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Medizin der Zukunft  

Was ist Präzisionsmedizin?

Präzisionsmedizin, personalisierte Medizin
Jede menschliche Zelle ist mit DNA (Gesamtheit aller Gene) ausgestattet, sie enthält den individuellen Bauplan für das ganze Lebewesen. (Altayb / iStockphoto)

Präzisionsmedizin hat zum Ziel, künftig jeden Patienten zielgerichtet und maßgeschneidert therapieren zu können. Sie macht Erkrankungen individuell behandelbar und erhöht damit die Therapieerfolge.

Was ist Präzisionsmedizin?

Um einem Patienten die für ihn beste Therapieoption anbieten zu können, wird schon heute eine Vielzahl von Faktoren – wie etwa Alter, Geschlecht, Gewicht und ethnische Zugehörigkeit – in die medizinischen Entscheidungen miteinbezogen. Dennoch sprechen nicht alle Patienten auf die jeweilige Therapieform gleich gut an, viele Betroffene haben zudem mit unangenehmen Nebenwirkungen der Behandlung zu kämpfen.

Die Präzisionsmedizin geht noch einen Schritt weiter: Sie schließt auch biologische, histologische und genetische Merkmale des Patienten mit ein. Dadurch soll jeder Patient in Zukunft eine maßgeschneiderte und damit die für ihn am besten wirksame Therapie erhalten.

+++ Mehr zum Thema: Wie hilft Präzisionsmedizin dem Morbus-Crohn-Patienten? +++

Spurensuche auf molekularer Ebene

Jede menschliche Zelle ist mit DNA (Gesamtheit aller Gene) ausgestattet, sie enthält den individuellen Bauplan für das ganze Lebewesen. Die Informationen aus dem Erbgut tragen wir unser Leben lang mit uns. Bestimmte Umweltfaktoren oder ein ungünstiger Lebensstil können jedoch zu individuellen Veränderungen der DNA führen und letztlich Erkrankungen auslösen.

Manche Menschen haben zudem eine angeborene, ererbte (genbedingte) Veranlagung, eine bestimmte Erkrankung zu entwickeln. Bei ihnen ist das Risiko, tatsächlich daran zu erkranken, erhöht.

Hier setzt die Präzisionsmedizin an: Mithilfe modernster Technologien sollen biologische, histologische und genetische Merkmale des jeweiligen Patienten identifiziert werden. Ziel ist, jedem Erkrankten eine individuelle, maßgeschneiderte Therapie zukommen zu lassen bzw. genetische Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen, um rechtzeitig Maßnahmen ergreifen zu können.

Präzisionsmedizin ermöglicht ...

  • eine maßgeschneiderte, individuelle Therapie („die richtige Behandlung in der richtigen Dosis zum richtigen Zeitpunkt“);
  • die Reduktion bzw. Vermeidung von Nebenwirkungen (im Vergleich zur Standardtherapie);
  • die Identifizierung von genetisch bedingter Veranlagung für eine bestimmte Erkrankung;
  • rechtzeitiges Setzen von Maßnahmen bei genetisch bedingtem Erkrankungsrisiko;
  • die Vorhersage, ob Patienten auf bestimmte Therapien oder Medikamente ansprechen werden.

Wie funktioniert Präzisionsmedizin?

Grundlage der Präzisionsmedizin sind modernste molekulare Diagnostikmethoden wie Genomsequenzierung und molekulare Bildgebung. Diese wurden erst durch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms (Gesamtheit der Erbinformation) möglich.

Dafür werden Blut- und Gewebeproben auf molekulare Biomarker hin untersucht. Dabei handelt es sich um biologische Merkmale, die Hinweise auf bestimmte (Krankheits-)Vorgänge geben.

Beispiele für Biomarker:

  • „Diagnostische“ Biomarker: Körpertemperatur, Blutdruck, Herzfrequenz
  • „Molekulare“ Biomarker: Gensequenzen, Proteine, Enzyme, die auf eine krankhafte Veränderung hindeuten

Nach Auswertung der gefundenen Biomarker können die Wirkung, aber auch die Nebenwirkungen verschiedener Behandlungen bereits im Vorfeld abgeschätzt bzw. bei noch nicht Erkrankten ein mögliches erhöhtes Krankheitsrisiko identifiziert werden.

Unter Einbeziehung aller anderen krankheitsrelevanten Faktoren wird nun ein für den Patienten individuell angepasstes Therapie- und Dosierungsschema festgelegt und damit die für ihn wirksamste Behandlung eingeleitet.

Anwendungsbereiche der Präzisionstherapie

Die Präzisionstherapie findet schon heute bei einer Vielzahl von Erkrankungen und Behandlungen Anwendung:

Der Einsatz moderner Technologien liefert eine Vielzahl molekularbiologischer Daten („Big Data“). Durch deren Zusammenführung in sogenannten „Biobanken“ erhoffen sich die Wissenschafter, zukünftig noch bessere Vorhersagen machen zu können: Langfristig soll erreicht werden, dass für jeden Patienten ein „digitaler Zwilling“ (Abbild des Patienten) erschaffen wird. An diesem Computermodell sollen individuelle Krankheitsverläufe besser vorhergesagt, Therapien optimiert und erprobt, Risiken und Nebenwirkungen minimiert und Therapieergebnisse besser prognostiziert werden.

+++ Mehr zum Thema: Präzisionsmedizin revolutioniert die Psychotherapie +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Prof. Dr. Markus Paulmichl
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Aktualisiert am:
Quellen

Zentrum für Präzisionsmedizin, 2018; https://www.zpm.at/de/ (letzter Zugriff am 21.08.2019)

MedUni im Interview: Präzisionsmedizin, 2019; https://www.roadmap2050.at/meduni-im-interview/ (letzter Zugriff am 21.08.2019)

Open Science: Personalisierte Medizin; https://assets.openscience-files.or.at/_/90/63/9063a06c.pdf (letzter Zugriff am 21.08.2019)

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