Aszitespunktion

Von Lena Machetanz, Ärztin
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Bei einer Aszitespunktion entnimmt der Arzt Flüssigkeit, die sich in der Bauchhöhle angesammelt hat. Je nach Situation soll die Punktion diagnostische Hinweise liefern oder aber als Therapie dienen. Der Aszites ist im Volksmund auch als "Bauchwassersucht" bekannt. Lesen Sie hier alles Wichtige zur Aszitespunktion, wie sie abläuft und welche Risiken Sie als Patient kennen sollten.

Hohlnadel

Was ist eine Aszitespunktion?

Bei einer Aszitespunktion entnimmt der Arzt über eine Hohlnadel oder Kanüle Flüssigkeit, die sich in der Bauchhöhle angesammelt hat. Da ein neu aufgetretener oder zunehmender Aszites ("Bauchwassersucht") in der Regel Ausdruck einer schweren Erkrankung ist, muss die Ursache möglichst schnell gefunden werden (diagnostische Punktion). Die Analyse der entnommenen Flüssigkeit kann hierbei wertvolle Hinweise liefern.

Ausserdem kann ein Aszites solche Beschwerden verursachen, dass das Ablassen (Drainieren) grösserer Flüssigkeitsmengen mittels Punktion sehr entlastend sein kann (therapeutische Punktion).

Wann macht man eine Aszitespunktion?

Ein Aszites kann vielerlei Ursachen haben, zum Beispiel eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) oder eine Krebserkrankung. Andere Erkrankungen, die zu einem Aszites führen können, sind zum Beispiel:

  • Leberzirrhose
  • akute Leberschädigung
  • Verschluss der Lebergefässe
  • Funktionsschwäche der rechten Herzhälfte (Rechtsherzinsuffizienz) oder des ganzen Herzmuskels (Globalherzinsuffizienz) - mehr dazu im Text Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Herzbeutelentzündung (Perikarditis)
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • Mangel an Albumin (Hypalbuminämie), zum Beispiel bei Mangelernährung
  • Lymphabflussstörungen

Nicht jeder Aszites muss allerdings punktiert werden. Grundsätzlich gilt: Eine neu aufgetretene Flüssigkeitsansammlung innerhalb des Bauchfells sollte immer punktiert werden, um durch Analyse der entnommenen Flüssigkeit die Ursache herauszufinden.

Auch bei Patienten mit bekanntem Aszites, deren Zustand sich verschlechtert oder deren Flüssigkeitsansammlung zunimmt, ist eine Punktion ratsam.

Was macht man bei einer Aszitespunktion?

Für die Aszitespunktion muss sich der Patient meist hinlegen. Mittels Ultraschall sucht der Arzt nach der besten und sichersten Einstichstelle und markiert sie am Körper des Patienten. Dann desinfiziert er sich, um das Infektionsrisiko zu verringern. Als Nächstes bekommt der Patient ein örtlich wirksames Betäubungsmittel in das Gewebe gespritzt, sodass die Punktion weniger schmerzhaft ist.

Der weitere Ablauf hängt davon ab, ob die Aszitespunktion zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken vorgenommen wird.

Diagnostische Aszitespunktion: Durchführung

Zur Beurteilung der sich angesammelten Flüssigkeit benötigt der Arzt davon nur eine geringe Menge: Er sticht vorsichtig eine Hohlnadel durch die Bauchdecke in die Bauchhöhle und zieht über eine Spritze eine Probe der dort gesammelten Flüssigkeit auf. Diese Probe wird anschliessend im Labor auf Farbe, Zellzahl, Eiweissgehalt, Bakterien und viele andere Parameter untersucht.

Therapeutische Aszitespunktion: Durchführung

Die therapeutische Aszitespunktion bezeichnet man in der Medizin auch als Parazentese. Auch hierbei führt der Arzt legt vorsichtig eine Hohlnadel durch die Bauchdecke ein. Diese ist über ein kleines Plastikröhrchen mit einem dünnen Schlauch verbunden. Über diesen kann nun die in der Bauchhöhle angesammelte Flüssigkeit gut abfliessen. Ist der Aszites ausreichend entlastet, entfernt der Arzt die Hohlnadel und deckt die Einstichstelle steril ab.

Welche Risiken birgt eine Aszitespunktion?

Eine rein diagnostische Aszitespunktion ist ein sehr sicheres Verfahren und birgt kaum Risiken für den Patienten. Die Aszitesdrainage zu Therapiezwecken hingegen hat eine höhere Komplikationsrate. Mögliche Gefahren dabei sind:

  • anhaltender Austritt von Flüssigkeit durch den Stichkanal
  • Infektionen des Bauchfells (Peritonitis)
  • Bauchdeckenabszess
  • Blutungen
  • Verletzung umliegender Strukturen und Organe im Rahmen der Punktion

Was muss ich nach einer Aszitespunktion beachten?

Falls Sie für die Aszitespunktion ein Beruhigungsmittel erhalten haben, ist Ihre Fahrtüchtigkeit vorübergehend deutlich eingeschränkt. Sofern Sie nicht ohnehin im Krankenhaus bleiben, sollten Sie sich vorab jemanden organisieren, der Sie abholt.

Falls Sie eine therapeutische Aszitespunktion erhalten haben, bei der mehrere Liter Flüssigkeit entnommen wurden, erhalten Sie im Anschluss eine Infusion als Eiweiss-/Flüssigkeitsersatz.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Peter Borlinghaus
Quellen:
  • Blank, W. et al.: Kursbuch Notfallsonografie. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage 2019
  • Haverkamp, W. et al.: Internistische Intensivmedizin. Georg Thieme Verlag, 1. Auflage 2008
  • S2k-Leitlinie "Komplikationen der Leberzirrhose" der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) (Stand: 2018)
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