Alkalische Phosphatase

Von 
und , Ärztin
Dr. med. Andrea Reiter

Dr. med. Andrea Reiter ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

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Die alkalische Phosphatase (AP, ALP, knochenspezifische Ostase) ist ein Enzym, das an vielen Stoffwechselprozessen im Körper beteiligt ist. Es findet sich unter anderem in den Knochenzellen und im Lebergewebe. Lesen Sie hier, wann man die alkalische Phosphatase bestimmt, welche Werte im Blut als normal gelten und welche Gründe es für einen Überschuss oder einen Mangel an AP geben kann.

Was ist die alkalische Phosphatase?

Die alkalische Phosphatase (AP) ist ein Stoffwechselenzym, das in den Zellen verschiedenster Gewebe des Körpers vorkommt - etwa in den Knochen, der Leber und den Gallenwegen.

Dabei gibt es verschiedene Unterformen (Isoenzyme) der alkalischen Phosphatase. Mit einer Ausnahme kommen diese spezifisch in einem bestimmten Gewebe vor, zum Beispiel die knochenspezifische Phosphatase im Skelettgewebe.

Wird der AP-Spiegel im Blut gemessen, handelt es sich dabei um alle Unterformen des Enzyms zusammen (Gesamt-AP). Im Labor kann dann, falls nötig, auch noch der Anteil verschiedener Isoenzyme bestimmt werden.

Wann bestimmt man die alkalische Phosphatase?

Die Konzentration der alkalischen Phosphatase im Blut (Gesamt-AP) wird vor allem bei Verdacht auf Knochen- oder Lebererkrankungen bestimmt. In beiden Geweben (Knochen, Leber) kommt die AP in grossen Mengen vor.

Alkalische Phosphatase: Referenzwerte

Die Konzentration der alkalischen Phosphatase im Blut wird nicht in ihrer absoluten Dosis, sondern in Enzymaktivitäts-Einheiten (Units, U) pro Liter Substrat beziffert. Es gelten folgende Normwerte (Messung bei 37°C):

Alter

AP-Normalwert

bis 1 Tag

< 250 U/l

2 bis 5 Tage

< 231 U/l

6 Tage bis 6 Monate

< 449 U/l

7 bis 12 Monate

< 462 U/l

1 bis 3 Jahre

< 281 U/l

4 bis 6 Jahre

< 269 U/l

7 bis 12 Jahre

< 300 U/l

13 bis 17 Jahre

< 187 U/l für Frauen

< 390 U/l für Männer

über 18 Jahre

35 - 105 U/l für Frauen

40 - 130 U/l für Männer

Wann ist die alkalische Phosphatase erniedrigt?

Sehr selten ist die alkalische Phosphatase zu niedrig. Dies kommt zum Beispiel bei ausgeprägter Schilddrüsenunterfunktion oder bei einer Blutarmut vor.

Auch bei der seltenen Erbkrankheit Morbus Wilson, die sich in einem gestörten Kupferstoffwechsel äussert, kann die alkalische Phosphatase zu niedrig sein. Weitere mögliche Gründe sind die ebenfalls seltenen Stoffwechselerkrankungen Achondroplasie und Hypophosphatasie.

Wann ist die alkalische Phosphatase erhöht?

Ist die alkalische Phosphatase erhöht, kann das beispielsweise folgende Gründe haben:

  • Leber- und Gallenwegserkrankungen wie Tumoren, Hepatitis, Leberzirrhose, Gallengangsstau, Gallengangsentzündungen
  • Knochenerkrankungen wie Knochentumoren, Morbus Paget, Rachitis (Vitamin-D-Mangel), Osteomalazie, Osteomyelitis, Hyperparathyreoidismus (HPT)
  • bestimmte Formen der Nierenschwäche (Niereninsuffizienz)
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Akromegalie (Wachstumshormonüberschuss)
  • Cushing-Syndrom (Kortisolüberschuss)
  • Nebenschilddrüsenüberfunktion

In der Schwangerschaft und während des kindlichen Wachtstums ist die alkalische Phosphatase natürlicherweise vermehrt im Blut nachweisbar. Auch bei Personen mit der Blutgruppe B oder 0 ist ein erhöhter AP-Wert möglich.

Durch die Einnahme verschiedener Medikamente wie zum Beispiel Allopurinol (Gichtmedikament), Antiepileptika oder die Verhütungspille kann der AP-Wert ebenfalls ansteigen.

Was tun bei verändertem AP-Spiegel?

Ist die alkalische Phosphatase im Blut vermehrt nachweisbar, deutet das nicht zwangsläufig auf eine Erkrankung hin. Daher müssen bei veränderten Werten immer noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die Ursache zu klären. Der Arzt wird den Verlauf der alkalischen Phosphatase-Konzentration bei veränderten Werten kontrollieren.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Karlheinz Zeilberger
Autoren:
Dr. med.  Andrea Reiter

Dr. med. Andrea Reiter ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Eva Rudolf-Müller
Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

Quellen:
  • Classen, M. et al.: Innere Medizin. Urban & Fischer Verlag. 6. Auflage 2009
  • Dormann, A., Isermann, B., Heer, Ch.: Laborwerte, 7. Auflage, Urban & Fischer, 2018
  • Herold, G.: Innere Medizin, Selbstverlag, 2012
  • Labor Berlin: Alkalische Phosphatase, unter www.laborberlin.com, abgerufen am 08.10.2021
  • Neumeister, B. et al.: Klinikleitfaden Labordiagnostik, Urban & Fischer Verlag, 4. Auflage 2009
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de, abgerufen am 08.10.2021
  • Vieten, M.: Laborwerte verstehen leicht gemacht, Trias Verlag, 2009
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