Das Verhütungspflaster

Evra Verhütungspflaster
Das Verhütungspflaster gibt kleine Dosen Hormone ab. (Tomasz Trojanowski )

Das Verhütungspflaster zählt zur breiten Palette der hormonellen Verhütungsmöglichkeiten. Es enthält wie die Antibabypille oder der Vaginalring eine Kombination aus einem Östrogen und einem Gestagen. Diese Hormone werden transdermal, also über die Haut, an den Körper abgegeben.

Wie wirkt das Verhütungspflaster?

Nach dem Aufkleben entfaltet das Pflaster seine schwangerschaftsverhütende Wirkung, indem es sieben Tage lang kontinuierlich Östrogen und Gestagen freisetzt - und zwar jeweils 33,9 Mikrogramm Ethinylestradiol und 203 Mikrogramm Norelgestromin pro Tag. Über die Haut gelangen die Wirkstoffe in die Blutbahn. Nach einer Woche muss das Pflaster durch das nächste ersetzt werden.

Die verabreichten Hormone verhindert den Eisprung. Zusätzlich wird die Zusammensetzung des Schleimpfropfs im Muttermund dahingehend verändert, dass Spermien nur mehr ausgesprochen schwer in die Gebärmutter gelangen können.

++ Mehr zum Thema: Eisprung und Befruchtung ++

Das Verhütungspflaster auf einen Blick
Hormone Ethinylestradiol/Norelgestromin (Östrogen-Gestagen-Kombination)
Sicherheit 0,9 (Pearl-Index)
Anwendung Pflaster, wird 1x/Woche gewechselt
Nebenwirkungen Brustspannen, Zwischenblutungen, Kopfschmerzen, Akne
Kosten ca. 20 Euro
Rezeptpflichtig Ja

Wie sicher ist das Verhütungspflaster?

Der Pearl-Index des Verhütungspflasters liegt bei 0,9. Der Pearl-Index gibt die Zahl der ungewollten Schwangerschaften an, die auftreten, wenn 100 Frauen ein Jahr lang ein bestimmtes Verhütungsmittel anwenden.

Das Pflaster bietet also einen annähernd so hohen Schutz wie die Pille (Kombinationspräparate). Es wird ein Zusammenhang zwischen erhöhtem Körpergewicht und beeinträchtigter Wirksamkeit angenommen.

+++ Mehr zum Thema: Pearl-Index - Wie sicher ist meine Verhütungsmethode? +++

Für wen ist das Pflaster geeignet?

Geeignet ist diese Form der hormonellen Verhütung grundsätzlich für alle Frauen, die auch die Antibabypille anwenden können. Eine Option stellt das Pflaster für Frauen dar, die hormonell verhüten möchten, sich aber nicht oder nur schwer an die regelmäßigen Einnahmezeiten der Pille halten können (z.B. weil sie einen unregelmässigen Tagesablauf haben) oder die sich schwer tun, jeden Tag eine Tablette einzunehmen.

Da die Wirkstoffe über die Haut ins Blut gelangen, kann die Verwendung des Verhütungspflasters auch für Frauen mit Magen-Darm-Problemen sinnvoll sein.

Wieviel kostet das Verhütungspflaster?

Die Kosten für das Verhütungspflaster betragen rund 18 € für ein Monat (3 Stück pro Packung) bzw. rund 48 € für drei Monate (9 Stück pro Packung). Dies ist im Vergleich zu anderen hormonellen Verhütungsmethoden relativ hoch.

Ist das Verhütungspflaster rezeptpflichtig?

Das Verhütungspflaster muss nach einer gynäkologischen Untersuchung von einem Arzt verschrieben werden. Es ist nicht möglich, das Verhütungspflaster rezeptfrei zu kaufen.

Wie wird das Verhütungspflaster angewendet?

Das rund 2x2cm große Pflaster wird ganz einfach auf den Bauch, den Oberkörper, das Gesäß oder die Außenseite des Oberarms geklebt - auf eine saubere, trockene und unbehaarte Hautstelle. Das Pflaster darf nicht auf die Brüste, die Arme oder Beine und auch nicht auf gerötete, gereizte oder verletzte Hautpartien geklebt werden! Auch sollte es an der betreffenden Stelle nicht zu starker Reibung durch enge Kleidungsstücke kommen.

Das Pflaster wird über 21 Tage hinweg angewendet und dabei alle sieben Tage (immer am selben Wochentag) gewechselt. Das erste Pflaster wird am ersten Tag der Regelblutung auf die Haut geklebt, am 8. und am 15. Tag wird es entfernt und gleich durch ein neues ersetzt.  Pro Zyklus sind also drei Pflaster erforderlich. Bei jedem Pflasterwechsel sollte die Hautstelle gewechselt werden, um mögliche Hautreizungen zu vermeiden.

Pflasterpause

Ähnlich wie bei der Pille kann nach 21 Tagen eine 7-tägige Anwendungspause gemacht werden. In dieser Zeit setzt die Entzugsblutung ein, der Empfängnisschutz bleibt bestehen.

1. Woche 2. Woche 3. Woche 4. Woche
neues Pflaster neues Pflaster neues Pflaster kein Pflaster (Pause)

Ist die pflasterfreie Woche vorüber, beginnt tags darauf ein neuer Verhütungszyklus: Das nächste Pflaster soll auch dann aufgeklebt werden, wenn keine Blutung eingetreten ist oder die Blutung noch nicht aufgehört hat. Wichtig ist, dass das pflasterfreie Intervall zwischen den Anwendungszyklen nicht länger als sieben Tage dauert. Im gegenteiligen Fall ist die Anwenderin nicht mehr sicher vor einer Schwangerschaft. Prinzipiell darf immer nur ein Pflaster zur gleichen Zeit getragen werden.

Langzeitzyklus beim Verhütungspflaster

Wenn keine Monatsblutung gewünscht wird, kann das Pflaster auch mehrere Monate ohne Pause angewendet werden (sog. Langzyklus). Dann kommt es in dieser Zeit auch nicht zu einer Monatsblutung. Spätestens nach 6 Monaten sollte eine 1-wöchige Pause gemacht werden.

Was ist zu tun, wenn sich das Pflaster löst?

Die angewandte Matrix-Technologie sorgt dafür, dass das Pflaster gut auf der Haut haftet. Hormone und Kleber befinden sich in der gleichen Schicht und sind zu einem mikrofeinen Gitternetz verwoben. Anwenderinnen des Pflasters können nach Angaben des Herstellers uneingeschränkt baden, duschen, Sport betreiben oder saunieren. Die tägliche Kontrolle des Pflasters wird dennoch empfohlen.

Nach Untersuchungen des Herstellers lösen sich nur rund zwei Prozent der Pflaster. Ist das Pflaster ganz oder teilweise von der Haut gelöst, darf es nicht wieder aufgeklebt werden. Auch eine zusätzliche Fixierung - beispielsweise durch Wundpflaster - sollte nicht gemacht werden, weil die Resorption der Hormone nicht mehr funktioniert.

Löst sich ein Pflaster frühzeitig, muss dieses entfernt und ein neues angebracht werden. Um die Hafteigenschaften nicht zu beeinträchtigen, sollte die betreffende Hautstelle trocken sein und vor dem Aufkleben nicht mit Cremen, Lotionen etc. versehen werden.

War das Pflaster für weniger als 24 Stunden abgelöst, bleibt der Empfängnisschutz erhalten. Konnte das Pflaster hingegen länger als 24 Stunden keine Hormone abgeben, muss die Anwenderin den laufenden Zyklus beenden und gleich einen neuen Zyklus beginnen. Der Tag, an dem das Pflaster regelmäßig zu tauschen ist, verschiebt sich entsprechend. In den ersten sieben Tagen muss zusätzlich ein mechanisches Verhütungsmittel verwendet werden.

Welche Vorteile hat das Verhütungspflaster?

Als großer Vorteil des Pflasters gilt, dass seine Anwenderinnen nicht jeden Tag an Verhütung denken müssen und trotzdem geschützt sind.

Die Hormone werden gleichmäßig und konstant abgegeben. Es treten also keine sogenannten Hormonspitzen im Blut auf, was mit besserer Verträglichkeit einhergeht. Auch werden die Hormone über die Haut aufgenommen, wodurch der Magen-Darm-Trakt umgangen wird. Durchfall oder Erbrechen beeinträchtigen die Schutzwirkung des Pflasters somit nicht.

Vorteile Nachteile
sehr sicher kosmetisches Problem (relativ groß)
einfache Anwendung mögliche Nebenwirkungen
gleichmäßige Hormonabgabe (keine Hormonspitzen) schützt nicht vor Geschlechtskrankheiten
Magen-Darm-Trakt wird nicht beeinflusst  

Welche Nachteile hat das Verhütungspflaster?

Das Pflaster zählt zu den weniger diskreten Möglichkeiten der Verhütung: Mit einer Größe von 4 Zentimetern ist es vergleichsweise groß. Auch wenn der Farbton an die Haut angepasst ist, erachten manche Frauen das Pflaster als kosmetisches Problem.

Viele Antiepileptika und manche Antibiotika beeinträchtigen die Sicherheit hormoneller Verhütungsmittel, weil sie den Abbau der Hormone in der Leber beschleunigen. Solange Frauen entsprechende Medikamente einnehmen, sollten zusätzliche nicht-hormonelle Verhütungsmittel wie Kondome zur Anwendung kommen (Packungsbeilage beachten!).

Das Verhütungspflaster schützt nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen!

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Gestagen und Östrogen greifen in den Körper ein und beeinflussen den natürlichen Zyklus der Frau, so dass kein Eisprung stattfinden kann. Jeder reagiert unterschiedlich auf Hormone, die meisten Frauen vertragen hormonelle Verhütungsmethoden gut und ohne Probleme. Falls Nebenwirkungen auftreten, sollte mit dem Frauenarzt nach einem anderen Präparat oder einer anderen Methode gesucht werden.

Bei knapp 20 Prozent der Anwenderinnen kommt es durch die Anwendung des Pflasters zu Hautreizungen. In den ersten Monaten der Anwendung können auch Zwischenblutungen auftreten. Weitere Nebenwirkungen des Verhütungspflasters können sein:

  • Spannungsgefühl in den Brüsten
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Akne

++ Mehr zum Thema: Nebenwirkungen von hormonellen Verhütungsmethoden ++

Wann darf das Pflaster nicht verwendet werden?

Im Fall des Verhütungspflasters sind die gleichen Gegenanzeigen (Kontraindikationen) wie bei der Antibabypille zu beachten. Nicht eingesetzt werden sollte es unter anderem bei:

In Untersuchungen zum Verhütungspflaster trat ein Drittel der ungewollten Schwangerschaften bei übergewichtigen Frauen mit mehr als 90 Kilogramm Körpergewicht auf. Für diese Frauen ist das Verhütungspflaster deshalb nicht empfehlenswert. Ansonsten können alle Frauen das Pflaster verwenden, für die auch die Pille geeignet ist.

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Dr. Christian Fiala
Redaktionelle Bearbeitung:
Tanja Unterberger, Bakk. phil.

Aktualisiert am:
Quellen

Weyerstahl T., Stauber M.: Gynäkologie und Geburtshilfe; Georg Thieme Verlag KG Stuttgart; 4. Auflage 2013
 
Gruber D.M.: Langzeitkontrazeption ohne tägliche Anwendung und mit Reversibilität; Journal für gynäkologische Endokrinologie 2012; 22 (4)

Austria-Codex-Fachinformation. Österreichischer Apotheker Verlag (Stand 02/2014)

Informationsbroschüre der Wiener Frauengesundheitsbeauftragten und der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF): Entscheiden Sie sich richtig - bei Liebe, Sexualität und Verhütung; 3.überarbeitete Auflage 2012; abrufbar unter www.verhuetung.info

AWMF-Online. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Empfängnisverhütung. AWMF-Leitlinienregister Nr. 015/015 (Stand 05/2008).
 

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