Appendektomie

Von Andreas Hofmann
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Eine Appendektomie ist die chirurgische Entfernung des Wurmfortsatzes am Blinddarm. Sie wird umgangssprachlich auch Blinddarmentfernung genannt und kommt bei einer Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendizitis) oder seltenen Krebsarten zum Einsatz. Lesen Sie alles Wichtige über das Operationsverfahren, wann es durchgeführt wird und welche Risiken es birgt.

Appendektomie

Was ist eine Appendektomie?

Eine Appendektomie ist die operative Entfernung des Wurmfortsatzes, eines kleinen Anhängsels des Dickdarms. Umgangssprachlich wird dieser Eingriff auch als Blinddarmentfernung bezeichnet - eine nicht ganz korrekte Bezeichnung, da der Wurmfortsatz zwar direkt am Blinddarm anhängt, jedoch ein eigener Darmabschnitt ist. Zudem wird der Blinddarm selbst bei einer Appendektomie in der Regel nicht entfernt.

Wann führt man eine Appendektomie durch?

Der häufigste Grund für eine Appendektomie ist eine akute Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendizitis) - umgangssprachlich Blinddarmentzündung genannt. Typische Symptome sind unter anderem schnell einsetzende und starke Unterbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber.

Während die Appendizitis früher oft tödlich verlief, ist sie heutzutage mithilfe der Appendektomie schnell heilbar. Mediziner streben bei begründetem Verdacht deswegen eine rasche Operation an, damit der entzündete Wurmfortsatz nicht aufreisst und eine gefährliche Bauchfellentzündung verursacht.

Weitere Gründe für eine Appendektomie sind lange bestehende Unterbauchschmerzen, nachdem andere Ursachen wie Entzündungen des Dickdarms oder des Eileiters ausgeschlossen wurden. Fallen im Rahmen von grösseren Baucheingriffen Zellveränderungen des Wurmfortsatzes auf, entfernt der Chirurg diesen, um eine spätere Krebserkrankung auszuschliessen.

Was macht man bei einer Appendektomie?

Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. Bei einer notfallmässigen Appendektomie, zum Beispiel bei einer akuten Blinddarmentzündung, wird gegebenenfalls eine Magensonde gelegt, die den Druck im Magen-Darm-Trakt verringert und so Erbrechen vorbeugen kann.

Wenn möglich, führen Chirurgen heutzutage eine laparoskopische Appendektomie durch - also eine Entfernung des Wurmfortsatzes im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie). Diese ist im Vergleich zu einem herkömmlichen Eingriff weniger schwerwiegend, da der Operateur lediglich kleine Schnitte für die Arbeitsinstrumente (Trokare) setzt.

Ablauf der Appendektomie

So läuft die laparoskopische Appendektomie ab:

Nachdem der Chirurg das Operationsgebiet gewaschen, desinfiziert und mit sterilen Tüchern abgedeckt hat, schneidet er die Haut im rechten und linken Unterbauch sowie unterhalb des Bauchnabels ungefähr jeweils einen Zentimeter ein.

Mithilfe der beiden Arbeitstrokare und dem Optiktrokar, der eine Kamera enthält, spürt er nun den entzündeten Wurmfortsatz auf und trennt diesen vom restlichen Gewebe ab. Wenn bereits grössere Bereiche entzündet sind, muss er unter Umständen auch den gesamten Blinddarm entfernen.

Bei der konventionellen Appendektomie eröffnet der Operateur die Haut mit einem grösseren Schnitt im rechten Unterbauch und entfernt den Wurmfortsatz. Gleichzeitig untersucht er die umliegenden Bauchorgane auf Entzündungen oder bösartige Veränderungen.

Zuletzt wird der Schnitt in mehreren Schichten vernäht. Ein Pathologe untersucht den entzündeten Wurmfortsatz, um die Diagnose zu bestätigen.

Welche Risiken birgt eine Appendektomie?

Nach der Operation kann es zu Wundheilungsstörungen kommen, die manchmal einen erneuten Eingriff notwendig machen.

Trotz der vorbeugenden Gabe von Antibiotika kann sich die Wunde zudem infizieren. In der Folge kann sich ein Abszess, also eine abgekapselte Eiteransammlung, bilden. Dieser muss operiert werden, um eine Ausbreitung der Infektion zu vermeiden. Derartige Infektionen können Bauchfellentzündungen und Darmlähmungen hervorrufen, die ebenfalls Operationen nach sich ziehen können.

Selten entstehen bei Patienten nach einer Appendektomie sogenannte Narbenbrüche. Dabei weicht das Gewebe der Operationsnarbe auseinander, und Bauchinhalt stülpt sich heraus. Oftmals muss die Narbe dann operiert und verstärkt werden, um das Austreten von Teilen des Darms zu verhindern.

Was muss ich nach einer Appendektomie beachten?

In Absprache mit Ihrem Arzt dürfen Sie schon innerhalb des ersten Tages nach der Operation wieder essen und trinken, damit der Darm aktiv bleibt. Wenn die weitere Genesung gut verläuft, können Sie bereits nach vier bis sechs Tagen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Nach ungefähr zehn Tagen wird Ihr Hausarzt die Hautnähte entfernen.

Achten Sie bis dahin auf Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Unwohlsein und Fieber. Teilen Sie Ihrem Arzt solche Warnzeichen mit, damit dieser Sie untersuchen und mögliche Komplikationen im Nachgang der Appendektomie ausschliessen kann.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Korenkov, M. et al.: Gastrointestinale Operationen und technische Varianten, Springer Verlag, 1. Auflage, 2013
  • Sahm, M. et al.: "Akute Appendizitis – Wandel in Epidemiologie, Diagnostik und Therapie" in: Zentralblatt für Chirurgie 2011; 136(1): 18-24
  • Schwarz, N. & Reutter, K.: Allgemein- und Viszeralchirurgie, Thieme Verlag, 8. Auflage, 2017
  • Siewert, J. et al.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie, Springer Verlag, 3. Auflage, 2011
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