Thoraxdrainage

Von Andreas Hofmann
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Bei der Thoraxdrainage wird mithilfe eines Schlauchs Luft, Blut oder andere Flüssigkeit aus dem Brustkorb gesaugt. Dies ist vor allem nach Unfällen, großen Operationen oder bei bösartigen Krankheiten im Brustraum erforderlich. Lesen Sie alles Wichtige über die Thoraxdrainage - wie sie genau abläuft, wann sie durchgeführt wird und welche Risiken sie birgt.

Thoraxdrainage

Was ist eine Thoraxdrainage?

Streng genommen bezeichnet die Thoraxdrainage mehrere Arten der Flüssigkeits- oder Luftableitung aus dem Brustkorb. Im täglichen Sprachgebrauch verstehen Mediziner unter einer Thoraxdrainage jedoch meist die sogenannte Pleuradrainage. Hierbei liegt der Schlauch im Raum zwischen Lungenfell und Brustfell, im sogenannten Pleuraspalt (Brustfellspalt).

Weitere anatomische Räume im Brustkorb, die Ärzte oftmals drainieren müssen, sind das Mediastinum in der Mitte zwischen den beiden Lungen - hier liegen wichtige Organe wie das Herz sowie die Speise- und Luftröhre - sowie der Herzbeutel (Perikard). Je nachdem, woraus die Drainage letztlich erfolgt, nennt man sie daher Mediastinaldrainage, Perikarddrainage oder - wie oben erklärt - Pleuradrainage.

Wann führt man eine Thoraxdrainage durch?

Eine Thoraxdrainage im Sinne einer Pleuradrainiage kommt immer dann zum Einsatz, wenn sich Luft, Blut oder andere Flüssigkeit (z.B. Eiter oder Lymphflüssigkeit) im Pleuraspalt ansammelt. Diese Luft- oder Flüssigkeitsansammlung behindert nämlich die Lunge in ihrer Ausdehnung und kann daher schwere Atemnot auslösen. In schwerwiegenden Fällen drückt sie außerdem die großen Venen und Arterien am Herzen ab. Die Druckerhöhung innerhalb des Brustkorbs stellt eine lebensgefährliche Situation dar und kann nur durch eine Drainage verhindert werden. Die folgenden Erkrankungen machen eine Thoraxdrainage notwendig:

Pneumothorax und Spannungspneumothorax

Wenn Unfallverletzungen der Rippen - bei schlanken Menschen oftmals auch ohne erkennbare Ursache - oder großen Operationen am offenen Brustkorbdie Lunge verletzt wird, tritt oft Luft in den Pleuraraum über (Pneumothorax). Der Patient verspürt dann neben Schmerzen meist auch Atemnot und eventuell Herzrasen.

Lebensgefährlich kann es werden, wenn die Luft beim Einatmen zwar in den Pleuraspalt gelangt, beim Ausatmen aber nicht wieder herausströmen kann. Der Grund kann zum Beispiel zerstörtes Gewebe sein, das die Verletzung bei der Ausatmung wie ein Ventil abdichtet. Der Druck im Brustkorb steigt dann unbehandelt so weit an, bis das Herz schließlich nicht mehr arbeiten kann. Bei diesem sogenannten Spannungspneumothorax (auch "Ventilpneumothorax") muss der Arzt dringend eine Thoraxdrainage (sprich: Pleuradrainage) legen, um das Leben des Patienten zu retten.

Pleuraerguss

Ein Pleuraerguss ist eine Ansammlung von Flüssigkeit im Pleuraspalt. Ursache ist oft eine Herzmuskelschwäche (Herzschwäche, Herzinsuffizienz): Das Herz kann das Blut in der Lunge nicht mehr abpumpen, was den Druck in den Lungengefäßen erhöht. Dadurch sickert ein Teil des enthaltenen Wassers ins Lungengewebe und schließlich in den Brustfellraum (Pleuraspalt).

Neben einer Herzschwäche erzeugt auch oft Krebs freie Pleuraergüsse, zum Beispiel ein bösartiger Tumor in der Pleura. Deswegen ist es wichtig, die aus dem Pleuraspalt drainierte Flüssigkeit gezielt nach bösartig veränderten Zellen zu untersuchen.

Bei einem meist nur langsam entstehenden Pleuraerguss ist eine Thoraxdrainage nicht die erste Wahl: Zuerst versucht der Arzt, die Flüssigkeit mit einer größeren Spritze abzuziehen. Wirkt diese Maßnahme aber nicht nachhaltig, muss er eine Thoraxdrainage legen.

Hämatothorax

Der Hämatothorax ist eine Sonderform des Pleuraergusses. Es sammelt sich dabei Blut im Pleuraspalt - etwa wenn es aufgrund eines Unfalles oder - seltener - von Lungenkrebs durch den Riss großer Blutgefäße im Brustkorbbereich zu starken Blutungen kommt. Die Patienten haben Schmerzen, ihre Atmung ist akut beeinträchtigt, und der Körper kann binnen kurzer Zeit einen kritischen Blutverlust erleiden.

Auch hier muss der Arzt schnellstens eine Thoraxdrainage legen, um das Lungengewebe zu entlasten. Reicht das nicht aus (z.B. aufgrund einer Blutgerinnungsstörung des Betroffenen), und schreitet die Blutung fort, lässt sich das Leben des Patienten nur retten, indem der Arzt den Brustkorb eröffnet und die Blutung gezielt stillt.

Pleuraempyem

Im Verlauf schwerer Infektionen, zum Beispiel nach Operationen oder bei einer Lungenentzündung, können sich innerhalb des Pleuraspalts größere Mengen von Eiter ansammeln. Mediziner nennen dies ein Pleuraempyem. Um den Eiter zu entfernen, legt der Arzt auch hier eine Thoraxdrainage. Anschließend wird der Brustkorb über den Schlauch so lange mit Kochsalzlösung gespült, bis die Entzündung nach einigen Tagen – unter begleitender Antibiotikagabe – abgeheilt ist.

Was macht man bei einer Thoraxdrainage?

Im Vorfeld einer Thoraxdrainage ist es wichtig, mithilfe von Röntgenaufnahmen (in mehreren Ebenen angefertigt) oder einer Computertomografie herauszufinden, wo genau sich dieangesammelte Luft oder Flüssigkeit befindet. In der Notfallmedizin stehen diese technischen Untersuchungen allerdings manchmal nicht zur Verfügung, weswegen sich der Notarzt auf hinweisende Symptome und einfachere Untersuchungen wie das Abklopfen und Abhören des Brustkorbs verlassen muss.

Punktionsorte bei der Thoraxdrainage

Es stehen zwei genauer definierte Lokalisationen zur Verfügung, an denen man den Brustkorb zur Anlage einer Thoraxdrainage punktieren kann:

  • Monaldi-Position: in der Mitte des Schlüsselbeins zwischen der zweiten und dritten Rippe
  • Bülau-Position: seitlich unterhalb der Achsel zwischen der vierten und fünften beziehungsweise fünften und sechsten Rippe

Zunächst versuchen Mediziner, eine Thoraxdrainage in der Bülau-Position anzulegen und den Drainageschlauch im Pleuraspalt weiter vorzuschieben. Gerade bei dauerhaft liegenden Patienten, die einen Pneumothorax im oberen Bereich der Lunge erlitten haben, ist jedoch die Monaldi-Position oft die bessere Wahl. Dabei kann nämlich die im Pleuraspalt nach oben steigende Luft besser aufgefangen werden.

Vorbereitung und Anlegen

Zuerst muss der Arzt die Hautpartie um die geplante Drainage-Anlagestelle gründlich reinigen, desinfizieren und mit einem lokal wirkenden Schmerzmittel betäuben. Dann sticht er mit einem Skalpell in die Haut über dem Zwischenrippenraum. Über diese kleine Öffnung schiebt er mit einer Schere oder manchmal auch mit dem bloßen Finger die Muskulatur zwischen den Rippen auseinander und eröffnet das Brustfell. Er tut dies entlang der Oberkante einer Rippe, da an der Unterkante Nerven und Blutgefäße verlaufen, die sehr leicht verletzt werden können.

Bei einem Spannungspneumothorax ist nach erfolgreichem Eröffnen des Pleuraspalts oft ein lautes Zischen zu hören, wenn die aufgestaute Luft entweicht. Aber auch Blut oder wässrig-seröse Flüssigkeit können dann schon abfließen. Nach dieser ersten Entleerung führt der Arzt mithilfe eines metallenen Führungsstabes einen Kunststoffschlauch weiter in den Pleuraspalt ein, der dauerhaft Luft oder Sekret ableitet. Dieser wird mit einem Faden in spezieller Technik, der sogenannten Tabaksbeutelnaht, an der Haut befestigt. Das soll verhindern, dass der Schlauch verrutscht und zudem die Wunde gut nach außen abdichten.

Abschließend verbindet der Arzt das Ende des Schlauches mit einem Gerät, das einen konstanten leichten Unterdruck im Schlauchsystem erzeugt. Dadurch wird neu anfallende Flüssigkeit oder Luft sofort aus dem Pleuraspalt abgesaugt. Die Thoraxdrainage verschafft der Lunge somit wieder Raum.

Entfernung der Thoraxdrainage

Wenn sich nach einigen Tagen kein Sekret mehr im Auffangbehälter sammelt, keine Luft mehr abgesaugt wird und auch im Röntgenbild keine Flüssigkeit oder Luft mehr zu sehen ist, kann der Arzt die Thoraxdrainage ziehen. Dazu bittet er den Patienten, tief einzuatmen und dann kräftig auszuatmen. Dabei zieht er den Schlauch zügig heraus. Im Anschluss wird der Faden der Tabaksbeutelnaht fest zusammengezogen und erneut verknotet, damit keine weitere Luft in den Pleuraspalt gelangt.

Welche Risiken birgt eine Thoraxdrainage?

Gerade das Auftrennen der Zwischenrippenmuskulatur und der Pleura birgt einige Risiken. Da am Unterrand einer Rippe jeweils eine Arterie, eine Vene und ein Nerv verlaufen, besteht die Gefahr, dass der Arzt diese verletzt. Mögliche Folgen sind Blutungen oder dauerhafte Missempfindungen beziehungsweise Taubheit im von dem entsprechenden Nerven versorgten Hautbereich.

Beim Einführen des eigentlichen Thoraxdrainage-Schlauches kann der metallene Führungsstab insbesondere bei speziellen anatomischen Bedingungen Organe in der direkten Umgebung verletzen. Dazu zählen das Herz, die Lungen, die Speise- und die Luftröhre, die Leber und das Zwerchfell, aber auch die große Hauptschlagader. Wenn solche Strukturen währenddes Anlegens der Thoraxdrainage verletzt werden, wird oft sofort notoperiert.

Durch die Wunde, die bei der Thoraxdrainage-Anlage entsteht, können Bakterien oder andere Krankheitserreger in den Pleuraspalt eindringen und dort Infektionen verursachen.

Was muss ich nach einer Thoraxdrainage beachten?

Wenn Ärzte bei Ihnen eine Thoraxdrainage angelegt haben, sollten Sie Zug auf den Schlauch vermeiden, damit dieser nicht versehentlich aus Ihrem Brustkorb herausrutscht.

Achten Sie außerdem auf Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen im Bereich der Wunde. Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie solche Symptome bemerken - sie könnten auf beginnende Infektionen hinweisen.

Wenn Sie feststellen, dass die Pleuradrainage plötzlich viel mehr Sekret, insbesondere Blut, fördert als zuvor, teilen Sie dies unverzüglich Ihrem Arzt mit! Dies deutet nämlich auf eine neu aufgetretene Blutung hin. Auch bei plötzlicher Luftnot oder Herzrasen sollten Sie den Arzt informieren.

Wenn Ihr Arzt Ihnen mitteilt, dass er die Thoraxdrainage ziehen will, können Sie ihn vorbeugend nach einem Schmerzmittel fragen, sofern Sie sich vor Schmerzen bei der Entfernung des Schlauches fürchten. So stellen Sie sicher, dass Sie das Herausholen der Thoraxdrainage nicht als unangenehm empfinden.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Lindner, A.: Thoraxdrainagen und Drainagesysteme - Moderne Konzepte, UNI-MED Science, 2. Auflage, 2017
  • S3-Leitlinie "Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung" der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (Stand: 07/2016)
  • Schwartz, N.: Allgemein- und Viszeralchirurgie, Thieme Verlag, 8. Auflage, 2017
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