Benigne Prostatahyperplasie – Symptome

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Marian Grosser

Marian Grosser studierte in München Humanmedizin. Daneben hat der vielfach interessierte Arzt einige spannende Abstecher gewagt: ein Philosophie- und Kunstgeschichtestudium, Tätigkeiten beim Radio und schließlich auch für Netdoktor.

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Wenn eine benigne Prostatahyperplasie Symptome verursacht, betreffen diese vor allem das Wasserlassen, da die Harnröhre durch die Prostata (Vorsteherdrüse) verläuft. So sind bei einer vergrösserten Prostata Symptome wie abgeschwächter Harnstrahl, nächtlicher Harndrang, Nachträufeln und Restharngefühl möglich. Mehr zu den Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrösserung lesen Sie hier!

benigne Prostatahyperplasie_Symptome

Welche Symptome treten auf?

Die Grössenzunahme der Vorsteherdrüse (Prostata) sorgt häufig für eine Einengung des oberen Abschnitts der Harnröhre, der durch die Prostata verläuft. Dieses Phänomen bezeichnet man in der Fachsprache als subvesikale Obstruktion ("subvesikal" = unterhalb der Blase gelegen; "Obstruktion" = Verschluss eines Hohlorgans).

Durch die Einengung der Harnröhre verursacht die gutartige Prostatavergrösserung Symptome, die fast alle mit dem Wasserlassen zu tun haben. Sie lassen sich in zwei Symptomkomplexe unterteilen: obstruktive und irritative Miktionsbeschwerden. Zudem beeinflusst eine benigne Prostatahyperplasie (BPH) in manchen Fällen die sexuelle Funktion zum Beispiel durch Erektionsstörungen.

Obstruktive Miktionsbeschwerden

Der Begriff "Miktion" bezeichnet in der Medizin die Entleerung der Harnblase. Miktionsbeschwerden sind demnach Störungen bei der Blasenentleerung. Von obstruktiven Miktionsbeschwerden spricht man, wenn eine Einengung der Harnröhre diese Symptome verursacht, was typisch für eine gutartige Prostatavergrösserung ist. Symptome, die man unter diesem Sammelbegriff zusammenfasst, sind:

  • Schwacher Harnstrahl oder sogar kompletter Harnverhalt
  • Unterbrochener Harnstrahl
  • Verzögerter Miktionsbeginn
  • Pressen bei der Miktion
  • Nachträufeln
  • Restharngefühl

Diese Symptome kommen folgendermassen zustande:

Durch die Einengung der Harnröhre bei der benignen Prostatahyperplasie (BPH) ist der Harnstrahl abgeschwächt und eventuell teilweise unterbrochen. Es kommt dann immer wieder zu einer kurzen Pause beim Wasserlassen, weil der Druck, den die Harnblase aufbaut, vorübergehend nicht ausreicht, um den Widerstand durch die Verengung der Harnröhre zu überwinden. In der Folge versuchen die betroffenen Männer oft durch Pressen nachzuhelfen.

Durch die Einengung kommt es oft zu einem verzögerten Miktionsbeginn: Obwohl sozusagen rein willentlich der "Befehl" zum Wasserlassen gegeben wird, dauert es bei der BPH eine gewisse Zeit, bis die Miktion tatsächlich einsetzt. Wenn die Verengung besonders ausgeprägt ist, ist sogar ein kompletter Harnverhalt möglich: In diesem Fall funktioniert die Ausscheidung von Harn nicht mehr. Er sammelt sich zunehmend in der Harnblase an, beziehungsweise staut sich bis zu den Nieren zurück.

Weil durch die Einengung der Harnröhre die Harnblase oft nicht mehr vollständig entleert wird, empfinden Betroffene nach der Miktion oft ein unangenehmes "Restharngefühl". Ausserdem kommt es öfter vor, dass nach dem Wasserlassen noch eine kleine Menge Urin unwillkürlich nachtropft, was Ärzte als "Nachträufeln" bezeichnen. 

Irritative Miktionsbeschwerden

Neben den obstruktiven Miktionsbeschwerden verursacht eine gutartige Prostatavergrösserung Symptome, die man unter dem Begriff "irritative Miktionsbeschwerden" zusammenfasst. Es handelt sich dabei um Beschwerden, die durch eine Reizung (Irritation) der Blase und des Blasenausgangs entstehen. Der Blasenausgang (Blasenhals) ist der Bereich, in dem sich die Blase trichterförmig nach unten verjüngt und in die Harnröhre mündet. 

Die gesamte Blase ist von einem Muskel umgeben, dem sogenannten "Musculus detrusor vesicae" oder kurz: Detrusor. Wenn er sich zusammenzieht, baut er Druck auf, der – wenn er gross genug ist –die Miktion einleitet.

Durch den erhöhten Widerstand, den die Harnblase bei einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) überwinden muss, um eine Miktion zu ermöglichen, kommt es jedoch zunehmend zu einer Belastung des Blasenmuskels (Detrusor). Unter Umständen hat dies eine Veränderung seiner Struktur sowie Reizzustände zur Folge. Vereinfacht ausgedrückt reagiert er zunehmend überempfindlich und löst mitunter folgende Symptome aus:

  • Häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen (Pollakisurie)
  • Mehrfaches Wasserlassen in der Nacht (Nykturie)
  • Starker Harndrang, der nicht zurückgehalten werden kann (imperativer Harndrang)
  • Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie)

Schmerzen beim Wasserlassen treten nicht bei jeder BPH auf, häufig fehlen sie auch.

Grundsätzlich ist die Ausprägung der Beschwerden individuell sehr verschieden. Sie hängt zudem nicht direkt vom Ausmass der Prostatavergrösserung ab. So kommt es, dass manche Patienten mit nur leichter benigner Prostatahyperplasie intensivere Beschwerden verspüren als Männer, deren Vorsteherdrüse schon grösser ist.

Sexuelle Störungen 

Miktionsbeschwerden sind typisch für eine vergrösserte Prostata, Symptome im Bereich der Sexualfunktion kommen allerdings auch manchmal vor. Vor allem die erektile Dysfunktion (Erektionsstörungen; Impotenz) macht einigen Männern mit einer gutartigen Prostatavergrösserung zu schaffen. Des Weiteren sind Symptome wie ein verminderter Samenerguss oder Schmerzen bei der Ejakulation möglich.

Komplikationen

In einigen Fällen verursacht eine benigne Prostatahyperplasie mit ausgeprägter Verengung der Harnröhre eine zunehmende Ansammlung von Urin in der Harnblase. In der Folge kommt es häufiger zu Harnwegsinfekten und Blasensteinen. Ohne Behandlung treten unter Umständen weitere Komplikationen auf.

Umbau der Blasenwand

Durch die andauernde vermehrte Blasenfüllung und den erhöhten Druck bei der Miktion kommt es nach einer gewissen Zeit oft zu einem Wachstum des Blasenmuskels (Detrusorhypertrophie). Damit will der Körper sicherstellen, dass sich ein ausreichend hoher Druck aufbaut, der den grösseren Widerstand bei der Blasenentleerung zu überwinden vermag.

Jedoch verliert die Blasenwand durch das Muskelwachstum an Elastizität. Ausserdem lagert sie vermehrt Kollagen ein. Es entstehen in einigen Fällen sogar kleine Aussackungen in der Blasenwand, sogenannte Pseudodivertikel.

Die Veränderungen der Blasenwand fördern wiederum die Entstehung von Restharn. Den Endzustand dieses krankhaften Umbaus nennt man "Balkenblase", weil der Detrusor dann balkenartig verdickt ist. Behandelt man eine benigne Prostatahyperplasie, ist es möglich, dass eine Balkenblase sich wieder zurückbildet.

Kompletter Harnverhalt und Überlaufblase

Wenn die Einengung der Harnröhre durch die Prostatavergrösserung keinerlei Blasenentleerung mehr zulässt, kommt es zum kompletten Harnverhalt. Der Urin sammelt sich dann in grossen Mengen in der Harnblase an, wodurch diese massiv überdehnt wird. Die Folgen sind eine spür- und sichtbare Vorwölbung des Unterbauchs sowie starke Schmerzen.

Ein plötzlicher kompletter Harnverhalt ist ein Notfall und muss schnell behandelt werden!

Zu beachten ist, dass bestimmte Risikofaktoren mitunter diese Komplikation zusätzlich fördern. Dazu gehören etwa Alkoholkonsum, andauernde Bettruhe, bestimmte Medikamente und sexuelle Aktivität.

In manchen Fällen kommt es beim kompletten Harnverhalt durch die enorme Druckzunahme in der Blase zu einer sogenannten Überlaufblase. Dabei überwindet der Körper schliesslich den Verschlussdruck in der Harnröhre, allerdings nur geringfügig, so dass es zu einem ständigen leichten Harnträufeln kommt, nicht aber zu einer regulären Urinabgabe. Dieses Phänomen bezeichnet man auch als "Ischuria paradoxa".

Nierenstau und Nierenversagen

Durch den erhöhten Druck in der Harnblase bei gleichzeitiger Verengung (Obstruktion) der Harnröhre und leicht angehobenem Blasenboden kommt es im Rahmen einer gutartigen Prostatavergrösserung in einigen Fällen zu einem Harnrückstau. Dabei gelangt der Harn über die Harnleiter bis zurück in das Nierenbecken.

Auf Dauer kommt es häufig zu einer Nierenschädigung, im schlimmsten Fall ist ein Nierenversagen möglich. Den Harnrückstau bezeichnet man in der Fachsprache als "vesikouretralen Reflux", eine daraus folgende Schädigung von Harnleiter und Nieren als "Hydroureter" beziehungsweise "Hydronephrose".

Harnvergiftung (Urämie)

Bestimmte Abbauprodukte des Stoffwechsels – wie zum Beispiel Harnstoff, Harnsäure oder Kreatinin – scheidet der Körper über die Nieren mit dem Urin aus, weil sie sonst unter Umständen Schaden im Körper anrichten. Solche Substanzen bezeichnet man als "harnpflichtig".

Wenn der Körper sie nicht mehr ausreichend ausscheidet, weil etwa die Nieren infolge einer benignen Prostatahyperplasie geschädigt sind, sammeln sie sich im Körper an. Mediziner sprechen dann von Urämie: Sie führt unter Umständen zu Symptomen wie ausgeprägtem Juckreiz, Übelkeit und Erbrechen und ist unbehandelt mitunter sogar lebensgefährlich.

Blut im Urin (Hämaturie)

Die Prostatahyperplasie führt häufig zu einem Venenstau am Blasenausgang. Ärzte sprechen dann von Blasenhalsvarizen. Diese gestauten Venen sind relativ empfindlich und reissen unter Umständen. In der Folge gelangen grössere Mengen Blut in den Urin (Makrohämaturie), was man an einer deutlichen Rotfärbung beim Wasserlassen erkennt. Das Phänomen ist aber weniger gefährlich, als es aussieht.

Gradeinteilung nach Alken

Der Urologe Carl Erich Alken hat Mitte des 20. Jahrhunderts eine dreistufige Gradeinteilung für die benigne Prostatahyperplasie beschrieben, die bis heute gebräuchlich ist. Ausschlaggebend für die Einteilung ist, wie stark bei einer gutartigen Prostatavergrösserung Symptome und eventuelle Komplikationen sind. Das spielt vor allem für die Wahl der Therapie eine Rolle.

Stadium I der gutartigen Prostatavergrösserung

Das Stadium I der benignen Prostatahyperplasie (BPH) nennt man auch "Reizstadium". Es beschreibt den Zustand einer BPH, in dem bereits klinische Symptome vorliegen wie abgeschwächter Harnstrahl, nächtliches Wasserlassen oder häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen (Pollakisurie), jedoch noch keine Restharnbildung stattfindet.

Stadium II der gutartigen Prostatavergrösserung

In Stadium II ("Restharnstadium") nehmen die Beschwerden weiter zu, und es liegt bereits eine Restharnmenge von 50 bis 150 Milliliter vor.

Stadium III der gutartigen Prostatavergrösserung

Überschreitet der Restharn ein Volumen von 150 Milliliter, definiert man den Zustand als Stadium III. In diesem "Rückstauungsstadium" kommt es teilweise zu einer Überlaufblase und Nierenschädigung, wobei dafür meist eine Restharnmenge von 500 Milliliter vorliegen muss.

Symptome ernst nehmen

Einen Krankheitswert bekommt die benigne Prostatahyperplasie erst dann, wenn sie Symptome verursacht. Diese sind ernst zu nehmen und mit einem Arzt abzuklären, um eine möglicherweise fortschreitende Erkrankung frühzeitig zu behandeln und zum Ausschluss anderer Erkrankungen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Jens Richter
Autor:
Marian Grosser
Marian Grosser

Marian Grosser studierte in München Humanmedizin. Daneben hat der vielfach interessierte Arzt einige spannende Abstecher gewagt: ein Philosophie- und Kunstgeschichtestudium, Tätigkeiten beim Radio und schließlich auch für Netdoktor.

ICD-Codes:
N40
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Graefe, K. H. et al.: Duale Reihe Pharmakologie und Toxikologie. Georg Thieme Verlag, 2011
  • Jocham, D. & Miller, K.: Praxis der Urologie. Georg Thieme Verlag, 2007
  • Schäffler, A. et al.: Medizin für Heilpraktiker. Haug Verlag, 2012
  • Schmelz, H.-U. et al.: Facharztwissen Urologie. Springer Verlag, 2014
  • Universitäts-Klinikum Heidelberg (Urologische Klinik): Gutartige Prostatavergrößerung, unter: www.klinikum.uni-heidelberg.de (Abruf: 25.03.2015)
  • Zwergel, U. & Sökeland, J.: Benigne Prostatahyperplasie. Springer Verlag, 2013
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