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Nabelschnurblut (Cord Blood, CB, Nabelschnurblutstammzellen)

Nabelschurblut
Nabelschnurblut kann für den Eigenbedarf oder als Spende eingelagert werden. (FatCamera / iStockphoto)

Die aus Nabelschnurblut gewonnenen Stammzellen können Menschen helfen, bei denen die körpereigenen Stammzellen nicht richtig funktionieren oder von Krebszellen verdrängt werden, wie z.B. bei Leukämie. In so einem Fall kann Nabelschnurblut Leben retten.

Kurzfassung:

  • Aus Nabelschnurblut kann eine relativ große Menge Stammzellen gewonnen werden.
  • Stammzellen aus Nabelschnurblut können transplantiert werden und so Leben retten.
  • Sie kommen bei verschiedenen Krankheiten (z.B. Leukämie) zum Einsatz.
  • Für Mutter und Kind ist die Entnahme von Nabelschnurblut schmerz- und risikofrei.
  • Nabelschnurblut kann für den Eigenbedarf eingelagert oder gespendet werden.

 Was ist Nabelschnurblut?

Bei Nabelschnurblut handelt es sich um das Blut, das nach der Entbindung in der Nabelschnur bzw. in der Plazenta als Nabelschnurrestblut zurückbleibt. Früher wurde dieses entsorgt, heute weiß man, dass Nabelschnurblut kostbar ist und sogar Leben retten kann.

Was ist so besonders an Nabelschnurblut?

Die Stammzellenforschung beschäftigt sich mit dem Einsatz von Stammzellen zur Heilung von bestimmten Krankheiten. Mittels Transplantation von Stammzellen, die aus Nabelschnurblut gewonnen wurden, können z.B. bei Leukämie, Fehlfunktionen des Stoffwechsels und angeborenen Immunschwächen gewisse Heilungserfolge erzielt werden.

Aus Nabelschnurblut kann eine relativ große Menge an Stammzellen gewonnen werden. Bei einer Blutstammzellentransplantation wird das defekte blutbildende und immunologische System eines Patienten durch gesunde neue Blutstammzellen aus dem Nabelschnurblut ersetzt.

Blutstammzellen aus Nabelschnurblut haben folgende Vorteile:

  • Nabelschnurblut kann einfach entnommen, eingefroren und für sehr lange Zeit in autorisierten Institutionen eingelagert werden.
  • Nabelschnurblut ist schneller für eine Transplantation verfügbar als beispielsweise Knochenmark. Bei einer Knochenmarkspende muss zuerst ein passender Spender im Spenderregister gefunden werden. Die Blutstammzellen werden dann durch eine Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm gewonnen. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose.
  • Nabelschnurblutstammzellen sind noch nicht ausgereift, dadurch verringert sich beim Empfänger das Risiko einer Abstoßungsreaktion.
  • Stammzellen aus Nabelschnurblut können meist auch dann erfolgreich transplantiert werden, wenn sie nicht zu 100% zum Empfänger passen.
  • Für Mutter und Kind ist das Verfahren risikofrei.
  • Stammzellen können jahrzehntelang aufbewahrt werden, bis sie für spezielle Therapien zum Einsatz kommen.

Wie wird Nabelschnurblut entnommen?

Nach der Geburt wird die Nabelschnurvene mit einer Kanüle punktiert und dabei Blut zur Stammzellengewinnung entnommen. Das ist weder für die Mutter noch für das Kind schmerzhaft. Für Mutter und Kind entsteht bei der Entnahme kein Nachteil, da die Nabelschnur nach der Geburt ihre Aufgabe erfüllt hat und nicht mehr benötigt wird. Das Blut muss dann innerhalb von 48–72 Stunden verarbeitet und eingelagert werden.

Warum Nabelschnurblut einlagern?

Stammzellen aus Nabelschnurblut können im Rahmen moderner Therapieverfahren eingesetzt werden und dabei kranke Zellen durch gesunde Zellen – die sich aus den Nabelschnurstammzellen entwickeln – ersetzen. Eltern können das Nabelschnurblut des eigenen Kindes für den Eigenbedarf einlagern oder aber auch spenden. Werden die Nabelschnurblutstammzellen für den Eigenbedarf eingelagert, können diese für das Kind selbst, für Geschwister oder ein anderes Familienmitglied verwendet werden. Neueste Technologien ermöglichen es, dass die begrenzte Menge an Stammzellen aus Nabelschnurblut außerhalb des Körpers vergrößert werden kann. Dadurch kann mehr als eine Person mit den aufbereiteten Stammzellen versorgt werden.

Wann kommen Stammzellen aus Nabelschnurblut zum Einsatz?

Bisher konnten Stammzellen aus Nabelschnurblut bei über 80 Erkrankungen erfolgreich eingesetzt werden. Viele Krankheiten des blutbildenden Systems können zwar mit einer Chemo- bzw. Strahlentherapie behandelt werden, bei manchen hilft aber nur die Übertragung gesunder Stammzellen. Je höher die Übereinstimmung der Gewebemerkmale aus dem humanen Leukozyten-Antigen(HLA)-System zwischen Spender und Patient ist, desto besser stehen die Chancen für eine erfolgreiche Transplantation. Der große Vorteil von Stammzellen aus Nabelschnurblut im Gegensatz zu Knochenmarkstammzellen oder mobilisierten peripheren Stammzellen ist, dass die im Nabelschnurblut befindlichen Blutzellen noch nicht voll ausgereift sind. Das bedeutet, dass sie auch dann transplantiert werden können, wenn keine 100%ige Übereinstimmung besteht.

Therapien mit Stammzellen aus Nabelschnurblut werden weltweit in zahlreichen klinischen Studien und Heilversuchen getestet. Künftig soll Nabelschnurblut auch bei anderen medizinischen Indikationen eingesetzt werden. Erkrankungen wie z.B. Hirnschäden, Diabetes Typ 1, Herzfehler, Autismus, Alzheimer, SchlaganfallMorbus Crohn oder Multiple Sklerose sollen in Zukunft dank Stammzellentherapie besser behandelbar werden. Stammzellen aus Nabelschnurblut können allogen (Fremdspende) oder autolog (der Spender ist auch der Empfänger) angewendet werden.

Für die Medizin ist aber nicht nur das Nabelschnurblut mit seinen hämatopoetischen Stammzellen (Blutstammzellen) interessant, auch die Nabelschnur und das Amnion der Plazenta (die Eihaut der Fruchtblase) enthalten wertvolle Stammzellen. Die sogenannten mesenchymalen Stammzellen (MSC) sind unter anderem für den Erhalt und die Regeneration des Bindegewebes sowie der Knochen, Knorpel und Muskeln zuständig.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Michael Bernhard Fischer
Redaktionelle Bearbeitung:

Aktualisiert am:
Quellen

 aerzteblatt.de: Stammzellen aus Nabelschnurblut – Summary; https://www.aerzteblatt.de/archiv/80282/Stammzellen-aus-Nabelschnurblut-Summary (letzter Zugriff: 15.04.2020)
Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Informationen über Stammzellenspende; https://www.gesundheit.gv.at/gesundheitsleistungen/stammzellregister/information-stammzellspende (letzter Zugriff: 15.04.2020)
DKMS Nabelschnurblutbank; https://www.dkms-nabelschnurblutbank.de/ (letzter Zugriff: 15.04.2020)
Bundesärztekammer Deutschland: Richtlinien zur Transplantation von Stammzellen aus Nabelschnurblut; https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/Transnabel_pdf.pdf (letzter Zugriff: 15.04.2020)
Informationsportal zu Krebs- und Bluterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen: Stammzellengewinnung aus Nabelschnurblut; https://www.kinderkrebsinfo.de/patienten/behandlung/behandlungsmethoden/pohkinderkrebsinfostammzelltransplantation/stammzellgewinnung/aus_nabelschnurblut/index_ger.html (letzter Zugriff: 15.04.2020)
https://www.roteskreuz.at/fileadmin/user_upload/LV/Oberoesterreich/BS/Voeoecklabruck/Internet_Folder/stammzellenspende.pdf
https://parentsguidecordblood.org/de (letzter Zugriff: 15.04.2020)
aerztezeitung.de: Mit Nabelschnurblut gegen Hirnschäden; https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Mit-Nabelschnurblut-gegen-Hirnschaeden-294079.html (letzter Zugriff: 15.04.2020)

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