Übergewichte steht im Turnraum

Übergewicht in jungen Jahren fördert frühen Darmkrebs

Von , Medizinredakteurin
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Während Darmkrebserkrankungen in vielen westlichen Nationen insgesamt rückläufig sind, ist der Trend unter Menschen jüngeren und mittleren Alters gegenläufig: Hier klettern die Fallzahlen Jahr für Jahr um ein paar Prozentpunkte.

Eine wesentliche Rolle könnte dabei Übergewicht in jungem Alter spielen, ein Problem, das sich in den letzten Jahrzehnten ebenfalls kontinuierlich verschärft hat. Dass es mit einem höheren Darmkrebsrisiko einhergeht, ist lange bekannt. Doch welchen Einfluss Übergewicht in den früheren Lebensjahren auf die spätere Entwicklung hat, war bislang offen.

Dem Zusammenhang auf der Spur

„Da trotz der steigenden Neuerkrankungsraten Darmkrebs bei jungen Erwachsenen selten ist, sind Analysen an grossen Patientenkohorten nötig, um einen Zusammenhang zeigen zu können“, erklärt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

Der Wissenschaftler und Kollegen haben auf Daten aus der laufenden Fall-Kontroll-Studie DACHS (Darmkrebs: Chancen der Verhütung durch Screening) zurückgegriffen, die seit 2003 am Deutschen Krebsforschungszentrum läuft.

Dabei gaben 6.602 Darmkrebspatienten unter 55 Jahren sowie eine nicht erkrankte Kontrollgruppe von 7.950 Menschen im Rahmen umfassender Untersuchungen auch Auskunft zu ihrem Gewicht im Alter von 20 und 30 Jahren sowie etwa 10 Jahre vor der Krebsdiagnose beziehungsweise vor der Befragung.

Doppeltes Risiko für frühen Darmkrebs

Das Ergebnis: Für fettleibige Menschen (BMI ≥30 kg/m2) war das Risiko einer frühen Darmkrebserkrankung etwa doppelt so hoch wie für Normalgewichtige (BMI 20-25). Eine besondere Rolle spielte dabei Übergewicht in jüngeren Jahren.

Für Menschen, die bereits im Alter von 20 Jahren adipös gewesen waren, betrug das Darmkrebsrisiko das 2,6-fache, Adipositas mit 30 Jahren liess das Risiko auf das 2,1-fache steigen. Wer lediglich 10 Jahre vor Diagnosestellung fettleibig war, erkrankte mit 1,8-facher Wahrscheinlichkeit.

Auch Menschen, die in jüngeren Jahren nicht fettleibig, wohl aber übergewichtig waren, waren häufiger betroffen: Ein BMI von 25 bis 30 kg/m2 liess das Darmkrebsrisiko ebenfalls steigen.

Fett stresst das Immunsystem

Eine mögliche Ursache für den Zusammenhang von Übergewicht und Darmkrebs hatten zuvor unter anderem Forscher vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln in Experimenten mit Mäusen herausgefunden.

Dem Team um Claudia und Thomas Wunderlich zufolge versetzt anhaltendes Übergewicht den Körper in Dauerstress. Dann breiten sich Entzündungsbotenstoffe im ganzen Körper aus. Sie programmieren die Zellen der Immunabwehr derart um, dass sie Tumoren nicht mehr bekämpfen, sondern das Wachstum entarteter Zellen fördern. Dass der Effekt umso grösser ist, je eher dieser Zustand einsetzt und je länger er anhält, ist einleuchtend

Darmspiegelung auch für Jüngere mit erhöhtem Risiko

Dass die Zahl der Darmkrebserkrankungen in den älteren Jahrgängen in den letzten Jahren gesunken ist, obwohl auch ältere Menschen zunehmend übergewichtig sind, ist kein Zufall: In Deutschland beispielsweise gibt seit 2002 ein gesetzliches Früherkennungsprogramm, das unter anderem Männer ab 50 und Frauen ab 55 Jahren eine Darmspiegelung anbietet.

Menschen mit höherem Risiko für Darmkrebs können die kostenlose Untersuchung aber schon früher in Anspruch nehmen. Den aktuellen Studienergebnissen zufolge sollten das auch Menschen nutzen, die bereits in jüngeren Jahren fettleibig waren.

Eine Darmspiegelung hat den Vorteil, dass sich damit nicht nur Darmtumoren im frühen Stadium erkennen lassen, wo sie meist noch sehr gut behandelbar sind, sondern auch Vorstufen, sogenannte Polypen, die man dann auch gleich entfernen kann.

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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • Hengjing Li et al.: Associations of body mass index at different ages with early-onset colorectal cancer.Gastroenterology 2021; DOI: https://doi.org/10.1053/j.gastro.2021.12.239
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