Hörgeräte für Kinder

Von Dr. med. Katharina Larisch
und , Medizinjournalistin
Aktualisiert am
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

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Kinder mit einer Hörminderung sollten so früh wie möglich ein Hörgerät bekommen und dieses auch regelmässig tragen. So lassen sich negative soziale Folgen wie Schulschwierigkeiten und Vereinsamung vermeiden. Lesen Sie hier, welche Hörgeräte es für Kinder gibt, was sie Kosten und ob auch Babys schon Hörgeräte tragen können.

Kind mit Hörgerät

Welche Hörgeräte für Kinder gibt es?

Wenn Ihr Kind Hörgeräte benötigt, kommen grundsätzlich alle Modelle infrage, die es auch für Erwachsene gibt. Das Ohrstück wird dann entprechend an die Grösse und Form der Kinderohren angepasst.

Luftleitungs-Hörgeräte

Kinder profitieren jedoch am meisten von einem Hinter-dem-Ohr-Gerät (HdO), denn ihr Ohr wächst noch. Bei einem HdO muss dann nur der Ohrstöpsel (Otoplastik) neu angepasst werden, während die Technik, die sich im Bereich hinter dem Ohr befindet, nicht ausgewechselt werden muss. Kinder mit einer beidseitigen Schwerhörigkeit sollen mit zwei Hinter-dem-Ohr-Geräten versorgt werden, um die Reifung der Hörbahn zu stimulieren. Das ist besonders wichtig in den Phasen der Hör-Sprach-Entwicklung.

Beim Im-Ohr-Gerät (IdO) dagegen wird das komplette Hörgerät nach jedem Wachstumsschub auswechselt, da das gesamte Hörgerät im Hörkanal sitzt. Wenn Sie möglichst unsichtbare Hörgeräte für Kinder wünschen, ist ein IdO Gerät sicherlich verlockend. Allerdings sind Kinderohren oft noch so klein, dass diese Modelle nicht hinein passen.

Knochenleitungs-Hörgeräte

In selteneren Fällen brauchen Kinder ein sogenanntes Knochenleitungs-Hörgerät. Dies ist bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit nötig, bei der die Ohranatomie so verändert ist, dass eingehende Schallsignale nicht mechanisch weitergeleitet werden können.

Ein Knochenleitungs-Hörgerät wird meist am Schädelknochen angebracht. Das Gerät überträgt die eingehenden Geräusche an den Knochen, der sie an das Hörzentrum weiterleitet. Knochenleitungs-Hörgeräte für Kinder werden meist als Stirnband getragen.

Implantierte Hörgeräte für Ihr Kind

Bei gehörlosen oder nahezu tauben Kindern reicht ein äusserlich getragenes Hörgerät meist nicht aus, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Dann können Implantate helfen. Die Hörhilfen werden chirurgisch in die Hörschnecke implantiert und stimulieren dort den Hörnerv. Das funktioniert aber nur bei einem intakten Hörnerv.

Ein Beispiel für ein solches Implantat ist das Cochlea-Implantat. Es kommt für stark schwerhörige oder gehörlose bzw. ertaubte Kindern in Betracht, deren Innenohr (Cochlea) nicht mehr funktioniert.

Ist der Hörnerv komplett oder teilweise geschädigt, kann ein Hörimplantat auch direkt im Gehirn positioniert werden.

Ausstattung von Hörgeräten für Kinder

Experten empfehlen folgende Ausstattung für kindgerechte Hörgeräte:

  • Batteriefachsicherung
  • Abdeckung für Lautstärkeregler bzw. inaktiven Lautstärkeknopf/ Bedienelemente
  • ggf. Kinder-Winkel für Kinderohren
  • Farbmarkierungen für rechtes und linkes Hörgerät
  • Audio-Eingang für den Anschluss von Zusatzgeräten
  • farbiges, robustes Gehäuse

Was kosten Hörgeräte für Kinder?

Bei Kinder-Hörgeräten variieren die Preise je nach Ausstattung. Für ein Standardmodell muss man bereits mit rund 700 Euro rechnen. Diese Kosten müssen Sie als Eltern aber nicht komplett allein tragen. Bei einer fachärztlich festgestellten, gravierenden Hörminderung übernimmt in der Regel die Sozialversicherung die Kosten für ein medizinisch notwendiges Standardgerät und zum Teil auch weitere Kosten etwa für Batterien und Reparaturen. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse / Versicherung nach oder informieren Sie sich bei Ihrem Hörakustiker.

Es gibt Hörakustiker, die eine Weiterbildung in der Hörgeräte-Versorgung für Kinder absolviert haben. Sie werden Pädakustiker genannt.

Welche Hörgeräte für Babys gibt es?

Mögliche Hörstörungen können heute schon sehr früh erkannt werden. Dafür sorgen frühzeitige Hör-Screenings, die bereits bei Neugeborenen zum Einsatz kommen (Neugeborenen-Hörscreening). So ist es gegebenenfalls möglich, bereits im Babyalter gegenzusteuern. Das kann mit Hörgeräten speziell für Babys erfolgen. Diese sind besonders klein und robust.

Die richtige Einstellung der Hörhilfe ist hier besonders schwierig, da das Baby nicht in der Lage ist, sich mitzuteilen. Deshalb sollte man gerade bei einem Hörgerät für das Baby einen ausgewiesenen Pädakustiker zu Rate ziehen (also einen auf die Hörgeräte-Versorgung für Kinder spezialisierten Hörakustiker).

Autoren- & Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Dr. med.  Katharina Larisch
Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Quellen:
  • Charité Berlin, Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) für chronisch kranke Kinder: "Mein Kind bekommt Hörgeräte. Was muss ich wissen? Ein Leitfaden für Eltern" (Stand: 01.05.2015), unter: www.spz.charite.de
  • Deutsche Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V.: "Was muß ich über Hörgeräte und andere technische Hörhilfen wissen?", unter: www.dgpp.de (Abruf vom 19.01.2022)
  • Meyer, S. und Sitzmann F.C.: Pädiatrie. Thieme Verlag. 4. Auflage 2012
  • S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP): "Periphere Hörstörungen im Kindesalter" (Stand: 09/2013)
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