Diagnose COPD

Spirometrie bei COPD
Der Lungenfunktionstest wird auch als Spirometrie bezeichnet. (Mathisa_s / iStockphoto)

COPD entwickelt sich meist sehr langsam über viele Jahre und wird häufig erst sehr spät diagnostiziert.

Kurzfassung:

  • COPD entwickelt sich sehr langsam.
  • Anfangssymptome sind Atemnot, Husten und Auswurf.
  • Bei COPD ist eine frühzeitige Diagnose besonders wichtig. 
  • Je früher die Therapie begonnen wird, desto besser kann das Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden.

Der Grund für die meist späte Diagnosestellung ist, dass die Beschwerden wie Atemnot, Husten und Auswurf bei körperlicher Bewegung oftmals bagatellisiert oder einer harmlosen Infektion zugeordnet werden. Doch gerade bei der COPD ist eine frühzeitige Diagnose von besonderer Bedeutung: Je früher mit der Therapie begonnen wird, desto besser kann das Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden.

 

COPD - Bahnfrei für die Atemwege

Richtig tief durchatmen können... was für viele von uns selbstverständlich ist, davon können COPD Patientinnen und Patienten nur träumen. Die chronische Erkrankung der Atemwege, ist häufiger als gedacht. Was die Krankheit auslöst und wie sie behandelt wird, erfährt der PodDoktor diesmal von Universitätsprofessor Doktor Meinhard Kneussl.

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Wie stellt der Arzt die Diagnose? 

Anamnese

Am Beginn der Diagnostik steht eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Dabei liegt der Fokus besonders auf der Exposition gegenüber Tabakrauch (aktiv sowie passiv) und anderen bekannten Risikofaktoren.

Anschließend folgt eine klinische Untersuchung: Dabei werden Herz und Lunge mit einem Stethoskop abgehört. Charakteristische Atemgeräusche wie Giemen, Pfeifen oder Brummen können bereits auf eine Engstellung der Atemwege hinweisen.

Lungenfunktionstest (Spirometrie)

Die entscheidende diagnostische Maßnahme bei Verdacht auf COPD ist der Lungenfunktionstest. Dabei wird gemessen, wie viel Luft ein Patient in einer Sekunde ausatmen kann (FEV1). Die FEV1 wird in Prozent des altersabhängigen Sollwerts angegeben und ist maßgeblich für die Beurteilung des Stadiums der Erkrankung.

Bronchospasmolysetest

Dieser ermöglicht die Abgrenzung zu anderen Lungenerkrankungen wie Asthma. Im Anschluss an die Spirometrie wird ein bronchienerweiterndes Medikament inhaliert und die Messung etwas später wiederholt.

Röntgen

Die Röntgenaufnahme dient in erster Linie dem Ausschluss anderer Erkrankungen oder bedeutsamer Begleiterkrankungen wie Lungenkarzinom, Tuberkulose, Lungenparenchymerkrankungen oder Lungenstauung. Zusätzlich kann eine Computertomografie genau Auskunft über das Ausmaß der Veränderungen oder gar der Lungenzerstörung (Emphysem) geben.

Blutgasanalyse

Mittels Blutgasanalyse wird der Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt des Blutes im Ruhezustand und unter Belastung ermittelt. Es kann also festgestellt werden, ob in Ruhe oder bei Belastung eine Unterversorgung mit Sauerstoff vorliegt.

Alpha-1-Antitrypsin-Test

Bei Patienten unter 45 Jahren sollte im Rahmen der Blutuntersuchung auch ein genetisch bedingter Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ausgeschlossen werden. Dieser seltene genetische Defekt kann ursächlich an der COPD-Entstehung beteiligt sein.

Erkrankungsstadien bei COPD

Die globale Initiative für Lungenerkrankungen („GOLD“) unterscheidet vier verschiedene Erkrankungsstadien (GOLD I–IV). Sie werden anhand zweier Werte, die beim Lungenfunktionstest ermittelt werden, definiert.

Da Patienten mit ähnlichen Werten jedoch nicht zwingend die gleichen Beschwerden haben, werden in die Gesamtbeurteilung sowohl die individuelle Ausprägung der Symptome (mithilfe des CAT-Scores) als auch das Auftreten von subjektiven Verschlechterungen (Exazerbationen) mit einbezogen.

COPD-Stadien

Die Lungenfunktion wird mittels eines sehr einfachen und kurzen Lungenfunktionstests bestimmt. Dabei sind initial zwei Werte (FEV1 und FVC) relevant. Die Diagnose COPD kann erst dann gestellt werden, wenn das Verhältnis FEV1/FVC weniger als 70% beträgt.

Die „Einsekundenkapazität“ (FEV1) ist definiert als die Menge an Luft, die innerhalb einer Sekunde ausgeatmet werden kann. Das COPD-Stadium wird anhand einer Tabelle über das Verhältnis des gemessenen FEV1-Wertes zum Sollwert bestimmt, den man bei einem gesunden Menschen gleicher Altersklasse, gleichen Geschlechts und gleicher Größe erwarten kann.

GOLD 1:

  • FEV1 über 80% des Sollwerts
  • Verhältnis FEV1/FVC unter 70%
  • Symptome meist noch so schwach ausgeprägt, dass sie kaum bemerkt werden

GOLD 2:

  • FEV1 50–79% des Sollwerts
  • Verhältnis FEV1/FVC unter 70%
  • Symptome werden bereits deutlich wahrgenommen, aber noch nicht als chronische Erkrankung erkannt. Es kommt zu Atemnot unter Belastung, Husten und Auswurf.

GOLD 3:

  • FEV1 30–49% des Sollwerts
  • Verhältnis FEV1/FVC unter 70%
  • Massive Beschwerden wie Atemnot schon bei leichter Anstrengung, (morgendlicher) Husten und vermehrt Auswurf
  • Herz-Kreislauf-Probleme deuten darauf hin, dass bereits andere Organe vom Sauerstoffmangel betroffen sind.

GOLD 4:

  • FEV1 unter 30% des Sollwerts
  • Verhältnis FEV1/FVC unter 70%
  • Atemnot auch im Ruhezustand
  • Patienten benötigen Hilfestellung im Alltag, berufliche Tätigkeit nicht mehr möglich
  • evtl. Versorgung mit Sauerstoff oder Beatmungsgeräten, in besonders schwierigen Fällen lebensbedrohlicher Zustand

+++ Mehr zum Thema: Wie wird COPD behandelt? +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Ralf Harun Zwick
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch-obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD), Stand 24.01.2018; https://pneumologie.de/fileadmin/user_upload/2018-COPD_Pneumologie.pdf (letzter Zugriff am 21.02.2019)

Gesundheit.gv.at: COPD; https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/atemwege/copd/therapie (letzter Zugriff am 21.02.2019)

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