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Wassergeburt

Wasser Geburt
Geburtswannen gibt es in nahezu allen Kliniken und Geburtshäusern. (1127735352 / iStockphoto)

Eine Wassergeburt wird von vielen Frauen als angenehm empfunden, eignet sich aber dennoch nicht für jede werdende Mutter.

In den meisten Kreißsälen gibt es eine Geburtswanne, in der die Frau ihr Kind unter Wasser zur Welt bringen kann. Eine Wassergeburt kann sich positiv auf den Geburtsverlauf auswirken, vorausgesetzt die Frau fühlt sich darin wohl und die Geburt verläuft ohne Komplikationen. Das warme Bad hat eine schmerzlindernde und entspannende Wirkung und hilft der Frau, sich während der Geburt auf das Atmen zu konzentrieren.

Geburtsverletzungen wie ein Dammriss kommen bei einer Wassergeburt seltener vor, weil sich die Beckenbodenmuskulatur durch die Wärme des Wassers besser lockern und entspannen kann. Sollte ein Dammschnitt notwendig sein, wird dieser aber – um das Infektionsrisiko für Mutter und Kind so niedrig wie möglich zu halten – in der Regel „an Land“ durchgeführt.

+++ Mehr zum Thema: Geburt – Entscheidungshilfen +++

Wie wähle ich die richtige Klinik für eine Wassergeburt aus?

Die Möglichkeit zur Wassergeburt gibt es in nahezu jeder Klinik. Ob eine Geburt in der Wanne möglich ist, kann bereits bei einer Klinikbesichtigung am Beginn der Schwangerschaft geklärt werden. Eine Wannengeburt ist aber auch in vielen Geburtshäusern möglich und unter bestimmten Voraussetzungen auch im eignen Badezimmer.

+++ Mehr zum Thema: Geburtsvorbereitung +++

Was ist besonders an einer Geburtswanne?

Geburtswannen sind breiter und tiefer als gewöhnliche Badewannen, damit die Frau die für sie angenehmste Position während der Geburt einnehmen kann. Das Wasser sollte möglichst bis an die Brust reichen, jedenfalls aber der gesamte Bauch vom warmen Wasser umspielt sein. Zudem sollte die Wanne möglichst frei im Raum stehen, sodass sie von allen Seiten gut erreicht werden kann. Lichtquellen sind so eingebaut, dass keine Spiegelungen an der Wasseroberfläche, die den Blick ins Wasser erschweren, entstehen.

+++ Mehr zum Thema: Hilfsmittel für die Geburt +++

Geburt in der Badewanne

Einige Hebammen betreuen Wassergeburten auch zu Hause. Eine Wannengeburt im eigenen Zuhause ist aber nur dann möglich, wenn die Badewanne groß genug und gut zugänglich ist bzw. alternativ ein Geburtspool (mobile Geburtswanne) zur Verfügung steht.

Es ist daher empfehlenswert, bereits einige Wochen vor dem erwarteten Geburtstermin vorstellbare Gebärpositionen in der Badewanne auszuprobieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob diese Art der Entbindung angenehm sein könnte. Zu beachten ist jedenfalls, dass herkömmliche Badewannen in der Regel enger und niedriger sind als Geburtswannen im Krankenhaus oder auch Geburtspools für zuhause. Auch die Hebamme sollte in die Entscheidung für oder gegen die Geburt in der eigenen Badewanne miteinbezogen werden. Sie kann abschätzen, ob die örtlichen Gegebenheiten eine Wannengeburt möglich machen.

Gibt es im eigenen Haushalt keine Badewanne, oder ist diese aus genannten Gründen nicht für eine Hausgeburt geeignet, gibt es auch die Möglichkeit, eine mobile Geburtswanne (Geburtspool) aufzustellen. Auch hier gibt es einige Vorkehrungen – insbesondere die technische Ausrüstung betreffend – die bereits einige Zeit vor der Geburt getroffen werden müssen.

+++ Mehr zum Thema: Wann beginnt die Geburt? +++

Welche Vorbereitungen sind vor einer Wassergeburt nötig?

In der Regel bekommt die werdende Mutter vor Beginn der Geburt einen Einlauf. Er soll verhindern, dass das Wasser in der Wanne durch unbeabsichtigten Stuhlgang während der Austreibungsphase verunreinigt wird.

Die optimale Wassertemperatur liegt zwischen 34 und höchstens 37 Grad, bei höheren Temperaturen steigt die Kreislaufbelastung für die werdende Mutter.

In manchen Fällen wird zuvor noch ein Venenzugang gelegt, damit im Falle von Komplikationen oder der Notwendigkeit der Injektion eines Medikamentes schnell reagiert werden kann. Auch das Gebärbett sollte als Alternative zur Wanne bereitstehen.

+++ Mehr zum Thema: Peinlicher Stuhlgang während der Geburt +++

Wann kann die Entbindende in die Wanne einsteigen?

Sobald alle Vorbereitungen getroffen, kann die Schwangere in die Wanne einsteigen. Sie kann die Wanne aber auch zu jedem Zeitpunkt wieder verlassen, etwa wenn sie sich nicht wohl fühlt oder die Toilette aufsuchen möchte. Sollten Komplikationen auftreten, muss sie das Wasser verlassen. In manchen Fällen lassen die Wehen während der Eröffnungsphase nach, sobald sich die Frau ins Wasser legt und entspannt. Auch in diesem Fall sollte sie die Wanne nach einiger Zeit wieder verlassen.

Wie läuft die Geburt im Wasser ab?

Eine Wassergeburt läuft im Wesentlichen nicht anders ab als eine herkömmliche Geburt „an Land“. Herztöne und Wehen können mittels moderner wasserdichter Technologie auch unter Wasser überwacht werden.

In der Eröffnungsphase der Geburt kann das warme Wasser dabei helfen, den Muttermund zu erweitern und die Wehen zu verstärken. In der Austreibungsphase begünstigt das Wasser die Dehnung des Beckens und lockert die Beckenbodenmuskulatur. Durch den Auftrieb des Wassers (kann auch durch Zugabe von Meersalz verstärkt werden) fällt es zudem der Frau leichter, die Position zu ändern und sich zwischen den Wehen auszuruhen. Auch der Druck auf den Beckenboden durch das Tiefertreten des Kindes wird im Wasser oft als weniger stark empfunden. Zudem sind im Wasser oftmals weniger Presswehen nötig, um das Kind zu gebären. Das Kind wird sanft, zügig, aber nicht hektisch entwickelt.

+++ Mehr zum Thema: Die Austreibungsphase der Geburt +++

Was passiert direkt nach der Geburt?

Sobald das Kind geboren ist, wird es für den ersten Atemzug an die Wasseroberfläche gebracht. Die Angst, das Baby könnte unter Wasser einatmen und ertrinken, ist unbegründet. Der erste Atemzug des Kindes wird erst durch den Kontakt des Gesichts mit Luft angeregt – ein angeborener Reflex. Nach dem ersten Atemzug über Wasser darf es aber nicht mehr untergetaucht werden.

Danach werden die Atemwege des Kindes – also Nase, Mund und Rachen – von Fruchtwasser befreit, damit es nichts davon einatmet. Anschließend wird das Neugeborene der Mutter übergeben und abgenabelt.

Auch die Nachgeburt (Geburt der Plazenta) kann – wenn gewünscht – im Wasser erfolgen, die Nachgeburtswehen setzen bei Wassergeburten durch die entspannende Wirkung des Wasser aber manchmal erst etwas später als bei einer Geburt „an Land“ ein. Nach der Geburt des Mutterkuchens werden eventuelle Geburtsverletzungen oder Schnitte versorgt.

Bereits wenige Minuten nach der Geburt kann sich die frisch gebackene Mutter duschen und sich gemeinsam mit dem Neugeborenen ausruhen.

+++ Mehr zum Thema: Komplikationen nach der Geburt +++

Was sind die Vorteile einer Unterwassergeburt?

  • Wehentätigkeit und Schmerzempfinden können bereits in der Eröffnungsphase durch das Wasser reguliert werden.
  • Das Schweben zwischen den Wehen unterstützt die Erholung.
  • Der Auftrieb im Wasser erleichtert die Beweglichkeit: Die Frau kann zwischen den Geburtspositionen fließend hin und her wechseln, was sich wiederum positiv auf den Geburtsfortschritt auswirken kann.
  • Das warme Wasser lockert und entspannt den Beckenboden.
  • Kraftreserven – vor allem für die zweite Geburtsphase – werden geschont.
  • Während der Austreibungsphase schützt das Wasser den Damm.
  • Der Pressdrang wird durch die Druckminderung reduziert, das Baby muss nicht so stark herausgepresst werden. Geringere Schmerzen und ein geringeres Verletzungsrisiko sind die Folge.
  • Für das Baby bedeutet eine Wassergeburt einen sanfteren Übergang ins Leben – vom Fruchtwasser ins Wannenwasser.

Was sind die Nachteile einer Wassergeburt?

  • Die Befürchtung, dass eine Wassergeburt mit einem erhöhten Infektionsrisiko für Mutter und Kind einhergeht, sind unbegründet, vorausgesetzt, es werden die empfohlenen Hygienemaßnahmen eingehalten. So sollte die Frau spätestens nach der Nachgeburt (Geburt der Plazenta) die Wanne verlassen, um eine Infektion der entstandenen Wundflächen an der Gebärmutterwand zu vermeiden.
  • Im Falle von Komplikationen kann unter Umständen nicht so schnell eingegriffen werden, da die Frau erst die Wanne verlassen muss.
  • Zudem kann die Hebamme bei einer Geburt im Wasser den Damm der Frau weniger gut schützen.
  •  Auch eine Periduralanästhesie (PDA) ist im Wasser nicht möglich.

+++ Mehr zum Thema: Schmerzmittel bei der Geburt ++

Wann darf nicht in der Wanne entbunden werden?

Frauen mit Risikoschwangerschaften bzw. Frauen, bei denen mit einer komplizierten Entbindung gerechnet werden muss, sollten von einer Wassergeburt Geburt absehen.

Absolute Kontraindikationen:

Relative Kontraindikationen:

 Wassergeburt trotz Streptokokken-Infektion?

Eine Streptokokkeninfektion der Mutter ist per se kein Ausschlussgrund für eine Wassergeburt. Studien zeigen, dass für Mutter und Kind nach Wassergeburten keine zusätzliche Infektionsgefahr besteht.

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Aktualisiert am:
Quellen

Luzerner Kantonsspital, Wassergeburt, https://www.obsgyn-wiki.ch/geburtszentrum/fachliche-weisungen/wassergeburt-infektionsprophylaxe-und-kontraindikationen (letzter Zugriff am 28.04.2020)

Deutscher Hebammenverband: Geburtsarbeit – Hebammenwissen zur Unterstützung der physiologischen Geburt; Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart; 2. Auflage 2013

Geist C., Harder U., Stiefel A.: Hebammenkunde – Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf; Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart; 5.Auflage 2012

Weyerstahl T., Stauber M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, Duale Reihe; Georg Thieme Verlag KG Stuttgart; 4.Auflage 2013

Huch R., Largo R.: Schwangerschaft, Geburt und erste Babymonate; TRIAS Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co KG Stuttgart; 2009
 

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