Endometriumablation

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Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

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Bei der Endometriumablation wird mittels grosser Hitze die Gebärmutterschleimhaut verödet und dauerhaft entfernt. Der häufigste Grund für diesen Eingriff sind Störungen der Regelblutung, die sich medikamentös nicht behandeln lassen. Lesen Sie alles Wichtige über die Endometriumablation, wie sie abläuft und welche Risiken sie birgt. 

Endometriumablation

Was ist eine Endometriumablation?

Bei der Endometriumablation wird die Schleimhaut der Gebärmutter durch sehr grosse Hitze bis auf die Muskulatur der Gebärmutterwand verödet. Dabei stirbt das behandelte Gewebe ab. In seltenen Fällen wird statt grosser Hitze starke Kälte verwendet.

Der Eingriff wirkt einem erneuten Aufbau der Schleimhaut im monatlichen Zyklus entgegen und reduziert somit die Monatsblutung auf ein normales Mass oder verhindert sie sogar ganz.

Die Endometriumablation ist keine Verhütungsmethode!

Die Endometriumablation stellt die komplikationsärmere Alternative zur operativen Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) dar. Dabei unterscheidet man zwischen Verfahren der ersten und zweiten Generation:

Verfahren der ersten Generation

  • Resektion mit der Resektionsschlinge: Strom wird durch eine Drahtschleife geleitet und erhitzt sie, sodass damit die Schleimhaut der Gebärmutter verödet werden kann.
  • Koagulation mit der Roller-Ball-Elektrode: Strom wird durch einen kugelförmigen Aufsatz geleitet und erhitzt ihn.
  • Laser-Ablation durch einen ND:YAG-Laser: Laser veröden die Schleimhaut.

Verfahren der zweiten Generation

  • Hydrothermablation: Flüssigkeit wird in die Gebärmutter gepumpt und dort stark erhitzt.
  • Bipolares Netz (NovaSure, Goldnetz-Methode): Ein dünnes Goldnetz wird innerhalb der Gebärmutter aufgespannt und stark erhitzt.
  • Mikrowellen-Ablation (Microwave): Mikrowellenenergie wird durch eine Sonde an die Gebärmutterschleimhaut abgegeben.
  • Uterinballonmethode (Thermokoagulation): Ein Ballon am Ende eines Katheters wird in die Gebärmutter eingeführt und mit heisser Flüssigkeit gefüllt.

Wann führt man eine Endometriumablation durch?

Eine Endometriumablation wird in folgenden Fällen durchgeführt:

  • bei schwer behandelbaren Blutungsstörungen wie zu starker Regelblutung bei normaler oder verlängerter Blutungsdauer (Hypermenorrhoe bzw. Menorrhagie)
  • bei Blutungsstörungen unter gerinnungshemmender Dauertherapie
  • als Alternative zur operativen Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie)

Störungen der Regelblutung können durch Hormonstörungen, gutartige Wucherungen (Polypen,  Myome) oder bösartige Tumore ausgelöst werden.

Die Endometriumablation wird nur bei abgeschlossener Familienplanung durchgeführt, da hinterher die Fehlbildungsrate bei Neugeborenen deutlich erhöht wird.

Bei bösartigen Veränderungen der Gebärmutter (Karzinome) oder Vorstufen davon wird die Endometriumablation nicht angewendet.

Was macht man bei einer Endometriumablation?

Die Ablation ist ein minimal-invasiver Eingriff, der nur kleinste Verletzungen von Haut und Weichteilen verursacht. Wie bei jeder Operation werden zuvor einige Standarduntersuchungen - zum Beispiel ein EKG und eine Blutanalyse - durchgeführt. Hinzu kommen eine eingehende persönliche Beratung und Aufklärung der Patientin durch den betreuenden Arzt. Die Frau wird zudem von einem Narkosearzt (Anästhesist) über die für den Eingriff notwendige Vollnarkose aufgeklärt.

Jeder Endometriumablation geht eine Ausschabung mit einer feingeweblichen Untersuchung im Labor auf Myome, Polypen oder Vorstufen bösartiger Veränderungen vorweg. Eine Hormongabe (GnRH = Gonadotropin releasing hormone) vor der Operation dünnt die Gebärmutterschleimhaut aus. Das kann die Operationsdauer verkürzen und das Ergebnis verbessern.

Zu Beginn der Operation verschafft sich der Operateur über eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) einen direkten Blick in die Gebärmutter, um zum Beispiel bösartige Veränderungen auszuschliessen. Möglich wird dies über das Hysteroskop - ein röhrenförmiges Instrument mit einer kleinen Kamera am vorderen Ende. Es wird über Scheide und Muttermund in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Über das Hysteroskop kann der Arzt auch benötigte Instrumente einführen.

Verfahren der ersten Generation

Die gängigste Methode bei der Endometriumablation ist die Kombination aus Schlingenresektion und Roller-Ball-Koagulation (Verfahren der ersten Generation). Dabei trägt der Chirurg zunächst die grösseren Bereiche der Vorder-, Hinter- und Seitenwände der Gebärmutter mit der Schlinge ab, um dann mit dem Rollerball die Schleimhaut im oben liegenden Teil (Fundus uteri) und in den Ecken der Eileiter (Tubus) zu veröden.

Verfahren der zweiten Generation

Inzwischen setzen sich aber Verfahren der zweiten Generation zur Entfernung der Gebärmutterschleimhaut immer mehr durch. Sie sind einfacher anzuwenden und haben ein geringeres Risiko für Komplikationen.

Bei der Uterinballonmethode wird ein zusammengefalteter Kunststoffballon in die Gebärmutterhöhle eingeführt und mit heisser Flüssigkeit aufgeblasen. Durch die starke Hitze stirbt die Gebärmutterschleimhaut innerhalb einiger Minuten ab.

Bei der Goldnetz-Methode wird über die Scheide ein dünnes Goldnetz in die Gebärmutterhöhle eingebracht und dort entfaltet, sodass es sich an die Schleimhaut anlegt. Dann wird kurz Hochfrequenzstrom in das Netz geleitet, was die Schleimhaut verödet. Zum Schluss wird das Netz wieder aus der Gebärmutter entfernt.

Welche Risiken birgt eine Ablation?

Neben den allgemeinen Risiken einer Operation wie beispielsweise einer Infektion besteht auch die Möglichkeit spezifischer Komplikationen. Da die Endometriumablation allerdings ein schonendes Verfahren ist, sind diese jedoch selten. Es zählen dazu:

  • Durchbohrung der Gebärmutterwand
  • Wundheilungsstörungen
  • Postendometriumablations-Syndrom (Blutungen bzw. Blutstau in der Gebärmutter)
  • Verletzung von Nachbarorganen

Nicht zuletzt kann es passieren, dass nach der Endometriumablation die behandelte Krankheit (z.B. Hypermenorrhoe) wieder auftritt.

Was muss ich nach einer Endometriumablation beachten?

Die Entlassung erfolgt meist mehrere Stunden - selten Tage - nach dem Eingriff. Zuvor werden Sie eingehend untersucht und führen ein abschliessendes Gespräch über die weiteren Massnahmen mit Ihrem behandelnden Arzt.

Dieser wird Sie darauf hinweisen, dass trotz Endometriumablation die Möglichkeit einer Schwangerschaft besteht und Verhütungsmassnahmen dringend erforderlich sind. Schwangerschaften nach einem solchen Eingriff bergen nämlich ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen beim Kind.

In den ersten Tagen nach der Operation kann es bisweilen zu Wundblutungen und einem bräunlichen Ausfluss kommen. Für drei Wochen sollten Sie auf Schwimmen, Baden, Geschlechtsverkehr, Tampons und Saunabesuche verzichten, da der Muttermund noch etwas geöffnet ist.

Um den Erfolg der Behandlung beurteilen zu können, sind mehrere Kontrolluntersuchungen ratsam - in welchem Zeitabstand, erfahren Sie vom behandelnden Arzt.

Treten die Blutungsbeschwerden wieder auf, kann eine weitere Endometriumablation oder eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) notwendig werden.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Valeria Dahm
Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Quellen:
  • Altgassen, C. et al.: "Operative, organerhaltende Behandlung der dysfunktionellen uterinen Blutung" in: Frauenarzt Nr. 3 2010 S. 218 – 222
  • Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Endoskopie (AGE): "Gebärmutterspiegelung" unter: www.ag-endoskopie.de (Abruf: 27.01.2022)
  • Gätje, R. et al.: Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, Thieme Verlag, 2. Auflage 2015
  • Göretzlehner, G.; Römer, T.: Blutungsstörungen: Neugeborenenperiode bis Postmenopause, De Gruyter Verlag, 2. Auflage 2013
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 27.01.2022)
  • Römer, T.: Operative Hysteroskopie, De Gruyter Verlag, 3. Auflage 2021
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