Elektromyografie (EMG)

Elektromyografie, EMG
Mithilfe der Elektromyographie (EMG) werden elektrische Aktivitäten in Muskeln untersucht. (romaset / iStockphoto)

Die Elektromyografie (kurz: EMG) ist eine neurologische Diagnosemethode, mit der die elektrische Aktivität der Muskulatur untersucht wird.

Um Muskeln anspannen zu können, überträgt das Nervensystem elektrische Impulse auf die Muskulatur, welche zu einer Muskelkontraktion führen. Die elektrische Aktivität (Muskelaktionspotenzial) kann mithilfe der Elektromyografie gemessen werden. Diese gibt Aufschluss darüber, ob eine Funktionsstörung oder Erkrankung des Muskels vorliegt.

Was ist eine Elektromyografie?

Die Elektromyografie ist eine Untersuchungsmethode, um die elektrische Aktivität in einem Muskel zu messen. Die elektrischen Impulse des Muskels können mit einem sogenannten Elektromyogramm aufgezeichnet werden. Die Aktivität wird sowohl in Ruhe (Spontanaktivität) als auch bei Bewegungen (Muskelaktionspotenziale) sowie bei starker Anspannung der Muskeln gemessen. Je nach Untersuchung unterscheidet man grob zwischen zwei Formen der Elektromyografie:

  • Oberflächen-EMG: Elektroden werden zur Messung auf die Haut geklebt.
    Untersuchung: verschiedene Bewegungsabläufe, Polygrafie, Tremorstudien
  • Nadel-EMG: Eine spezielle Nadelelektrode mit zwei feinen Elektroden wird zur Messung in den Muskel geschoben.
    Untersuchung: neuromuskuläre Diagnostik

Die Messung mittels Nadel ist wesentlich präziser und aussagekräftiger. Sie wird daher zur medizinischen Diagnose am häufigsten verwendet.

Wann wird eine Elektromyografie gemacht?

Die Elektromyografie wird zur Diagnose von neuromuskulären Erkrankungen bzw. von Nerven- oder Muskelschädigungen eingesetzt. Dabei wird festgestellt, ob eine Erkrankung vom Muskel selbst ausgeht (Myopathie) oder ob die dazugehörenden Nerven erkrankt sind (Neuropathie). Durch die gezielte Untersuchung einzelner Muskeln mithilfe der Elektromyografie kann außerdem festgestellt werden, ob und wo Schädigungen (z.B. nach einer Schnittwunde) am Muskel vorliegen. Die häufigsten Gründe, warum eine EMG durchgeführt wird, sind:

  • neurogene Veränderungen (Auswirkungen von Nervenwurzel und Nervenschädigung auf die Muskulatur)
  • Muskelerkrankungen (Myopathie: Entzündung, Degeneration)
  • Differenzialdiagnose der Muskelschwäche
  • krankhafte Muskelanspannung (Myotonie)

Wie läuft die Elektromyografie ab?

Die Untersuchung wird im Sitzen oder Liegen von einem Neurologen durchgeführt. Dazu wird eine dünne, sterile Nadelelektrode durch die Haut in den jeweiligen Muskel gestochen. Unter Vor- und Zurückschieben der Nadel werden zunächst die elektrischen Impulse im Muskel in entspanntem Zustand und dann bei leichter sowie starker Anspannung gemessen. Die dadurch entstehenden elektrischen Signale werden anschließend verstärkt und mithilfe eines Computers visuell dargestellt (Elektromyogramm) und aufgezeichnet.

Die Ergebnisse des EMGs und oft auch anderer elektrophysiologischer Untersuchungen (z.B. der Nervenleitgeschwindigkeit) werden in einem elektrophysiologischen Bericht zusammengefasst.

+++ Mehr zum Thema: Wie werden neuropathische Schmerzen diagnostiziert? +++

Welche Nebenwirkungen können bei einer EMG auftreten?

Beim Einstich der Nadel und durch das Verschieben der Elektrodennadel im Muskel können Schmerzen auftreten. Bei Kindern kann ein Lokalanästhetikum vor dem Nadeleinstich verwendet werden.

Grundsätzlich ist eine Elektromyografie aber risikoarm. Patienten sollten vor der Untersuchung befragt werden, ob sie Medikamente zur Beeinflussung der Blutgerinnung einnehmen, da Blutergüsse (Hämatome) entstehen können.

Nach dem EMG sollten Patienten an den Stellen der EMG-Untersuchung Hautverschmutzungen vermeiden.

Grundsätzlich ist es wichtig, Patienten vorher über den Ablauf der Untersuchung zu informieren.

+++ Mehr zum Thema: Muskelschmerzen +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Prim. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Grisold
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Bischoff C et al.: Das EMG-Buch: EMG und periphere Neurologie in Frage und Antwort. 3. Auflage, Thieme Verlag 2011

Mühlau G (Hrsg.): Neuroelektrodiagnostik – eine Einführung. Fischer Verlag, Jena 1990

Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) und Gesellschaft für Arbeitswissenschaft (GfA): S2k-Leitlinie „Oberflächen-Elektromyographie in der Arbeitsmedizin, Arbeitsphysiologie und Arbeitswissenschaft“, 2016 (gültig bis: 31.03.2018, derzeit in Überarbeitung); https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/002-016l_S2k_Oberfl%C3%A4chen_Elektromyographie_2013-03-abgelaufen.pdf (letzter Zugriff: 13.08.2019)

Feldman EL, Grisold W, Russell JW, Löscher WN: Atlas of Neuromuscular Diseases – A Practical Guideline. 2nd Edition, Springer Heidelberg-Dordrecht-London-New York 2014

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