Paracetamol und Stillen

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und , Medizinjournalistin
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Dr. Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

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Paracetamol und Stillen – diese Konstellation ist kein Problem. Das seit 40 Jahren erprobte Schmerzmittel hat sich sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit bewährt und gilt als Mittel der ersten Wahl bei Kopfschmerzen & Co. Erfahren Sie hier, bei welchen sonstigen Symptomen Paracetamol hilft, welche maximale Dosierung erlaubt ist und wie Sie Paracetamol in der Stillzeit richtig einnehmen.

Paracetamol und Stillen: Dosierung in der Stillzeit

Frauen dürfen Paracetamol in der Stillzeit in Einzeldosen von bis zu 1000 Milligramm einsetzen. Der Wirkstoff geht nur in sehr geringen Mengen in die Muttermilch über. Bei einer Dosis von 1000 Milligramm erhält der Säugling über die Muttermilch nur 1,85 Prozent der mütterlichen Dosis.

Eine Tageshöchstdosis von 2000 Milligramm sollte die Mutter dennoch nicht überschreiten. Wie bei jedem Schmerzmittel gilt auch hier, Paracetamol beim Stillen besser nur gelegentlich und in niedriger Dosierung und keinesfalls länger als drei bis vier Tage ohne ärztlichen Rat einzunehmen! Versuchen Sie, weniger gravierende Schmerzen nicht-medikamentös bzw. mit Hausmitteln zu behandeln.

Paracetamol und Stillen: Wann hilft es?

Wenn Sie stillen, ist Paracetamol - neben Ibuprofen - als Schmerzmittel (Analgetikum) die erste Wahl. Allerdings wirkt es, anders als Ibuprofen, kaum entzündungshemmend. Insbesondere aufgrund seiner guten fiebersenkenden Wirkung wird es aber gerade bei Erkältungskrankheiten, Grippesymptomen und Fieber gern eingesetzt.

Auch bei leichten Schmerzen oder Migräne kann es helfen. Gerade in der Stillzeit verläuft eine Migräne oftmals schwächer als vor der Geburt, so dass Paracetamol nun meist ausreicht, um die Symptome zu lindern.

Paracetamol und Stillen: Wie wirkt es?

Paracetamol hemmt über bestimmte Stoffe im zentralen Nervensystem die Produktion von Prostaglandinen (Gewebshormone, die bei Entzündungsprozessen, Fieber und Schmerzvermittlung eine Rolle spielen). Außerdem wirkt es auf das Cannabinoid-System (beruhigender und schmerzlindernder Effekt) und das Serotonin-System (Serotonin = "Glückshormon").

Seine maximale Konzentration erreicht Paracetamol nach oraler Einnahme nach etwa 30 bis 60 Minuten; rektal als Zäpfchen verabreicht dauert das drei bis vier Stunden. Nach etwa 2,6 Stunden ist die Konzentration in der Muttermilch auf die Hälfte gesunken (Halbwertszeit).

Paracetamol und Stillen: Nebenwirkungen beim Säugling

Paracetamol ist auch als Kombinationspräparat erhältlich: Es gibt den Wirkstoff zusammen mit Acetylsalicylsäure (ASS) und/oder Codein. Achten Sie bei der Einnahme von Paracetamol in der Stillzeit aber darauf, dass sie nur ein Monopräparat verwenden - also ein Präparat, das ausschließlich Paracetamol enthält.

Gerade die Kombination mit Codein ist in der Stillzeit zu vermeiden, da es beim Säugling sonst zu einer tödlich verlaufenden Morphin-Intoxikation kommen kann, wenn die Mutter einen entsprechenden Genotyp (CYP2D6) aufweist.

Bei nur gelegentlicher Einnahme von Paracetamol und unter genauer Einhaltung der Dosis sind die Wirkstoff-Mengen in der Muttermilch zu gering, um beim Säugling Nebenwirkungen hervorzurufen. Es spricht also nichts gegen die Einnahme von Paracetamol und Stillen.

Alle weiteren allgemeinen Informationen zu Wirkung, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen von Paracetamol lesen Sie hier.

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Dr. Nicole Wendler
Dr.  Nicole Wendler

Nicole Wendler ist promovierte Biologin aus dem Bereich Onkologie und Immunologie. Als Medizinredakteurin, Autorin und Lektorin ist sie für verschiedene Verlage tätig, für die sie komplizierte und umfangreiche medizinische Sachverhalte einfach, prägnant und logisch darstellt.

Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Quellen:
  • Agarwal-Kozlowski, K.: Ganzheitliche Schmerztherapie: Praxiswissen kompakt, Georg Thieme Verlag, 2013
  • Beubler, E.: Kompendium der medikamentösen Schmerztherapie: Wirkungen, Nebenwirkungen und Kombinationsmöglichkeiten, Springer Verlag, 7. Auflage, 2020
  • Koren, G. et al.: "Pharmacogenetics of morphine poisoning in a breastfed neonate of a codeine-prescribed mother". Lancet 2006; 368: 704
  • Oberbayerisches Kopfschmerzzentrum München, Neurologische Klinik am Klinikum Großhadern: "Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerzmitteln", unter: www.klinikum.uni-muenchen.de (Abruf vom 11.08.2021)
  • Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin: www.embryotox.de (Abruf: 05.08.2021)
  • S2k-Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): Behandlung der Migräne und idiopathischer Kopfschmerzsyndrome in der Schwangerschaft und Stillzeit (Stand: 2009)
  • Smollich M., Jansen A.C.: Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit: Schnell und sicher beraten. Hippokrates Verlag, 5. Auflage, 2019
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