Diagnose von Brustkrebs

Untersuchungen Brustkrebs
Die Mammografie zählt zu den Standarduntersuchungen. (gorodenkoff / iStockphoto)

Besteht der Verdacht auf Brustkrebs, wird der Arzt verschiedene Untersuchungen anordnen.

Zunächst muss abgeklärt werden, ob es sich um eine gutartige Veränderung oder um einen bösartigen Brusttumor handelt. Für die weitere Therapie ist auch von Bedeutung, in welchem Stadium sich der Tumor befindet (lokal begrenzt oder metastasiert), um welche Art von Tumor es sich handelt und welchen Differenzierungsgrad dieser hat. Auch andere Faktoren wie das Alter, Vor- und Begleiterkrankungen sowie der Menopausenstatus fließen in die weiteren Überlegungen mit ein.

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Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese)

Am Beginn der Diagnostik steht ein ausführliches Gespräch. Im Zuge dessen erkundigt sich der Arzt nach den aktuellen Beschwerden, eventuell bestehenden Vorerkrankungen und den Lebensgewohnheiten. Dabei stehen vor allem Risikofaktoren im Fokus, die mit einem Mammakarzinom assoziiert werden (z.B. innerfamiliäre Brustkrebsfälle, hormonelle Verhütung, Hormonersatztherapie).

Körperliche Untersuchung

Es folgt eine eingehende körperliche Untersuchung. Dabei werden die Brüste, Brustwarzen und Warzenvorhöfe betrachtet und abgetastet. Durch Druck auf die Brustwarze wird überprüft, ob die Milchgänge Flüssigkeit absondern. Im nächsten Schritt werden die Achsellymphknoten abgetastet.

Mammografie

Die Mammografie ist eine spezielle Untersuchung, bei der kleinste Verdichtungen und Kalkablagerungen (weit unterhalb der tastbaren Größe) in der Brust mithilfe von Röntgenstrahlen sichtbar gemacht werden können. Routinemäßig werden dabei zwei verschiedene Aufnahmen der Brust angefertigt (von oben nach unten und von außen nach innen). Ergeben sich daraus weitere Hinweise auf ein tumoröses Geschehen, folgen weitere Untersuchungen.

Ultraschalluntersuchung

Mittels Ultraschalluntersuchung können vor allem Weichteilstrukturen (Bindegewebe, Fett, Gefäße, dichte und flüssigkeitsgefüllte Strukturen, Lymphknoten) gut dargestellt werden. Sie dient insbesondere der Feststellung von Größe und Lage der Gewebeveränderung.

Biopsie

Um feststellen zu können, ob es sich um eine gut- oder bösartige Veränderung handelt, wird eine Gewebeprobe aus dem verdächtigen Gebiet entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht.

Die Entnahme der Gewebeprobe (Stanz- oder Vakuumbiopsie) erfolgt meist ambulant und in lokaler Betäubung. Dabei entnimmt der Arzt unter Sichtkontrolle (Ultraschall oder Mammografie) mit einer Hohlnadel eine Probe.

In seltenen Fällen ist eine „offene“ Biopsie nötig. Dabei handelt es sich um einen operativen Eingriff, der meist unter Vollnarkose vorgenommen wird. Die Gewebeprobe wird hier über einen Hautschnitt gewonnen.

Die entnommenen Proben werden anschließend an ein Labor geschickt. Dort wird das Gewebe unter dem Mikroskop begutachtet und biochemisch sowie molekularbiologisch untersucht.

+++ Staging und Grading bei Brustkrebs +++

Weitere Untersuchungen

Wird Tumorgewebe gefunden, folgen weitere Untersuchungen, mit denen der Tumortyp, die Ausbreitung der Erkrankung sowie die Aggressivität bestimmt werden. Folgende Eigenschaften geben Aufschluss darüber, wie der Krebs behandelt werden kann:

Östrogen- und Progesteronrezeptor-Status

Weibliche Geschlechtshormone (Östrogene und/oder Progesteron) können den Tumor verstärkt wachsen lassen. Im Labor wird daher geprüft, ob und wie viele der Krebszellen entsprechende Bindungsstellen (Rezeptoren) für diese Hormone haben.

Sind bei mehr als 10 von 100 Krebszellen solche Rezeptoren vorhanden, ist der Hormonrezeptor-Status positiv. Der Krebs ist also hochempfindlich auf Hormone und wächst hormonabhängig.

In diesem Fall ist es für die Behandlung wichtig, die körpereigenen Hormone mithilfe von Medikamenten auszuschalten (Antihormontherapie).

HER2-Status

Andere Rezeptoren, wie etwa der Humane Epidermale Wachstumsfaktor-Rezeptor Typ 2 (HER2), sitzen auf der Zelloberfläche und bewirken, dass sich Körperzellen vermehrt teilen. Dieser Rezeptor kann bei Brustkrebs in großer Menge vorkommen. Werden im Labor besonders viele HER2-Rezeptoren auf den Tumorzellen nachgewiesen, ist der HER2-Status positiv. Das ist bei etwa 15 von 100 Frauen mit Brustkrebs der Fall, die Erkrankung verläuft aggressiver. Bei HER2-positivem Status werden bestimmte Medikamente verabreicht, die zielgerichtet auf diesen Rezeptor wirken.

Bestimmung des körpereigenen Eiweißes Ki-67

Dieser Index beschreibt, wie schnell oder langsam der Tumor wächst.

Dreifach negativer Brustkrebs

Ist der Hormonrezeptor-Status negativ und hat der Tumor nur wenige HER2-Rezeptoren, spricht man von dreifach negativem Brustkrebs (triple-negatives Mammakarzinom, TNBC). Er wächst schneller und die Erkrankung verläuft aggressiver. Da die zuvor genannten Therapien hier nicht wirken, ist dieser schwieriger zu behandeln. Diese Form des Mammakarzinoms tritt gehäuft bei Frauen mit erblicher Belastung auf.

Unterteilung von hormonempfindlichen Tumoren

Luminal A:

  • hormonempfindlich, HER2-negativ, Ki-67 niedrig (günstigster Krankheitsverlauf)

Luminal B:

  • hormonempfindlich, HER2-negativ, Ki-67 hoch
  • hormonempfindlich, HER2-positiv, Ki-67 hoch oder niedrig

MRT, CT, Knochenszintigrafie

Mittels dieser Untersuchungsmethoden können Metastasen im Körper gefunden werden.

+++ Mehr zum Thema: Therapie von Brustkrebs +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ. Doz. Dr. Michael Medl
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Patientenleitlinie „Brustkrebs im frühen Stadium“, Stand 09/2018; https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/Patientenleitlinie_Brustkrebs_im_fruehen_Stadium.pdf (letzter Zugriff am 17.7.2019)

Gesundheit.gv.at: Brustkrebs – was ist das?, Stand 09/2017; https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/krebs/brustkrebs/symptome (letzter Zugriff am 17.7.2019)

Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Stand 2018; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLk_S3_Mammakarzinom_2018-09.pdf (letzter Zugriff am 17.7.2019)

Krebsinformationsdienst: Brustkrebs; https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/stadieneinteilung.php (letzter Zugriff am 17.7.2019)

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