Mittelhandbruch

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Dr. med. Mira Seidel

Dr. med. Mira Seidel ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Ein Mittelhandbruch (Mittelhandfraktur, Metakarpal-Fraktur) betrifft einen oder mehrere der Mittelhandknochen. Die Ursache sind entweder Faustschläge oder direkte Anpralltraumen, beispielsweise bei einem Verkehrsunfall. Je nach Art und Ausmaß des Bruches wird die Hand konservativ mit einer Gipsschiene behandelt oder aber operiert. Lesen Sie hier alles Wichtige über den Mittelhandbruch! 

Mittelhandbruch

Mittelhandbruch: Beschreibung

Bei einer Mittelhandfraktur (Mittelhandbruch oder Mittelhandknochenbruch) ist einer oder sind mehrere der fünf Mittelhandknochen (Metakarpalia) gebrochen. Der Fachbegriff lautet Metakarpal-Fraktur.

Die fünf Mittelhandknochen verbinden die Handwurzelknochen mit den Fingerknochen und bilden die Handfläche. Die häufigste Form von Mittelhandbruch ist eine Fraktur des 5. Mittelhandknochens, und zwar im distalen Bereich, also in der Nähe vom Grundgelenk des kleinen Fingers.

Verschiedene Frakturtypen

Grundsätzlich kann die Bruchlinie bei Mittelhandknochen am Kopf, kurz unterhalb des Kopfes, am Schaft und an der Basis des Knochens verlaufen. Mediziner unterscheiden demzufolge Kopffrakturen, subkapitale Frakturen, Schaftfrakturen und Basisfrakturen.

Je nach Verlauf des Bruches und der Anzahl der Knochenbruchstücke lässt sich ein Mittelhandbruch zum Beispiel als Stückbruch, Querbruch oder Mehrfragmentbruch charakterisieren.

Frakturen des 1. Mittelhandknochens

Der Daumen nimmt aufgrund seiner besonderen Funktion eine Sonderstellung unter den Fingern ein. Der Mittelhandknochen, der zu ihm führt (Os metacarpale I), ist über ein Sattelgelenk mit dem Großen Vielecksbein (Os trapezium), einem Handwurzelknochen, verbunden. Er ist recht häufig von einem Mittelhandbruch betroffen. Dabei unterscheiden Mediziner verschiedene Frakturformen:

  • Bennett-Fraktur
  • Rolando-Fraktur
  • Winterstein-Fraktur

Mittelhandbruch: Bennett-Fraktur

Bei der Bennett-Fraktur handelt es sich um einen Verrenkungsbruch (Luxationsfraktur) des 1. Mittelhandknochens. Die Bruchlinie verläuft an dessen Basis und reicht bis in das Sattelgelenk hinein. Es gibt zwei Knochenfragmente: Das größere Knochenbruchstück, das Schaftfragment, ist verschoben, da es von der Sehne des langen Daumenspreizers (Musculus abductor pollicis longus) nach oben gezogen wird. Das kleinere Knochenbruchstück verbleibt hingegen durch die umgebenden Bänder in seiner ursprünglichen Position im Sattelgelenk.

Die Bennett-Fraktur ist nach der distalen Fraktur des 5. Mittelhandknochens die zweithäufigste Form von Mittelhandbruch.

Mittelhandbruch: Rolando-Fraktur

Bei der Rolando-Fraktur zeigt sich an der Basis des 1. Mittelhandknochens ein Bruchspalt, der wie ein T oder ein Y geformt ist. Wie bei der Bennett-Fraktur ist auch hier das Daumensattelgelenk beteiligt. Die Rolando-Fraktur wird auch Metacarpus-Fraktur genannt.

Mittelhandbruch: Winterstein-Fraktur

Eine Winterstein-Fraktur ist eine Querfraktur an der Basis des 1. Mittelhandknochens. Der Bruchspalt reicht dabei nicht in den Gelenkspalt des Sattelgelenks hinein.

Mittelhandbruch: Symptome

Ein Mittelhandbruch ist schmerzhaft, die Beweglichkeit der Hand eingeschränkt. Es bilden sich eine Schwellung und ein Bluterguss (Hämatom) an der Hand. Liegt ein offener Bruch vor, ragen die Knochenbruchstücke durch die Haut. Manchmal ist bei einem Mittelhandbruch auch eine deutliche Fehlstellung des betroffenen Fingers erkennbar.

Mittelhandbruch: Ursachen und Risikofaktoren

Die häufigste Ursache für einen Mittelhandbruch ist ein Faustschlag gegen einen festen Gegenstand, also zum Beispiel gegen eine Wand, eine Tür oder die Schädelknochen eines Gegners. Diese sogenannte "Boxerfraktur" betrifft meist den 4. oder 5. Mittelhandknochen (Os metacarpale IV oder V).

Auch direkte Anpralltraumen (etwa bei einem Verkehrs- oder Arbeitsunfall) können zu einem Mittelhandbruch führen. Manchmal ist ein Sturz auf die zurückgebeugte Hand der Grund für die Fraktur.

Die Knochenbruchstücke können verschoben oder unverschoben sein, was einen Einfluss auf die Therapie hat.

Mittelhandbruch: Untersuchungen und Diagnose

Der zuständige Facharzt bei Verdacht auf einen Mittelhandbruch ist ein Arzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Er wird sich zuerst sorgfältig mit Ihnen über Ihre Beschwerden und Ihre Krankengeschichte unterhalten (Anamnese). Mögliche Fragen des Arztes dabei sind:

  • Haben Sie sich Ihre Hand bei einem Unfall verletzt?
  • Wie ist der Unfall genau abgelaufen?
  • Haben Sie Schmerzen?
  • Ist die Beweglichkeit von Hand und Fingern eingeschränkt?

Danach wird der Arzt Ihre Hand auf Knochenbrüche, Schwellungen, Blutergüsse, Weichteilverletzungen und Sensibilitätsstörungen untersuchen. Beim Faustschluss kann eine Rotationsfehlstellung des betroffenen Fingers erkennbar sein.

Mittelhandbruch: Bildgebende Verfahren

Zur weiteren Diagnostik wird der Arzt eine Röntgenuntersuchung veranlassen. Bei einem Bruch des 1. Mittelhandknochens reichen meist Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen aus. Um einen Mittelhandbruch der Metacarpalia II bis IV zu diagnostizieren, sind dagegen Aufnahmen in drei Ebenen notwendig.

In einzelnen Fällen ist bei einem Mittelhandbruch auch eine hochauflösende Computertomografie (CT) nötig. Damit lassen sich mögliche knöcherne Begleitverletzungen (wie Fingerbruch) beurteilen und das Ausmaß einer Gelenkbeteiligung besser einschätzen.

Vor allem bei offenen Frakturen wird der Arzt in der Bildgebung auf Anzeichen von Begleitverletzungen, etwa der Sehnen, Nerven und Gefäße, achten.

Mittelhandbruch: Behandlung

Ist die Hand gebrochen, sollte als Sofortmaßnahme die Hand geschont, stabilisiert und gekühlt werden. Danach folgt je nach Art des Bruches eine konservative oder operative Behandlung.

Mittelhandbruch: Konservative Behandlung

Eine konservative Behandlung kommt bei unverschobenen, stabilen Frakturen in Frage. Dabei erhält der Patient für vier bis sechs Wochen eine Schiene aus Gips oder Kunststoff. Bei einem Bruch des 2. bis 5. Mittelhandknochens kann der Daumen frei bleiben. Beim Anlegen der Schiene wird darauf geachtet, dass die nicht verletzten Bereiche der Hand so wenig wie möglich mit eingeschlossen werden. Für die Ruhigstellung der Langfinger in der Schiene wird die sogenannte Intrinsic plus-Stellung bevorzugt: Die Finger sind im Grundgelenk gebeugt, an den beiden anderen Gelenken – Fingermittelgelenk und Fingerendgelenk – aber gestreckt. Die Seitenbänder (Kollateralbänder) sind dadurch straff gespannt und können sich in der Folge nicht so leicht verkürzen.

Mittelhandbruch: Operative Behandlung

Hat sich eine Stufe gebildet oder haben sich Knochenfragmente verschoben, muss operiert werden, um die Gelenkflächen wieder korrekt einzurichten. Dies betrifft insbesondere die Bennett-Fraktur. Wird ein solcher Mittelhandbruch nicht operiert, heilt er mit fehlgestellten Frakturenden aus. Dies kann dazu führen, dass bestimmte Bewegungen wie Greifen nicht mehr möglich sind. Auch offene Frakturen müssen operativ versorgt werden.

Bei der Operation wird der Bruch mittels Miniplatten, Schrauben oder Kirschner-Drähten fixiert.  

Mittelhandbruch: Krankheitsverlauf und Prognose

Die Prognose bei einem Mittelhandbruch ist meist gut. Im Röntgenbild ist die Fraktur noch lange sichtbar, auch wenn sich schon nach drei Wochen ein Kallus (neues Knochengewebe) bildet und der Knochen dadurch wieder eine ausreichende Stabilität erlangt. Sobald der Patient im Frakturbereich keine Druckschmerzen mehr verspürt, kann und soll er die Hand intensiv ohne Belastung bewegen. Nach der fünften Woche kann langsam schmerzadaptiert (unter Beachtung der Schmerzgrenzen) mit Bewegungen unter Belastung begonnen werden.

In manchen Fällen heilt ein Mittelhandbruch nicht aus: Die Knochenbruchenden wachsen nicht wieder zusammen, sondern es bildet sich ein "falsches Gelenk" aus (Pseudarthrose). Dann kann ein operativer Eingriff nötig sein.

Autoren- & Quelleninformationen

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Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Wallny
Autor:
Dr. med. Mira Seidel
Dr. med.  Mira Seidel

Dr. med. Mira Seidel ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
S62
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Andreae, S. et al.: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2008
  • Grifka, J. & Kuster, M.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Springer Verlag, 1. Auflage, 2011
  • Krämer, J. & Grifka, J.: Orthopädie Unfallchirurgie, Springer Verlag, 9. Auflage, 2013
  • Meier, R. & Rudigier, J.: Kurzgefasste Handchirurgie: Klinik und Praxis, Georg Thieme Verlag, 6. Auflage, 2014
  • Reutter, K.-H. (Hrsg.): Chirurgie essentials, Georg Thieme Verlag, 5. Auflage, 2004
  • Siewert, J. R. & Stein, H.J.: Chirurgie, Springer Verlag, 9. Auflage,2012
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