Prellung

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Eine Prellung (Kontusion) ist eine stumpfe, geschlossene Verletzung, die beispielsweise durch Schlag, Stoss, Aufprall herabfallender Gegenstände, Sturz oder Fall entsteht. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema Prellung und erfahren Sie unter anderem: Wie lassen sich Prellungen behandeln? Wie lange dauert eine Prellung? Welche Symptome verursacht sie?

Knie mit Bluterguss durch Prellung

Kurzübersicht

  • Behandlung: Die Behandlung richtet sich nach Art und Schwere der Prellung. Zu den Erste-Hilfe-Massnahmen zählen Kühlen und Hochlagern. Bei schweren Verletzungen ist ggf. eine Punktion sinnvoll.
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Die Heilungsdauer beträgt bei leichten Prellungen wenige Tage bis Wochen. Bei einer schweren Prellung (Kontusion) dauert sie vier Wochen und länger.
  • Symptome: Zu den möglichen Beschwerden zählen je nach Schwere der Prellung Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkungen. Je nach Lokalisation treten weitere Symptome auf.
  • Ursachen und Risikofaktoren: Eine Prellung entsteht beispielsweise durch einen Schlag, Sturz oder Stoss. Häufig kommt es bei bestimmten Sportarten wie Fussball oder Eishockey zu derartigen Verletzungen.
  • Diagnostik: Die Diagnose erfolgt durch eine ärztliche Untersuchung. Diese umfasst unter Umständen auch eine Röntgenuntersuchung, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Vorbeugen: Durch spezielle Schutzkleidung lassen sich Verletzungen vermeiden und einer Prellung vorbeugen.

Was ist eine Prellung?

Als Prellung bezeichnen Mediziner eine direkte und durch Kompression entstandene Verletzung. Sie ist geschlossen – es gibt also keine sichtbare Hautverletzung und keinen Knochenbruch. Das Gewebe an der geprellten Stelle (zum Beispiel Haut, Fettgewebe, Faszien, Muskel, Sehnen, Gewebekapsel et cetera) wird gequetscht.

Je nach Art und Lokalisation der Prellung spricht man etwa von Knochenprellung, Muskelprellung, Augapfelprellung, Lungenprellung, Gehirnprellung, Oberschenkelprellung („Pferdekuss“), Rippenprellung, Knieprellung oder Schulterprellung. Eine Prellung tritt auch an anderen Körperstellen wie zum Beispiel am Fuss oder am Handgelenk auf.

Rippenprellung

Mehr über Ursache, Symptome und Behandlung geprellter Rippen erfahren Sie im Beitrag Rippenprellung.

Knieprellung

Mehr über Ursache, Symptome und Behandlung eines geprellten Knies erfahren Sie im Beitrag Knieprellung

Schulterprellung

Mehr über Ursache, Symptome und Behandlung einer geprellten Schulter erfahren Sie im Beitrag Schulterprellung.

Kontusion und Quetschung

Der medizinische Fachbegriff für Prellung lautet Kontusion (Contusio). In der Praxis wird aber oft ein Unterschied zwischen beiden Begriffen gemacht: Als Prellung bezeichnet man eine banale und mit Schmerzen verbundene Gewebeschädigung ohne längerfristige Bedeutung. Sie geht weder mit einer Blutung noch mit einer Schwellung einher.

Eine Kontusion ist dagegen eine starke Prellung, die auch mit einer Schwellung und Einblutung (Bluterguss) einhergeht. Ertastet man nach einer Prellung einen Knubbel unter der Haut, der sich als Schwellung herausstellt, ist demnach von einer starken Prellung (Kontusion) auszugehen. Wurde zusätzlich Gewebe zerstört, sprechen Mediziner von einer Quetschung.

Wie wird eine Prellung behandelt?

Erste Hilfe bei einer Prellung

Ziel der Erste-Hilfe-Massnahmen bei einer Prellung ist es, den Austritt von Blut und Lymphe in das umliegende Gewebe so weit wie möglich zu reduzieren. Gehen Sie hierbei nach der PECH-Regel vor:

  • Pausieren: Auch wenn die Schmerzen schnell vorübergehen, gilt es zunächst auf weitere sportliche Tätigkeiten zu verzichten. Denn dies würde die Durchblutung steigern, zu Schwellung und Gefässschädigungen führen.
  • Eis: Kühlen Sie die betroffene Stelle etwa 15 bis 20 Minuten lang. Dazu verwenden Sie Eispackungen oder Umschläge mit kaltem Wasser. Die Kälte bewirkt, dass sich die Blutgefässe zusammenziehen und weniger Blut austritt. Achtung: Wegen der Gefahr lokaler Erfrierungen geben Sie Eis nie direkt auf die Haut!
  • Compression: Druck von aussen verhindert möglicherweise, dass das Gewebe anschwillt und noch mehr Blut aus verletzten Gefässen ins umliegende Gewebe übertritt. Legen Sie deshalb möglichst einen Kompressionsverband an der verletzten Stelle an.
  • Hochlagern: Lagern Sie die verletzte Stelle hoch, wenn es möglich ist. Auch das verringert den Blutfluss zum verletzten Gebiet.

Bei Augenprellungen gilt: Kühlen Waschlappen auflegen!

Bei Prellungen des Bauchraums lindert es die Schmerzen, wenn sich der Betroffene mit angezogenen Knien hinlegt.

Pflanzliche Mittel bei Prellungen

Gegen die Schmerzen und Schwellung sollen pflanzliche Präparate helfen, zum Beispiel eine Salbe oder ein Gel auf der Basis von Arnika. Bei starken Schmerzen verordnet der Arzt Schmerzmittel wie Paracetamol.

Einige Patienten vertrauen bei Prellungen ausserdem auf Hausmittel wie zum Beispiel Quarkwickel oder Lehmpackungen. Ob ein bestimmtes Hausmittel allerdings wirklich gegen eine Prellung hilft, ist häufig nicht wissenschaftlich belegt.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Wann zum Arzt?

Manchmal ist es nicht ganz einfach, zwischen einer ernsthaften Verletzung und einer Bagatellverletzung zu unterscheiden.

Eine einfache Prellung erfordert im Allgemeinen keinen Arztbesuch. Bei starken oder anhaltenden  Beschwerden (wenn die Prellung oder Schwellung beispielsweise nicht zurückgeht) ist der Gang zum Arzt notwendig. Selbiges gilt, wenn sich bei einer anfangs banal erscheinenden Prellung die Beschwerden rasch verschlimmern.

Der Arzt hat zudem die Möglichkeit, durch entsprechende Tests beziehungsweise Untersuchungen herauszufinden, ob es sich tatsächlich um eine Prellung oder um einen Bruch handelt. Bei Schädelprellungen wird empfohlen, generell ärztlichen Rat einzuholen.

Im Zweifelsfall gilt es immer einen Arzt aufzusuchen. Insbesondere, wenn Kopf, Bauchraum oder Auge betroffen sind. So ist gegebenenfalls bei einer Augapfelprellung die Gabe von Medikamenten erforderlich, die den erhöhten Augeninnendruck senken. Hat die Prellung zu einer Netzhautablösung geführt, wird der Arzt operieren.

Bei sehr schweren Prellungen mit grossen Blutergüssen, vor allem im Gelenk, ist gegebenenfalls eine Punktion sinnvoll. Dabei saugt der Arzt mit einer Nadel die im Gewebe angesammelte Flüssigkeit ab. Manchmal entfernt der Arzt einen bestehenden Bluterguss auch operativ.

Als Komplikation einer schweren Muskelprellung kommt es unter Umständen zu einer Druckerhöhung im Muskel, dem sogenannten Kompartmentsyndrom. Dabei wird der Muskel nicht mehr mit Blut (und damit Sauerstoff) versorgt und stirbt möglicherweise ab. Deshalb ist rasch operativ für Entlastung zu sorgen.

Bei einer Gehirnprellung überweist der Arzt den Patienten meist in ein Krankenhaus.

Wie lange dauert die Heilung einer Prellung?

Eine Prellung heilt im Allgemeinen von allein und folgenlos aus. Das Gleiche gilt normalerweise auch für eine starke Prellung (Kontusion). Nur ausnahmsweise entstehen bei letzterer narbige Veränderungen im Bereich der Einblutung.

Prellung: Dauer

Die Heilungsdauer bei einer banalen Prellung beträgt meist zwei bis drei Wochen, in leichten Fällen auch nur wenige Tage. Bei einer Kontusion, die mit narbigen Veränderungen einhergeht, dauert die Heilung unter Umständen vier Wochen und länger.

Prellung: Symptome

Eine Prellung ist schmerzhaft, besonders bei Bewegung oder Belastung der verletzten Stelle. Es entstehen aber keine Einblutungen und keine wesentliche Schwellung. Solche Symptome treten erst bei einer starken Prellung (Kontusion) auf.

Oft geht eine Prellung mit einer Bewegungseinschränkung einher, etwa bei einer Muskelprellung im Bereich des Oberschenkels (Oberschenkelprellung).

Je nach Lokalisation kommen unter Umständen weitere Symptome hinzu. So führt eine starke Prellung des Augapfels nicht nur zu Schwellungen und Unterblutungen der Lider und Bindehaut, sondern schränkt möglicherweise auch das Sehvermögen ein und verlagert die Augenlinse aus der optischen Achse.

Bei einer Gehirnprellung (Contusio cerebri) treten Bewusstlosigkeit und neurologische Symptome (wie epileptische Anfälle, Riechverlust = Anosmie, Sprach-, Sehstörungen et cetera) auf.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Prellung entsteht durch direkte stumpfe Gewalteinwirkung von aussen. Dabei handelt es sich beispielsweise um einen Schlag, Sturz, Stoss, Aufprall herabfallender Gegenstände oder Einklemmung.

Sehr oft passieren Prellungen beim Sport, besonders bei Kontaktsportarten wie Fussball oder Eishockey. Aber auch bei Sportarten, bei denen man keinen direkten Kontakt mit Mitspielern hat, ist es möglich, sich eine solche Verletzung zuzuziehen. Das geschieht etwa, wenn einem ein Tennisball ins Auge fliegt (Augapfelprellung).

Untersuchungen und Diagnose

Der Arzt wird sich zuerst nach den Beschwerden und ihrer Entstehung erkundigen. Mögliche Fragen dabei sind:

  • Wie ist die Verletzung zustande gekommen? Sind Sie zum Beispiel gestürzt oder haben Sie einen Schlag abbekommen?
  • Wo genau haben Sie Schmerzen?
  • Haben Sie weitere Beschwerden?

Dann folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt begutachtet die verletzte Stelle und tastet sie vorsichtig ab. Dabei achtet er zum Beispiel auf Schwellungen, Druckschmerzhaftigkeit und Bewegungseinschränkung.

Betrifft die Prellung ein Gelenk, bildet sich möglicherweise ein Erguss, das heisst, es wird vermehrt Flüssigkeit in die Gelenkhöhle abgesondert. Wurden Blutgefässe zerstört, sammelt sich Blut in der Gelenkhöhle (Bluterguss).

Mittels einer Ultraschalluntersuchung erkennt der Arzt das Ausmass der Verletzung. Manchmal führt er Röntgenuntersuchungen durch, um eine zusätzliche knöcherne Verletzung auszuschliessen.

Bildgebende Verfahren

Eine Knochenprellung tritt besonders an Körperstellen auf, wo ein Knochen nur von einer dünnen Hautschicht bedeckt ist. Das ist etwa am Kopf, an den Rippen und am Schienbein der Fall.

Bei einer schmerzhaften, stumpfen Verletzung an solchen Stellen handelt es sich möglicherweise auch um einen Knochenbruch statt um eine Prellung. Das lässt sich nicht allein anhand der Schmerzintensität unterscheiden. Dazu ist eine Röntgenuntersuchung notwendig.

Zur genaueren Diagnose (etwa zum Ausschluss von Bandverletzungen oder bei einer Gehirnprellung) ordnet der Arzt eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) an.   

Vorbeugen

Durch spezielle Schutzkleidung lässt sich das Risiko für eine Prellung und andere schwerere (Sport-)Verletzungen senken. So wird empfohlen, etwa beim Radfahren, Skifahren und Inline-Skaten einen Helm und beim Hockey und Fussball Schienbeinschützer zu tragen. Für Snowboarder und Mountainbiker werden Rückenprotektoren empfohlen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Quellen:
  • Bischoff, H.P. et al.: Praxis der konservativen Orthopädie. Georg Thieme Verlag, 1. Auflage 2007
  • Gaidzik, P. W. et al.: Schadenbeurteilung am Bewegungssystem. Band 1: Grundlagen, Gelenkflächen, Osteonekrosen, Epiphysen, Impingement, Synovialis. Walter de Gruyter, 2016
  • Gesenhues, S. et al.: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer Verlag, 7. Auflage 2014
  • Hempfling, H. et al.: Schadenbeurteilung am Bewegungssystem. Band 1. Walter de Gruyter, 2016
  • Jänicke, C. et al.: Alternativ heilen. Gräfe und Unzer Verlag, 2006
  • Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage 2008
  • Mattle, H. et al.: Neurologie. Georg Thieme Verlag, 13. Auflage 2012
  • Plesch, C. et al.: Handbuch Sportverletzungen. Meyer & Meyer Verlag, 2015
  • Schiebler, T.H. et al.: Anatomie. Springer-Verlag, 5. Auflage 2013
  • Tempel, K.: Bewährte Hausmittel neu entdecken. Piper Verlag, 1. Auflage 2020
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