Wie wird eine HIV-Infektion festgestellt? (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Human Immunodeficiency Virus, HI-Virus)

Beim HIV-Test wird im Blut nach Antikörpern gegen das HI-Virus gesucht.
Beim HIV-Test wird im Blut nach Antikörpern gegen das HI-Virus gesucht. (Shawn Hempel / Fotolia.com)

Das wichtigste diagnostische Werkzeug zum Nachweis einer Infektion mit dem Virus ist der HIV-Test, häufig auch - nicht ganz korrekt - AIDS-Test genannt. Bei diesem Verfahren wird im Blut nach Antikörpern gegen das HI-Virus gesucht.

Kurzfassung:

  • Beim HIV-Test wird im Blut nach Antikörpern gegen das Virus gesucht.
  • In der Auswertung des Tests muss das diagnostische Fenster berücksichtigt werden.
  • In Österreich darf niemand ohne seine Einwilligung auf das HI-Virus getestet werden.  

Das diagnostische Fenster

Allerdings dauert es nach einer Infektion zwei bis sechs Wochen, bis sich so viele Abwehrstoffe gebildet haben, dass sie auch im Labortest aufgezeigt werden können. Spätestens sechs Wochen nach einer möglichen Infektion ist ein moderner HIV-AK-AG-Test, wie er in der westlichen Welt in Verwendung steht, aussagekräftig. Dieser Zeitraum wird diagnostisches Fenster genannt.

Diese Zeitspanne muss bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden: Ein negatives Testergebnis - "negativ" bedeutet in diesem Fall, dass keine Antikörper nachgewiesen werden können - schließt eine Infektion somit nur dann aus, wenn die letzte Situation, die mit einem Infektionsrisiko verbunden war, mindestens sechs Wochen zurückliegt.

Nachweis von Antikörpern

In der Diagnostik wird zuerst stets ein Suchtest auf HIV-Antikörper durchgeführt. Ist dieser "positiv" - das bedeutet, es wurden Antikörper gegen das HIV-Virus nachgewiesen - muss das Ergebnis durch einen weiteren Text abgesichert werden. Bei diesem Bestätigungstest wird nun ein anderes Verfahren benutzt, der sogenannte Western-Blot. Fällt das Ergebnis auch hier positiv aus, ist eine HIV-Infektion so gut wie sicher.

Nachweis des Virus

Neben der Suche nach Abwehrstoffen gegen den Erreger ist es auch möglich, das Virus selbst oder einen seiner Bestandteile nachzuweisen. Diese Methode wird aber in erster Linie eingesetzt, um den Verlauf der Infektion und den Erfolg einer Behandlung zu kontrollieren.

Moderne Suchtests vereinen beide Test-Prinzipien und weisen neben Antikörpern auch Virusbestandteile nach.

++ Mehr zum Thema: HIV-Test ++

Das österreichische Gesetz sieht vor, dass niemand ohne seine Einwilligung auf das HI-Virus getestet werden darf. Anonym und kostenlos kann man den HIV-Test etwa bei einer der österreichischen AIDS-Hilfen durchführen lassen. Auch niedergelassene Medizinerinnen und Mediziner oder Krankenhäuser bieten den Test an.

++ Mehr zum Thema: HIV & AIDS ++

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Dr. Horst Michael Schalk
Redaktionelle Bearbeitung:
Philip Pfleger (2014), Dr. med. Matthias Thalhammer (2009), Mag. Astrid Leitner

Stand der Information: April 2018

Quellen

AWMF online: Postexpositionelle Prophylaxe der HIV-Infektion. Gemeinsame Empfehlung der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG e.V.) und der Österreichischen AIDS-Gesellschaft (ÖAG). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 055/004, letzte Überarbeitung 2007

AWMF online: Antiretrovirale Therapie der HIV-Infektion. Leitlinien der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG e.V.) und der Österreichischen AIDS-Gesellschaft (ÖAG) in Abstimmung mit anderen Fachgesellschaften. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 055/001, letzte Überarbeitung 2005

Christian Hoffmann & Jürgen K. Rockstroh (2014): „HIV 2014/15.“ Hamburg: Medizin Fokus Verlag. (https://hivbuch.files.wordpress.com/2011/12/hiv2014-15.pdf)

European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) & WHO Regional Office for Europe (2014): „HIV/AIDS surveillance in Europe 2013.” Stockholm. http://ecdc.europa.eu/en/publications/Publications/hiv-aids-surveillance-report-Europe-2013.pdf

Bundesministerium für Gesundheit: „HIV-Jahresstatitsik 1995-2014.“ http://www.bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Krankheiten/Aids_HIV/ (Zugriff: April 2015)

UN-Programm gegen HIV/Aids: „Data Tools – World Overview.” http://www.unaids.org/en/dataanalysis/datatools/aidsinfo (Zugriff: April 2015)

Medizinische Universität Wien: AHK-Konsilium AIDS.

Robert Koch Institut: HIV und AIDS. Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 31, Juni 2006

U.S. Department of Health and Human Services: AIDSinfo Guidelines.
 

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