Ultraschalltherapie

Von Lena Machetanz, Ärztin
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Die Ultraschalltherapie ist eine Behandlung im Rahmen der Elektrotherapie. Dabei wird mithilfe von Schallwellen Wärme im Gewebe erzeugt. So soll die Ultraschalltherapie Schmerzen bei Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen lindern. Lesen Sie alles Wichtige über das Verfahren, wie es abläuft und welche Risiken es birgt.

Wie funktioniert die Ultraschalltherapie?

Der Physiotherapeut bestreicht zunächst die zu behandelnde Körperregion mit einem speziellen Ultraschallgel. So wird zwischen Haut und Ultraschallkopf eine optimale Verbindung hergestellt - bereits kleine Luftschichten zwischen Schallkopf und Körperoberfläche würden nämlich die Übertragung der Schwallwellen verhindern. Alternativ kann die Ultraschallbehandlung auch in einem Wasserbad erfolgen.

Während der Behandlung fährt der Therapeut mit dem Schallkopf über die zu behandelnde Körperstelle. Die Schallwellen werden entweder kontinuierlich (Gleichschall) oder pulsweise (Impulsschall) vom Gerät abgegeben. Sie dringen dabei bis zu fünf Zentimeter tief in das Gewebe ein. Ausserdem kommt es bei der Ultraschallbehandlung zu einer sogenannten Mikromassage.

Eine Sonderform der Ultraschalltherapie ist die Ultraphonophorese, bei der zum Beispiel entzündungshemmende Medikamente über Ultraschallwellen in den Körper eingebracht werden.

Wann kann eine Ultraschalltherapie hilfreich sein?

Die Schallwellen wirken vor allem dort, wo zum Beispiel Sehnen und Knochen aufeinandertreffen. Knochen reflektieren die Schallwellen stärker als das umliegende Gewebe, und Wärme entsteht. Deshalb wird die Ultraschalltherapie vor allem bei folgenden Beschwerden und Erkrankungen eingesetzt:

  • chronische Schmerzen der Sehnenansätze aufgrund von Verschleiss oder Fehlbelastung (Tendinose)
  • Verletzung von Bändern, Sehnen und Schleimbeuteln
  • Knochenwallbildung (Periostose)
  • oberflächlich liegende Arthrose (Gelenkverschleiss)
  • verzögerte Knochenheilung nach Knochenbrüchen
  • Weichteilverletzungen durch Unfälle (Prellung, Verstauchung)
  • Wirbelsäulensyndrom (Sammelbegriff für akute oder chronische Schmerzen, die meist von Muskulatur, Bandscheiben und/oder Wirbelgelenken ausgelöst werden und mit Funktionsstörungen im Bereich der Wirbelsäule verbunden sind - ggf. mit Beteiligung von Armen und/oder Beinen)
  • rheumatische Erkrankungen
  • chronisch entzündliche Erkrankungen

Meist wird die Ultraschalltherapie als ergänzende Massnahme, zum Beispiel in Kombination mit einer Physiotherapie, eingesetzt.

Die Wirksamkeit der Ultraschalltherapie konnte für viele Anwendungsbereiche noch nicht ausreichend belegt werden. Weitere Untersuchungen sind daher notwendig.

Was für Risiken birgt die Ultraschalltherapie?

Obwohl Ultraschall sehr gut dosierbar ist, bestehen einige Risiken. Im Falle einer Überdosierung kann Gewebe absterben (Nekrose). Sollten Sie während oder nach der Ultraschalltherapie Schmerzen empfinden, geben Sie Ihrem Therapeuten bitte sofort Bescheid.

Wann bzw. wo darf eine Ultraschalltherapie nicht durchgeführt werden?

Eine Ultraschalltherapie ist immer dann kontraindiziert, wie die dabei erzeugte Wärme im Gewebe einen Krankheitsprozess negativ beeinflussen würde - also zum Beispiel in folgenden Fällen:

  • akute Infektionen, Infektionskrankheiten und fieberhafte Zustände
  • Entzündung oberflächlicher Venen mit Gerinnselbildung (Thrombophlebitis)
  • Verschluss tiefer Venen durch ein Blutgerinnsel (Phlebothombose, auch tiefe Venenthrombose genannt)
  • krankhaft erhöhte Blutungsneigung (hämorrhagische Diathese)
  • "Raucherbein" (periphere arterielle Verschlusskrankheit) mit dem Schweregrad 3 oder 4
  • Hautveränderungen (v.a. entzündliche Veränderungen)
  • nicht abgeklärte Tumore
  • nachgewiesene Arteriosklerose ("Arterienverkalkung")

Auch der Bereich über Laminektomie-Narben (Laminektomie = operative Entfernung von Teilen der knöchernen Wirbelkörper) ist für eine Ultraschalltherapie tabu. Das Gleiche gilt für die Herzregion im Umkreis von 30 bis 40 Zentimetern bei Menschen, die einen Schrittmacher tragen.

Darüber hinaus gibt es Organe und Gewebe, die grundsätzlich nicht beschallt werden dürfen, zum Beispiel die Hoden und die Augäpfel. Bei Schwangeren darf auch im Bereich der Gebärmutter keine Ultraschalltherapie durchgeführt werden.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Bischoff, H.P. et al.: Praxis der konservativen Orthopädie, Georg Thieme Verlag, 2007.
  • Bossert, F.-P. & Vogedes, K.: Elektrotherapie, Licht- und Strahlentherapie, Elsevier / Urban & Fischer Verlag, 4. Auflage, 2019.
  • J. Henning et al.: Cochrane Review Map Physiotherapie bei Hüft- undKniearthrose - ein Pilotprojekt mit Studierenden, Cochrane Okt. 2017
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 10.02.2022)
  • Stange, R. et al.: Lehrbuch Naturheilverfahren, Hippokrates Verlag, 1. Auflage 2010
  • Waldner-Nilsson, B. et al.: Handrehabilitation, Springer Verlag, 3. Auflage, 2013.
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