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Medizin der Zukunft  

E-Health: Was ist Telemedizin?

Telemedizin, E-health
Eine Form der Telemedizin ist die Telekonsultation, die Interaktion zwischen dem Patienten und dem Arzt. (simpson33 / iStockphoto)

Seit vielen Jahren halten neue Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) Einzug in unterschiedlichste Lebensbereiche. Damit kommt es nicht nur zu Veränderungen im gesellschaftlichen und beruflichen Umfeld, sondern auch im Gesundheitswesen.

Die Gesamtheit aller IT-gestützten Anwendungen im Gesundheitsbereich wird als „E-Health“ oder Telemedizin bezeichnet.

Dazu zählen alle Strukturen und Dienstleistungen, bei denen moderne Informations- und Kommunikationstechnologien zum Einsatz kommen und die der Gesundheitsförderung und -versorgung, aber auch einer verbesserten Effizienz im Gesundheitswesen dienen.

Telemedizinische Anwendungen

1. Telekonsultation:

Telekonsultation bezeichnet die Interaktion zwischen dem Patienten und medizinischem Fachpersonal (Arzt, DGKP usw.), wie etwa bei Telemonitoring, der Teletherapie und der Videokonsultation.

  • Telemonitoring: Mittels Telemonitoring kann der Gesundheitszustand eines Patienten aus der Ferne überwacht werden. Parameter wie etwa Blutdruck, Herzfrequenz oder Blutzucker werden von einem Messgerät direkt an den behandelnden Arzt oder das Krankenhaus übermittelt.
     
  • Teletherapie: Dabei greift der Arzt aktiv aus der Entfernung in die Behandlung von Patienten ein (beispielsweise ein Chirurg, der aus der Entfernung einen Roboter lenkt).
     
  • Videokonsultation: Über eine spezielle App können Patienten in Echtzeit einen Arzt konsultieren. Dieser stellt eine Diagnose und leitet eine Therapie ein. Auch die Ausstellung eines e-Rezepts, einer e-Krankmeldung sowie die Überweisung an einen Facharzt oder beispielsweise ein Röntgeninstitut sind möglich.

2. Telekonzil:


Als Telekonzil wird die Interaktion zwischen zwei oder mehreren Ärzten bezeichnet.

  • Teleradiologie: Der behandelnde Arzt holt die Zweitmeinung eines Arztes ein, der sich an einem anderen Ort befindet.
     
  • Telekonferenz: Im Rahmen einer Telekonferenz können mehrere Mediziner aus verschiedenen Krankenhäusern gemeinsam Fälle betreuen (z.B. beim Tumorboard).

Welche Vorteile hat Telemedizin?

Telemedizin ermöglicht die elektronische Erfassung und Sammlung von Gesundheitsdaten, die durch digitale Verarbeitung unabhängig von Ort und Zeit miteinander verknüpft werden können. Dadurch ergeben sich sowohl für die Bürger als auch für das gesamte österreichische Gesundheitssystem vielerlei Vorteile:

  • Verbesserte Work-Family-Balance der im Gesundheitssystem arbeitenden Personen
  • Ressourcenschonung für Patienten und medizinisches Personal
  • Zeitersparnis
  • Fachexpertisen werden via Telekonzil oder Telekonferenz lokal verfügbar gemacht.
  • Reduzierung von Belastungen und Untersuchungsfrequenzen für Patienten
  • Zeitlich besser organisiertes Leistungsangebot (Rund-um-die-Uhr-Dienst)
  • Effizienter Einsatz von Ressourcen

+++ Interview mit Dr. Andrea Braga zum Thema Telemedizin +++

Definition laut Sozialministerium

Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz definiert den Begriff Telemedizin folgendermaßen: „Unter Telemedizin versteht man die Bereitstellung oder Unterstützung von Leistungen des Gesundheitswesens mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), wobei Patientin bzw. Patient und Gesundheitsdienstanbieter (GDA, insbesondere Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser und Pflegepersonal) oder zwei GDA nicht am selben Ort anwesend sind. Voraussetzung dafür ist eine sichere Übertragung medizinischer Daten für die Prävention, Diagnose, Behandlung und Weiterbetreuung von Patientinnen und Patienten in Form von Text, Ton und/oder Bild.“

Erfolgreiche Pilotprojekte

In den vergangenen Jahren wurden bereits unterschiedlichste Pilotprojekte auf den Weg gebracht, an denen sich der Nutzen telemedizinischer Lösungen gut ablesen lässt:

  • Gesundheitsberatung 1450
  • Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) inklusive ihrer Schnittstellen
  • „Herz Mobil Tirol“: engmaschige Überwachung von Herzinsuffizienzpatienten via Smartphone
  • „Therapie Aktiv“ und „Dialog Diabetes“ Krankheitsmanagementprogramme für Diabetespatienten
  • WAALTeR: ermöglicht Senioren in Wien mithilfe von intelligenten Technologien ein unabhängiges Leben

Herausforderungen im österreichischen Gesundheitssystem

Das österreichische Gesundheitssystem steht vor großen Umbrüchen und komplexen Herausforderungen. Die demografische Entwicklung und die steigende Lebenserwartung führen dazu, dass die Anzahl der Menschen, die eine medizinische Behandlung brauchen und/oder Bedarf an Pflege haben, auch zukünftig beständig weiter steigen wird.

Gleichzeitig drohen in den kommenden Jahren zahlenmäßige Einbrüche in der ärztlichen Gesundheitsversorgung: Bis 2025 werden 55% aller Allgemeinmediziner über 65 Jahre alt sein. Verschiebt sich die Altersverteilung der praktizierenden Ärzte in Richtung Pensionsalter, so gehen jedes Jahr Stellen verloren, die nicht in ausreichendem Ausmaß nachbesetzt werden können.

Hier kann die Telemedizin maßgeblich dazu beitragen, die bevorstehenden Herausforderungen im österreichischen Gesundheitswesen zu meistern und damit die qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung österreichischer Bürger langfristig zu sichern.

+++ Mehr zum Thema: Was die Digitalisierung im Gesundheitswesen bringt +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Andrea Vincenzo Braga, MBA
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Aktualisiert am:

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