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Biopsie (Gewebeprobe)

Gewebeprobe
Bei einer Biopsie wird Gewebematerial entnommen, um es anschließend histologisch zu untersuchen. (Alexander Traksel / iStockphoto)

Unter Biopsie versteht man die Entnahme von Gewebematerial. Diese Gewebeprobe wird histologisch auf krankhafte Merkmale wie Entzündungsanzeichen oder Entartung geprüft.

Kurzfassung:

  • Die Entnahme von Gewebematerial bringt wichtige Informationen zur Diagnose oder Therapie von Erkrankungen.
  • Die Entnahme kann mithilfe einer Hohlnadel, spezieller Werkzeuge oder einem Skalpell erfolgen.
  • Vor der Biopsie wird die entsprechende Stelle lokal betäubt.
  • Häufigste Komplikation einer Biopsie sind Blutungen im Bereich des entnommenen Gewebes.

Warum wird eine Biopsie gemacht?

Die Entnahme von Gewebematerial zur näheren histologischen (auf zellulärer Ebene) Untersuchung ist notwendig, um wichtige Informationen zur Diagnose und/oder Therapieplanung zu bekommen. Grundsätzlich kann eine Gewebeentnahme von allen Gewebearten im gesamten Körper erfolgen. Häufige Biopsien umfassen die Gewebeproben der Haut, der Lymphknoten oder innerer Organe, wie etwa der Leber oder der Niere. Auch im Rahmen der Prostata-Untersuchung wird, bei Verdacht auf ein bösartiges Krankheitsgeschehen, eine Prostata-Biopsie gemacht.

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Wie wird eine Biopsie entnommen?

Zuerst bestimmt der Arzt die genaue Lage des Gewebes, von dem er die Probe entnehmen will. Dabei können auch Ultraschall-Untersuchungen (Sonografie), endoskopische oder radiologische Methoden (z.B. CT) angewendet werden. Nach der Desinfektion, örtlichen Betäubung der Haut und gegebenenfalls auch der entsprechenden Organteile werden eine oder mehrere Gewebeproben entnommen. Diese werden anschließend in einem spezialisierten Labor untersucht.

Diese Entnahme erfolgt oft im Zuge von endoskopischen Untersuchungen, wie Gastroskopie, Bronchoskopie oder Koloskopie. Dabei wird an krankhaft verändert wirkenden Stellen der untersuchten Organe mit einer Greifzange eine kleine Gewebeprobe entnommen. Dieser Vorgang ist an sich vollkommen schmerzfrei, es kann jedoch zu minimalen Blutungen kommen.

Um eine Biopsie zu gewinnen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Dazu gehören:

Punktion des entsprechenden Gewebes

Bei dieser Methode wird das Gewebe mithilfe einer Hohlnadel punktiert. Diese Hohlnadel dringt in das Gewebe ein, wodurch ein kleiner Anteil des Gewebes ihm Hohlraum der Nadel haften bleibt und wieder entfernt wird.

Spezielle Entnahmemethoden

Die Entnahme der Biopsie mit speziellen Instrumenten wie Zangen, Schlingen, Bürsten oder Stanzen ist ebenfalls ein häufig verwendetes Verfahren. Schlingen und Zangen kommen unter anderem bei Koloskopien zum Einsatz, während beispielsweise Stanzen im Zuge der Biopsie der Prostata oder des Brustgewebes verwendet werden.

Probeexzision

Der Begriff "Probeexzision“ beschreibt die Gewinnung einer Gewebeprobe durch das Entfernen mit einem Skalpell.

Biopsie der Haut

Um bei Biopsien an der Haut Schmerzen zu vermeiden, wird vor der Probenentnahme die betroffene Stelle durch Einspritzen eines Lokalanästhetikums betäubt. Eine Biopsie ist zum Beispiel notwendig bei:

  • Verkleinerung einer zu entfernenden Veränderung (z.B. große Muttermale)
  • Unterscheidung von entzündlichen Krankheiten (z.B. Ekzeme, Psoriasis)
  • Diagnose von selteneren Krankheiten
  • Verdacht auf Hautkrebs (z.B. Muttermale mit Wachstumstendenz)
  • Differenzierung von Hauttumoren

Nach der Entnahme muss die Wunde oftmals genäht werden, je nach Lokalisation verbleibt die Naht sieben bis 14 Tage.

+++ Mehr zum Thema: Basaliom +++

Biopsie eines Lymphknotens

Auf die gleiche Art und Weise werden auch vergrößerte und verdächtig erscheinende Lymphknoten entfernt. Da diese jedoch unter der Haut liegen, gestaltet sich der Eingriff etwas schwieriger und erfolgt deshalb oft stationär. Kurzfristig vergrößerte Lymphknoten, wie sie häufig bei banalen Infektionen (u.a. Erkältung) zu beobachten sind, müssen nicht entfernt und untersucht werden. Die Größenzunahme ist Teil der natürlichen Abwehrreaktion des körpereigenen Immunsystems und dient der Abwehr von Krankheitserregern wie Bakterien oder Viren.

Bleiben die Lymphknoten jedoch über einen längeren Zeitraum nach Abklingen der Symptome hinaus geschwollen oder druckschmerzhaft, sollten sie sicherheitshalber ärztlich untersucht werden.

+++ Mehr zum Thema: Lymphom +++

Biopsie der inneren Organe

Innere Organe, wie die Leber oder Nieren, können endoskopisch oder durch die Haut punktiert werden. Hierbei wird meist unter Ultraschallkontrolle mit einer Hohlnadel eine Gewebeprobe entnommen (Punktion). Dafür wird die Haut lokal betäubt. Das Durchdringen des Gewebes kann in seltenen Fällen dennoch schmerzhaft sein und eine stärkere Analgesie (Schmerzstillung) erfordern. Beim Punktieren des betreffenden Organs kommt es nur selten zu Schmerzen.

Da diese Eingriffe selten zu Blutungen führen können, ist zumeist ein kurzer stationärer Aufenthalt erforderlich. Auch wird die Blutgerinnung kontrolliert und etwaige blutgerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulanzien) müssen zuvor für einen bestimmten Zeitraum abgesetzt oder durch andere ersetzt werden. Fall eine medikamentöse Blutgerinnungshemmung weiterhin indiziert ist (z.B. starke Thromboseneigung) wird kurzfristig auf Heparin umgestellt. Da bei der Punktion auch Muskulatur durchdrungen wird, können nachträglich vor allem Bewegungen von ziehenden Schmerzen begleitet sein.

Oft sind es jedoch nicht nur die körperlichen Beschwerden oder die Angst vor dem Eingriff selbst, die den Patienten beschäftigen, vielmehr ist es die Ungewissheit über das Ergebnis der Biopsie. Im persönlichen Gespräch mit dem behandelnden Arzt können Ängste relativiert werden. Vor allem kann das Wissen um die Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit einer schweren Erkrankung doch eher gering ist, zur Beruhigung beitragen.

+++ Mehr zum Thema: Vorsorgeuntersuchung +++

Was ist vor einer Biopsie zu beachten?

Für Organpunktionen im Bauchbereich muss der Patient nüchtern sein. Das bedeutet, dass er an diesem Tag weder etwas essen noch trinken darf. Daher werden solche Eingriffe oft morgens durchgeführt. Bei starker Bauchbehaarung wird der Patient eventuell vor Entnahme einer Biopsie im Bereich der Punktion rasiert. Die routinemäßige Kontrolle des Blutbildes und ggf. der Gerinnungsparameter gehört ebenfalls zur Vorbereitung vor einer Biopsie.

+++ Mehr zum Thema: Narkose +++

Welche Komplikationen können bei einer Biopsie auftreten?

Bei der Entnahme einer Gewebeprobe können in seltenen Fällen folgende Komplikationen auftreten:

  • Blutungen im Bereich des entnommenen Gewebes
  • Infektionen
  • Verletzung benachbarter Organe und Gewebestrukturen
  • Gabe von Beruhigungs- oder Schmerzmitteln kann in sehr seltenen Fällen zu Atem- oder Herz-Kreislaufstörungen führen

+++ Mehr zum Thema: Schmerzmittel +++

Welche Alternativen gibt es zur Biopsie?

Eine Biopsie ist nie der erste Schritt in der Diagnostik einer Erkrankung. Meist werden vorher Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren wie etwa eine Ultraschall-Untersuchung, Röntgenuntersuchung oder Computertomographie (CT) durchgeführt. Ist eine Biopsie dennoch indiziert, kann sie allerdings durch kein anderes Verfahren ersetzt werden.

+++ Mehr zum Thema: CT Cardio +++

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Autoren:
, Dr. Erich Johannes Mayer-Fally,
Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Ichiro Okamoto
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Institute for Quality and Efficiency in Health Care (IQWiG). What happens during a biopsy? Stand: 2016. Verfügbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK348942/ (letzter Zugriff am 17.01.21).

Nischal U, Nischal Kc, Khopkar U. Techniques of skin biopsy and practical considerations. J Cutan Aesthet Surg. 2008; 1(2):107-111.
 

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