Endoprothese

Von , Ärztin
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Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

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Eine Endoprothese ist ein künstlicher Gelenkersatz. Sie besteht meist aus Metall, Kunststoff und Keramik und wird anstelle eines geschädigten Gelenks implantiert. Dabei erstetzt die Endoprothese entweder nur Teile des Gelenks oder das gesamte Gelenk. Lesen Sie alles Wichtige über das Operationsverfahren, wie die Endoprothese funktioniert und welche Risiken sie birgt.

Endoprothese

Was ist eine Endoprothese?

In der Endoprothetik werden geschädigte Gelenke durch Endoprothesen ersetzt. Je nachdem, ob man ein ganzes oder nur Teile eines Gelenks ersetzen will, verwendet man eine Totalendoprothese (TEP) oder eine Teilendoprothese (Hemiendoprothese, HEP).

Eine Endoprothese soll möglichst lange haltbar sein, aber gleichzeitig vom Körper toleriert werden. Sie besteht in der Regel aus Metall, Keramik und Kunststoff. Für moderne Endoprothesen werden meist spezielle Metalllegierungen aus Titan, Kobalt oder Chrom verwendet. Das Inlay der Endoprothese, das den Gelenkknorpel ersetzt, besteht aus dem Kunststoff Polyethylen.

Die Verbindung von Endoprothese und Knochen nennt man Verankerung. Dabei unterscheidet man:

  • zementierte Endoprothese: Sie ist die häufigste Variante. Die Endoprothese wird hier mit Hilfe eines speziellen Kunststoffzements mit dem Knochen verbunden.
  • zementfreie Endoprothese: Sie wird zunächst in den Knochen gepresst und durch Einwachsen verankert. Geeignet ist diese Variante eher für jüngere Patienten, da deren Knochensubstanz noch kräftiger und stabiler ist als die von älteren.
  • hybride Endoprothese: Sie vereint beide Arten - ein Teil der Endoprothese wird zementiert, der andere zementfrei befestigt.

Wann braucht man eine Endoprothese?

Mit einer Endoprothese kann man Gelenke der Hüfte, des Knies, der Schulter, des Sprunggelenks, des Ellenbogens und der Wirbelsäule ersetzen, wenn diese ihre Funktion nicht mehr erfüllen oder nur noch eingeschränkt beweglich sind. Mögliche Ursachen dafür sind:

  • Arthrose (Verschleiss des Gelenkknorpels)
  • rheumatoide Arthritis (chronische Gelenkentzündung, die das betroffene Gelenk zerstören kann)
  • Absterben von Gewebe (Nekrose) im Gelenkbereich
  • Brüche (Frakturen) im Gelenkbereich
  • Gelenkversteifungen

Manchmal muss auch eine bereits implantierte Endoprothese gegen eine neue ausgetauscht werden.

Was macht man bei einer Endoprothese?

Vorab fragt Sie der Arzt nach Vorerkrankungen, Verletzungen, Medikamenten und Allergien. Er untersucht das betroffene Gelenk auf Beweglichkeit, Stabilität und Schmerzen und klärt Sie über die Operation auf. Zur Vorbereitung auf den Eingriff gehören ausserdem Blutuntersuchungen sowie eine Bildgebung - Röntgen, Computertomografie (CT), Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT).

Ablauf der Operation

Die Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt. Über einen grossen Hautschnitt (klassische Operationsmethode) oder mehrere kleine Schnitte, über welche die benötigen Instrumente eingeführt werden (minimal-invasive Variante), erhält der Chirurg Zugang zum betroffenen Gelenk. Er schiebt die Muskulatur im Gelenkbereich möglichst schonend zur Seite geschoben - falls nötig, durchtrennt er sie auch.

Dann öffnet der Chirurg die Gelenkkapsel, die das eigentliche Gelenk umgibt. So kann er geschädigte bzw. abgenutzte Gelenkoberflächen und Gelenkknorpel entfernen. Die verbleibenden Knochenflächen werden mit speziellen Raspeln, Fräsen und Sägen für die Endoprothese vorbereitet.

Nun wird anhand eines Probeimplantats geprüft, welche Grösse, Beweglichkeit und Stabilität für den künstlichen Gelenkersatz nötig sind. Die schliesslich ausgewählte passende Endoprothese wird dann - falls es sich um eine zementierte Variante handelt - mit Hilfe von sogenanntem Knochenzement mit dem Knochen verbunden. Eine zementfreie Endoprothes mit ihrer kegelförmigen Verankerung wird dagegen in den Knochen geschlagen und so befestigt (Press-fit-Fixation). Auch eine Verschraubung zwischen Endoprothese und Knochen ist möglich.

Schliesslich überprüft der Operateur den korrekten Sitz und die Beweglichkeit des künstlichen Gelenks. Eventuell fertigt man zur Kontrolle noch ein Röntgenbild an, bevor die Wunde vernäht wird. Ein Verband schützt die Wunde vor Infektionen.

Weiterführende Informationen: Knie-TEP

Wenn Sie wissen möchten, wie man eine Totalendoprothese des Knies einsetzt, lesen Sie den Beitrag Knie-TEP.

Weiterführende Informationen: Hüft-TEP

Wenn Sie genauere Informationen zur Totalendoprothese des Hüftgelenks benötigen, lesen Sie den Beitrag Hüft-TEP.

Welche Risiken birgt eine Endoprothese?

Während des Eingriffs beziehungsweise danach kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Dazu zählen:

  • Blutungen
  • Thrombose
  • Infektionen
  • Verletzung von Haut, Muskulatur oder Knochen
  • Lockerung der Endoprothese
  • allergische Reaktionen auf Bestandteile der Endoprothese

Was muss ich nach einer Endoprothese beachten?

Nach der Implantation einer Endoprothese bleiben Sie meist noch ein bis zwei Wochen im Krankenhaus. Bereits am ersten Tag nach der Operation wird mit der physiotherapeutischen Nachbehandlung begonnen:

Anhand eines strukturierten Plans werden die Muskeln aufgebaut und die Beweglichkeit des Gelenks wieder hergestellt. Bei der passiven Krankengymnastik bewegt und mobilisiert ein Physiotherapeut das Gelenk ohne Ihre aktive Mitarbeit. Darüber hinaus führen Sie selbstständig Übungen unter der Anleitung und Kontrolle des Physiotherapeuten durch.

Die anschliessende drei- bis vierwöchige (zum Teil auch längere) Rehabilitation kann entweder ambulant oder in einer speziellen Rehabilitations-Klinik stattfinden. Dabei wird die Funktion des operierten Gelenkes wiederhergestellt. Sie lernen auch, wie Sie sich gelenkschonend im Alltag bewegen und welche Sportarten und Aktivitäten Sie ausüben können. Als besonders gelenkschonend gelten Schwimmen, Fahrradfahren und Nordic Walking. Um Folgeschäden zu vermeiden, empfiehlt sich ausserdem eine Gewichtskontrolle.

Ihr Arzt wird in regelmässigen Abständen radiologische Kontrollen und Untersuchungen machen, um eine mögliche Lockerung der Endoprothese oder Spätkomplikationen so früh wie möglich erkennen zu können. Bei Schmerzen und anderen Beschwerden im Bereich des operierten Gelenks sollten Sie umgehend Ihren Arzt konsultieren.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Autor:
Valeria Dahm
Valeria Dahm

Valeria Dahm ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte an der Technischen Universität München Medizin. Besonders wichtig ist ihr, dem neugierigen Leser Einblick in das spannende Themengebiet der Medizin zu geben und gleichzeitig inhaltlichen Anspruch zu wahren.

Quellen:
  • Bleß, H.-H. & Kip, M. (Hrsg.): Weißbuch Gelenkersatz, Springer-Verlag, 2017
  • Claes, L. et al.: AE-Manual der Endoprothetik: Hüfte und Hüftrevision, Springer-Verlag, 1. Auflage, 2011
  • Ficklscherer, A. & Paulus, A.: Das Mündliche Examen Orhtopädie und Unfallchirurgie, Elsevier / Urban & Fischer Verlag, 2018
  • Krukemeyer, M. & Möllenhoff, G.: Endoprothetik: Ein Leitfaden für den Praktiker, Walter-de-Gruyter-Verlag, 3. Auflage, 2012
  • Neumann, H.: AE-Manual der Endoprothetik: Sprunggelenk und Fuß, Springer-Verlag, 1. Auflage, 2011
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 11.02.2022)
  • Ruether, W. & Simmen, B.: AE-Manual der Endoprothetik: Ellenbogen, Springer-Verlag, 1. Auflage, 2013
  • S2k-Leitlinie "Gonarthrose" der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (Stand: 2017)
  • S2k-Leitlinie "Koxarthrose" der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (Stand: 2019)
  • Wirtz, D.C.: AE-Manual der Endoprothetik: Knie, Springer-Verlag, 1. Auflage, 2010
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