Cholecalciferol

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Cholecalciferol (Vitamin D3) ist eine fettlösliche Verbindung aus der Vitamin-D-Gruppe. Es ist unter anderem wichtig für starke Knochen. Der Körper kann Cholecalciferol mithilfe von UV-Strahlung selbst herstellen, aber auch aus der Nahrung aufnehmen. Lesen Sie hier alles Wichtige über Cholecalciferol - seine Bedeutung für den Körper, seine Anwendung als Medikament oder Nahrungsergänzungsmittel und mögliche Nebenwirkungen!

Was ist Cholecalciferol?

Cholecalciferol (Colecalciferol) zählt zu den wichtigsten Verbindungen der Vitamin D-Gruppe. Es wird auch Vitamin D3 oder Calciol genannt.

Einen kleinen Teil seines Bedarfs an Cholecalciferol kann der Körper über die Nahrung decken, genauer: über tierische Lebensmittel wie fetten Fisch und Fischleberöl (Lebertran). Den Grossteil der benötigten Menge kann er aber selbst aus Cholesterin herstellen, und zwar in der Haut bei ausreichender Sonnenbestrahlung.

Daher ist Cholecalciferol streng genommen gar kein Vitamin (= für das Leben wichtige Substanz, die mit der Nahrung aufgenommen werden muss, weil der Körper sie nicht selbst produzieren kann). Vielmehr handelt es sich um eine Hormon-Vorstufe (Prohormon):

Sowohl das mit der Nahrung zugeführte als auch selbst in der Haut produzierte Cholecalciferol wird in der Leber zunächst in Calcifediol (Calcidiol) umgewandelt - die Speicherform von Cholecalciferol. Daraus kann bei Bedarf in der Niere und anderen Geweben das Hormon Calcitriol (1,25-Dihydroxy-Cholecalciferol) gebildet werden - die biologisch aktive Form von Vitamin D.

Die zweite wichtige Vitamin-D-Verbindung ist Ergocalciferol (Vitamin D2). Es kann ebenfalls über Calcifediol in das Hormon Calcitriol überführt werden. Ergocalciferol ist nur in Pilzen und einigen Pflanzen enthalten. Es über den Darm aufzunehmen, ist für den Körper aber etwas schwieriger als die Aufnahme von Cholecalciferol (Vitamin D3) aus tierischen Produkten.

Cholecalciferol-Präparate

Zur Vorbeugung und Behandlung von Vitamin-D-Mangelerkrankungen (wie Rachitis und Osteoporose) setzen Ärzte Vitamin-D-Präparate ein, die je nach Dosierung als Medikament oder Nahrungsergänzungsmittel eingestuft sind. Sehr oft handelt es sich dabei um Präparate mit Cholecalciferol. Manchmal kommen auch Kombinationspräparate mit Cholecalciferol und Kalzium zum Einsatz.

Für die industrielle Herstellung von Cholecalciferol nutzt man in der Regel tierische Ausgangsstoffe, beispielsweise Lanolin - das Wollwachs von Schafen (aus dem daraus extrahierten Cholesterin gewinnt man durch UV-Bestrahlung Cholecalciferol).

Oft sind solche Cholecaciferol-Präparate aus tierischen Quellen für vegan lebende Menschen ein Problem. Mittlerweile gibt es aber auch Präparate, bei denen das enthaltene Vitamin D3 aus Flechten gewonnen wurde.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die "natürliche" Versorgung über selbst hergestelltes oder mit der Nahrung aufgenommenes Cholecalciferol birgt für den Körper keine Gefahr. Anders ist es, wenn die Hormon-Vorstufe als Medikament oder Nahrungsergänzungsmittel eingenommen wird:

Die Stoffgruppe Vitamin D (bzw. das daraus hergestellte Hormon Calcitriol) bewirkt unter anderem einen Anstieg des Kalziumspiegels im Blut, indem vermehrt Kalzium aus der Nahrung aufgenommen, aus dem Urin zurückgewonnen und aus den Knochen freigesetzt wird. Je nach Dosis und Anwendungsdauer können daher Präparate mit Vitamin-D-Abkömmlingen wie Cholecalciferol Nebenwirkungen auslösen, die sich aus einem zu hohen Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie) ergeben:

Der Kalziumüberschuss kann beispielsweise Übelkeit, Erbrechen, psychische Symptome, Bewusstseinsstörungen und Herzrhythmusstörungen auslösen. Ausserdem werden die Nieren in Mitleidenschaft gezogen - vor allem bei länger anhaltendem Kalzium-Überschuss:

Die Organe können dann nicht mehr ausreichend den Harn konzentrieren, was verstärktes Wasserlassen (Polyurie) und sehr starkes Durstgefühl (Polydipsie) nach sich zieht. Im weiteren Verlauf kann es zur Bildung von Nierensteinen sowie Nierenschäden bis zum Nierenversagen kommen (lebensbedrohlich!).

Nehmen Sie Vitamin-D-Präparate nur auf Anweisung eines Arztes ein und halten Sie sich dabei an die empfohlene Dosierung und Anwendungsdauer!

Welche Wirkung hat Cholecalciferol?

Cholecalciferol selbst übt keine Wirkung im Körper aus, sondern ist inaktiv. Es dient aber, wie oben erwähnt, als Ausgangsstoff für das Hormon Calcitriol - also der aktiven Form von Vitamin D. Dieses braucht der Körper in erster Linie für die Regulation des Kalzium- und Phosphathaushaltes und damit für die Mineralisierung der Knochen. Genauere Informationen über die Wirkung von Calcitriol erfahren Sie hier.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Quellen:
  • Behr, A. & Seidensticker, T.: Einführung in die Chemie nachwachsender Rohstoffe, Springer-Verlag, 2018
  • Freissmuth, M. et al.: Pharmakologie und Toxikologie, Springer-Verlag, 2. Auflage, 2016
  • Gressner, A.M. & Arndt, T. (Hrsg.): Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik, Springer-Verlag, 3. Auflage, 2019
  • Klartext Nahrungsergänzung - Gemeinschaftsaktion der Verbraucherzentralen: "Vitamin D aus Pflanzen" (Stand: 27.10.2021), unter: www.klartext-nahrungsergaenzung.de
  • Llahana, S. et al.: Advanced Practice in Endocrinology Nursing, Sringer Nature, 2019
  • Lüllmann, H. et al.: Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 17. Auflage, 2010
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 18.05.2022)
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