Läuferin macht eine Pause

Sport schützt psychisch belastete Herzen

Von , Medizinredakteurin
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Depressionen und Angststörungen belasten auch Herz und Kreislauf. Die gute Nachricht: Sport ist bei den Betroffenen besonders wirksam. Bewegung bessert nicht nur die seelischen Symptome, körperliche Aktivität reguliert auch die Stressreaktionen im Gehirn.

Davon profitiert das Herz-Kreislauf- System von Menschen mit Depressionen oder Angststörungen sogar deutlich mehr als das von seelisch stabilen Menschen.

Stress belastet Körper und Seele

"Die Wirkung von körperlicher Aktivität auf die Stressreaktion des Gehirns könnte bei Menschen mit stressbedingten psychiatrischen Erkrankungen besonders relevant sein", erklärt die Hauptautorin der Studie, Hadil Zureigat, vom Massachusetts General Hospital.

Die Forscherin und Kollegen haben die Effektivität von Sport zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Dazu analysierten sie die Gesundheitsdaten von mehr als 50.000 Patienten, die in der Datenbank der Massachusetts General Brigham Biobank erfasst worden waren.

Etwas mehr als 4.000 der Patienten hatten ein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis erlitten, z. B. einen Herzinfarkt, Schmerzen in der Brust aufgrund eines verschlossenen Herzkranzgefässes (Angina Pectoris) oder einen Eingriff zur Öffnung einer verschlossenen Herzarterie.

Auch Bewegung im Alltag zählt

Die Teilnehmer hatten nicht nur angegeben, wie viel Stunden sie explizit Sport betrieben, sondern auch wie viel sie sich im Alltag bewegten. Als Messgrösse dient dafür das sogenannte metabolische Äquivalent (MET).

Abhängig von der Intensität ordnen Sportwissenschaftler dazu unterschiedlichen Bewegungsformen unterschiedliche MET-Minuten zu. Der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene wöchentliche Mindestwert von 150 Minuten Sport mit mässiger Intensität entsprechen beispielsweise 500 Wochenstunden MET.

Für psychisch Erkrankte doppelt so wirksam

Das Ergebnis:

  • Insgesamt reduzierten Teilnehmer, die angaben, wöchentlich mindestens 500 MET-Minuten zu erreichen, ihr Risiko für ein schweres kardiovaskuläres Ereignis (z.B. Herzinfarkt oder Schlaganfall) um 17 Prozent.
  • An diesem Durchschnittsergebnis hatten Menschen mit Angststörungen oder Depressionen einen erheblichen Anteil: Sie konnten ihr Risiko im Vergleich zu Leidensgenossen, die sich weniger bewegten, sogar um 22 Prozent reduzieren.
  • Doch auch für Menschen, die nicht an einer der zwei psychischen Erkrankungen litten, zahlte sich Bewegung aus. Für sie sank die Wahrscheinlichkeit von Herz-Kreislauf-Vorfällen bei ausreichender Bewegung aber nur um 10 Prozent.

Somit ist die Wirksamkeit bei Personen mit Angststörungen und Depressionen mehr als doppelt so gross wie bei Menschen ohne eine solche seelische Vorerkrankung.

"Jedes Mass an Bewegung ist hilfreich, insbesondere für Menschen mit Depressionen oder Angstzuständen", so Zureigat. "Durch körperliche Aktivität fühlen sie sich nicht nur besser, sondern können auch ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken.“

Die Umstellung könne schwierig sein, aber wenn sie einmal geschafft sei, könnten Menschen mit diesen häufigen psychiatrischen Erkrankungen durch körperliche Aktivität zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Sport zähmt Stressreaktionen im Gehirn

In früheren Untersuchungen hatte das Forscherteam bereits mithilfe bildgebender Verfahren des Gehirns festgestellt, wie Bewegung dazu beiträgt, Stressreaktionen des Gehirns unter Kontrolle zu halten.

Bei Menschen mit Depressionen und Angsterkrankungen ist die stressbedingte neuronale Aktivität erhöht. Das kann die Herz-Kreislauf-Gesundheit direkt beeinträchtigen. Beispielsweise belastet ein erhöhter Blutdruck die Gefässe und trägt damit zur Entstehung von Herzinfarkt und Schlaganfall erheblich bei.

"Wenn man daran denkt, dass körperliche Aktivität das kardiovaskuläre Risiko senkt, denkt man normalerweise nicht an das Gehirn", sagte Zureigat. Tatsächlich aber könnte körperliche Aktivität auch neuronale Mechanismen so beeinflussen, dass das kardiovaskuläre Risiko senkt.

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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • Pressemitteilung American College of Cardiology, 22. März 2022
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