Kunsttherapie

Von , Masterstudium in Psychologie
Aktualisiert am
Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

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Kunsttherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das insbesondere in psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken in Kombination mit anderen Therapieformen angeboten wird. Sie kann sowohl Menschen mit körperlichen Beschwerden als auch Patienten mit psychischen Problemen helfen. Lesen Sie hier, wann man eine Kunsttherapie macht und wie sie funktioniert.

Kunsttherapie

Was ist Kunsttherapie?

Die Kunsttherapie gehört zu den Kreativtherapien. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass das Gestalten von Bildern und andere künstlerische Tätigkeiten eine heilende Wirkung haben können. Dabei geht es nicht darum, Kunstwerke zu erschaffen, sondern einen Zugang zu seiner inneren Welt zu bekommen. Das Bild oder die Plastik wird in der Kunsttherapie zum Spiegel der Seele.

Die Kunsttherapie ist eine relativ junge Disziplin. Mittlerweile wird sie nicht nur in psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken, sondern beispielsweise auch in Altenheimen oder Förderschulen eingesetzt. Meist wird sie als Gruppentherapie angeboten; sie kann aber auch als Einzeltherapie stattfinden.

Die Kunsttherapie baut auf unterschiedlichen Disziplinen auf. Je nach Ausbildungsinstitut beinhaltet sie beispielsweise kognitiv-verhaltenstherapeutische, tiefenpsychologische, anthropologische oder systemische Ansätze. In der Tiefenpsychologie wird die Kunsttherapie manchmal auch als Gestaltungs- oder Maltherapie bezeichnet. Sie ist jedoch nicht mit der Gestalttherapie zu verwechseln, die eine eigenständige Psychotherapieform mit humanistischem Ansatz ist.

Wann macht man eine Kunsttherapie?

Die Kunsttherapie wird in sehr vielen Bereichen eingesetzt. Sie eignet sich auch für Kinder und ältere Menschen zur Behandlung psychischer Störungen oder zur Unterstützung bei körperlichen Erkrankungen. 

Betroffene haben mittels Kunsttherapie die Möglichkeit, sich ohne Worte auszudrücken. Daher ist dieses Therapieverfahren auch für Menschen mit Demenz oder geistiger Behinderung geeignet.

Auch Menschen, die bisher keinen oder kaum Kontakt zur Kunst hatten, können von der Kunsttherapie profitieren. Allerdings macht die Kunsttherapie nur dann Sinn, wenn sich der Betreffende darauf einlassen kann. Für Personen, die stark gehemmt sind und aus Versagensängsten heraus etwa keinen Pinsel in die Hand nehmen möchten, ist möglicherweise eine andere Therapieform geeigneter. Jedoch wäre die Überwindung dieser Ängste durch die Kunsttherapie bereits ein Therapieerfolg.

Was macht man bei einer Kunsttherapie?

Wichtige Ziele in der Kunsttherapie sind, dass der Patient selbst kreativ aktiv wird und sich besser kennen lernt. Die entstehenden Werke werden nicht bewertet. Das soll es dem Patienten ermöglichen, sich ungehemmt auszuprobieren, frei von Konventionen und ohne Angst vor "Fehlern".

Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. In der Kunsttherapie kommen demnach verschiedene Techniken und Materialien zum Einsatz. Es können im klassischen Sinn Bilder mit Pinsel, Stift oder auch den Händen gemalt werden. Es werden aber auch Ton, Stein, Holz und viele weitere Materialien zum Gestalten verwendet.

Beziehungsaufbau

Wie in jeder Therapie muss zunächst eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Therapeut und Patient aufgebaut werden. Eine gute Beziehung trägt maßgeblich zu einem erfolgreichen Therapieverlauf bei.  

Problemerkennung

Der Vorteil der Kunsttherapie ist, dass der Ausdruck von inneren Zuständen zunächst ohne Worte auskommt. Dennoch spielt das Gespräch zwischen Kunsttherapeut und Patient eine wichtige Rolle.

Entstandene Werke schaffen Distanz zu den Problemen und können immer wieder aus neuen Perspektiven betrachtet werden - ohne Wertung. Vielmehr hilft der Kunsttherapeut dem Patienten im Gespräch, seine Werke besser zu verstehen.

Dazu beschreibt der Kunsttherapeut zunächst wertfrei, was er in dem betreffenden Bild oder in der Plastik sieht. In der Gruppentherapie sprechen die Teilnehmer auch gegenseitig über das, was sie in den Kunstwerken der anderen wahrnehmen.

Im Einzelgespräch erforscht der Therapeut die Bedeutung des Werkes, indem er den Patienten nach seinen Gefühlen befragt: Welche Gefühle oder Gedanken sind während des Schaffens aufgetreten? Was gefällt an dem Kunstwerk? Was möchte der Patient verändern? Der Patient kann dadurch tief in seine Innenwelt eintauchen, seine Perspektive erweitern und neue Anregungen erhalten.

Problembewältigung

Die Kunsttherapie soll dem Patienten nicht nur dabei helfen, Probleme zu erkennen, sondern diese auch zu bewältigen. Sie greift dazu auf Techniken von tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutischen oder anderen Verfahren zurück.

Um neue Bewältigungsmöglichkeiten zu finden, dient dem Kunsttherapeut nicht nur das Gespräch, sondern auch die Arbeit mit Kunstwerken. Oft empfinden die Patienten bereits die Möglichkeit, sich in Farbe und Form ausdrücken zu können, als Entlastung.

In jedem Werk stecken nicht nur Probleme, sondern auch Möglichkeiten des Fortschrittes und der Lösung. Diese im therapeutischen Gespräch herauszuarbeiten, ist die Kunst der Kunsttherapie. Eine erste Veränderung kann der Patient bereits in den Bildern oder Plastiken umsetzen. Er kann beispielsweise Änderungen an seinem Werk vornehmen, Farben und Formen verändern und Symbole hinzufügen.

Die Kunsttherapie bietet ein weites Spektrum an Möglichkeiten. Durch die vielen unterschiedlichen Methoden und Materialien findet fast jeder Patient einen kreativen Ausdruck, der ihm liegt. Der Kunsttherapeut regt die Patienten aber auch dazu an, neue oder ungewohnte Farben, Materialien oder Gestaltungsweisen auszuprobieren. Neue Wege zu gehen, stärkt den Patienten in seiner Problemlösefähigkeit.

Welche Risiken birgt eine Kunsttherapie?

Der Kunsttherapeut muss nicht nur ein breites Wissen und Fertigkeiten im künstlerischen Bereich haben. Im therapeutischen Kontext sind auch psychotherapeutische Kenntnisse entscheidend. Kunsttherapeuten, denen dieses Wissen fehlt, können die Patienten schnell überfordern.

Bilder oder Plastiken können schmerzhafte Erinnerungen beim Patienten hervorrufen. Vor allem bei psychischen Störungen, aber auch bei Demenz kann so eine emotionale Überforderung entstehen, die sich negativ auf den Therapieverlauf auswirkt. In der Folge kann sich der psychische Zustand des Patienten verschlechtern. Ein erfahrener Kunsttherapeut kann solche Veränderungen im Patienten bemerken und ihnen gegensteuern.

Was muss ich nach einer Kunsttherapie beachten?

Nach einer kunsttherapeutischen Sitzung ist es sinnvoll, die Therapiestunde auf sich wirken zu lassen. Gefühle und Gedanken, die währende der Kunsttherapie auftauchen, benötigen einige Zeit zur Verarbeitung.

In manchen Fällen verschlechtert sich der Zustand der Patienten nach der Therapiesitzung. Wenn die Verschlechterung nur kurzfristig ist, besteht jedoch kein Grund zur Sorge. Die Auseinandersetzung mit schmerzhaften Gefühlen ist der erste Schritt für eine positive Veränderung. Bestehende Ängste oder Sorgen sollten Betroffene mit ihrem Kunsttherapeuten besprechen. 

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Julia Dobmeier
Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

Quellen:
  • Bundesagentur für Arbeit: "Kunsttherapeut/in", unter: https://berufenet.arbeitsagentur.de (Abruf: 20.08.2021)
  • Philipp, M. & Marten, D.: "Kunsttherapie", in: Psychotherapeut (2014), 59(4): 329-343
  • Rickert, R.: Lehrbuch der Kunst-Therapie, Param-Verlag, 1. Auflage, 2009
  • Schuster, M.: Kunsttherapie in der psychologischen Praxis, Springer Verlag, 1. Auflage, 2014
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