Blutzuckermessen mit Glukometer

Prädiabetes: Mehr als ein Weckruf

Von , Medizinredakteurin
Christiane Fux

Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

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Ein Typ-2-Diabetes kommt nicht über Nacht: Ihm voran geht eine längere Phase, in der der Blutzuckerhaushalt bereits angeschlagen ist. Prädiabetes heisst das in der Medizin. Das klingt für manche nach einem Weckruf, bevor es wirklich kritisch wird.

Tatsächlich steigt aber bereits in der prädiabetischen Phase das Risiko für verschiedene Folgeerkrankungen. Denn auch hier sind die Blutzuckerwerte höher als bei stoffwechselgesunden Menschen. Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) hat nun in einer Übersichtsarbeit die bisherige Studienlage analysiert und bewertet, wie kritisch die Diabetesvorstufe ist.

Im Rahmen eines sogenannten Umbrella-Review bewertete das Forschungsteam Daten aus verschiedenen Meta-Analysen, die wiederum alle Einzelstudien zum Zusammenhang zwischen Prädiabetes und dem Risiko diabetesbedingter Begleiterkrankungen untersuchten.

Von Herzinfarkt bis Demenz

„Die Ergebnisse zeigen, dass der Prädiabetes mit einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen, chronischer Nierenerkrankung, Demenz sowie Krebs zusammenhängt“, erklärt Prof. Michael Roden, Wissenschaftlicher Direktor und Vorstand des DDZ.

Generell sei ein Prädiabetes mit einer höheren Sterblichkeitsrate verbunden. „Prädiabetes ist somit gefährlicher als angenommen und verlangt erhöhte Aufmerksamkeit“, so der Mediziner.

Zurück zum gesunden Zuckerstoffwechsel!

Das ist umso wichtiger, da Betroffene in der prädiabetischen Phase noch sehr wirksam gegensteuern können, um einen Typ-2-Diabetes zu verhindern.

Wer auf ein gesündere Ernährung umsteigt wie beispielsweise Mittelmeerkost, sich mehr bewegt und Übergewicht, insbesondere Bauchfett, abbaut, hat gute Chancen seinen Zuckerstoffwechsel wieder in gesunde Bahnen zu lenken. So lassen sich schwerwiegende Folgeerkrankungen verhindern.

Wer nichts unternimmt, wird nach angeben der Deutschen Diabetesgesellschaft mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 bis 30 Prozent zeitnah Diabetes entwickeln.

Wann hat man Prädiabetes?

Ein Prädiabetes liegt vor, wenn:

  • die Blutzuckerwerte in nüchternem Zustand in einem erhöhten Bereich von 100 bis 125 mg/dl liegen
  • und/oder der Langezeitblutzuckerwert (HbA1c) zwischen 5,7 und 6,4 liegt
  • und/oder die Glukosetoleranz gestört ist. Das bedeutet, dass die Zellen weniger gut auf das den Blutzucker senkende Hormon Insulin ansprechen. Die Blutzuckerwerte liegen nach einer Mahlzeit dann längere Zeit deutlich höher als normalerweise.

Durstig und müde

Frühwarnzeichen für einen Prädiabetes sind unter anderem

Eine Diagnose kann jedoch lediglich anhand ärztlicher Untersuchungen gestellt werden. Dazu gehört neben der Nüchternblutzuckermessung und der Bestimmung des Langzeitzuckerwertes HbA1c auch ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT).

Insbesondere wer Diabetiker in der Familie hat oder übergewichtig ist oder entsprechende Symptome verspürt, sollte seine Blutwerte regelmässig überprüfen lassen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Christiane Fux studierte in Hamburg Journalismus und Psychologie. Seit 2001 schreibt die erfahrene Medizinredakteurin Magazinartikel, Nachrichten und Sachtexte zu allen denkbaren Gesundheitsthemen. Neben ihrer Arbeit für NetDoktor ist Christiane Fux auch in der Prosa unterwegs. 2012 erschien ihr erster Krimi, außerdem schreibt, entwirft und verlegt sie ihre eigenen Krimispiele.

Quellen:
  • Schlesinger S, Neuenschwander M, Barbaresko J, Lang A, Maalmi H, Rathmann W, Roden M, Herder C. Prediabetes and risk of mortality, diabetes-related complications and comorbidities: umbrella review of meta-analyses of prospective studies. Diabetologia. 2022 Feb;65(2):275-285. doi: 10.1007/s00125-021-05592-3.
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