Phenylalanin

Von Lisa Hein
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Phenylalanin ist eine essentielle Aminosäure und gehört zu den wichtigsten Inhaltsstoffen einer künstlichen Ernährung. Im Körper wird sie für den Muskelaufbau, den Aufbau von anderen Aminosäuren und die Herstellung von Hormonen benötigt. Phenylalanin muss über die Nahrung aufgenommen werden, da der Körper es nicht selbst herstellen kann. Hier lesen Sie alles Wichtige über Phenylalanin.

So wirkt Phenylalanin

Damit der Körper funktionieren kann, benötigt er Eiweisse (Proteine). Diese bauen zum Beispiel die Muskeln auf, finden sich aber auch in jeder Körperzelle und transportieren dort Stoffe, regulieren chemische Reaktionen und bilden Andockstellen (Rezeptoren) für eine Vielzahl von Botenstoffen.

Die Bausteine der Eiweisse sind die sogenannten Aminosäuren. Manche davon können vom Körper selbst hergestellt werden (nicht-essentielle Aminosäuren), andere müssen mit der Nahrung aufgenommen werden (essentielle Aminosäuren).

Phenylalanin zählt zu den essentiellen Aminosäuren, ist also für den Körper nur über die Nahrung verfügbar. Es wird zum Aufbau von Eiweissen benötigt und bildet ausserdem die Vorstufe für viele Hormone, welche verschiedenste Funktionen im Körper regulieren.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Üblicherweise wird die Aminosäure über die Nahrung aufgenommen. Mithilfe verschiedener Transporter gelangt sie dann durch die Darmwand ins Blut. Nach ihrer Verteilung im Körper wird sie teilweise abgebaut und über die Nieren ausgeschieden.

Wann wird Phenylalanin eingesetzt?

Phenylalanin ist Bestandteil von Nährstofflösungen zur künstlichen Ernährung, die über eine Sonde oder über eine Infusion verabreicht werden.

So wird Phenylalanin angewendet

Die Aminosäure wird in der Regel in fertigen Mischungen zusammen mit anderen Aminosäuren entweder in Form von Sondennahrung oder Infusionen verabreicht. Die Dosierung und die Zusammensetzung werden für jeden Patienten individuell anhand des Ernährungsstatus und der Erkrankung festgelegt.

Welche Nebenwirkungen hat Phenylalanin?

Bei einer Über- oder Unterdosierung kann Phenylalanin Nebenwirkungen hervorrufen.

Wird zu viel von der Aminosäure aufgenommen, versucht der Körper den Überschuss auszuscheiden. Dabei kann es auf längere Sicht zu einer Funktionsbeeinträchtigung der Niere kommen.

Fehlt dem Körper Phenylalanin, kommt es zu vielschichtigen Krankheitsbildern. Durch den Mangel können verschiedene Hormone nicht in ausreichender Menge gebildet werden, was unter anderem Niedergeschlagenheit, Müdigkeit und Pigmentstörungen auslöst.

Was ist bei der Einnahme von Phenylalanin zu beachten?

Gegenanzeigen

Die Aminosäure darf nicht verabreicht werden, wenn der Körper sie aufgrund einer Erkrankung nicht abbauen kann (z.B. Phenylketonurie).

Wechselwirkungen

Es sind keine Wechselwirkungen mit Arzneimitteln bekannt.

Altersbeschränkung

Es gibt eigene pädiatrische Zubereitungen zur Anwendung bei Kindern.

Schwangerschaft und Stillzeit

Zu einer Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine besonderen Erkenntnisse vor.

Da Phenylalanin natürlicherweise in der Nahrung vorkommt, dürfen Präparate, welche die Aminosäure in üblichen Tagesdosen enthalten, bei Schwangeren und Stillenden gegeben werden, wenn eine Aufnahme über die normale Nahrung nicht möglich ist.

So erhalten Sie Medikamente mit Phenylalanin

Medikamente mit Phenylalanin sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz meist verschreibungspflichtig, da die genau benötigte Menge an künstlicher Ernährung durch einen Arzt bestimmt werden muss.

Nahrungsergänzungsmittel mit der Aminosäure sind freiverkäuflich erhältlich. Man findet sie in Apotheken, Lebensmittelgeschäften und Drogeriemärkten.

Seit wann ist Phenylalanin bekannt?

Phenylalanin wurde 1879 entdeckt und aus bestimmten Bakterienzellen extrahiert. Seitdem hat man allgemein die Zusammensetzung von Eiweissen aus Aminosäurebausteinen sehr gründlich untersucht und deren Funktionen im Körper erforscht. 

Was Sie noch über Phenylalanin wissen sollten

In Nahrungsergänzungsmitteln ist synthetisch hergestelltes Phenylalanin enthalten, das eine Mischung zweier Formen der Aminosäure darstellt (D,L-Phenylalanin). Der Körper kann allerdings nur das natürlich vorkommende L-Phenylalanin für Eiweissproduktion und Hormonsynthese verwenden.

Phenylalanin wird eine Wirkung gegen Depressionen nachgesagt. Der Körper verfügt über verschiedene Botenstoffe, welche die Reaktionen auf äussere Umstände wie Stress, Angst oder Unruhe regulieren. Normalerweise befinden sich solche Botenstoffe im Gleichgewicht.

Bei einer depressiven Verstimmung jedoch ist dieses Gleichgewicht gestört. Aus der Aminosäure werden Botenstoffe gebildet, die stimmungsaufhellend wirken können. Ob jedoch eine zusätzliche Einnahme von synthetisch hergestelltem Phenylalanin tatsächlich zu einer Verbesserung von depressiven Verstimmungen führen kann, ist mit klinischen Studien noch nicht ausreichend nachgewiesen worden.

Die Behandlung einer Depression gehört grundsätzlich in die Hände eines erfahrenen Arztes, weil dazu nicht nur eine medikamentöse Therapie, sondern auch eine psychologische Betreuung gehört. Besprechen Sie deshalb jegliche Behandlungsversuche mit Phenylalanin oder anderen frei verkäuflichen Mitteln mit Ihrem Arzt.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Biesalski, H. K.: Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2. Aufl., 2019.
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Königshoff, M. et al.: Kurzlehrbuch Biochemie, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2. Auflage, 2007.
  • Schmidt, C.: Metallorganische ƞ6-Markierungen von aromathaltigen Aminosäuren, Peptiden und Vitaminen, Herbert Utz Verlag GmbH, 1998.
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