Behandlung der Allergie: Wie wichtig ist Therapietreue?

Therapietreue ist bei der spezifischen Immuntherapie wichtig.
Wird die spezifische Immuntherapie nicht wie verordnet regelmäßig durchgeführt, tritt der gewünschte Behandlungserfolg nicht ein. (Foremniakowski / iStockphoto)

Der Erfolg einer Allergietherapie hängt wesentlich von der Mitarbeit des Patienten ab. Was man unter dieser sogenannten Adhärenz versteht, erfahren Sie hier.

Kurzfassung:

  • Die spezifische Immuntherapie hat eine durchschnittliche Behandlungsdauer von drei Jahren.
  • Regelmäßige Kontrollen beim Arzt und die Therapietreue sind für den Erfolg der Therapie wichtig.
  • Es gibt unterschiedliche Faktoren, die die Therapietreue des Patienten beeinflussen.
  • Für den Erfolg einer Therapie ist auch ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis wichtig.

Immer mehr Menschen leiden an Allergien. Die Allergen-spezifische Immuntherapie (AIT) ist derzeit die wichtigste Therapieform in der ursächlichen Behandlung der Allergie. Bei einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von drei Jahren sind regelmäßige Kontrollen beim Arzt, die Mitentscheidung des Patienten bei der Wahl der Therapieform und die Therapietreue für einen optimalen Behandlungserfolg wichtig. Man spricht hier von "Adhärenz".

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Was ist Adhärenz?

Unter Adhärenz versteht man die Einhaltung der gemeinsam von Patient und Arzt gesetzten Therapieziele im Rahmen des Behandlungsprozesses. Therapiefördernde Verhaltensweisen reichen von der korrekten Einnahme der Medikamente über die Einhaltung bestimmter Vorgaben des Arztes (z.B. Bettruhe) bis hin zu Änderungen der gewohnten Lebensführung des Patienten (z.B. Ernährung, Vermeidung bestimmter Situationen, Verzicht aufs Rauchen).

Welche Faktoren beeinflussen die Adhärenz?

Schätzungsweise folgt die Hälfte aller Patienten weltweit nicht der verordneten Therapie, das ist – wie bei den meisten Therapien – auch bei der Allergen-spezifischen Immuntherapie problematisch. Die Wirkungsweise der AIT basiert darauf, dass die Toleranz gegen das jeweilige Allergen schrittweise gesteigert wird. Sie ist also von der Adhärenz des Patienten abhängig. Wird die Therapie nicht wie verordnet regelmäßig durchgeführt, tritt der gewünschte Behandlungserfolg nicht ein.

Es gibt unterschiedliche Faktoren, die die Therapietreue des Patienten beeinflussen. Man unterscheidet:

  • Indikationsbezogene Faktoren: Krankheitsverlauf, Schweregrad der Erkrankung, physiologische, psychische und soziale Folgen der Erkrankung, Verfügbarkeit von Therapien, Dauer der Therapie
  • Therapiebezogene Faktoren: Nebenwirkungen, Komplexität einer Therapie, Verordnung verschiedener Therapieregime, Lebensqualität
  • Gesundheitssystemrelevante Faktoren: Kostenerstattung, Ausbildung des medizinischen Personals, Erreichbarkeit der Versorgung, Arzt-Patienten-Verhältnis
  • Individuelle, patientenbezogene Faktoren: Bildung, Motivation, Einstellung, Wahrnehmung und Erwartung des Patienten
  • Sozioökonomische Faktoren: Alter des Patienten, bei Kindern die Kooperationsbereitschaft der Eltern, Geschlecht

So weisen beispielsweise Patienten, die unter einer symptomarmen oder symptomlosen Erkrankung leiden, eine geringere Adhärenz zur Therapie auf. Patienten, die gleichzeitig unter allergischem Schnupfen und allergischem Asthma leiden, sind hingegen therapietreuer als jene, die ausschließlich von allergischem Schnupfen betroffen sind. Auch Nebenwirkungen und die Komplexität einer Therapie haben Auswirkungen auf die Therapiemotivation. Merkt der Patient, wie sich durch die Behandlung seine Lebensqualität deutlich steigert, bessert sich natürlich auch die Adhärenz. Die Abbruchtendenz ist im ersten Jahr der Behandlung besonders hoch.

Ziel der Adhärenz

Ziel der Erforschung von Adhärenz ist es, es dem Patienten leichter zu machen, sich an die Therapie zu halten und so bessere Erfolge zu erzielen. Es gibt verschiedene Arten, um Adhärenz zu messen, von denen aber die wenigsten absolut zuverlässig sind. Ob ein Patient eine gute Adhärenz erreicht, liegt meist in der subjektiven Einschätzung des Arztes und des Patienten selbst. In der Forschung hat sich eine Kombination aus mehreren Verfahrensweisen bewährt. Es gibt direkte und indirekte Methoden, um die Adhärenz zu messen:

Direkte Methoden:

  • Beobachtungsstudien
  • Biomarker-Messungen
  • Evaluation von Klinik-/Praxisaufenthalten
  • Stichprobenbesuche bei den Patienten im klinischen Umfeld oder zu Hause

Indirekte Methoden:

  • Befragung des Patienten
  • Auswertung von Patiententagebüchern
  • Patienteninterviews
  • Nachverfolgung des Medikamentenverbrauchs
  • elektronisches Monitoring
  • Auswertung von Pharmadaten (z.B. Rezepteinlösungen)

Adhärenz positiv beeinflussen

Nur wer gut über seine Therapie informiert ist, versteht, wie wichtig Adhärenz ist. In einer ländervergleichenden Studie zeigte sich, dass selbst, wenn sich Patienten gut aufgeklärt fühlten, nur die Hälfte von ihnen Fragen zur Therapie korrekt beantworten konnte. Der Arzt kann die Adhärenz des Patienten positiv beeinflussen, indem er die Therapie mit dem Patienten ausführlich bespricht und dessen persönliche Bedürfnisse berücksichtigt. Außerdem gibt es eine Vielfalt von sogenannten „patient support programs“, die den Patienten bei der Therapie unterstützen können. Das sind beispielsweise Applikationen für Smartphones, wie Allergietagebücher, Pollenflugvorhersage oder Erinnerungen zur Einnahme.

Ausschlaggebend für den Erfolg einer Therapie sind also:

  • ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis
  • umfassende Aufklärung über die Vor- und Nachteile der Therapie und die Notwendigkeit einer langfristigen Therapietreue

+++ Mehr zum Thema: Allergen-spezifische Immuntherapie +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Prof. Dr. Gunter Sturm
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Aktualisiert am:
Quellen

Adhärenz in der spezifischen Immuntherapie; Hautarzt 2017, 68:282–286 DOI 10.1007/s00105-017-3946-z;
 
Prospective adherence to specific immunotherapy in Europe (PASTE) survey protocol; Makatsori et al. Clinical and Translational Allergy (2015) 5:17 DOI 10.1186/s13601-015-0060-0

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