Hämodialyse

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die Hämodialyse ist ein Verfahren zur Blutwäsche, das bei Patienten mit einer Nierenschwäche eingesetzt wird. Es wird häufiger angewendet als die Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse). Ein Gerät mit einer Membran filtert und reinigt das Blut ausserhalb des Körpers. Man spricht auch von "künstlicher Niere". Die Hämodialyse findet meist in einem Dialyse-Zentrum statt. Die Betreuer sind speziell geschultes Pflegepersonal und ein Ärzteteam. Lesen Sie mehr zur Hämodialyse.

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Was ist eine Hämodialyse?

Bei der Hämodialyse wird das Blut über eine künstliche Membran ausserhalb des Körpers geschickt, um Schadstoffen zu entfernen. Diese Membran funktioniert wie ein Filter, ist also nur für einen Teil der Substanzen durchlässig.

Bei der Hämodialyse macht man sich das physikalische Prinzip der Diffusion zunutze. Sind auf der einen Seite der Membran Stoffe in höherer Konzentration vorhanden als auf der anderen Seite, dann wandern diese durch die Membran, bis es zu einem Ausgleich der Stoffkonzentration kommt. Das Blut besitzt eine andere Konzentration an harnpflichtigen Substanzen und Blutsalzen als die Flüssigkeit im Dialysator (Dialysat). Daher wandern diese Substanzen aus dem Blut in das Dialysat.

Umgekehrt lässt sich das Patientenblut im Rahmen der Hämodialyse durch eine bestimmte Zusammensetzung des Dialysats mit entsprechenden Stoffen anreichern. Aus dem Blut werden also schädliche Stoffe entfernt und erwünschte Stoffe wieder hinzugefügt.

Dialyse-Shunt

Bei einer Hämodialyse wird dem Körper regelmässig eine grössere Menge Blut entnommen, gereinigt und wieder zugeführt. Regelmässige Einstiche schädigen aber die Blutgefässe, deren Wand bei chronischer Nierenschwäche meist dünn und leicht verletzlich ist. Zudem fliesst in den Venen unter der Haut oft wenig Blut mit nur geringem Druck.

Daher benötigen Dialyse-Patienten einen sicheren und stabilen Gefässzugang: Sie bekommen einen sogenannten Dialyse-Shunt. Üblicherweise nähen Gefässchirurgen hierfür eine Schlagader (Arterie) und eine Vene am Unterarm zusammen (Cimino-Shunt). Der Eingriff findet in der Regel unter einer örtlichen Betäubung (Regionalanästhesie) statt.

Über einen kleinen Hautschnitt werden eine Arterie (meist Arteria radialis) und eine Vene (z.B. Vena cephalica) freigelegt und nah zueinander gebracht. Dann bindet sie der Chirurg kurzzeitig ab, bevor er einen kleinen Längsschnitt in die Arterienwand anbringt und ein Ende der durchtrennten Vene dort annäht. Ist eine direkte Verbindung beispielsweise aufgrund örtlicher Gefässschäden nicht möglich, werden Arterie und Vene über einen Kunststoffschlauch miteinander verbunden.

Weil das Blut in Arterien mit einem höheren Druck fliesst als in Venen, strömt das Blut über den Dialyse-Shunt mit ungewohnt hohem Druck in die Vene. In Anpassung daran erweitert sich die Vene mit der Zeit und bekommt eine dickere Wand. Sie kann dann wiederholt für die Dialyse angestochen werden. Bis die Wand der Vene eine ausreichende Dicke erreicht hat, wird die Dialyse über einen Katheter durchgeführt. Er wird meist am Hals oder der Brust des Patienten angelegt.

Ein Dialyse-Shunt beeinträchtigt den Patienten meist nur wenig. Falls ein Blutgerinnsel den Shunt verschliesst, lässt es sich über einen kleinen operativen Eingriff entfernen. Eventuelle Engstellen lassen sich ebenfalls operativ beseitigen oder mithilfe eines Ballonkatheters aufdehnen.

Wann führt man eine Hämodialyse durch?

Die Hämodialyse wird eingesetzt:

  • für einige Tage bei akutem Nierenversagen oder bei Vergiftungen.
  • als dauerhafte Therapie bei chronischem Nierenversagen (chronische Niereninsuffizienz) im fortgeschrittenen Stadium.

Was macht man bei einer Hämodialyse?

Über den angelegten Dialyse-Shunt wird während der Hämodialyse Blut entnommen und über ein Schlauchsystem in das Dialysegerät geleitet. Hier werden dem Blut harnpflichtige Stoffe und überschüssiges Körperwasser entnommen und die Blutsalze (Elektrolyte) ausgeglichen. Anschliessend gelangt das Blut über den Shunt wieder in den Körper. Der gesamte Prozess dauert mehrere Stunden.

Die Dialyse-Patienten müssen meist dreimal pro Woche für jeweils vier bis acht Stunden in ein spezielles Behandlungszentrum kommen. Die Hämodialyse ist somit zeitaufwendig - mit allen Einschränkungen, die sich daraus für eine Berufstätigkeit und einen normalen Alltag ergeben.

Hämodialyse als Heimdialyse

Eine Hämodialyse wird in der Regel in einem Dialyse-Zentrum durchgeführt. Nach einem intensiven, mehrwöchigen Training können die Patienten die künstliche Blutwäsche jedoch auch zu Hause durchführen. Die Patienten werden dabei kontinuierlich medizinisch betreut. Dazu gehört, dass ein Nierenspezialist rund um die Uhr erreichbar ist.

Die Hämodialyse als Heimdialyse erfordert vom Patienten viel Eigenverantwortung, bietet ihm aber dafür eine grössere zeitliche Flexibilität als die Hämodialyse in einem Dialyse-Zentrum. Zudem treten bei der Heimdialyse viel seltener Behandlungskomplikationen (wie Probleme mit dem Dialyse-Shunt) auf.

Welche Risiken birgt eine Hämodialyse?

Da die Hämodialyse nicht kontinuierlich stattfindet, sammeln sich regelmässig Wasser und Giftstoffe im Blut an. Viele Stoffe, die der Körper mit dem Essen und Trinken aufnimmt, werden somit nicht ausgeschieden. Sie müssen durch die Dialyse entfernt werden. Zudem ist wichtig, dass Hämodialyse-Patienten auf ihre Ernährung achten (siehe „Dialyse und Ernährung“).

Durch die Nierenschwäche kann sich Phosphat im Körper ansammeln. Die Folge kann eine Überfunktion der Nebenschilddrüse sein, gefolgt von Knochenschäden und Arteriosklerose. Dialyse-Patienten nehmen folglich bei jeder Mahlzeit Tabletten ein, die das Phosphat binden. Falls der Kalziumspiegel im Blut es zulässt, erhalten Betroffene auch Vitamin D, da dieses für die Aufnahme von Kalzium in die Knochen wichtig ist.

Bei der Hämodialyse kommt es zu einem Verlust von wasserlöslichen Vitaminen (vor allem B-Vitaminen), der medikamentös ausgeglichen werden muss. Auch an fettlöslichen Vitaminen (z.B. Vitamin E) kann es Dialyse-Patienten fehlen. Der Arzt empfiehlt dann spezielle Präparate (Vorsicht: Vitamin A ist in hohen Dosen giftig).

Was muss ich bei einer Hämodialyse beachten?

Eine Hämodialyse belastet den Körper und schränkt den Patienten bezüglich der Zeitplanung und Ernährung ein. Sie ist aber lebensnotwendig, wenn die Nieren versagen. Oft lässt sich mit der Dialyse die lange Wartezeit auf eine neue Niere (Nierentransplantation) überbrücken.

Viele Patienten „hängen“ jahrelang an der Dialyse. Die Dauer und Häufigkeit der Dialyse beeinflusst die Lebenserwartung und das Auftreten möglicher Komplikationen. Je mehr Stunden pro Woche und je häufiger die Patienten dialysiert werden, umso länger leben sie, und umso geringer fallen auch die Spätschäden aus. Dazu zählen beispielsweise Gefässverkalkungen, Herzerkrankungen oder Knochen- und Gelenkschäden.

Solche Komplikationen lassen sich aber durch eine optimale Hämodialyse-Behandlung deutlich vermindern oder verzögern. Deshalb achten Ärzte auch auf andere Krankheiten wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Blutarmut (renale Anämie), die infolge des chronischen Nierenversagens entstehen können.

Ebenfalls einen Einfluss auf die Lebenserwartung und mögliche Spätschäden haben Faktoren wie das Alter der Patienten zu Beginn der Hämodialyse, ihre Mitarbeit (Compliance) und eventuelle zusätzliche Erkrankungen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Marcell Toepfer
Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Quellen:
  • Baenkler, H.-W. et al.: Innere Medizin, Thieme Verlag, 2009
  • Berufsverband Deutscher Internisten e.V.: Dialyse, unter: www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 25.09.2021)
  • Bundesverband Niere e.V.: Dialyse, unter: www.bundesverband-niere.de (Abrufdatum: 25.09.2021)
  • Deutsche Nierenstiftung: Die Hämodialyse, unter: www.nierenstiftung.de (Abrufdatum: 25.09.2021)
  • Geberth, S. et Nowack, R.: Praxis der Dialyse, Springer-Verlag, 2. Auflage, 2014
  • Herold, G.: Innere Medizin, Selbstverlag, 2021
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM): Enterale und parenterale Ernährung von Patienten mit Niereninsuffizienz, Stand: 2015, unter: www.dgem.de (Abrufdatum: 25.09.2021)
  • Nowack, R. et al.: Dialyse und Nephrologie für Fachpersonal, Springer-Verlag, 3. Auflage, 2009
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