Sehtest – Führerschein

Von Lena Machetanz, Ärztin
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Hier geht es nicht ohne Sehtest: Führerschein-Besitzer wird nur, wer die Schärfe seiner Augen offiziell hat prüfen lassen. Deswegen heisst es für Führerscheinanwärter: Ab zum Sehtest! Den muss eine amtlich anerkannte Sehteststelle durchführen. Lesen Sie hier, wann der Test als bestanden gilt und was zu tun ist, wenn man durchfällt!

Sehtest: Führerschein

Was sind die Anforderungen beim Sehtest?

Führerschein-Bewerber müssen sich ihr gutes Sehvermögen offiziell bescheinigen lassen. Den nötigen Sehtest führen entweder Ärzte oder Augenoptiker (mit entsprechendem Diplom) durch. Um die Sehfunktion beurteilen zu können, testet der Untersucher das Gesichtsfeld und die Sehschärfe. Zudem fragt er den Anwärter, ob er doppelt sieht, und erhält so Aufschluss über die Augenbeweglichkeit.

Bei den Fahrausweis-Kategorien A, A1, B, B1, F, G und M ist der Sehtest bestanden, wenn

  • die Sehschärfe (Visus) mindestens 0,5 auf dem besseren Auge und mindestens 0,2 auf dem schlechteren Auge beträgt. Sieht jemand nur mit einem Auge (Visus auf dem anderen unter 0,2), muss der Visus bei 0,6 oder höher liegen.
  • das Gesichtsfeld bis zu einem gewissen Grad uneingeschränkt erhalten ist (nach links und rechts mind. 50 Grad, zusammen mind. 120 Grad; nach oben und unten mind. 20 Grad; kein Ausfall im zentralen Gesichtsfeld bis zu einem Radius von 20 Grad). Mehr zur Gesichtsfeldmessung im Allgemeinen lesen Sie in unserem Beitrag "Perimetrie".
  • keine Zweifel am ausreichenden Sehvermögen aufkommen (z.B. sollten keine Doppelbilder oder eine hohe Blendempfindlichkeit vorliegen).

Personen, die bereits eine Sehhilfe haben, bestreiten den Test damit.

Hat der Führerscheinanwärter noch keine Sehhilfe, aber ein mangelhaftes Sehvermögen, benötigt er zum Ausgleich eine Brille oder Kontaktlinsen. Wenn jemand eine solche Sehhilfe für den perfekten Durchblick im Strassenverkehr in Anspruch nehmen muss, wird das mit einem entsprechenden Vermerk im Führerschein kenntlich gemacht.

Besteht man den Sehtest trotz (angepasster) Sehhilfe nicht, ist eine fachärztliche Untersuchung durch einen Augenarzt erforderlich. Er untersucht das Sehvermögen des Bewerbers eingehender.

Verliert ein Patient ein Auge oder erblindet er auf einem Auge, so darf er vier Monate nicht am Strassenverkehr teilnehmen, damit er sich erst an sein eingeschränktes Gesichtsfeld gewöhnen kann. Im Anschluss darf er wieder ein Fahrzeug führen, sofern das verbleibende Auge eine Sehschärfe von mindestens 60 Prozent aufweist (Visus 0,6). Der Sehtest muss durch einen Augenarzt erfolgen, zudem ist eine Kontrollfahrt notwendig.

Ablauf Sehtest

Einen Führerschein erhält nur, wer einen offiziellen Sehtest vorlegt. Die Sehschärfe prüft der Arzt in einem standardisierten Sehtest meist mithilfe von Sehzeichentafeln oder entsprechenden Geräten. Der Führerschein-Anwärter muss dabei entweder die offene Stelle von Landoltringen oder die Ausrichtung der Snellen-Haken ("E") erkennen.

Die Prüfung des Gesichtsfeldes erfolgt häufig mittels Fingerperimetrie. Liegen beispielsweise Augenerkrankungen vor, prüft ein Arzt das Gesichtsfeld mit Hilfe eines speziellen Geräts (mehr dazu im Artikel "Perimetrie"). fragt der Untersucher nach anderweitigen Einschränkungen, etwa ob man nachts schlecht sieht, leicht geblendet ist oder Gegenstände manchmal doppelt erscheinen. Im Zweifelsfall erfolgen weitere Tests durch einen Augenarzt.

Sehtest: Lkw- und Bus-Führerschein sowie für Personentransport

Für den Lkw- sowie Bus-Führerschein (Klassen C, C1, D, D1) und für die berufsmässige Fahrgastbeförderung (z.B. Taxi) gelten strengere Anforderungen an das Sehvermögen. Hier gelten folgende Mindestwerte:

  • Die Sehschärfe muss bei mindestens 0,8 auf dem besseren Auge und bei mindestens 0,5 auf dem schlechteren Auge liegen.
  • Das Gesichtsfeld muss in der Horizontalen bei mindestens 140 Grad liegen (nach rechts und links mind. 70 Grad) und nach oben und unten mindestens 30 Grad. Das zentrale Gesichtsfeld darf in einem Radius von 30 Grad nicht ausgefallen sein.

Wie lange ist der Sehtest gültig?

Der Sehtest beziehungsweise das ärztliche Gutachten darf beim Erwerb eines Führerscheins nicht länger als 24 Monate zurückliegen. Das bedeutet, dass Sie nach der Untersuchung beim Arzt oder Optiker innerhalb von zwei Jahren Ihren Führerschein machen müssen – anderenfalls müssen Sie den Sehtest wiederholen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz: Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (Fahrerlaubnis-Verordnung - FeV), unter: www.gesetze-im-internet.de (Abrufdatum: 30.09.2022)
  • Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastuktur (BMVI): Voraussetzungen für die Fahrerlaubnis und Geltungsdauer, unter: www.bmvi.de (Abrufdatum: 30.09.2022)
  • Goebeler, M. et al.: Augenheilkunde, Dermatologie und HNO, Springer Verlag, 2011
  • Österreichs Digitales Amt: Fahrausbildung - Ärztliches Gutachten, unter: www.oesterreich.gv.at (Abrufdatum: 30.09.2022)
  • Rechtsinformationssystem des Bundes: Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung, Fassung vom 30.09.2022, unter: www.ris.bka.gv.at (Abrufdatum: 30.09.2022)
  • Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM): Verkehrsmedizinische Beurteilung des Sehvermögens, Stand: Mai 2019, unter: www.irm.unibe.ch (Abrufdatum: 30.09.2022)
  • Schweizerischer Bundesrat: Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (Verkehrszulassungsverordnung, VZV), Stand: April 2022, unter: fedlex.data.admin.ch (Abrufdatum: 30.09.2022)
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