gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie), die ebenfalls meist nach dem 50. Lebensjahr auftritt, und zwar mit steigendem Alter immer öfter: Bei Männern zwischen 50 und 59 Jahren sind zwei von zehn davon betroffen, bei Männern über 70 Jahre schon sieben von zehn.

Anatomie und Funktion der Prostata

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist etwa so groß wie eine Kastanie. Sie liegt unterhalb der Harnblase und umschließt vollständig den oberen Teil der Harnröhre. Ist die Prostata vergrößert (wie bei der gutartigen Prostatavergrößerung sowie bei Prostatakrebs) und drückt die Harnröhre zusammen, kann es zu Problemen beim Wasserlassen kommen.

Die Prostata gehört zu den männlichen Fortpflanzungsorganen. Ihre Hauptaufgabe ist es, ein Sekret zu bilden, das der Samenflüssigkeit beim Samenerguss (Ejakulation) beigemengt wird. Ein Bestandteil dieses Sekrets ist das sogenannte prostataspezifische Antigen, kurz PSA. Dieses Enzym macht die Samenflüssigkeit dünnflüssiger. Das PSA wird ausschließlich von der Prostata gebildet. Seine Bestimmung wird für die Diagnose und Verlaufsbeurteilung von Prostatakrebs herangezogen.

Prostatakrebs: Symptome

Bei vielen Männern entwickelt sich ein Prostatakarzinom, ohne dass sie zunächst überhaupt etwas davon bemerken. Erst in späteren Erkrankungsstadien machen sich Prostatakrebs-Symptome bemerkbar - nämlich dann, wenn sich der Tumor auf benachbarte Regionen wie Harnblase, Mastdarm oder Steißbeinwirbelsäule ausgebreitet hat. Anzeichen für Prostatakrebs können sein:

  • Probleme bei der Blasenentleerung, z.B. Schmerzen beim Wasserlassen, schwacher oder unterbrochener Harnstrahl, Harnverhalt (= Unfähigkeit, die Blase spontan zu entleeren)
  • Schmerzen beim Samenerguss, verminderter Samenerguss
  • Erektionsprobleme (verminderte Erektion oder Impotenz)
  • Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit
  • Schmerzen im Bereich der Prostata
  • Probleme beim Stuhlgang
  • Schmerzen im unteren Rücken, in Becken, Hüfte oder Oberschenkeln

Diese Symptome sind nicht eindeutig für Prostatakrebs, sondern können auch andere Ursachen haben! So können etwa Probleme beim Wasserlassen auch durch eine gutartige Prostatavergrößerung und Rückenschmerzen durch Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule entstehen - beides keine Seltenheit bei Männern im höheren Alter.

Wenn Sie unter einigen der oben genannte Beschwerden leiden, sollten Sie also nicht gleich von einem Prostatakarzinom ausgehen. Es ist aber auf alle Fälle ratsam, sich von einem Urologen untersuchen zu lassen. Er kann Ihnen sagen, ob Sie tatsächlich an Prostatakrebs erkrankt sind oder nicht. Wenn ja, wird er umgehend eine Behandlung einleiten, damit Sie möglichst schnell wieder gesund werden.

Prostatakrebs: Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache von Prostatakrebs ist nicht bekannt. Mittlerweile wurden aber einige Faktoren identifiziert, die das Erkrankungsrisiko für Prostatakrebs erhöhen können:

Alter

Ein höheres Lebensalter ist der wichtigste Risikofaktor für Prostatakrebs. Vor dem 50. Lebensjahr tritt der bösartige Prostatatumor fast nie auf. Im höheren Alter steigt dagegen das Erkrankungsrisiko, und zwar mit zunehmendem Alter: So erkrankt etwa in der Altersgruppe der 45-Jährigen einer von 270 Männern in den nächsten zehn Jahren an einem Prostatakarzinom. Bei der Gruppe der 75-Jährigen passiert dies bereits einem von 17 Männern.

Genetische Veranlagung

Männer, die enge Blutsverwandte (Großvater, Vater, Onkel und/oder Bruder) mit Prostatakrebs haben/hatten, weisen ein erhöhtes Risiko auf, ebenfalls daran zu erkranken - besonders, wenn mehr als ein Blutsverwandter betroffen ist (z.B. Vater und Bruder). Auch wenn weibliche Vorfahren (z.B. Mutter, Großmutter) wiederholt an Brustkrebs erkrankt sind, besteht für männliche Nachkommen ein erhöhtes Prostatakrebs-Risiko.

Insgesamt ist ein solcher familiär bedingter Prostatakrebs aber selten - 90 bis 95 Prozent aller Prostatakarzinome entstehen vermutlich "spontan" (ohne vererbbare Risikogene).

Ethnische Faktoren

Vergleicht man die Neuerkrankungsraten für Prostatakrebs verschiedener Länder, zeichnet sich global ein Ost-West-Gefälle ab - mit verhältnismäßig viele Erkrankungsfällen in den USA (besonders unter Afroamerikanern) und eher wenigen Fällen in Asien. Innerhalb von Europa zeigt sich ein Nord-Süd-Gefälle - Nordeuropäer erkranken häufiger an Prostatakrebs als Südeuropäer.

Die Gründe dafür liegen wahrscheinlich in unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten (z.B. bevorzugt fettreiche, tierische Kost in den USA vs. getreide- und gemüsereiche Kost mit viel Soja in Asien) und sozioökonomischen Faktoren. Möglicherweise spielen auch genetische Faktoren eine Rolle.

Ernährung, Testosteron, Sex, Rauchen, Alkohol, Entzündungen?

Experten untersuchen schon länger einen möglichen Zusammenhang zwischen Ernährung und Prostatakrebs-Risiko. Untersuchungen zufolge könnten sogenannte Phytoöstrogene (pflanzliche Östrogene, v.a. jene in Soja) sowie Lycopin (ein sekundärer Pflanzenstoff, der v.a in Tomaten enthalten ist) möglicherweise das Erkrankungsrisiko senken. Allerdings reichen die vorliegenden Daten bislang nicht für spezifische Ernährungsempfehlungen zur Vorbeugung von Prostatakrebs aus.

Früher dachte man, dass das männliche Sexualhormon Testosteron das Risiko für Prostatakrebs erhöht. Diese Ansicht gilt heute als überholt. Richtig ist aber, dass der bösartige Tumor testosteronabhängig wächst. Das heißt: Testosteron fördert das Wachstum eines bereits bestehenden Prostatakarzinoms - es löst den Krebs aber nicht aus.

Männer, die aufgrund einer Unterfunktion der Hoden unter Testosteronmangel leiden und keinen Prostatakrebs haben, können ohne weiteres eine Hormonersatztherapie erhalten - also Testosteron als Spritze oder Pflaster dem Körper zuführen. Das erhöht nach derzeitigem Wissensstand nicht das Risiko für Prostatakrebs.

Als widerlegt gilt auch die Vermutung, dass Geschlechtsverkehr das Prostatakrebs-Risiko beeinflusst: Egal, ob ein Mann keinen, wenig oder viel Sex hat - nach derzeitigem Forschungsstand hat dies keinerlei Einfluss auf das Erkrankungsrisiko.

Studien zufolge könnte es einen zumindest schwachen Zusammenhang zwischen Prostatakrebs und Tabakkonsum geben. Das muss aber noch weiter erforscht werden. Eine Verknüpfung scheint auch mit Alkoholkonsum zu bestehen (zumindest mit hohem Alkoholkonsum).

Ebenfalls erforscht wird die Bedeutung von lokalen entzündlichen Prozessen für die Entstehung von Prostatakrebs. Möglicherweise können sexuell übertragbare Erkrankungen sowie Prostataentzündung (Prostatitis) das Risiko für ein Prostatakarzinom erhöhen.

Prostatakrebs: Untersuchungen und Diagnose

Je früher Prostatakrebs erkannt wird, desto besser ist er behandelbar. Viele Betroffene werden auf den bösartigen Tumor aber erst aufmerksam, wenn er bereits weiter fortgeschritten ist - vorher verursacht er in vielen Fällen keine Symptome. Deshalb sollten Männer unbedingt regelmäßig zur Prostatakrebs-Vorsorge gehen: Ab dem 45. Lebensjahr hat jeder krankenversicherte Mann einmal im Jahr Anspruch auf eine kostenlose Tastuntersuchung der Prostata durch den Enddarm (digital-rektale Untersuchung).

Prostatakrebs-Vorsorge

Den Anfang bildet ein Gespräch: Der Arzt fragt allgemein nach gesundheitlichen Beschwerden (Probleme beim Wasserlassen, Verstopfung, hoher Blutdruck, Erektionsprobleme etc.) sowie nach eventuellen Vorerkrankungen und der Anwendung von Medikamenten. Er erkundigt sich auch, ob Fälle von Prostatakrebs in der Familie des Mannes bekannt sind.

Dann folgt die Tastuntersuchung: Der Arzt tastet mit einem Finger über den Enddarm die Prostata des Mannes ab (digital-rektale Untersuchung, DRU). Manche Männer empfinden die Untersuchung als peinlich, sie ist aber vollkommen schmerzfrei und sehr wichtig: Es lassen sich damit sowohl eine Vergrößerung als auch knotige Verhärtungen der Vorsteherdrüse ertasten, sofern diese ein bestimmtes Maß überschreiten.

Das heißt: Die digital-rektale Untersuchung kann Hinweise auf größere Veränderungen der Vorsteherdrüse geben. Diese Veränderungen können durch ein bereits fortgeschrittenes Prostatakarzinom bedingt sein (im Frühstadium sind Veränderungen noch nicht tastbar) oder aber eine harmlosere Ursache haben. Das lässt sich nur durch weitere Untersuchungen klären.

Manchmal wird auch die Bestimmung des PSA-Wertes (siehe unten) zur Früherkennung von Prostatakrebs angeboten. Diese Untersuchung muss dann aber aus eigener Tasche bezahlt werden.

Prostatakrebs-Diagnose

Wer mögliche Symptome für Prostatakrebs bei sich entdeckt, sollte unbedingt zum Arzt gehen. Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf Prostatakrebs ist der Facharzt für Urologie. Er wird sich zunächst mit dem Patienten unterhalten, um dessen Krankengeschichte zu erheben (Anamnese). Dazu kann der Arzt beispielsweise fragen:

  • Gibt es in Ihrer Familie Fälle von Prostatakrebs oder Brustkrebs?
  • Haben Sie Probleme beim Wasserlassen?
  • Treten beim Samenerguss (Ejakulation) Schmerzen auf?
  • Haben Sie Erektionsprobleme?
  • Haben Sie in letzter Zeit ungewollt an Gewicht verloren?
  • Hatten Sie in letzter Zeit Fieber oder Nachtschweiß?
  • Wie ist Ihre allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit?
  • Haben Sie Probleme mit der Verdauung?
  • Ist Ihnen Blut im Urin oder im Stuhl aufgefallen?
  • Spüren Sie Schmerzen im unteren Rücken ("Ischiasschmerz")?

An das Gespräch schließt sich eine körperliche Untersuchung an: Durch Prostatakrebs können Hoden und Lymphknoten anschwellen. Deshalb wird der Arzt die entsprechenden Bereiche abtasten.

Anschließend erfolgt die digital-rektale Tastuntersuchung (siehe oben: Prostatakrebs-Vorsorge).

PSA-Wert

Heute wird zusätzlich zur Tastuntersuchung oft ein bestimmter Wert im Blut bestimmt: der PSA-Wert. Das PSA (Prostata-spezifische Antigen) ist ein Eiweiß, das fast ausschließlich von den Prostatazellen gebildet wird und normalerweise nur in geringen Mengen ins Blut übertritt. Erhöhte Blutwerte sprechen daher für eine erhöhte Aktivität des Prostatagewebes - wie etwa bei Prostatakrebs.

Der PSA-Wert wird daher zur Früherkennung bzw. Diagnose von Prostatakrebs verwendet sowie zur Verlaufskontrolle bei bestätigter Diagnose. Dabei gilt:

Als Kontrollparameter zur Verlaufsbeurteilung nach der Behandlung von Prostatakrebs ist der PSA-Wert unbestritten sinnvoll. Sein Nutzen in der Früherkennung wird allerdings kontrovers diskutiert. Der Grund: Mittels PSA-Wert werden auch Zellveränderungen der Prostata festgestellt, die sich sonst wahrscheinlich nie bemerkbar gemacht und nicht zu Prostatakrebs geführt hätten. Das Testergebnis bedeutet für die betroffenen Männer also eine unnötige seelische Belastung und eine unnötige Behandlung.

Mehr über die Interpretation und Bedeutung des Prostataspezifischen Antigens lesen Sie im Beitrag PSA-Wert.

Transrektaler Ultraschall (TRUS)

Neben der rektalen Tastuntersuchung und der Bestimmung des PSA-Werts sind meist weitere Untersuchungen nötig, um die Diagnose Prostatakrebs stellen zu können. Dazu gehört der Transrektale Ultraschall (TRUS). Dabei wird die Prostata mittels einer Ultraschalluntersuchung über den Enddarm begutachtet. Der Arzt kann so die Größe und Gestalt der Vorsteherdrüse genauer beurteilen.

Darüber hinaus kann der transrektale Ultraschall genutzt werden, um die Entnahme einer Gewebeprobe aus der Prostata (siehe unten) zu steuern.

Magnetresonanztomografie (MRT)

Manchmal wird als bildgebendes Verfahren bei der Abklärung eines Prostatakrebs-Verdachts auch die Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) eingesetzt. Sie liefert wesentlich detailliertere Bilder als die transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS).

Dabei sollte eine besondere Variante von MRT zur Anwendung kommen - multiparametrisches MRT (mpMRT) genannt. Sie kombiniert eine Magnetresonanztomografie mit mindestens zwei weiteren Aufnahmeverfahren. Das kann zum Beispiel eine Perfusionsbildgebung (PWI) sein. Hierbei werden mit Hilfe eines Kontrastmittels der Blutfluss und die Blutversorgung in der Prostata auf den MRT-Bildern deutlicher sichtbar gemacht.

Gewebe-Entnahme aus der Prostata

Wenn die vorangehenden Untersuchungen (rektale Untersuchung, PSA-Messung, Ultraschall) Hinweise auf Prostatakrebs ergeben, muss als Nächstes eine Gewebeprobe aus der Prostata entnommen und im Labor genau untersucht werden (Prostatabiopsie). Erst dann lässt sich mit Gewissheit sagen, ob tatsächlich Prostatakrebs vorliegt oder nicht.

Die Gewebeprobe gewinnt der Arzt mittels Stanzbiopsie: Eine dünne Hohlnadel schießt blitzartig ins Gewebe und entnimmt aus den verschiedenen Bereichen der Prostata jeweils eine Gewebezylinder - insgesamt sind es in der Regel zehn bis zwölf Gewebezylinder. Das Ganze erfolgt unter Ultraschallkontrolle über den Enddarm (transrektaler Ultraschall, TRUS) und nach Einspritzen eines schmerzstillenden Medikaments ins Gewebe - die Biospie ist daher mit keinen oder höchtstens geringen Schmerzen für den Patienten verbunden.

Es besteht durch die Gewebeentnahme nicht die Gefahr, dass Krebszellen im umliegenden Gewebe verstreut werden. Der Eingriff könnte aber eine lokale Entzündung auslösen. Deshalb erhält der Patient vorbeugend Antibiotika am Tag des Eingriffs und eventuell für einige weitere Tage.

Die systematische Entnahme von Gewebezylindern aus den verschiedenen Bereichen der Prostata wird systematische Biopsie genannt. Eine andere Möglichkeit ist die gezielte Biopsie: Sie wird vor allem bei Patienten empfohlen, bei denen man im Vorfeld die Prostata mittels MRT - genauer mpMRT (siehe oben) - untersucht hat. Die dabei identifizierten auffälligen Stellen sollen dann gezielt biopsiert werden. Dabei kann die Gewebeentnahme auch während der mpMRT-Untersuchung erfolgen.

Untersuchung der Gewebeproben

Die Gewebeproben aus der Prostata werden von einem Pathologen unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht (histopathologische Untersuchung). Dabei lässt sich auch erkennen, wie stark die Krebszellen im Vergleich zu normalem Prostatagewebe verändert (entartet) sind.

Das Ausmaß der Entartung wird durch den sogenannten Gleason-Score festgestellt. Er gibt an, wie sehr die Tumorzellen vom gesunden Gewebe abweichen. Nach einer bestimmten Methode werden Punkte vergeben und am Schluss der Score berechnet. Er kann zwischen zwei und zehn liegen, wobei gilt: Je höher der Gleason-Score, desto aggressiver ist der Tumor und desto schlechter sind die Prostatakrebs-Heilungschancen.

Eine weitere Möglichkeit der Tumor-Klassifikation ist das TNM-System.

Prostatakrebs: Stadieneinteilung

Sollte sich durch die histopathologische Untersuchung der Gewebeproben der Verdacht auf ein Prostatakarzinom bestätigen, muss die Ausbreitung des Tumors im Körper untersucht werden. So lässt sich feststellen, in welchem Stadium sich der Prostatakrebs befindet (Staging). Davon hängt nämlich die individuelle Therapieplanung ab.

Bei der Stadieneinteilung helfen verschiedene Untersuchungen - welche davon im Einzelfall nötig und sinnvoll sind, entscheidet der Arzt. Mögliche Untersuchungen der Ausbreitungsdiagnostik sind etwa:

  • Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT): Sie kann vergrößerte Lymphknoten im Becken - ein möglicher Hinweis auf einen Befall mit Krebszellen - sichtbar machen, ebenso wie weiter entfernte Tochterabsiedelungen. Eine Alternative zur MRT ist die Computertomografie (CT).
  • Skelettszintigrafie (Knochenszintigrafie): Mit dieser nuklearmedizinischen Untersuchung kann der Art herausfinden, ob der Prostatakrebs bereits Metastasen in den Knochen gebildet hat.
  • PSMA-PET/CT: Die detaillierte Bildgebung mittels Computertomografie (CT) wird hier mit der Positronenemissionstomografie (PET) kombiniert - einem Verfahren, das die Stoffwechselaktivität von Zellen sichtbar macht (Krebszellen sind stoffwechselaktiver als gesunde Zellen). Dazu spritzt man dem Patient eine für den Zellstoffwechsel wichtige Substanz, die man radioaktiv markiert hat (Tracer) - in diesem Fall radioaktiv markiertes prostata-membran-spezifisches Antigen (PSMA). Mit dieser Technik lassen sich Prostatakrebs-Metastasen mit höherer Genauigkeit nachweisen als mit einer Kombination aus Computertomografie und Skelettszintigrafie.
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraums: Sie dient etwa dazu, mögliche Prostatakrebs-Metastasen in der Leber aufzuspüren. Auch ein eventueller Harnstau durch Druck des Tumors auf die Harnröhre ist im Ultraschall erkennbar.

Prostatakrebs: Klassifikation

Zur genauen Beschreibung des Krankheitsstadiums bei Prostatakrebs wird der Tumor klassifiziert. Dazu können Mediziner den oben erwähnten Gleason-Score oder aber das sogenannte TNM-System verwenden. Dabei beschreibt T die Tumorgröße, N den Lymphknotenbefall und M das Vorhandensein von Tochtergewschülsten (Metastasen) in anderen Körperregionen. Alle drei Parameter bekommen je nach Ausprägung beim Patienten eine Zahl zugeordnet:

  • So steht T1 für ein kleines Prostatakarzinom, das keine Beschwerden bereitet und weder tastbar noch in der Bildgebung sichtbar ist, sondern nur mittels Biopsie entdeckt wurde. Am anderen Skalenende steht T4 für einen weit fortgeschrittenen Tumor, der in das Gewebe rund um die Prostata (z.B. den Enddarm) eingewachsen ist.
  • Für den N-Wert sind zwei Ausprägungen möglich: N0 steht für "keine Lymphknoten befallen" und N1 für "regionale Lymphknoten enthalten Krebszellen".
  • Auch für den M-Wert sind die Ausprägungen 0 (keine Metastasen) und 1 (Metastasen vorhanden) möglich.

Prostatakrebs: Behandlung

Wie die Prostatakrebs-Behandlung im Einzelfall aussieht, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind vor allem das Stadium der Krebserkrankung und das Alter des Patienten. Auch andere Faktoren wie eventuelle Begleiterkrankungen sowie Therapiewünsche des Patienten (zum Beispiel Ablehnung einer Chemotherapie) wird der Arzt möglichst berücksichtigen.

Sofern der Krebs noch nicht zu weit fortgeschritten ist, zielt die Behandlung auf eine vollständige Heilung ab (kurative Therapie). Dazu kann der individuelle Therapieplan beispielsweise eine Operation, eine Bestrahlung von außen bzw. von innen, eine Hormontherapie und/oder Chemotherapie umfassen. Hat sich der Prostatakrebs für eine vollständige Heilung schon zu weit im Körper ausgebreitet, dient die Behandlung dazu, Beschwerden zu lindern und die Überlebenszeit des Patienten möglichst zu verlängern (palliative Therapie).

Wächst der Tumor nicht oder nur sehr langsam, bereitet er keine Beschwerden und ist der Patient bereits im fortgeschrittenen Alter, kann man vorerst auf eine Behandlung verzichten und den Tumor lediglich regelmäßig durch einen Arzt kontrollieren lassen.

Welche Therapie wann sinnvoll ist und welche Nebenwirkungen die einzelnen Behandlungsformen mit sich bringen können, lesen Sie im Beitrag Prostatakrebs - Behandlung.

Prostatakrebs: Nachsorge

Wie bei jeder Krebserkrankung schließen sich an die eigentliche Behandlung Nachsorgeuntersuchungen an. Sie haben zwei Ziele:

  1. Ein Wiederauftreten des Prostatakarzinoms (Rezidiv) so früh wie möglich zu erkennen. Dabei helfen eine körperliche Untersuchung sowie Blutuntersuchungen (wie die Bestimmung des PSA-Werts).
  2. Mögliche Folgen und Nebenwirkungen der Prostatakrebs-Behandlung gezielt zu behandeln. Leidet etwa ein Mann infolge der Prostata-Operation an Impotenz (Erektile Dysfunktion) oder kann er den Urin nicht mehr halten (Harninkontinenz), kann man dies in der Nachsorge mit Medikamenten beziehungsweise einem Inkontinenztraining behandeln.

Die Nachsorge soll spätestens zwölf Wochen nach ABschluss der Prostatakrebs-Behandlung beginnen. In den ersten beiden Jahren sollten die Nachsorgeuntersuchungen vierteljährlich erfolgen, im 3. und 4. Jahr halbjährlich. Ab dem 5. Jahr wird eine einmal jährliche Prostatakrebs-Nachsorge empfohlen. Die Untersuchungen sollten nach Möglichkeit bei einem Urologen erfolgen, der Erfahrung in der Betreuung von Krebspatienten hat (onkologische Schwerpunktpraxis).

Prostatakrebs: Krankheitsverlauf und Prognose

Prostatakarzinom wächst oft nur langsam und lässt sich gut behandeln, weshalb die Prognose im Allgemeinen günstig ist. Es gibt aber auch Fälle, in denen sich der Tumor sehr schnell und aggressiv ausbreitet. Dann sind die Heilungschancen schlechter.

Grundsätzlich hängen die Heilungschancen bei Prostatakrebs entscheidend davon ab, wie frühzeitig der bösartige Tumor entdeckt wird (also ob er etwa noch lokal begrenzt ist oder ob bereits Prostatakarzinom-Metastasen gebildet hat), wie sehr die Krebszellen entartet sind und wie aggressiv sie wachsen.

Laut Statistik leben fünf Jahre nach der Diagnose noch 89 Prozent der Patienten, während die restlichen elf Prozent an dem bösartigen Tumor in der Prostata verstorben sind (relative 5-Jahres-Überlebensrate). Damit ist die Lebenserwartung bei Prostatakrebs im Vergleich zu anderen Krebsarten recht gut.

Zum Zeitpunkt der Prostatakrebs-Diagnose kann man meist nicht vorhersagen, wie die Krankheit verlaufen bei dem betreffenden Patienten wird. Ein erfahrener Urologe kann aber zumindest grob die Prostatakrebs-Heilungschancen abschätzen.

Weiterführende Informationen

Bücher:

  • Der große Patientenratgeber Prostatakrebs. Lothar Weißbach, Zuckschwerdt, 2016
  • Prostatakrebs: Der Therapiebegleiter für Paare. Georges Akoa, Maximilian Burger, Wolfgang Otto, TRIAS, 2017

Leitlinien:

Selbsthilfe:

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Aktualisiert am :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Dr. med.  Fabian Sinowatz

Dr. med. Fabian Sinowatz ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

Carola Felchner
Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

ICD-Codes:
C61
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich