Gehirnerschütterung (Commotio cerebri, Schädel-Hirn-Trauma Grad 1, leichtes Schädel-Hirn-Trauma, gedeckte Schädel-Hirn-Verletzung)

Hält die Bewusstlosigkeit länger als eine Viertelstunde an, besteht der Verdacht auf eine schwere Hirnverletzung.
Hält die Bewusstlosigkeit länger als eine Viertelstunde an, besteht der Verdacht auf eine schwere Hirnverletzung. ( Tatiana Popova / Shutterstock)

Eine Gehirnerschütterung ist die leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas. Sie tritt meist infolge eines Sturzes auf und geht mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit einher. Folgeschäden sind in der Regel nicht zu erwarten.

Kurzfassung:

  • Die Gehirnerschütterung ist die leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas.
  • Eine Gehirnerschütterung kann mit kurzer Bewusstlosigkeit einhergehen.
  • Für die Zeit vor oder nach dem Ereignis besteht meist eine Erinnerungslücke.
  • Eine spezielle Behandlung ist nicht erforderlich.
  • Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Kopfschmerz bilden sich nach einigen Tagen von selbst zurück, Spätfolgen sind nicht zu erwarten.
  • Es treten keine bleibenden Gehirnschäden auf.

Wie kommt es zu einer Gehirnerschütterung?

Das Gehirn ist im Inneren des Schädels in Gehirnflüssigkeit (Liquor) gelagert. Dadurch ist es gegen Erschütterungen, Stöße oder Schläge gut geschützt. Kommt es jedoch zu einer massiven stumpfen Verletzung – wie etwa durch einen Aufschlag des Kopfes mit großer Geschwindigkeit auf einen harten Gegenstand –, prallt das Gehirn gegen den Schädelknochen. Durch den Aufprall werden die Nervenzellen des Gehirns kurzfristig in ihrer Funktion gestört, es kommt zu einer vorübergehenden Bewusstlosigkeit.

Ursachen

Bei Erwachsenen ist eine Gehirnerschütterung meist Folge eines Verkehrs-, Sport- oder Freizeitunfalls, bei Kindern und älteren Personen sind in der Regel Stürze auf den Kopf die Ursache.

Bei Kindern ist der Kopf im Verhältnis zum Körper relativ groß und schwer, sodass sie bei einem Sturz häufig mit dem Kopf zuerst am Boden auftreffen. Beim Neugeborenen und beim Säugling macht der Kopf rund ein Drittel des Gesamtgewichts aus, bei Kindern etwa ein Sechstel, beim Erwachsenen nur mehr ein Dreißigstel.

Anzeichen einer Gehirnerschütterung

Die Beschwerden treten typischerweise unmittelbar nach dem Ereignis auf, bei Kleinkindern hingegen können sie auch mit einer Zeitverzögerung von sechs bis zwölf Stunden in Erscheinung treten.

+++ Mehr zum Thema: Synkopen +++

Schweregrade eines Schädel-Hirn-Traumas

Die Schwere eines Schädel-Hirn-Traumas wird anhand der sogenannten Glasgow-Coma-Skala (GCS) bewertet. Dabei erhält der Patient für bestimmte Reaktionen (Augenöffnen, verbale Reaktion auf Ansprache, motorische Reaktion) Punkte. Aus wiederholten Beobachtungen ergibt sich ein Punktewert zwischen 3 und 15, wobei 15 die höchstmögliche Punktezahl darstellt.

Leichtes Schädel-Hirn-Trauma (Gehirnerschütterung): SHT1

  • GCS-Wert 13–15
  • 80% aller SHT-Patienten erleiden ein SHT1.

Mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma: SHT2

  • GCS-Wert 9–12
  • 10% aller SHT-Patienten erleiden ein SHT2.
  • Bewusstlosigkeit bis zu 30 Minuten; Symptome bilden sich innerhalb eines Monats zurück, Spätfolgen unwahrscheinlich, weitere Beobachtung nötig.

Schweres Schädel-Hirn-Trauma: SHT3

  • GCS-Wert 3–8
  • 10% aller SHT-Patienten erleiden ein SHT3.
  • Die Bewusstlosigkeit hält länger als 30 Minuten an, in der Regel bleiben Folgeschäden bestehen.

Wann zum Arzt?

Bei ...

  • Bewusstlosigkeit oder Orientierungslosigkeit
  • mehrmaligem Erbrechen
  • Verschlechterung des Zustands nach anfänglicher Beschwerdefreiheit
  • starken Kopfschmerzen
  • Verwirrtheit
  • äußeren Verletzungen des Kopfes

Bei Bewusstlosigkeit sollte in jedem Fall der Notarzt gerufen werden! Da bei Kopfverletzungen immer die Gefahr besteht, dass der Betroffene ein weiteres Mal bewusstlos wird oder sich durch einen Sturz verletzt, sollte er bis zum Eintreffen des Notarztes sitzend – mit erhöhtem Oberkörper – gelagert und nicht allein gelassen werden.

Wann ins Krankenhaus?

Abhängig von den Symptomen entscheidet der Arzt, ob der Patient zur weiteren Beobachtung oder zum Ausschluss schwerer Verletzungen ins Krankenhaus eingewiesen wird. Vor allem, wenn die Bewusstlosigkeit länger als eine Viertelstunde und die Bewusstseinstrübung länger als eine Stunde dauert, besteht der Verdacht auf eine schwerere Hirnverletzung.

Darüber hinaus ist in vielen Fällen eine Röntgenuntersuchung des Schädels notwendig, um einen Knochenbruch auszuschließen. Treten Nackenbeugeschmerzen auf, wird zusätzlich ein Röntgenbild der Halswirbelsäule angefertigt. Blutungen im Inneren des Schädels können mithilfe einer Computertomografie (CT) dargestellt werden.

+++ Mehr zum Thema: Schädelbruch +++

Wie wird eine Gehirnerschütterung behandelt?

Bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma bilden sich die Symptome innerhalb weniger Tage von selbst zurück. Eine spezielle Behandlung ist in der Regel nicht erforderlich.

Um bei eventuell auftretenden Komplikationen schnell eingreifen zu können, sollten Patienten jedoch für weitere 12 bis 24 Stunden beobachtet werden. Je nach Allgemeinzustand und Alter des Verunfallten kann dies zu Hause oder im Krankenhaus erfolgen.

In jedem Fall sollten sich Personen mit Gehirnerschütterung für einige Tage schonen. Wichtig ist in den ersten 24 Stunden absolute Ruhe, es gilt Fernseh- und Leseverbot, damit sich die verletzten Hirnzellen erholen können. Weitere Aktivitäten richten sich nach der Symptomatik sowie der ärztlichen Vorgabe. Kopfschmerzen und Übelkeit können nach Absprache mit dem behandelnden Arzt medikamentös therapiert werden.

+++ Mehr zum Thema: Gehirnerschütterung und Sport +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Christian Gäbler
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der Information: Oktober 2018
Quellen

Kinder-  und Jugendärzte im Netz, Gehirnerschütterung, Stand 2018; https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/gehirnerschuetterung-commotio-cerebri-schaedel-hirn-trauma-sht/was-ist-eine-gehirnerschuetterung/ (letzter Zugriff am 08.10.2018)

Leitlinie „Schädel-Hirn-Trauma“ im Erwachsenenalter, gültig bis 01.12.2020; https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/008-001.html (letzter Zugriff am 08.10.2018)

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