Impingement - Hüfte

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Dr. med. Julia Schwarz

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Das Impingement-Syndrom der Hüfte (femoro-acetabuläres Impingement-Syndrom, FAI) bezeichnet eine schmerzhafte Verengung (Impingement) des Hüftgelenkspaltes. Knöcherne Veränderungen des Oberschenkelhalses oder des Beckenknochens verursachen dabei eine schmerzhafte Behinderung des Gelenks. Meist sind junge, sportlich aktive Menschen vom Impingement-Syndrom der Hüfte betroffen. Lesen Sie hier alles über Symptome, Ursachen und Behandlung des Hüft-Impingements!

Impingement-Syndrom: Hüfte

Kurzübersicht

  • Symptome: Bewegungsabhängiger Leistenschmerz, Schmerzen nach langem Sitzen, eingeschränkte Beweglichkeit
  • Ursachen: Fehlbildungen des Oberschenkelkopfs und/oder der Hüftpfanne, die stellenweise aneinanderstossen
  • Behandlung: Bei leichten Fällen konservative Therapie, meist jedoch Operation
  • Formen: Je nach Beteiligung von Hüftpfanne oder -kopf unterscheidet man zwischen Pincer- und Cam-Impingement; Mischformen möglich
  • Diagnose: Körperliche Untersuchung der Beweglichkeit, bildgebende Untersuchungen, insbesondere Röntgen und MRT
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Wird rechtzeitig behandelt, lässt sich unter Umständen eine stärkere Gelenkschädigung verhindern (arthroskopische OP); bei Nichtbehandlung werden potenziell Knorpel oder die Gelenklippe geschädigt; im schlimmsten Fall: Hüftgelenksarthrose
  • Vorbeugung: Sportarten mit besonderer Belastung des Hüftgelenks (Fussball, Kampfsportarten) meiden; eine generelle Vorbeugung ist jedoch nicht möglich

Beschreibung

Beim Impingement-Syndrom der Hüfte (femoro-acetabuläres Impingement-Syndrom) handelt es sich um eine mechanische Enge zwischen dem Hüftkopf des Oberschenkelknochens (Femur) und des Hüftgelenkpfannendachs (Acetabulum), welches vom Beckenknochen gebildet wird.

Knöcherne Veränderungen sorgen dafür, dass die knorpelige Gelenklippe (Labrum), welche sonst die Hüftgelenkpfanne nach oben abschliesst, eingeklemmt wird. Besonders beim Beugen oder Abspreizen des Hüftgelenks entstehen dadurch oft starke Schmerzen in der Leiste, die manchmal bis in den Oberschenkel ausstrahlen.

Je nach Ursprung der knöchernen Veränderungen unterscheiden Ärzte zwischen dem Pincer-Impingement und dem Cam-Impingement.

Pincer-Impingement der Hüfte

Beim Pincer-Impingement der Hüfte ist der Oberschenkelhals normal konfiguriert. Die Hüftgelenkspfanne hingegen hat die deformierte Form einer Greifzange (engl. pincer = Greifzange) und nimmt den Hüftgelenkskopf wortwörtlich „in die Zange“. Durch diese vermehrte Überdachung des Gelenkkopfes innerhalb des Gelenkspaltes stossen der Hüftgelenkskopf und das Pfannendach je nach Bewegung leicht aneinander. Die Folge ist eine schmerzhafte mechanische Behinderung des Hüftgelenks.

Das Pincer-Impingement-Syndrom der Hüfte tritt vermehrt bei Frauen auf.

Cam-Impingement der Hüfte

Beim gesunden Skelett weist der Oberschenkelhals eine Taillierung unterhalb des Schenkelkopfes auf, wodurch der Hüftgelenkskopf mehr Bewegungsfreiheit in der Gelenkkapsel erhält. Beim Cam-Impingement-Syndrom der Hüfte (engl. cam = Nockenwelle) ist durch eine Wucherung des Schenkelhalsknochens die Taillierung verlorengegangen. Der Knochenwulst verengt den Gelenkspalt, was das schmerzhafte Aneinanderreiben des Schenkelhalskopfes und des Labrums des Pfannendachs begünstigt.

Unter dem Cam-Impingement-Syndrom der Hüfte leiden häufiger junge, sportlich aktive Männer, wobei Fussballspieler besonders häufig daran erkranken.

Meist äussert sich ein Hüft-Impingement-Syndrom als Mischform aus Cam- und Pincer-Impingement.

Symptome

Zu Beginn treten beim Impingement-Syndrom der Hüfte Symptome oft nur sehr schleichend auf. Die Patienten berichten von sporadisch auftretenden Schmerzen im Hüftgelenk. Der Leistenschmerz strahlt dabei häufig in den Oberschenkel aus und verstärkt sich bei Belastung.

Das Treppensteigen sowie das Verharren in sitzender Position beim Autofahren bereiten Betroffenen ebenfalls oft Schmerzen. Auch das Eindrehen des angewinkelten Beines nach innen (Innenrotation mit 90 Grad Flexion) löst in den meisten Fällen Schmerzen aus oder verstärkt sie. Je nach Schlafposition (Seitenschläfer) besteht bei Menschen mit Hüftimpingement also die Möglichkeit, dass die Schmerzen nachts auftreten, weil sich das Gelenk ungünstig gedreht hat.

Die Betroffenen nehmen in vielen Fällen eine Schonhaltung ein, bei der sie das betroffene Bein leicht nach aussen drehen (Aussenrotation).

Ursachen und Risikofaktoren

Das Impingement-Syndrom der Hüfte entsteht in den meisten Fällen durch die knöcherne Deformierung des Hüftgelenkpfannendachs (Acetabulum): Der Beckenkochen (Os Ilium) formt eine napfförmige Gelenkpfanne, die zusammen mit dem Hüftgelenkkopf des Oberschenkelknochens das Hüftgelenk bildet.

An den knöchernen Bestandteilen des Hüftgelenks entstehen bei den Betroffenen Knochensporne, die zu einer mechanischen Enge führen. Da die Hüftgelenke von jungen Sportlern einer vermehrten körperlichen Belastung ausgesetzt werden, sind diese besonders häufig von einem Impingement-Syndrom der Hüfte betroffen.

Viele der Pincer-Impingement- und Cam-Impingement-Fälle sind in ihrer Entstehung noch nicht ausreichend geklärt. Die belastungsabhängigen, knöchernen Strukturveränderungen sind jedoch bei den meisten Betroffenen nachweisbar. Ein weiterer möglicher Erklärungsansatz für die knöcherne Deformierung besteht in der Annahme, dass eine Wachstumsstörung im heranwachsenden Alter zu einem fehlerhaften Verschluss der Wachstumsfugen führt.

Ein weiterer Faktor für die Entstehung scheint hier ebenfalls exzessiver Sport zu sein.

Wie wird das Impingement-Syndrom der Hüfte behandelt?

Das Therapiekonzept beim Impingement-Syndrom der Hüfte hängt von der auslösenden Ursache ab. Konservative Therapieansätze wie Ruhigstellung des Gelenks, Schmerzmittel, Physiotherapie und das Vermeiden von auslösenden Faktoren lindern häufig zwar die Beschwerden, beseitigen aber nicht die Ursache. Dafür ist eine Operation notwendig (kausale Therapie).

Konservative Therapie des Impingement-Syndroms der Hüfte

Im Anfangsstadium der Erkrankung sind besonders die konservativen Therapiemöglichkeiten wichtig. Ihr Ziel ist es, die Schmerzen ohne invasive Eingriffe zu lindern. Dabei helfen antientzündliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen.

Zudem bessern Fangopackungen, Bäder und Elektrotherapie bei vielen Betroffenen die Beschwerden. Gezielte physiotherapeutische Übungen helfen dabei, die umliegenden Muskeln zu stärken, den Gelenkspalt zu verbreitern und somit die Schmerzen zu reduzieren.

Kausale Therapie des Impingement-Syndroms der Hüfte

Beim kausalen Therapieansatz geht es darum, die auslösende Ursache der Erkrankung zu behandeln und zu beseitigen. Beim Impingement-Syndrom der Hüfte entfernt der Arzt im Rahmen eines operativen Eingriffs (Arthroskopie) die strukturellen Knochenveränderungen. Die Schmerzen bessern sich in der Regel, sobald die mechanische Enge durch die Operation beseitigt wurde.

Besonders bei jungen Patienten wird die Operation empfohlen, um das Risiko einer Gelenkversteifung im späteren Verlauf zu minimieren. Das operative Verfahren der ersten Wahl ist die Arthroskopie.

Die Arthroskopie ist das Operationsverfahren der ersten Wahl und hat die offene Operation abgelöst. Sie ist eine risikoarme, minimalinvasive Methode, bei der zwei bis drei kleine (etwa einen Zentimeter grosse) Hautschnitte im Bereich des Hüftgelenks gemacht werden. Eine Kamera mit integrierter Lichtquelle sowie spezielle chirurgische Geräte werden über die Hautschnitte in das Gelenk eingeführt und ermöglichen die genauen Darstellung des gesamten Gelenks und den Nachweis von Schädigungen.

Im Anschluss lassen sich die bestehenden Veränderungen direkt während des Eingriffs beseitigen. So werden etwa vorstehende Knochensporne abgeschliffen, Knorpelschäden entfernt und repariert. Gleichzeitig bietet die Arthroskopie dem Arzt die Möglichkeit, geschädigte oder gerissene Sehnen zu nähen und somit zu rekonstruieren. Die Hautschnitte werden mit nur wenigen Nahtstichen geschlossen und hinterlassen nur sehr dezente Narben.

Untersuchung und Diagnose

Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf ein Impingement-Syndrom der Hüfte ist ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Dieser erhebt zunächst in einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen Ihre Krankengeschichte (Anamnese). Dabei wird er Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Treiben Sie Sport und wenn ja, welchen?
  • Wie äussern sich die Bewegungseinschränkungen im Hüftgelenk?
  • Erinnern Sie sich an eine Verletzung oder starke Belastung, die mit dem Schmerzbeginn einherging?
  • Verstärken sich die Schmerzen, wenn Sie das Bein nach innen eindrehen?

Der Arzt wird Sie im Anschluss an das Gespräch körperlich untersuchen. Er testet die Beweglichkeit des Hüftgelenks, indem er Sie bittet, das Bein in verschiedene Positionen zu bringen. Zudem wird der Arzt das gebeugte Bein gegen den Rand der Hüftpfanne drücken, was in der Regel die typischen Schmerzen auslöst.

Bildgebende Verfahren zum Nachweise eines Impingement-Syndrom der Hüfte sind eine Röntgenuntersuchung des Beckens, Magnetresonanztomografie (MRT) und eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie).

Röntgenuntersuchung

Bei Verdacht auf ein Impingement-Syndrom der Hüfte ist die Röntgenuntersuchung das wichtigste diagnostische Mittel. Sie ist zudem einfach durchzuführen und kostengünstig. Auf einem Röntgenbild lassen sich Strukturveränderungen der Knochen sehr genau nachweisen. Ihr Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie wird entweder die Untersuchung selbst durchführen (wenn er ein eigenes Röntgengerät besitzt) oder Sie dafür an einen Facharzt für Radiologie überweisen und anschliessend die Befunde mit Ihnen besprechen.

Magnetresonanztomografie (MRT)

Die Magnetresonanztomografie (MRT), auch Kernspintomografie genannt, ermöglicht eine genaue Darstellung der Weichteile, die um das Hüftgelenk liegen. Sehnen, Muskeln, Schleimbeutel und Knorpel lassen sich dadurch sehr hochauflösend darstellen. Die Bilder entstehen bei der Magnetresonanztomografie durch die Kombination von Radiowellen und Magnetfeldern.

Vor einem geplanten operativen, rekonstruierenden Eingriff eignet sich ein MRT besonders gut, um die Operationsbedingungen besser einzuschätzen und das geplante Verfahren besser zu planen. 

Sonografie (Ultraschall)

Die Sonografie ist eine sehr einfache und kostengünstige Untersuchungsmethode, mit deren Hilfe sich zum Beispiel entzündungsbedingte Flüssigkeitsansammlungen innerhalb der Schleimbeutel sowie muskuläre Strukturen darstellen lassen. Knochen hingegen lassen sich im Ultraschall nicht ausreichend gut abbilden. Die Sonografie dient beim Impingement-Syndrom der Hüfte daher meist nur als ergänzende Untersuchungsmethode und nicht zur primären Diagnosestellung.

Krankheitsverlauf und Prognose

Abhängig davon, welche Massnahmen während der OP durchgeführt wurden, variiert der Zeitraum, in dem sich Patienten schonen müssen. Unter Umständen bedeutet dies, dass nach der Arthroskopie zunächst nur eine Teilbelastung des Hüftgelenks mit maximal 20 bis 30 Kilogramm erfolgen darf.

Sofern im Rahmen der Arthroskopie eine Taillierung des Schenkhalses erfolgte, gilt die maximale Teilbelastung für drei bis vier Wochen (21 bis 28 Tage). Der Knochen benötigt nämlich längere Zeit für den strukturellen Umbau, um sich den neuen statischen Verhältnissen anzupassen. Wurde eine Knorpelbehandlung durchgeführt, verlängert sich die Zeit bis zur vollen Belastung auf bis zu sechs Wochen.

Im Anschluss an die Arthroskopie erfolgt unmittelbar eine regelmässige physiotherapeutische Behandlung. Eine Belastung durch Sprünge empfiehlt sich frühestens zwölf Wochen nach der Operation des Hüftgelenks. Sportarten, die das Hüftgelenk entlasten, wie Schwimmen und Radfahren, sind bereits sechs Wochen nach der Operation wieder erlaubt. Sechs Monate danach sind in der Regel alle Sportarten wieder möglich.

Nur bei einer frühzeitigen Behandlung lassen sich Folgeschäden durch das Impingement-Syndrom der Hüfte erfolgreich verhindern.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. Daniela Oesterle
Autor:
Dr. med.  Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
M24
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Biberthaler, F. et al.: Duale Reihe – Orthopädie und Unfallchirurgie. Georg Thieme Verlag, 8. Auflage, 2017
  • Gatzka, S. et al.: CME-Artikel: Das femoroacetabuläre Impingement (FAI) als relevante Differentialdiagnose zur Leistenhernie. Passion Chirurgie (2020), 10(09/III): 03_01.
  • Gosvig, KK. et al.: The prevalence of cam-type deformity of the hip joint: a survey of 4151 subjects of the Copenhagen Osteoarthritis Study. Acta Radiol (2008), 49, 436-441.
  • Rüther, W. & Lohmann, C.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Elsevier Verlag, 20. Auflage, 2014
  • S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC): Koxarthrose (Stand: 07/2019), unter: www.awmf.org
  • von Engelhardt, L.V., Jerosch, J.: Hüftimpingement – arthroskopische Möglichkeiten. Orthopädische und Unfallchirurgische Praxis (2019); 8: 378–388
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