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Mandeloperation (Tonsillektomie, Mandelentfernung, Entfernung der Mandeln)

Tosillektomie Madelentfernung Operation OP
Bei einer Tonsillektomie werden die Gaumenmandeln vollständig chirurgisch entfernt. (11-30-09 © Severin Schweiger / iStockphoto)

Bei einer Tonsillektomie werden die Gaumenmandeln operativ entfernt.

Kurzfassung:

  • Als Tonsillektomie bezeichnet man die operative Entfernung der Gaumenmandeln.
  • Wiederkehrende, schwere Mandelentzündungen oder die Behinderung der Atmung können eine Tonsillektomie notwendig machen.
  • Nach der Operation ist ein Krankenhausaufenthalt von mehreren Tagen üblich und auch in den Wochen danach sind Maßnahmen zur Prävention einer Infektion, aber auch einer Nachblutung erforderlich.
  • Eine, insbesondere im Kindesalter potenziell bedrohliche Komplikation der OP sind Nachblutungen, bei denen sofort der Notarzt gerufen werden sollte.

 


Was ist eine Tonsillektomie?

Vollständige Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie)

Die Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) wurde früher relativ häufig vorgenommen, zum Teil auch vorbeugend, ohne dass zuvor eine Mandelentzündung (Angina tonsillaris) aufgetreten war. Heutzutage wird die Entfernung kritischer betrachtet und erst bei entsprechender Notwendigkeit durchgeführt. Eine Sonderform der Tonsillektomie ist eine Teilentfernung der Mandeln.

Teilentfernung der Mandeln (Tonsillotomie)

Wenn es sich um keine chronisch entzündungsbedingte Mandelvergrößerung handelt, kann auch nur eine Teilentfernung der Mandeln (Tonsillotomie) den gewünschten Behandlungseffekt erzielen. Die Tonsillotomie wird insbesondere bei Kindern unter 6 Jahren durchgeführt. Bei der Tonsillotomie treten für gewöhnlich weniger Komplikationen nach der Operation auf (vor allem Minimierung des Nachblutungsrisikos).

Wann wird eine Tonsillektomie durchgeführt?

Es gibt mehrere Gründe, die Gaumenmandeln operativ zu entfernen. Dazu zählen:

  • starke Vergrößerung der Mandeln, die die Atmung beeinträchtigt (OSA – obstruktive Schlafapnoe)
  • wiederkehrende, schwere Mandelentzündungen
  • Verdacht auf einen Tumor einer Mandel
  • chronische Entzündung der Mandeln mit Beschwerden (z.B. Schluckschmerzen)
  • behandlungsresistente oder wiederkehrende Peritonsillar-Abszesse (Eiteransammlung im an die Mandeln angrenzenden Gewebe)

Mandelentfernung wegen Atembehinderung

Die Mandeln können sich so stark vergrößern, dass der Luftweg eingeengt wird. Die Atmung durch die Nase ist dann erschwert und die Betroffenen atmen vermehrt durch den Mund. Dadurch können eine Fehlentwicklung der Kiefer- und Zahnstellung sowie eine fehlerhafte Zungenlage entstehen. Diese Fehlentwicklungen können eine Langzeitproblematik bedingen und schließlich auch die Lungendurchblutung sowie die Herzleistung beeinträchtigen.

Durch die (krankhaft vermehrte) Mundatmung können sich zudem Keime besser ansammeln/vermehren, was wiederkehrende Infektionen der Nase und Nasennebenhöhlen zur Folge hat. Die Verlegung der Atemwege kann auch zum sogenannten obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSA) mit Atemaussetzern während des Schlafes führen.

Mandelentfernung bei wiederkehrenden, schweren Infektionen

Entzündungen im Bereich von Hals, Nasen und Ohren sind sehr häufig. Bei Kindern sind sogar bis zu acht Infektionen pro Jahr nichts Ungewöhnliches. Bei einer Mandelentzündung sollte gezielt nach Bakterien gesucht werden (Erregernachweis mit Schnelltest oder Kultur). Wenn nachgewiesen werden kann, dass Bakterien (v.a. Streptokokken) die Entzündung verursachen, wird zunächst mit einem Antibiotikum sowie einem entzündungs- und schmerzstillenden Medikament behandelt.

+++ Mehr zum Thema: Streptokokken-Infektion +++

Sind nicht Bakterien, sondern Viren für die Entzündung verantwortlich, werden nur entzündungs- und schmerzstillende Medikamente eingesetzt.

Eine Entfernung der Mandeln wird erst dann in Betracht gezogen, wenn:

  • fünf oder mehr Mandelentzündungen pro Jahr innerhalb von zwei Jahren
  • oder
  • sieben oder mehr Mandelentzündungen innerhalb eines Jahres auftreten 

Die Mandeloperation wird zu einem Zeitpunkt durchgeführt, an dem die Mandeln nicht entzündet sind.

+++ Mehr zum Thema: Wie wichtig sind die Mandeln für das Immunsystem? +++

Was passiert nach der Operation?

Dauer des Spitalsaufenthalts

Wie lange der Spitalsaufenthalt dauert, ist individuell zu entscheiden. Neben dem Patientenalter sowie dem Verlauf vor, während und nach der Mandeloperation werden auch die Dauer der Fahrt zum nächstgelegenen Spital (bei eventuell eintretenden Komplikationen) und die Möglichkeit, nach der Operation gepflegt zu werden, in die Planung der Aufenthaltsdauer miteinbezogen.

Grundsätzlich sollten Kinder etwa zwei bis drei Tage nach der Operation im Krankenhaus bleiben. Bei erhöhter Gefahr für Nachblutungen wird der Spitalsaufenthalt meist länger angesetzt. Dort können Blutungen schneller behandelt sowie eine ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme und eine ausreichende Schmerztherapie sichergestellt werden.

Eine Teilentfernung der Mandeln kann, wenn keine Komplikationen auftreten, eventuell auch ambulant bzw. tagesklinisch erfolgen. Das bedeutet, dass man noch am Tag der Operation wieder nach Hause gehen kann.

+++ Mehr zum Thema: Entfernung der Mandeln beim Kind +++

Körperliche Schonung

Erwachsene sollen sich nach der Operation zwei Wochen, Kinder drei Wochen schonen. Vor allem sollten Tätigkeiten, die einen erhöhten Druck im Kopf verursachen (schweres Heben, heiß baden oder starkes Pressen) vermieden werden.

Von Reisen ist abzuraten, da beispielsweise in Ländern mit schlechten Hygienebedingungen das Risiko für eine Infektion des Wundgebietes erhöht ist oder bei Auftreten von Blutungen während der Reise nicht sichergestellt ist, dass eine sachgemäße Behandlung erfolgen kann.

Schmerzstillung

Eine ausreichende Schmerzmedikation unmittelbar nach der Operation ist allgemein üblich. Schmerzen können aber auch noch mehrere Tage nach der Operation auftreten. Typisch nach einer Tonsillektomie sind Schmerzen, die in Ohren, Zunge und Zähne ausstrahlen. Nach ein bis zwei Wochen sollten diese aber weitgehend verschwinden, bis dahin ist eine bedarfsorientierte Schmerzmedikation empfohlen. Dauern die Schmerzen länger an, sollte der Arzt kontaktiert werden.

Medikamente, die die Blutgerinnung bzw. Blutstillung beeinflussen (z.B. Acetylsalicylsäure), dürfen nicht eingenommen werden, bis die Operationswunde vollkommen verheilt ist. Letzteres kann bis zu drei Wochen dauern.

+++ Mehr zum Thema: Schmerzmittel +++

Welche Komplikationen können auftreten?

Komplikationen bei der Tonsillektomie sind selten, können aber – insbesondere bei Kleinkindern – auch lebensbedrohlich sein. Die häufigste Komplikation der Mandelentfernung sind Nachblutungen.

Nachblutungen treten meist am Tag der Operation oder zwischen dem 4. und 8. postoperativen Tag (Ablösung des Wundschorfs) auf. Sie sind überwiegend harmlos und kommen von selbst zum Stillstand. Eine Nachblutung sollte aber immer Anlass für eine ärztliche Kontrolle sein; manchmal (in etwa 1–4% der Fälle) ist eine sekundäre Blutstillung notwendig.

Ganz selten kommt es (v.a. bei Kleinkindern) zu lebensbedrohlichen Blutungen. Gründe dafür sind deren geringeres Blutvolumen, das höhere Risiko für Blutverlustschock und die Möglichkeit des Bluteinatmens (Aspiration).

Verhalten im Fall von Nachblutungen

Wenn man eine Blutung im Bereich der Wunde, Blut im Speichel oder blutigen Husten bemerkt, ist sofort ein Spital aufzusuchen.

Allgemeine Maßnahmen bei schweren Nachblutungen:

  • Den Patienten sofort so lagern, dass das Blut aus dem Mund laufen und nicht eingeatmet werden kann (stabile Seitenlage).
  • Bei schwallartigen Blutungen den Notarzt rufen.
  • Kühlende Umschläge im Halsbereich können die Blutung verringern.
  • Zahnprothesen und lockeren Zahnersatz, wenn möglich, entfernen.

Wie lange dauert ein Krankenstand nach Tonsillektomie?

Die Dauer des notwendigen Krankenstandes bzw. der körperlichen Schonung ist abhängig vom Ausmaß der Beeinträchtigung, der ausgeübten Tätigkeit und auch individuell unterschiedlich. Im Schnitt muss mit etwa ein bis zwei Wochen Krankenstand gerechnet werden.

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Prim. Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl
Redaktionelle Bearbeitung:
, ,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

S2k-Leitlinie „Therapie entzündlicher Erkrankungen der Gaumenmandeln – Tonsillitis“ der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, 2015
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Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Berliner Charité: Empfehlung zum Verhalten nach Mandelentfernung (Tonsillektomie); www.hno-klinik.charite.de (abgerufen am 24.09.2020)

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Georgalas CC et al: Clinical Evidence; Ear, Nose, Throat Disorders; Tonsillitis. Oct. 2009; www.clinicalevidence.bmj.com (Online, letzter Zugriff: 25.07.2016)

Boenninghaus HG: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer Verlag, 13. Auflage, Berlin 2007

DEGAM-Leitlinie 14: Halsschmerzen. Kurzversion, Stand 2009

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