Gipsverband

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Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

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Ein Gipsverband ist ein fester Stützverband aus Gips, welcher der äusseren Stabilisierung von Körperteilen dient. Er kommt zum Beispiel bei Knochenbrüchen, Sehnen- und Bänderrissen zum Einsatz. Mithilfe eines Gipsverbands werden die verletzten Körperteile ruhig gestellt, was den Heilungsverlauf unterstützt. Lesen Sie alles Wichtige über den Gipsverband, wie er angelegt wird und welche Risiken er birgt.

Gipsverband

Was ist ein Gipsverband?

Gipsverbände zählen zu den konservativen Behandlungsmethoden bei Knochenbrüchen, Sehnen- und Bänderrissen sowie bei Korrekturen von Fehlstellungen. Mithilfe des Gipsverbands stellt der Arzt die betroffenen Körperregion ruhig - die körpereigene Heilung wird auf diese Weise unterstützt.

Ein Gipsverband besteht aus einem sogenannten Unterzug (meist aus einem Baumwollmaterial), einer Polsterung, einer harten Schicht aus Gips und einem Überzug. Je nach seiner Form unterscheidet man:

  • Geschlossener oder zirkulärer Gips (Rundgips): Der Gips umschliesst den gesamten Umfang der Extremität.
  • Gespaltener Gips (Spaltgips): Hierfür wird ein geschlossener Gips nach dem Härten längs aufgeschnitten.
  • Gipsschiene: Der Gips umfasst nur einen Teil der Extremität.
  • Gipskorsett (Rumpfgips): Der Gips reicht vom Brustkorb bis zum Becken und stabilisiert die Wirbelsäule.

Der klassische Gipsverband besteht aus Kalkgips. Inzwischen wird dieser durch moderne Kunststoffgipse (Castverbände) ersetzt, die weniger wiegen, schneller aushärten und wasserabweisend sind.

Wann legt man einen Gipsverband an?

Gipsverbände sind ein Hilfsmittel bei der konservativen Behandlung und kommen bei folgenden Krankheitsbildern zum Einsatz:

  • unkomplizierte Knochenbrüche (Frakturen), d.h. Knochenbrüche, bei denen die Bruchstelle nicht verschoben ist und keine Knochensplitter entstanden sind
  • Zerrungen
  • Sehnen- und Bänderrisse
  • entzündliche Knochen- und Gelenkprozesse
  • Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose)
  • Klumpfuss (hier wird ein sogenannter Redressionsgips angelegt)

Wie legt man einen Gipsverband an?

Sowohl Ärzte als auch entsprechend geschultes Pflegepersonal können einen Gipsverband anlegen.

Zuerst kontrolliert der Arzt die Haut auf Infektionen oder Druckstellen, reinigt sie und cremt sie ein. Je nach Krankheitsbild wird der betroffene Körperteil beim Anlegen des Gipsverbandes in einem bestimmten Winkel gehalten.

Dann wird zunächst eine schützende Schicht direkt auf die Haut gelegt. Sie besteht aus einem Unterzug aus elastischem Baumwollmaterial und einer darüber liegenden Schicht aus Polsterwatte. Stellen, die viel Druck aushalten müssen, können mit einer zusätzlichen Watteschicht abgepolstert werden. Eine Lage aus Krepppapier komprimiert Unterzug und Watte und verhindert, dass Gips mit der Haut in Kontakt kommt.

Vor dem Anlegen werden die Gipsbinden kurz in kaltes Wasser getaucht und ausgedrückt. Dann umwickelt der Arzt den Arm oder das Bein von körperfern (distal) nach körpernah (proximal) und ohne Zug. Er streicht jede Gipsbinde nach dem Anlegen glatt, damit sich die einzelnen Lagen aneinander und an die Extremität schmiegen und keine Falten entstehen.

Zusätzlich können sogenannte Longuetten integriert werden - mehrlagige Bindenstreifen, die wie eine Schiene stützen und dem Gipsverband zusätzliche Stabilität verleihen. Die Enden des Unterzugs und der Polsterung werden nicht mit eingewickelt, sondern am Schluss umgeschlagen und mit einer weiteren Gipsbinde fixiert. So entsteht eine gepolsterte Kante. Insgesamt kann der fertig angelegte Gipsverband noch etwa fünf bis zehn Minuten nachbearbeitet und korrigiert werden.

Wird der Gips unmittelbar nach einer Verletzung oder Operation angelegt, ist es wichtig, den Gipsverband der Länge nach aufzuschneiden (spalten), damit es infolge von Schwellungen nicht zu Gewebsschäden kommen kann. Den Abschluss bildet ein Überzug, der den Gipsverband vor Schmutz schützt.

Ist der Gips nach etwa zwei Tagen getrocknet, untersucht der Arzt die Extremität hinsichtlich Hautfarbe, Temperatur und Schwellungen und fragt Sie nach Schmerzen, Taubheitsgefühlen und Beweglichkeit.

Welche Risiken birgt ein Gipsverband?

Richtig angelegt stabilisiert ein Gipsverband den betroffenen Körperteil und verhindert dessen Beweglichkeit. Als Folge können die Muskeln schrumpfen, die Muskelmasse verringert sich (Muskelatrophie), und auch die Gelenke werden zunehmend steif. Durch den Druck des Verbandes verlangsamt sich der Blutfluss im darunterliegenden Gewebe, und das Thromboserisiko steigt - das heisst, Blutgerinnsel können entstehen und möglicherweise ein Gefäss verengen oder verstopfen. Indem Sie die Extremität hoch lagern und regelmässig bewegen, beugen Sie solchen Thrombosen vor.

Wurde der Gipsverband zu eng gewickelt oder erhöht sich der Druck durch Schwellungen, können Druckschäden entstehen. Typische Symptome dafür sind Schmerzen, Blau- oder Weissfärbung der Haut oder Kribbeln, Durchblutungs- und Empfindungsstörungen sowie Bewegungsausfälle.

Bei Verdacht auf eine Thrombose oder auf Druckschäden wird der Verband sofort abgenommen.

Was muss ich nach einem Gipsverband beachten?

Verspüren Sie direkt nach der Anlage des Gipsverbandes oder später Schmerzen, pocht die Extremität, kribbelt sie oder fühlt sich taub an, sollten Sie ihren Arzt verständigen. Auch zunehmende Bewegungseinschränkungen oder kalte, blaue oder blasse Haut sind Warnsignale, über die Sie Ihren Arzt informieren sollten. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt auch zeigen, wo Sie Ihren Puls tasten können.

Wird der Gipsverband nicht mehr benötigt, schneidet ihn der Arzt mithilfe einer Gipsfräse auf. Diese spezielle Fräse kann durch ihre Rüttelbewegungen keine Verletzungen verursachen. Es ist möglich, dass Sie dabei eine Wärmeentwicklung auf der Haut spüren. Mit einem Gipsspreizer wird der aufgeschnitten Gips dann aufgespreizt, die einzelnen Schichten werden mit einer Verbandschere aufgeschnitten. Nun wird der Gipsverband vorsichtig abgenommen. Dann reinigt man die darunter liegende Haut und cremt sie ein.

Diente der Gipsverband der Versorgung eines Knochenbruchs, überprüft der Arzt den ausgeheilten Bruch mithilfe einer Röntgenaufnahme. Eventuell verordnet er dann noch krankengymnastische Übungen, um die vollständige Beweglichkeit des betroffenen Körperteils wieder herzustellen.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Valeria Dahm
Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Quellen:
  • Ficklscherer, A.: BASICS Orthopädie und Traumatologie, Urban & Fischer in Elsevier Verlag, 5. Auflage 2017
  • I care Pflege, Thieme Verlag, 2. Auflage 2020
  • Niethard, F. et al.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie, Thieme Verlag, 8. Auflage 2017
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