Fibroadenom

Von , Ärztin
Aktualisiert am
Dr. med. R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

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Ein Fibroadenom ist der häufigste gutartige Knoten der weiblichen Brust. Es besteht aus Binde- und Brustdrüsengewebe, das sich wie Gummi anfühlt. In sehr seltenen Fällen wird ein Fibroadenom jedoch bösartig. Erfahren Sie hier mehr über die Behandlungsmöglichkeiten, Symptome, Diagnose und Ursachen eines Fibroadenoms.

Frau tastet ihre Brust auf fibroadenom ab

Kurzübersicht

  • Krankheitsverlauf und Prognose: Fibroadenome, die nicht entfernt werden, bleiben möglicherweise in derselben Grösse bestehen. Sehr selten entsteht aus ihnen Brustkrebs.
  • Behandlung: Die Behandlung eines Fibroadenoms ist nicht zwingend notwendig. In manchen Fällen ist eine operative Entfernung allerdings sinnvoll.
  • Symptome: Meist verursacht ein Fibroadenom keine Beschwerden. Manchmal führt es aber unter anderem zu Brustspannen oder einer veränderten Brustform.
  • Ursachen und Risikofaktoren: Weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) regen die Vermehrung von Fibroadenom-Zellen an.
  • Diagnose: Für die Diagnose stehen verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung, darunter Sonografie, Mammografie, Kernspintomografie und Gewebeuntersuchungen.
  • Vorbeugen: Es gibt keine eindeutigen Empfehlungen, mit denen sich die Entstehung eines Fibroadenoms verhindern lässt.

Was ist ein Fibroadenom?

Gutartige Bindegewebsknoten bezeichnet man generell als Fibrome. Dabei handelt es sich um gutartige Tumore, die unter anderem im Brustgewebe vorkommen. Enthält ein solches Fibrom in der Brust zusätzlich Drüsengewebe, wird dies als Fibroadenom bezeichnet.

Fibroadenome sind bei Frauen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr die häufigsten gutartigen Knoten in der Brust (Mamma) und werden meist bei Frauen im gebärfähigen Alter festgestellt. Sie treten aber auch bei älteren Frauen in den Wechseljahren und bei Frauen unter einer Hormonbehandlung auf. Nehmen Frauen die Pille ein, entstehen sie dagegen seltener.

Ein Fibroadenom entsteht aus Brustdrüsen- und Bindegewebe und fühlt sich derb wie Gummi an. Fibroadenom-Schmerzen empfinden Betroffene in der Regel nicht. Sie entdecken den Knoten oft zufällig, wenn er zwei bis drei Zentimeter gross ist.

Meist handelt es sich um einen einzelnen Knoten, seltener entstehen mehrere Fibroadenome. In fünf bis zehn Prozent der Fälle sind beide Brüste betroffen.

Nur selten wird das Fibroadenom grösser als drei Zentimeter. Mit zunehmendem Alter bildet es sich möglicherweise sogar von selbst zurück. Bei jungen Frauen gibt es allerdings eine Sonderform, die sehr schnell wächst und die Brustform unter Umständen verändert.

Da es sich um einen gutartigen Knoten handelt, ist eine Entfernung des Fibroadenoms aus medizinischer Sicht nicht zwingend erforderlich. In einigen Fällen und auf Wunsch der Patientin wird der Knoten jedoch herausoperiert.

Kann ein Fibroadenom bösartig werden?

Sehr selten (bei weniger als einem Prozent der Betroffenen) entsteht aus dem Fibroadenom ein Mamma-Karzinom (Brustkrebs). Betroffenen Frauen wird dennoch empfohlen, ihre Brust regelmässig durch einen Frauenarzt kontrollieren zu lassen.

Verlauf

Bei einem Fibroadenom handelt es sich um einen gutartigen Tumor. Entfernt man ihn nicht, bleibt er möglicherweise in derselben Grösse bestehen.

In den Wechseljahren sinkt der Anteil weiblicher Geschlechtshormone im Körper, sodass sich ein Fibroadenom womöglich von selbst zurückbildet. Steigt der Hormonspiegel hingegen, etwa in der Schwangerschaft oder unter einer Hormontherapie, wird das Fibroadenom unter Umständen grösser. Bei unvollständig entfernten Knoten besteht die Möglichkeit, dass diese nachwachsen (Rezidiv).

Wie wird ein Fibroadenom behandelt?

Wurde die Diagnose Fibroadenom gestellt, ist eine Behandlung aus medizinischer Sicht nicht zwingend erforderlich. Es wird lediglich empfohlen, die Brust regelmässig durch den Frauenarzt untersuchen zu lassen. So erkennt er schnell, wenn sich das Fibroadenom doch bösartig verändert und anderweitig behandelt werden muss.

Wächst der Knoten jedoch sehr schnell und verändert die Brustform, entscheiden sich viele Frauen dafür, das Fibroadenom entfernen zu lassen. Ist in der Familie jemand an Brustkrebs erkrankt, wird ebenfalls diese kleine Operation empfohlen.

Je nachdem, an welcher Stelle sich das Fibroadenom befindet und wie gross es ist, wird durch die Operation die Form der Brust möglicherweise verändert. Ausserdem verbleiben trotz der Operation manchmal einige Fibroadenom-Zellen in der Brust. Diese Zellen bilden dann eventuell erneut einen Knoten.

Durch die Hormonumstellung während einer Schwangerschaft wachsen Fibroadenome unter Umständen schneller und verursachen Beschwerden. Aus diesem Grund empfehlen Ärzte oft, Fibroadenome vor einer Schwangerschaft zu entfernen. Nach dem Eingriff ist es den meisten Müttern möglich, problemlos zu stillen. Allerdings kommt es gelegentlich zu einem Milchstau.

Symptome

Das Fibroadenom ist meistens symptomlos. Frauen entdecken eher zufällig einen derben Knoten in der Brust. Manchmal liegen auch mehrere Knoten dicht beieinander. Tastet der Frauenarzt bei der jährlichen Vorsorgeuntersuchung die Brust (Mamma) ab, empfindet fast keine Frau durch das Fibroadenom Schmerzen.

Manchmal fühlt sich die Fibroadenom-Brust, insbesondere vor der Periode, gespannt an. Das empfinden einige Frauen als unangenehm oder leicht schmerzhaft.

In seltenen Fällen und meistens bei jüngeren Frauen gibt es eine schnell wachsende Art dieses Knotens. Dann verändert das Fibroadenom möglicherweise Mamma-Form und -Grösse. Die Brust wölbt sich dadurch gegebenenfalls leicht vor und erscheint vergrössert.

Fibroadenom: Ursachen und Risikofaktoren

Weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) regen Fibroadenom-Zellen dazu an, sich zu vermehren. Steigt die Konzentration dieser Hormone, zum Beispiel unter einer Hormonbehandlung oder in der Schwangerschaft, entstehen viele neue Drüsen- und Bindegewebszellen. Diese bilden dann in manchen Fällen einen derben Knoten, das Fibroadenom.

Untersuchung und Diagnose

Die meisten Frauen bemerken ein Fibroadenom selbst, wenn sie ihre Brust abtasten. Um die Diagnose zu stellen, fragt der Arzt zunächst nach Beschwerden und der Vorgeschichte (Anamnese).

Es ist wichtig, dass der Arzt ausschliesst, dass es sich im Unterschied zu einem Fibroadenom um eine bösartige Veränderung (Brustkrebs) handelt. Er überprüft, ob sich die Brustform verändert hat und tastet die Brust und die Achselhöhlen ab. Entdeckt er dabei einen auffälligen Knoten oder eine andere unklare Veränderung, schliessen sich gegebenenfalls folgende Untersuchungen an:

Sonografie

Ein Fibroadenom ist mittels Ultraschall meistens ausreichend zu erkennen und kann von anderen Knoten abgegrenzt werden. Der Arzt trägt Gel auf Brust und Achselhöhle auf und fährt die Brust mit dem Ultraschallkopf systematisch ab. Diese Untersuchung ist nicht schmerzhaft. Höchstens das kalte Ultraschallgel wird möglicherweise als unangenehm empfunden.

Mammografie

Hierbei handelt es sich um eine spezielle Röntgenuntersuchung, die ab dem 50. Lebensjahr zur regelmässigen Brustkrebsfrüherkennung durchgeführt wird.

Für die Röntgenaufnahme wird die Brust zwischen zwei Platten gepresst. Die meisten Frauen empfinden diese unschädliche Prozedur als schmerzhaft. Es ist allerdings notwendig, um das gesunde Brustdrüsengewebe auseinanderzuspreizen und einen bösartigen Knoten von einem Fibroadenom zu unterscheiden.

Meistens ergibt diese Untersuchung eine weiterführende Diagnose. Für junge Frauen ist die Mammografie eher ungeeignet. Ihr Brustgewebe ist noch so dicht, dass sich Veränderungen schlecht identifizieren lassen. Bei Frauen ab dem 40. Lebensjahr stellt die Mammografie jedoch die bevorzugte Untersuchungsmethode dar.

Kernspintomografie (MRT)

In bestimmten Fällen ist eine Kernspin- oder auch Magnetresonanztomografie notwendig, um ein Fibroadenom zu diagnostizieren oder auszuschliessen. Dazu zählen Frauen, die schon einmal an der Brust operiert worden sind, Silikonimplantate tragen oder in der Vergangenheit Brustkrebs hatten.

Im MRT sind Veränderungen auch in dichtem Drüsengewebe gut zu erkennen. Für die Untersuchung bekommen die Patientinnen manchmal ein Kontrastmittel in eine Vene gespritzt. Während der Aufnahme in der Untersuchungsröhre müssen sie möglichst still liegen. Bei der Kernspintomografie entsteht keine schädliche Strahlung.

Stanzbiopsie

Trotz der genannten Untersuchungsmöglichkeiten ist es manchmal nicht möglich, ein eindeutiges Ergebnis zu erlangen. Falls nötig, greift der Arzt zur Diagnose dann auf eine Stanzbiopsie zurück.

Diese Untersuchung wird auch dann durchgeführt, wenn eine der anderen Untersuchungen zu einem auffälligen Ergebnis geführt hat und weiter abzuklären gilt. Mit einer Art Pistole (ähnlich wie beim Ohrringschiessen) entnimmt der Arzt ein zylinderförmiges Gewebestück aus dem Knoten.

Dabei wird die Brust meistens vorher örtlich betäubt, sodass möglichst keine Schmerzen entstehen. Anschliessend wird die Gewebeprobe von einem Gewebespezialisten (Pathologen) unter dem Mikroskop untersucht. So stellt er fest, ob es sich um ein Fibroadenom oder einen anderen Knoten handelt.

Knotenentfernung (Exzision)

Bei grösseren Fibroadenomen, schnellem Wachstum und Frauen, die älter als 40 Jahre alt sind, entfernt der Arzt in der Regel den gesamten Knoten operativ und lässt ihn im Labor untersuchen.

Vorbeugen

Eindeutige Empfehlungen dazu, wie sich die Entstehung von Fibroadenomen verhindern lässt (zum Beispiel durch eine gezielte Ernährung), gibt es nicht. Frauen haben jedoch die Möglichkeit, zur Früherkennung eines Fibroadenoms beizutragen, indem sie ihre Brust regelmässig selbst abtasten und ihre Vorsorgetermine wahrnehmen.

Auch nach der operativen Entfernung eines Fibroadenoms wird Betroffenen empfohlen, die Brust möglichst einmal im Monat kurz nach der Menstruation gründlich abzutasten. Auf diese Weise lassen sich Knoten, die aus gegebenenfalls zurückgebliebenen Fibroadenom-Zellen entstehen, früh erkennen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Prof. Dr. med. Martin Kolben
Autor:
Dr. med. R. Schwarz
Dr. med.  R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

ICD-Codes:
D24
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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