Debridement

Von Andreas Hofmann
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Ein Debridement ist die meist chirurgisch durchgeführte Reinigung einer Wunde. Bei dieser auch als Wundtoilette bezeichneten Massnahme werden abgestorbenes Gewebe und Beläge entfernt. So soll die Wunde besser verheilen. Lesen Sie alles Wichtige über das Debridement, wann es durchgeführt wird und welche Risiken es birgt.

Debridement

Was ist ein Debridement?

Beim Debridement (Débridement) entfernt man abgestorbenes oder infiziertes Gewebe sowie Fremdkörper aus einer Wunde. Dadurch wird die Wundheilung ermöglicht beziehungsweise beschleunigt. Ausserdem verhindert das Debridement ein Ausbreiten einer Infektion. Giftstoffe, wie sie beispielsweise nach Verbrennungen entstehen, gelangen so nicht in den Organismus.

Gewebe, das einem Debridement unterzogen werden soll, muss ausreichend mit Blut versorgt werden. Ansonsten ist keine Wundheilung möglich, und das Gewebe ist nicht mehr zu retten. Im Bereich der Extremitäten (z.B. Zehen, Füsse, Hände) kann dann eine Amputation notwendig werden.

Wann führt man ein Debridement durch?

Ärzte führen ein Debridement immer dann durch, wenn die  körpereigene Wundheilung nicht von selbst einsetzt oder zu langsam vorangeht. Bei folgenden Erkrankungen beziehungsweise Verletzungen ist häufig ein Debridement notwendig:

  • Wundinfektionen
  • Durchblutungsstörungen
  • Druckgeschwüre (Dekubitus)
  • Gewebequetschungen nach Unfällen
  • grosser Bluterguss (Hämatom) im Wundbereich
  • Fremdkörper in der Wunde
  • schwere Verbrennungen oder Erfrierungen
  • ausbleibende Bildung von Narbengewebe

Was macht man bei einem Debridement?

Die am häufigsten angewandte und schnellste Methode ist das chirurgische Debridement. Daneben gibt es noch weitere Formen der Wundtoilette.

Chirurgisches Debridement

Hierbei befreit der Chirurg die Wunde - bei grösseren Verletzungen meist unter Vollnarkose - mit chirurgischen Instrumenten (Skalpell, scharfer Löffel) von allem Gewebe, das minderdurchblutet, abgestorben oder infiziert ist. Auch Wundbeläge werden vollständig entfernt.

Das chirurgische Debridement bietet den Vorteil, dass durch die dabei entstehende Gewebeverletzung Entzündungszellen in die Wunde eingeschwemmt werden, die einen wichtigen Beitrag zur Heilung leisten.

Zusätzlich kann ein Unterdruck auf der Wunde erzeugt werden, der die Ableitung von Wundwasser verbessert und den Heilungsverlauf zusätzlich unterstützt. Dazu wird ein steriler Schwamm auf die Wunde gelegt, der mit einem Kunststoffschlauch an ein Gerät angeschlossen wird, das den Unterdruck erzeugt.

Enzymatisches Debridement

Bei länger bestehenden Wunden lässt sich mithilfe bestimmter Enzyme die Wundheilung beschleunigen. Diese Enzyme spalten verschiedene Eiweisse, die sich in den Wundbelägen und in abgestorbenem Gewebe finden. Erst nach dem Abbau dieses Wundschorfs bildet sich ausreichend Narbengewebe.

Aufgrund ihrer Langwierigkeit kommt diese Form des Debridements eher selten zum Einsatz. Zudem kann sie ein chirurgisches Debridement meist nicht ersetzen.

Physikalisches Debridement

Mithilfe von trockenen oder auch angefeuchteten sterilen Kompressen oder Wundspüllösungen lassen sich Wundbeläge gut entfernen. Pflegekräfte führen dieses sogenannte physikalische Debridement unter anderem beim täglichen Verbandwechsel durch. Die Methode ist allerdings recht schmerzhaft und kann bereits gebildetes Narbengewebe schädigen.

Eine Weiterentwicklung ist das Ultraschall-Debridement: Spezielle Wundgele werden durch Ultraschall in Schwingung gebracht, wodurch Beläge und abgestorbene Zellen aus der Wunde heraustransportiert werden.

Autolytisches Debridement

Diese Form des Debridements begünstigt durch gelartige Wundauflagen (Hydrokolloidverband) die Freisetzung von körpereigenen Enzymen, die ähnlich wie beim enzymatischen Debridement Wundbeläge abbauen. Die feuchte Umgebung  entspricht den natürlichen Wundbedingungen, weshalb vermehrt Entzündungszellen ins Gewebe einwandern und die Narbenbildung anregen.

Biochirurgisches Debridement

Bei dieser Methode setzt der Arzt besondere Fliegenlarven in die Wunde, die sich von abgestorbenem Gewebe ernähren. Der Fliegenspeichel enthält Enzyme, die den Wundschorf abbauen und Bakterien abtöten. Die Methode ist für den Patienten schmerzfrei.

Welche Risiken birgt ein Debridement?

Beim chirurgischen Debridement können Nerven im Wundbereich verletzt werden. Das kann Gefühlsstörungen oder Lähmungen nach sich ziehen. Auch Blutgefässe können verletzt werden, wodurch Nachblutungen möglich sind.

Da bei einem Debridement die Wundfläche grundsätzlich zunächst einmal vergrössert wird, besteht ein erhöhtes Risiko für bakterielle Infektionen. Diese erfordern meist weitere operative Eingriffe.

Manchmal muss der Chirurg im Rahmen des chirurgischen Debridements so viel Gewebe entfernen, dass die gegenüberliegenden Wundränder nicht mehr zusammenwachsen können. Dann wird die Wunde durch einen Hautlappen verschlossen, die vom Gesäss, Oberschenkel oder Rücken des Patienten entnommen und transplantiert wird.

Was muss ich nach einem Debridement beachten?

Nach einem Debridement sollten Sie keinen Druck auf die Wunde ausüben. Beim Duschen sollten Sie ein spezielles Duschpflaster über der Wunde tragen, damit keine Keime mit dem Wasser in die Wunde gelangen. Sprechen Sie hier am besten mit den Pflegekräften, die Ihnen bei der Körperpflege behilflich sind.

Verspüren Sie nach dem Debridement plötzlich Schmerzen im Bereich der Wunde oder bemerken Sie einen durchnässten oder blutigen Verband, sollten Sie Ihren Arzt informieren.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Henne-Bruns, D. et al.: Duale Reihe Chirurgie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage 2012
  • Müller, M. et al.: Chirurgie: für Studium und Praxis – 2014/2015, Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 14. Auflage 2017
  • Protz, K. & Timm, J. H.: Moderne Wundversorgung, Urban & Fischer, 9. Auflage 2019
  • Vogt, P. M.: Praxis der Plastischen Chirurgie, Springer Verlag, 2. Auflage 2011
  • Wild, T. & Auböck, J.: Manual der Wundheilung: Chirurgisch-dermatologischer Leitfaden der modernen Wundbehandlung, Springer Verlag, 1. Auflage 2007
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