Bösartige Muttermale erkennen

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Hautkrebs oder harmloses Muttermal beziehungsweise Leberfleck? Diese Frage ist für Laien nicht leicht zu beantworten. Es gibt aber einige Merkmale, die für ein bösartiges Muttermal sprechen, zum Beispiel eine asymmetrische Form. Sich vergrössernde, verfärbende oder abstehende Leberflecke können ebenfalls gefährlich sein. Lesen Sie mehr darüber, woran sich bösartige Muttermale erkennen lassen!

Dermatologe untersucht Muttermal

Woran erkennt man ein gutartiges Muttermal?

Muttermale sind in der Regel harmlos. Vor allem pigmentierte Muttermale (Leberflecke) können sich unter Umständen aber zu Hautkrebs weiterentwickeln. Das gilt es, frühzeitig zu erkennen. Doch wie sieht ein gutartiges Muttermal aus? Und wann ist es gefährlich, also potenziell bösartig?

Hier eine einfache Hilfestellung für das Erkennen von gutartigen Leberflecken: In der Regel ist ein pigmentiertes Muttermal gutartig, wenn es...

  • eine regelmässige, symmetrische Form hat
  • regelmässige, klare Ränder aufweist
  • einheitlich gefärbt ist
  • sich nicht verändert (z.B. hinsichtlich Grösse, Form oder Farbe)

Woran erkennt man ein bösartiges Muttermal?

Die gegenteiligen Eigenschaften lassen ein potenziell bösartiges Muttermal (Leberfleck) erkennen. Das heisst: Ein pigmentiertes Muttermal (Leberfleck) könnte gefährlich - sprich bösartig - sein, wenn es...

  • eine unregelmässige, asymmetrische Form hat
  • unregelmässige, unscharfe Ränder aufweist, z.B. ausgefranste Ränder oder gezackte Ausläufer
  • verschiedenfarbig bzw. fleckig ist, z.B. teils braun-rotes, teils schwarzes Muttermal (Leberfleck) oder eines mit schwarzen Punkten)
  • sich in Grösse, Farbe, Form oder Dicke verändert, z.B. aus einem kleinen wird plötzlich ein grosses Muttermal oder ein Muttermal (Leberfleck) wird heller, dunkler oder wächst in die Höhe, wird also dicker.

Auf Hautkrebs wie ein Malignes Melanom könnte auch ein erhabenes, also abstehendes ("dickes") Muttermal (> 1 Millimeter über das Hautniveau hinaus) hinweisen, das eine raue oder trocken-schuppige Oberfläche hat.

Ebenfalls verdächtig ist ein Muttermal mit Kruste (manchmal fällt diese ab). Es könnte sich beispielsweise ein Basaliom (Form von weissem Hautkrebs) dahinter verbergen.

Aufmerksam werden sollten Sie auch, wenn ein Leberfleck bzw. Muttermal juckt, blutet (ohne Grund) oder nässt. Auch wenn ein Muttermal / Leberfleck schmerzt (etwa bei Berührung) oder brennt, kann eine gefährliche Ursache dahinter stecken. Das muss nicht unbedingt Krebs sein - ein normales Muttermal (Leberfleck) tut oft weh, wenn die Stelle aufgekratzt wurde und sich dann entzündet hat. Oft ist ein Muttermal (Leberfleck) dann auch geschwollen, gerötet und warm.

Wenn Sie plötzlich (viele) neue (kleine) Leberflecke / Muttermale bekommen, sollten Sie die Ursache ebenfalls von einem Arzt abklären lassen.

So wie ein auffälliges Muttermal kann auch ein schlecht heilender vermeintlicher "Pickel" eine bösartige Hautveränderung. Anders beim Nävus coeruleus: Das rundliche, blau-schwarze Knötchen ("blaues Muttermal") ist nicht bösartig, auch wenn es oft gefährlich aussieht.

Faustregeln zum Erkennen eines bösartigen Muttermals

Einige Kriterien sind besonders wichtig für eine erste Einschätzung, ob ein harmloses Muttermal (Leberfleck) oder Schwarzer Hautkrebs (Malignes Melanom) vorliegt - die gefährlichste Form eines bösartigen Hauttumors. Laien können sich hier der sogenannten ABCD-Regel bedienen: Mit freiem Auge werden hier die Eigenschaften Asymmetrie, Begrenzung, Colour (Farbe) und Durchmesser oder Dynamik beurteilt. Gegebenenfalls fliesst noch ein weiteres Kriterium ein - Erhabenheit (ABCDE-Regel).

Mehr über diese Faustregel zur Erkennung von gefährlichen Leberflecken lesen Sie im Beitrag ABCDE-Regel.

Nicht immer aber lässt sich anhand der klassischen ABCD-Regel ein bösartiges Muttermal (bösartiger Leberfleck), also Hautkrebs erkennen. So kommt man etwa dem nodulären Melanom - einem bestimmten Typ von Schwarzem Hautkrebs - eher mit den EFG-Kriterien auf die Spur:

Das noduläre Melanom ist nämlich - im Gegensatz zu den meisten anderen Melanomen - im Allgemeinen sehr symmetrisch geformt, scharf begrenzt und einfarbig. Nach den ABCD-Regeln treffen diese drei Eigenschaften aber typischerweise auf harmlose Muttermale bzw. Leberflecke zu. Diesen Hautkrebs-Typ würde man also anhand der ABCD-Regel fälschlicherweise als harmlos einstufen.

Das knotige, meist bläuliche oder braun-schwarze "Muttermal" gibt sich aber dadurch als bösartig zu erkennen, dass es die EFG-Kriterien erfüllt: Es ist erhaben (engl. elevated), beim Abtasten derb bis hart (engl. firm) und wächst schnell (engl. fast growing).

Was tun bei veränderten Muttermalen?

Lassen Sie auffällige und veränderte Muttermale (Leberflecke) von Ihrem Hautarzt oder Ihrer Hautärztin begutachten. Das kann zum Beispiel ein juckender oder blutender Leberfleck, ein entzündetes oder schuppiges Muttermal oder ein sich farblich verändernder Leberfleck sein. Auch wenn ein Muttermal / Leberfleck auffällig erhaben (abstehend) ist oder Sie immer mehr Leberflecke am Körper bekommen, sollten Sie vorsichtshalber zum Arzt gehen.

Lassen Sie jede Muttermal (Leberfleck)-Veränderung ärztlich abklären!

Ob tatsächlich Krebs oder eine Vorstufe davon hinter einem verdächtigen oder neuen Muttermal (Leberfleck) steckt, kann der Mediziner mittels Auflichtmikroskopie und gegebenenfalls einer feingeweblichen (histologischen) Untersuchung herausfinden. Für Letzteres schneidet er das ganze Muttermal oder einen Teil davon heraus und schickt es zur Analyse in ein Labor.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
L81Q82D28D29I78D22Q38
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Deutsche Krebsgesellschaft: "Vorbeugung und Früherkennung von Hautkrebs" (Stand: 27.05.2021), unter: www.krebsgesellschaft.de
  • Krebsliga Schweiz: Broschüre "Melanom" (3. Auflage, 2019), unter: https://shop.krebsliga.ch
  • Ludwig, S. et al.: "Der Naevus", in: Schweiz Med Forum 2017; 17(37): 784-789
  • Österreichische Krebshilfe: Broschüre "Hautkrebs" (Stand: 01/21), unter: www.krebshilfe.net
  • Plötz, S. G. et al.: Häufige Hauttumoren in der Praxis, Springer-Verlag, 2012
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 19.09.2022)
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