Hypnose

Von , Masterstudium in Psychologie
Aktualisiert am
Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

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Eine Hypnose (oder Hypnotherapie) ist eine Technik, mit der Menschen sich selbst oder andere in einen anderen Bewusstseinszustand versetzen - in eine hypnotische Trance. So lassen sich verschüttete Erlebnisse aufarbeiten, Angststörungen behandeln und positive Kräfte aktivieren. Es wurden aber auch bereits Operationen unter Hypnose und ohne Betäubung durchgeführt. Lesen Sie hier, was bei einer Hypnose passiert und welche Risiken bestehen.

Hypnose

Was ist Hypnose?

Die Hypnose ist ein Verfahren, das über das Unterbewusstsein einen Zugang zur inneren Welt schafft. Die Hypnose ist kein Zauberwerk, auch wenn es Hypnotiseure in Shows manchmal so darstellen.

Lange Zeit ging man davon aus, dass die hypnotische Trance ein dem Schlaf ähnlicher Zustand ist. Die moderne Hirnforschung konnte aber zeigen, dass Personen unter Hypnose wach und aufmerksam sind. Die Trance ist also vielmehr ein Zustand tiefer Entspannung, in der der Klient seine Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes richtet.

In einer Hypnosetherapie kann der Therapeut diesen Zustand nutzen. Über das Unterbewusstsein aktiviert er persönliche Stärken und Bewältigungsstrategien des Patienten, die dieser im Alltag nicht nutzt. Somit kann die Hypnose zur Unterstützung eingesetzt werden, um körperliche oder psychische Probleme zu lösen.

Die Hypnose wird eigenständig oder in Kombination mit anderen Verfahren (z.B. Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologischen Methoden) angewandt.

Um sicher zu gehen, dass der Therapeut vertrauenswürdig ist, sollte er über ein Zertifikat einer seriösen Hypnosegesellschaft verfügen. Diese Bescheinigung garantiert, dass der Therapeut eine solide Hypnoseausbildung absolviert hat.

Klären Sie im Vorfeld ab, ob sich Ihre Krankenkasse oder private Krankenversicherung an den Hypnosetherapie-Kosten beteiligt.

Wann macht man eine Hypnose?

Die Hypnotherapie hat sich bei der Behandlung verschiedenster Beschwerden bewährt. In der Psychologie wird die Hypnotherapie zur Behandlung von Ängsten, Depressionen, Zwangsstörungen und Essstörungen angewandt. Auch Süchte (z. B. Rauchen) und chronische Schmerzen lassen sich damit gut behandeln. Darüber hinaus kann eine Hypnose bei Schlafstörungen und sexuellen Störungen wirksam sein.

Darüber hinaus ist die Hypnose ein beliebtes Verfahren zur Schmerzbewältigung und Unterstützung bei medizinischen Eingriffen.

Hypnose - wann ist sie nicht oder nur mit Vorsicht ratsam?

Eine Hypnotherapie ist nicht geeignet für Menschen, die gerade eine akute Psychose durchmachen oder unter psychotischen Zuständen (Manie, schizophrener Schub) leiden. Bei traumatisierten Personen ist ebenfalls Vorsicht geboten.

Gesundheitsgefährdend kann eine Hypnose auch sein, wenn der Klient - Hypnotisand genannt - an Herz-Kreislaufproblemen oder niedrigem Blutdruck leidet. In der hypnotischen Trance sinkt nämlich der Blutdruck ab. Bei Menschen mit Epilepsie kann die tiefe Entspannung einen Anfall begünstigen.

Wenn ein Klient Medikamente einnimmt, sollte vor der Hypnostherapie Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden. Unter Alkohol- oder Drogeneinfluss darf keine Hypnose stattfinden.

Was macht man bei einer Hypnose?

Vor einer Hypnose findet ein Kennenlernen und Vorgespräch zwischen Hypnotiseur und Klient statt. Damit für den Klienten in der Hypnose keine unangenehmen Situationen entstehen, muss der Hypnotiseur über Ängste, Befürchtungen und körperliche Einschränkungen des Klienten Bescheid wissen.

Den Beginn der Hypnose bildet die Induktionsphase, in welcher der Klient (Hypnotisand) in die Hypnose eingeleitet wird. Dazu sagt der Hypnotiseur dem Hypnotisand wiederholt, dass er nun mehr und mehr hypnotisiert wird und immer tiefer in eine Trance fällt. Die Indusktionsphase dauert im Allgemeinen nur einige Minuten.

Sobald sich der Hypnotisand inTrance befindet, versucht der Therapeut, mithilfe von Suggestionen die Ressourcen des Patienten zu mobilisieren. Dazu weist der Hypnotiseur den Hypnotisand an, bestimmte Aufgaben durchzuführen (z.B. bestimmte Bewegungen) oder bestimmte Gedanken zu haben (beispielsweise sich etwas Bestimmtes vorzustellen).

Für eine Rauchentwöhnung könnte der Hypnotiseur beispielsweise den Gedanken vorgeben: "Ich wähle es, Nichtraucher zu sein". Durch den starken Fokus zum Beispiel auf einen Gedanken, schwindet die Wahrnehmung von anderen Dingen.

In der Reorientierungsphase nimmt der Therapeut die Trance behutsam wieder zurück, indem er die Wahrnehmung des Patienten von innen nach außen lenkt. Dieser Vorgang dauert normalerweise einige Minuten.

Die gesamte Dauer der Hypnotherapie hängt von dem vereinbarten Behandlungsziel, der Art und Dauer der Erkrankung und der Belastbarkeit des Klienten ab.

Welche Risiken birgt eine Hypnose?

Die Hypnose ist noch immer sehr umstritten. Manche Menschen fürchten die Hypnose, weil sie denken, dass sie dabei die Kontrolle über sich verlieren. Andere halten Hypnose für einen Schwindel oder Einbildung.

Wissenschaftliche Experimenten zeigen aber, dass die Hypnotherapie bei vielen Personen ein wirksames Behandlungsverfahren ist. Und auch wenn es sich während der Trance so anfühlen kann, als würde man zum Beispiel Bewegungen unwillentlich durchführen, ist man in einer Hypnose nicht willenlos.

Die Hypnose funktioniert auch nur bei Personen, die sich darauf einlassen wollen, und auch dann funktioniert sie nicht bei jedem. Es gibt Personen, die leichter zu hypnotisieren sind als andere. Und einige lassen sich gar nicht in einen hypnotisierten Zustand versetzen.

Das Hypnotisieren birgt aber auch Risiken. Der Hypnotiseur muss behutsam mit dem Unterbewusstsein des Klienten umgehen. Unpassende Suggestionen können negative Auswirkungen für den Klienten haben. Durch eine Reise in die Vergangenheit kann der Hypnotiseur zum Beispiel traumatische Erinnerungen des Klienten wieder hervorholen. Das Wiedererleben des Traumas (Retraumatisierung) kann ohne psychotherapeutische Unterstützung psychische Schäden verursachen.

Ein weiterer Punkt ist, dass der Hypnotiseur in seiner Rolle eine gewisse Machtposition hat. Es ist daher wichtig, dass er ethisch handelt und die Gesundheit des Hypnotisanden nicht gefährdet.

Auch körperlich kann der Hypnotisand Schaden nehmen, wenn der Hypnotiseur nicht auf ihn Acht gibt. Da der Hypnotisand in der Trance nicht bei vollem Bewusstsein ist, muss der Hypnotiseur Stürzen und Verletzungen während der Hypnose vorbeugen.

Was muss ich nach einer Hypnose beachten?

Die Hypnose funktioniert vor allem über den entspannten Zustand. Es ist daher von Vorteil, wenn Sie sich vor der Hypnose ausreichend Zeit nehmen und nicht beispielsweise abgehetzt und gestresst zur Therapiesitzung kommen.

Planen Sie auch im Anschluss an die Sitzung einen Zeitpuffer ein. Hypnose-Erfahrungen können sich sehr intensiv anfühlen. Möglicherweise brauchen Sie hinterher einige Zeit, um wieder voll zu sich zu kommen. Das kann auch deshalb notwendig sein, weil die Möglichkeit besteht, dass Sie in der tiefen Entspannung der Trance einschlafen. Wie nach dem Aufstehen in der Früh, brauchen Sie dann eventuell kurz Zeit, um in den Alltag zurückzufinden.

Außerdem sollten Sie sich nach der Hypnose die Zeit nehmen, um das Erlebte zu verarbeiten. Wenn Sie an therapeutischen Zielen arbeiten, dann geben Sie den Suggestionen die Möglichkeit, zu wirken.

Die Kraft der Hypnose besteht auch darin, dass die selbstkritischen und negativen Gedanken, die viele von uns täglich begleiten, kurzzeitig ausgeschaltet werden. Nach der Hypnose fühlen sich viele Personen energievoll und motiviert. Genießen Sie diesen Zustand und lassen Sie zweifelnde Gedanken so lange es geht außen vor. Eine Hypnotherapie hat dann die beste Wirkung, wenn Sie sich ganz auf die Hypnose einlassen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Nina Buschek; Kathrin Rothfischer
Autor:
Julia Dobmeier
Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

Quellen:
  • Kossak, Hans-Christian: Hypnose: Lehrbuch für Psychotherapeuten und Ärzte, Beltz Verlag, 5. Auflage, 2013
  • Patienteninformationen der Milton H. Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose e.V. (M.E.G): "Was ist Hypnose/ Hypnotherapie?" unter: www.meg-hypnose.de (Abruf: 20.08.2021)
  • Revenstorf, D. & Burkhard, P.: Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin: Manual für die Praxis, Springer-Verlag, 3. Auflage, 2015
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