Feinstaub

(RyanKing999)

Luftverschmutzung beeinträchtigt die Gesundheit und die Umwelt. Feinstaub hat als Luftschadstoff gravierende Auswirkungen auf den gesamten Körper: Je kleiner die Feinstaubpartikel sind, desto gesundheitsschädlicher sind sie bezogen auf ihre Massenkonzentration.

Grobstaub

Als Grobstaub werden alle Staubpartikel bezeichnet, die größer als 10 Mikrometer (μm) und damit für das freie Auge sichtbar sind. In der Regel gelangt Grobstaub nicht sehr tief in den Körper, da er von den Nasenschleimhäuten am Eindringen in den Organismus gehindert wird.

Feinstaub (PM10)

Unter PM10 versteht man alle Staubteilchen mit einem Durchmesser kleiner als 10 μm. Im Allgemeinen sind sie für das freie Auge nicht mehr erkennbar, nur bei bestimmten Wetterlagen ist Feinstaub als "Dunstglocke" sichtbar.

Charakteristisch für Feinstaub ist, dass er nicht sofort zu Boden sinkt, sondern noch eine gewisse Zeit in der Atmosphäre verbleibt. Feinstaub ist ein komplexer Schadstoff. Er kann in die Atemwege eindringen und schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachen. Feinstaub wird anhand der Größe seiner Partikel unterschieden – je kleiner die Partikel sind, desto schädlicher sind sie für die Gesundheit.

  • Fein-Fraktion (PM2,5) (oft auch als "Feinststaub" bezeichnet)

Eine aktuelle Bewertung der Gesundheitsauswirkungen von Feinstaub durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ergeben, dass eine erhöhte PM2,5-Belastung in Zusammenhang mit schweren Gesundheitsauswirkungen steht. Feinstaub mit einer Größe von weniger als 2,5 μm dringt bis in die Bronchien und Lungenbläschen vor. Er löst entzündliche Reaktionen in der Lunge aus. Die Entzündung kann auch zu Folgeschäden in anderen Organen führen.

  • Ultra-Feinstaub (PM0,1)

Als Ultra-Feinstaub werden die kleinsten Partikel bezeichnet, sie haben einen Durchmesser von weniger als 0,1 μm. Die ultrafeinen Staubteilchen dringen bis in das Lungengewebe und sogar in den Blutkreislauf ein. Kinder, ältere Menschen und Personen mit vorgeschädigten Atemwegen oder Herz-Kreislauf-Problemen sind von den Auswirkungen ultrafeiner Partikel besonders betroffen. Doch auch gesunde Menschen werden bei erhöhter Feinstaubexposition auf Dauer krank.

In Städten ist der Straßenverkehr der Hauptverursacher von Ultra-Feinstaub. Besonders Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter belasten die Luft mit einer großen Anzahl gefährlicher Partikel (Ruß).

Gesundheitsrisiken von Feinstaub

Das gesundheitliche Risiko von Feinstaub steigt proportional zur Feinstaubbelastung. Je kleiner die Feinstoffpartikel sind, desto gefährlicher sind sie für die Gesundheit. Feinstaub gelangt zuerst in die Lunge – wie viel Feinstaub von der Lunge toleriert wird, hängt vom individuellen Gesundheitszustand ab. Bereits bestehende Erkrankungen wie COPD oder Asthma können sich durch das Einatmen von Feinstaub noch verschlimmern.

Sehr feine Partikel können sogar in die Blutbahn eindringen. Dort werden sie vom Immunsystem wie eindringende Erreger registriert und lösen chronische Entzündungen in verschiedenen Organen aus. Diese Entzündungen werden lange Zeit nicht bemerkt, weshalb man sie auch als „stille“ Entzündungen bezeichnet. Laut aktuellen Erkenntnissen begünstigen sie zudem die Risiken für Folgeerkrankungen wie Diabetes, Schlaganfall und Herzinfarkt.

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Mögliche Folgeerkrankungen

  • Schleimhautreizungen
  • Lokale Entzündungen in der Luftröhre, den Bronchien und den Lungenbläschen
  • Verstärkte Plaquebildung in den Blutgefäßen (beschleunigte Gefäßverkalkung)
  • Erhöhte Thromboseneigung
  • Veränderung der Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems (Herzfrequenzvariabilität)
  • Lungenschäden, Herzinfarkt, Schlaganfall
  • Beeinträchtigung des Organwachstums von Kindern

Wie entsteht Feinstaub?

Der Großteil des primären Feinstaubs wird durch menschliches Handeln erzeugt:

  • Straßen-, Flug- und Schiffsverkehr (Abgase, Bremsen- und Reifenabrieb, Aufwirbelung von Staub von der Straßenoberfläche)
  • Kraft- und Feinheizwerke
  • Öfen und Heizungen in Wohnhäusern
  • Abfallverbrennungsanlagen
  • Metall- und Stahlerzeugung
  • Landwirtschaft: Aufwirbelung von Böden und landwirtschaftlichen Nutzflächen, Blütenpollen, Sporen

Natürliche Quellen für die Entstehung primären Feinstaubs sind:

  • Vulkane und Meeresbrandung
  • Bodenerosion
  • Wald- und Buschfeuer
  • Viren, Sporen von Bakterien und Pilzen

Sekundärer Feinstaub entsteht, wenn gasförmige Vorläufersubstanzen aus verschiedenen Prozessen an der Luft reagieren und feste oder flüssige Teilchen bilden:

  • Ammoniak: Der Hauptanteil des sekundären Feinstaubs entsteht bei der Tierhaltung. Dabei reagieren andere Gase in der Luft mit Ammoniak, der beim Abbau von organischem und mineralischem Dünger sowie bei der Lagerung von Gülle entsteht.
  • Schwefeldioxid: entsteht überwiegend bei Verbrennungsvorgängen von Kohle und Öl durch Oxidation des im Brennstoff enthaltenen Schwefels
  • Stickstoffoxid: entsteht als Produkt unerwünschter Nebenreaktionen bei Verbrennungsprozessen (Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle, Straßenverkehr)

Grenzwerte

Zum Schutz der menschlichen Gesundheit gelten seit 1. Jänner 2005 europaweit Grenzwerte für die Feinstaubfraktion PM10. Der Tagesgrenzwert beträgt 50 µg/m3 und darf nicht öfter als 35 Mal im Jahr überschritten werden. Der zulässige Jahresmittelwert beträgt 40 µg/m3. Für die noch kleineren Partikel PM2,5 gilt seit 2008 europaweit ein Zielwert von 25 µg/m3 im Jahresmittel. Seit 1. Jänner 2015 ist dieser Wert verbindlich einzuhalten und ab 1. Jänner 2020 dürfen die PM2,5-Jahresmittelwerte den Wert von 20 µg/m3 nicht mehr überschreiten.

Was kann jeder Einzelne zur Verringerung der Feinstoffbelastung beitragen?

  • Weniger Fahrten mit dem eigenen Pkw
  • Fahrgemeinschaften nutzen
  • Öffentliche Verkehrsmittel nutzen
  • Kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen
  • Fahrzeuge mit geringem Kraftstoffverbrauch und Feinstaubausstoß benutzen
  • Altfahrzeuge nachrüsten
  • Tempolimits beachten
  • Tausch veralteter Heizkessel durch moderne, emissionsarme Biomasseheizungen
  • Fernwärme
  • Verstärkte Wärmedämmungsmaßnahmen bei Althaussanierungen

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Autoren:

Medizinisches Review:
Priv.-Doz. Dr. Hanns Michael Moshammer
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Aktualisiert am:
Quellen

Webseite des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich: Feinstaub; https://www.bmlfuw.gv.at/umwelt/luft-laerm-verkehr/luft/immissionsschutz/Feinstaub.html (letzter Zugriff: 19.09.2017)

Webseite des Umweltbundesamtes: Feinstaub (PM2,5); http://www.umweltbundesamt.at/pm25/ (letzter Zugriff: 19.09.2017)

Webseite der europäischen Umweltagentur: Klimawandel und Luft; https://www.eea.europa.eu/de/signale/signale-2013/artikel/klimawandel-und-luft (letzter Zugriff: 19.09.2017)

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