Gicht – Ernährung

Von , Studentin der Humanmedizin
und , Biologin und Medizinredakteurin
Aktualisiert am
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Dr. Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

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Bei Gicht spielt die Ernährung eine zentrale Rolle. Gicht entwickelt sich, wenn zu viel Harnsäure im Blut ist – und das lässt sich durch eine bewusste Auswahl der Nahrungsmittel erheblich beeinflussen. Dabei gilt es vor allem, Nahrungsmittel zu vermeiden, die viele Purine enthalten – beispielsweise Fleisch. Denn Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen und reichert sich bei Gicht im Körper übermässig an. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema Gicht-Ernährung.

Gicht: Ernährung, empfohlene Nahrungsmittel

Wie ernähren bei Gicht?

Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist wichtig für den Körper – und das nicht nur bei Gicht. Ernährung und Gesundheit stehen generell in einem engen Zusammenhang. Mit der Nahrung werden Vitamine, Spurenelemente und andere wichtige Substanzen aufgenommen. Eine ausgewogene Ernährung senkt das Risiko für bestimmte Erkrankungen – dazu gehören unter anderem Bluthochdruck und Herzkreislauferkrankungen. Mediziner und Ernährungswissenschaftler empfehlen für die tägliche Nahrungsaufnahme folgende Zusammensetzung:

  • 50 Prozent Kohlenhydrate
  • 30 Prozent Fett, davon maximal ein Drittel gesättigte Fettsäuren
  • 20 Prozent Eiweisse

Die allgemeinen Empfehlungen zu einer ausgewogenen Ernährung gelten für alle Menschen, also auch für Menschen mit Gicht. Es ist nicht zutreffend, dass man bei Gicht Diät im Sinne einer Nahrungsreduktion halten müsse. Grundsätzlich essen Sie auch mit Gicht, soviel Sie wollen. Achten Sie nur darauf, welche Lebensmittel Sie zu sich nehmen.

Was vermeiden bei Gicht?

Bei Gicht ist der Harnsäurespiegel im Blut erhöht. Ein erhöhter Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) entsteht zum Beispiel, wenn der Körper zu viel Harnsäure produziert oder wenn er zu wenig davon ausscheidet. In vielen Fällen tragen beide Mechanismen zum Krankheitsgeschehen bei. Harnsäure entsteht durch die Aufschlüsselung von Purinen, die beim Abbau von Zellen anfallen. Zusätzlich nehmen wir Purine über einige Nahrungsmittel auf.

Eine Verbotsliste an Lebensmitteln bei Gicht gibt es nicht. Es gibt jedoch Nahrungsmittel, die im Rahmen einer Ernährung bei Gicht am besten seltener als andere auf dem Speiseplan stehen. Bei Gicht empfehlen Mediziner, möglichst wenige Purine zusätzlich durch die Nahrung aufzunehmen. In welchen Nahrungsmitteln wie viel Purin steckt, entnehmen Sie unten stehender Gicht-Ernährungstabelle.

Vorsicht bei Purinen

Die Obergrenze der empfohlenen Purinaufnahme liegt bei etwa 500 Milligramm täglich. Diese Angabe variiert abhängig von der Höhe des individuellen Harnsäurespiegels und dem Körpergewicht. Insbesondere während und nach einem Gichtanfall ist die Purinaufnahme noch einmal zu senken. Mediziner empfehlen hier eine Aufnahme von höchstens 200 Milligramm pro Tag und nicht mehr als zwei Gramm an Purinen pro Woche.

Die Angaben zum Puringehalt einzelner Lebensmittel weichen jedoch in den verschiedenen Lebensmitteltabellen voneinander ab. Das kommt dadurch zustande, dass der Puringehalt auch von der Zubereitung des Produkts abhängt: Gebratenes Fleisch enthält zum Beispiel mehr Purine als rohes Fleisch.

Für die Umrechnung von Puringehalt in daraus gebildete Harnsäure gilt folgende Formel: Ein Milligramm Purin wird in 2,4 Milligramm Harnsäure umgewandelt.

So "spart" man Purine

Grundsätzlich gilt, dass an Gicht Erkrankte möglichst Lebensmittel mit wenig Purinen konsumieren. Lebensmittel, die wenig bis gar keine Purine enthalten, sind zum Beispiel Milch, Joghurt und Quark. Die Mengen dieser Lebensmittel sind im Grunde unbegrenzt – durch sie steigt der Harnsäurespiegel nicht. Eier und Hartkäse haben ebenfalls einen sehr geringen Puringehalt. Unbedenklich sind zudem Kartoffeln, Eiernudeln, Weissbrot und Reis.

Als Fisch kommen Räucheraal und Scholle in Betracht. Ganz unbesorgt dürfen Sie auch bei Obst, Gurken, Paprika und Tomaten sein.

Vitamin C (in Obst und Fruchtsäften enthalten) hat zudem einen harnsäuresenkenden Effekt. Es bringt jedoch nichts, Vitamin C in Übermassen zu sich zu nehmen. Zu viel Vitamin C verwertet der Körper nicht und scheidet es einfach wieder aus.

In Gicht-Lebensmitteltabellen sind einige Lebensmittel gelistet, die einen sehr hohen Puringehalt haben. Experten empfehlen, auf diese Lebensmittel bei Gicht weitestgehend zu verzichten. Dazu gehören in erster Linie Fleisch, vor allem Schweine- und Gänsefleisch sowie Innereien. Auch Schinken, Linsen und verschiedene Fischsorten wie Forelle, Hering, Ölsardinen und Sprotten sind eher ungünstig.

In den Ernährungstabellen für Gichtpatienten sind auch Lebensmittel aufgelistet, die zwar einen relativ hohen Gehalt an Purinen haben, deren Verzehr aber dennoch ab und an akzeptabel ist. Den geringsten Puringehalt hat von diesen Lebensmitteln die Bratwurst. Einen höheren Puringehalt als Bratwurst haben bereits Getränke wie Apfelschorle, Cola-Getränke und Bier.

Zu den Fleischwaren, deren gelegentlicher Verzehr in Ordnung ist, gehören Wurstwaren, Putenschnitzel und Fleischbrühe. Ausserdem sind Fischstäbchen und Kabeljau in überschaubaren Massen nicht schädlich.

Ergänzen Sie die abgestimmte Ernährung durch eine ausreichend hohe Flüssigkeitsaufnahme. Mediziner empfehlen, mindestens zwei Liter täglich zu trinken. Mineralwasser, Saftschorlen und ungesüsste Tees sind besonders bekömmlich. Die Flüssigkeitszufuhr verdünnt das Blut und bewirkt, dass Sie die Harnsäure besser ausscheiden.

Spargel & Gicht

Lange Zeit galt Spargel als bedenklich und ist im Rahmen der Gichtdiät kontrovers diskutiert worden. Einerseits hat Spargel bei Gicht wegen seiner harntreibenden Wirkung einen guten Ruf – denn mit dem Harn spült die Niere Harnsäure aus dem Körper heraus. Da er aber mit etwa zehn Milligramm pro 100 Gramm mehr Purin enthält als andere Gemüsesorten, rieten Fachleute, Spargel im Rahmen einer Gichtdiät nur begrenzt zu essen.

Tatsächlich gibt es aber Gemüsesorten, die weit mehr Purin enthalten – beispielsweise Rosenkohl mit 25 Milligramm pro 100 Gramm. Paprika, Tomaten und Gurken sowie alle Obstsorten schneiden dagegen deutlich besser ab. Spargel liegt mit seinem Puringehalt also im Mittelfeld. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung ist er also auf dem Speiseplan unbedenklich.

Fett

Fett stellt grundsätzlich kein spezielles Problem bei Gicht dar. Zu viel Fett schadet jedoch dem Körper und verursacht Übergewicht. Dies begünstigt wiederum Gicht. Achten Sie deshalb bei der Ernährung bei Gicht auch auf den Fettgehalt der Nahrungsmittel. Dabei ist zu bedenken, dass der Puringehalt der Nahrungsmittel nichts mit dem Fettgehalt zu tun hat. Diese beiden Werte sind strikt voneinander getrennt zu betrachten.

Die tägliche Fettzufuhr kontrollieren Sie allein schon durch den mässigen Fleischkonsum bei der Gicht-Ernährung. Viel Fett ist ausserdem in Käse, zahlreichen Fertigprodukten und Light-Produkten enthalten. Meiden Sie diese, wenn möglich. Gut lässt sich die tägliche Fettzufuhr auch durch die Zubereitung von Speisen beeinflussen. Statt Braten oder Frittieren kommen zum Beispiel Grillen und Dünsten als fettärmere Alternativen infrage.

Gicht-Ernährung: Diäten zur Gewichtsreduktion

Ein zu hohes Körpergewicht gilt als Risikofaktor für Gicht. Wenn Sie einen Body-Mass-Index von 25 und höher haben, empfehlen Experten, das Gewicht zu reduzieren. Bei der Gewichtsreduktion ist langsam vorzugehen: Zwei bis drei Kilogramm pro Monat reichen meist schon aus.

Während einer Diät bildet der Körper vermehrt sogenannte Ketonkörper. Diese hemmen die Ausscheidung von Harnsäure. Eine zu schnelle Gewichtsabnahme, insbesondere durch Fasten und Nulldiäten, löst daher unter Umständen einen Gichtanfall aus. Besprechen Sie Punkte wie Ernährung und Gewichtsabnahme am besten mit Ihrem Arzt.

Individueller Ernährungsplan

Gicht ist in vielen Fällen nicht die einzige Stoffwechselerkrankung, unter der Patienten leiden. Dann gilt es, weitere Ernährungsregeln zu berücksichtigen. Fast alle Stoffwechselerkrankungen zeichnen sich dadurch aus, dass Betroffene bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen, nicht verdauen oder Schäden durch die Lebensmittel entstehen.

Leiden Sie an weiteren Stoffwechselerkrankungen, teilen Sie dies Ihrem Arzt vor der Behandlung unbedingt mit. Gemeinsam ermitteln Sie dann, welche Nahrungsmittel für Sie infrage kommen und welche nicht. Bei Gicht hilft oft ein individueller Ernährungsplan, auf dem Sie genau festhalten, was in welchen Mengen für Sie unbedenklich ist.

Ein solcher individueller Ernährungsplan ist auch hilfreich, wenn Betroffene erstmals erfahren, dass für sie eine Umstellung ihrer Ernährungsgewohnheiten ansteht.

Gicht: Ernährung und Alkoholgenuss

Alkohol ist ein Risikofaktor, da er die Ausscheidung von Harnsäure behindert. Verzichten Sie daher im Rahmen einer Gicht-Diät auf Alkohol, insbesondere Bier, da der Alkohol mitunter einen akuten Gichtanfall auslöst.

Gicht: Lebensmitteltabelle

Lebensmittel

Purine pro 100 Gramm (in Milligramm)

Gebildete Harnsäure pro 100 Gramm (in Milligramm)

Milch

0

0

Joghurt

0

0

Quark

0

0

Eier

2

4,8

Salatgurke

3

7,2

Hartkäse

4

7,2

Tomaten

4,2

10

Paprikaschoten

4,2

10

Kartoffeln

6,3

15

Obst

4,2 – 12,6

10 – 30

Eiernudeln, gekocht

8,4 – 21

20 – 50

Walnüsse

10,5

25

Spargel

10,5

25

Reis, gekocht

10,5 – 14,7

25 – 35

Weissbrot

16,8

40

Blumenkohl

18,9

45

Champignons

25,2

60

Rosenkohl

25,2

60

Mettwurst

26

62

Erdnüsse

29,4

70

Weizen

37,8

90

Bratwurst

40

96

Apfelsaft

42

100

Colagetränk

42

100

Bier, alkoholfrei

42

100

Haferflocken

42

100

Kabeljau

45

108

Wurst

42 – 54,6

100 – 130

Fischstäbchen

46,2

110

Putenschnitzel

50,4

120

Fleischbrühe

58,8

140

Erbsen

63

150

Fisch, gegart

63

150

Fleisch (Schwein, Rind, Kalb), mager, frisch

63

150

Hähnchenbrustfilet, frisch

75,6

180

Linsen

84

200

Schinken

85

204

Schweineschnitzel

88

211,2

Ölsardinen

200

480

Sprotten

335

802

Quelle: Internisten im Netz

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Dr. rer. nat. Monique Amey-Özel
Dr.  Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

ICD-Codes:
M10
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Baenkler, H. W. et al.: Innere Medizin. Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2021
  • Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI): Gicht: Ernährungsempfehlungen & TippsErnährungsempfehlungen bei Hyperurikämie & Gicht, unter: www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 02.02.2022)
  • Engel, B. et al.: Treatment Options for Gout, in: Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 215-222
  • Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention: Fachkompendium Hyperurikämie und Gicht, Grin Verlag, 1. Auflage, 2013
  • Fachinformation der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): Ernährungstherapie bei Gicht und Hyperurikämie, unter: www.station-ernaehrung.de (Abrufdatum: 02.02.2022)
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, 2022
  • Müller-Nothmann, S. D. & Weißenberger, C.: Ernährungsratgeber Gicht. Schlütersche Verlag, 1. Auflage, 2006
  • S2e-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V. (DEGAM): Gicht: Häufige Gichtanfälle und Chronische Gicht (Stand: März 2019), unter: www.awmf.org (Abrufdatum: 15.02.2022)
  • Silbernagl, S. et al.: Taschenatlas der Pathophysiologie. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2005
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