Sichelfuß

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Dr. med. Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Der Sichelfuss (Pes adductus) ist die häufigste Fussdeformation bei Babys und Kleinkindern und betrifft häufig beide Füsse. Dabei ist die Innenseite des vorderen und des mittleren Fussabschnittes nach innen gebogen. Die Ursache ist meist eine falsche Zwangslage des Kindes in der Gebärmutter. Durch intensive Krankengymnastik lässt sich die Fussfehlbildung gut therapieren. Lesen Sie hier mehr über den Sichelfuss.

Sichelfuß: nach innen gebogene Babyfüße

Was ist ein Sichelfuss?

Beim Sichelfuss handelt es sich meist um eine erworbene und selten um eine angeborene Fussdeformität. Der Name kommt daher, dass die Innenseite des vorderen und mittleren Fussabschnittes vom grossen Zeh ausgehend wie eine Sichel gebogen ist.

In der Regel sind Neugeborene betroffen. Baby- und Kleinkindfüsse sind noch sehr dehnbar, weshalb sie bei anhaltender Fehllage in der Gebärmutter mitunter eine Fehlstellung annehmen. Experten vermuten ausserdem, dass ständiges Liegen in Bauchlage bei Neugeborenen einen Sichelfuss begünstigt. Bei dieser Fussfehlstellung kommt es häufiger zum erneuten Auftreten.

Wie behandelt man einen Sichelfuss?

Was tun bei einem Sichelfuss bei einem Baby?

Gering ausgeprägte Sichelfuss-Stellungen werden durch leichte Dehnübungen der Fussinnenseite ausgeglichen. Dabei dehnen die Eltern mehrmals täglich nach Anleitung des Kinderarztes die Füsse ihres Neugeborenen.

Reicht dies nicht aus, um den Sichelfuss zu beheben, legt der Arzt dem Kind einen Gipsverband an, um den Fuss in die richtige Stellung zu bringen. Der gepolsterte Gips wird dafür regelmässig neu angelegt und schient den Fuss somit langsam in die richtige Richtung. Hierbei ist es wichtig, dass dies schrittweise geschieht. Ansonsten sind Schmerzen und unangenehme Belastungserscheinungen möglich. Anfangs wechselt der Arzt den Gips mindestens zweimal wöchentlich.

Weitere Behandlungsmethoden

In selteneren Fällen ist ein operativer Eingriff zur Korrektur der Fehlstellung notwendig. Dabei werden die Gelenke der Fussinnenseite geöffnet und bestimmte Streckmuskeln der Füsse verlängert. Knöcherne Strukturen werden nur operativ korrigiert, wenn ausschliesslich der grosse Zeh von der Fehlstellung betroffen ist.

Nach der Operation wird ein Gipsverband für mehrere Wochen angelegt, um den Fuss zu entlasten. Anschliessend ist eine intensive Krankengymnastik wichtig, um den Sichelfuss endgültig auszuheilen. Orthopädische Schuheinlagen helfen den Betroffenen anschliessend, den Therapieerfolg aufrecht zu erhalten.

Wie erfolgt die Diagnose?

Der Sichelfuss lässt sich mit blossem Auge gut erkennen, sodass sich etwa eine Röntgenuntersuchung erübrigt. Solche Untersuchungen werden bei Kleinkindern meistens vermieden, um die Belastung durch Röntgenstrahlen in diesem Alter zu minimieren. Meistens wird die Fussdeformität bei der Früherkennungs-Untersuchung (U3) in der vierten bis fünften Lebenswoche vom Kinderarzt diagnostiziert.

Bei älteren Kindern oder Erwachsenen führt der Arzt eine Ganganalyse durch und sichert gegebenenfalls die Diagnose mit bildgebenden Verfahren wie Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen ab.

Wie sind die Heilungschancen?

Bei frühzeitiger Behandlung des Sichelfusses ist mit guten Ergebnissen zu rechnen. Ein Drittel der Betroffenen leidet jedoch weiterhin unter einer Beeinträchtigung. Bis zu einer kompletten Normalisierung sollte der Sichelfuss in regelmässigen Abständen ärztlich begutachtet werden, damit der behandelnde Mediziner gegebenenfalls ausgleichende Massnahmen einleitet.

So werden Spätfolgen bei Erwachsenen wie Muskel- und Gelenkschäden durch Gangschwierigkeiten und ein damit einhergehendes Ungleichgewicht von Muskeln im Körper vermieden.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Dr. med.  Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
M21Q66
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Hoffmann, G. F. et al.: Pädiatrie: Grundlagen und Praxis, Band 1 und 2. Springer Verlag, 2020
  • Pschyrembel online: Pes adductus, unter www.pschyrembel.de (Abruf: 14.01.2022)
  • Velasco, R.: "Fußdeformitäten im Kindesalter." Pädiatrie 9.17 (2012): 2.
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