Bilirubin erhöht

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und , Medizinredakteurin und Biologin
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Dr. med. Andrea Reiter

Dr. med. Andrea Reiter ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Ist die Blutkonzentration von Bilirubin erhöht, kann dies harmlose, aber auch gefährliche Ursachen haben. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes aus den roten Blutkörperchen. Bei sehr hohen Konzentration von Bilirubin färbt sich die Haut gelb. Lesen Sie, wann Bilirubin im Blut vermehrt nachweisbar ist und wann die sogenannte Hyperbilirubinämie gefährlich wird.

Wann ist Bilirubin erhöht?

Bilirubin entsteht, wenn der rote Blutfarbstoff Hämoglobin aus alten, vom Körper ausgemusterten roten Blutkörperchen freigesetzt und abgebaut wird. Normalerweise sorgt die Leber für die Umwandlung von Bilirubin in wasserlösliche Formen, die dann über den Harn und den Stuhl ausgeschieden werden.

Bei verschiedenen Erkrankungen kann aber vermehrt Bilirubin anfallen und zu erhöhten Blutspiegeln führen (Hyperbilirubinämie). Überschüssiges Bilirubin kann dann zudem vermehrt im Urin auftreten (Bilirubinurie) und auch in Haut und Schleimhäuten abgelagert werden (Ikterus = Gelbsucht).

Ärzte sprechen von einem erhöhten Wert, wenn bei Erwachsenen

  • das Gesamtbilirubin > 1 mg/dl beträgt
  • das indirekte Bilirubin > 0,8 mg/dl beträgt
  • das direkte Bilirubin > 0,4 mg/dl beträgt

Eine Differenzierung von indirektem (= an das Transportprotein Albumin gebundenem) und direktem Bilirubin (ungebunden) ist nur sinnvoll, wenn der Bilirubin-Gesamtwert 2 mg/dl oder mehr misst.

Mögliche Gründe für erhöhtes Bilirubin sind:

Morbus Meulengracht

Bei der angeborenen Stoffwechselerkrankung Morbus Meulengracht (Morbus Gilbert-Meulengracht) ist die Menge jenes Enzyms vermindert, das für die Umwandlung von Bilirubin in eine wasserlösliche Verbindung sorgt. Dadurch finden sich erhöhte Bilirubin-Werte im Blut. Abgesehen von dieser Abweichung ist das Blutbild von Betroffenen unauffällig.

Morbus Gilbert-Meulengracht verursacht unspezifische Beschwerden wie:

  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Gelbfärbung der Haut (Ikterus)

Weitere Ursachen der Bilirubin-Erhöhung

Es gibt noch andere Gründe, warum Bilirubin erhöht sein kann. Beispiele sind:

  • Leberentzündung (Hepatitis)
  • Fettleber oder Leberzirrhose
  • Tumorerkrankungen der Leber
  • Stauungen der Gallenflüssigkeit (z.B. durch Gallensteine)
  • krankheits- oder verletzungsbedingt verstärkter Zerfall der roten Blutkörperchen (Hämolyse)
  • Crigler-Najjar-Syndrom (angeborene Stoffwechselstörung des Bilirubins)
  • Dubin-Johnson-Syndrom (Erbkrankheit der Leber)
  • Rotor-Syndrom (erbliche Funktionsstörung der Leber)
  • Neugeborenen-Gelbsucht (bei Neugeborenen gelten andere Normwerte als die oben genannten)

Die Bilirubinwerte können in diesen Fällen deutlich ansteigen.

Bilirubin erhöht: Was tun?

Bei Morbus Meulengracht ist im Allgemeinen keine Behandlung notwendig.

Wenn andere Erkrankungen der Grund sind, dass das Bilirubin erhöht ist, müssen entsprechende Therapiemaßnahmen ergriffen werden. Liegt zum Beispiel ein Gallenstau infolge eines eingeklemmten Gallensteins vor, lässt sich das Bilirubin senken, wenn man den Gallenstein entfernen, etwa indem man ihn durch Stoßwellen zertrümmert (Lithotripsie).

Eine besondere Form der Hyperbilirubinämie ist die Neugeborenen-Gelbsucht. Ihre Ursache ist ein noch unreifes Enzymsystem in der Leber. Sie klingt in den meisten Fällen binnen weniger Tage nach der Geburt von selbst ab. Je nachdem, wie stark das Bilirubin erhöht ist, kann unterstützend eine UV-Lichtbehandlung durchgeführt werden.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Karlheinz Zeilberger
Autoren:
Dr. med.  Andrea Reiter

Dr. med. Andrea Reiter ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Quellen:
  • Classen, M. et al.: Innere Medizin, Elsevier/Urban & Fischer Verlag, 6. Auflage, 2009
  • Dancygier, H.: Klinische Hepatologie, Springer-Verlag, 2003
  • Dormann, A., Isermann, B., Heer, Ch.: Laborwerte, 7. Auflage, Urban & Fischer, 2018
  • Duale Reihe Innere Medizin, 4. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2018
  • Herold, G.: Innere Medizin, Selbstverlag, 2012
  • Neumeister, B. et al.: Klinikleitfaden Labordiagnostik, Elsevier/Urban & Fischer Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Paumgartner G., Steinbeck, G.: Therapie innerer Krankheiten, Springer-Verlag, 10. Auflage, 2003
  • Vieten, M.: Laborwerte verstehen leicht gemacht, Trias Verlag, 2009
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