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Therapie von Asthma bei Kindern

Therapie Asthma Kind
Eine optimale Therapie setzt sich aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen zusammen. (GeorgeSe / iStockphoto)

Ziel jeder Asthmatherapie bei Kindern ist es, die Beschwerden so weit zu reduzieren, dass das Kind ein möglichst normales Alltagsleben führen kann. Zudem soll die Lungenfunktion verbessert werden, um eine normale Entwicklung der Lunge zu ermöglichen.

Eine optimale Therapie setzt sich aus mehreren Säulen zusammen, nämlich medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen.

Warum sollen Kinder Medikamente einnehmen?

Die Einnahme von Medikamenten ist für asthmakranke Kinder – je nach Schweregrad – oft notwendig und hilfreich, denn die Beschwerden werden dadurch gelindert. Die verkrampfte Muskulatur der Atemwege entspannt sich, das sehr unangenehme Gefühl der Atemnot bessert sich. Dadurch kann das Kind an Spielen und sportlichen Aktivitäten teilnehmen, was für eine normale körperliche und seelische Entwicklung äußerst wichtig ist.

Zudem wird die Entzündung, die bei Asthma in den Atemwegen besteht, durch die Medikamente gedämpft. Dadurch wird die Lunge weniger empfindlich für äußere Einflüsse, die Asthmaanfälle auslösen können.

+++ Mehr zum Thema: Asthma bei Kindern +++

Welche Medikamente gibt es für die Behandlung von Asthma und wie wirken sie?

Für die Behandlung von Asthma gibt es zwei Hauptgruppen von Medikamenten: die Bedarfs- und die Langzeitmedikamente.

Bedarfsmedikamente (sog. „Reliever“) haben eine sehr rasch einsetzende Wirkung und werden daher bei plötzlich auftretenden Beschwerden und im Notfall bzw. auch kurz vor dem Sport angewandt. Sie führen zu einer sehr schnell spürbaren Erweiterung der Atemwege, indem sie die Muskulatur der Atemwege entspannen. Diese Medikamente enthalten meist Wirkstoffe aus der Gruppe der rasch wirksamen Beta-2-Sympathomimetika (kurz: Betamimetika). Sie sollten als Inhalationen mit einem altersgemäßen Inhalationsgerät inhaliert werden. Säfte sollten zur Asthmatherapie eigentlich nicht mehr verwendet werden.

Kurzwirksame Betamimetika sollen nicht über einen längeren Zeitraum (mehrere Wochen) ohne Langzeitmedikamente eingenommen werden, da dies das Asthma eher instabiler macht und das Medikament an Wirkung verlieren kann!

Daneben gibt es die Langzeitmedikamente (sog. „Controller“). Die Wirkung dieser Medikamente ist meist nicht sofort spürbar. Sie können allerdings Asthmaanfällen und -beschwerden längerfristig vorbeugen, da sie die Entzündungsreaktionen in den Atemwegen direkt bekämpfen. Das wirksamste Langzeitmedikament ist inhalierbares Kortison, das in einer sehr niedrigen Dosierung in den meisten Fällen zur Basistherapie zählt. Je nach Schweregrad kann die Dosierung des Kortisons gesteigert oder das Kortison mit anderen Medikamenten kombiniert werden. Dazu zählen langwirksame Beta-2-Sympathomimetika, die zusätzlich eine längerfristige Erweiterung der Bronchien bewirken, oder der Wirkstoff Montelukast (ein sogenannter Leukotrien-Rezeptor-Antagonist), der Entzündungsreaktionen in den Atemwegen bekämpft und vor allem beim nicht-allergischen Asthma oft zum Einsatz kommt.

+++ Mehr zum Thema: Allergisches Asthma +++

Kortisontherapie bei Kindern

Kortison (bzw. Kortikosteroide, Steroide) bekämpft Entzündungsreaktionen, verringert das Auftreten schwerer Asthmasymptome und verbessert die Lungenfunktion von Asthmapatienten. Es wird meist als Spray mit Vorschaltkammer (sog. „Spacer“) oder Pulver zum Einatmen angewandt, ist aber auch in Tablettenform (für die Notfalltherapie) verfügbar.

Durch eine Langzeitbehandlung mit einer genau bemessenen Dosis von inhalierbarem Kortison (ICS) können viele asthmakranke Kinder ein Leben führen, das sich von dem eines gesunden Kindes kaum unterscheidet. Daher ist die Kortisontherapie in der Behandlung von Asthma meist nicht mehr wegzudenken. Dennoch fürchten sich viele Eltern, deren Kinder regelmäßig Kortison erhalten, vor den Nebenwirkungen.

Selten kann es zu leichter Heiserkeit oder zum Auftreten von Mundsoor (Mundpilz) kommen. Dem kann durch die richtige Inhalationstechnik und regelmäßiges, gründliches Spülen des Mundes nach dem Inhalieren vorgebeugt werden.

Besonders gefürchtet ist bei Kindern eine mögliche Wachstumsverzögerung unter Kortisontherapie. Heute weiß man, dass Kinder unter einer dauerhaften Therapie mit inhalativem Kortison im ersten Behandlungsjahr um durchschnittlich einen Zentimeter weniger wachsen als gesunde Kinder ohne Behandlung. Dies setzt sich aber in den folgenden Jahren nicht weiter fort, das heißt, die Wachstumsgeschwindigkeit passt sich wieder an die von gesunden Kindern an. Da die Wirkung auf das Wachstum dosisabhängig ist, ist es besonders wichtig, für jedes Kind die geringstmögliche Dosierung zu finden, mit der es ein weitestgehend beschwerdefreies Leben führen kann und gleichzeitig so wenige Nebenwirkungen wie möglich auftreten.

Eltern und Kinder müssen sich genau an den individuellen Behandlungsplan halten, d.h. an die Dosierung, die Art der Einnahme und die genaue Inhalationstechnik sowie an den vom Arzt festgelegten Zeitpunkt der Einnahme. Zudem muss jede Art der Kortisonbehandlung regelmäßig von einem Kinderarzt kontrolliert werden; auch regelmäßige Kontrollen des Wachstums (alle sechs Monate) gehören dazu.

Bei einer dauerhaften Kortisontherapie müssen Nutzen und Risiko sorgfältig gegeneinander abgewogen werden und regelmäßige ärztliche Kontrollen sind unumgänglich. Insgesamt stellt sie jedoch die zuverlässigste Behandlungsmethode asthmakranker Kinder dar und ermöglicht vielen Patienten einen weitestgehend normalen Alltag.

Die schwerwiegendste „Nebenwirkung“ einer fehlenden oder unzureichenden Therapie ist der Asthmaanfall. Und dieser sollte unter allen Umständen verhindert werden. Inhalatives Kortison ist hier ein guter Partner in der Therapie.

Wie werden Asthmamedikamente eingenommen?

Die meisten Medikamente zur Behandlung von Asthma werden inhaliert. So gelangen sie direkt an den Ort, an dem sie wirken sollen: die Atemwege. Dies hat den Vorteil, dass eine relativ niedrige Dosierung notwendig ist, um eine Wirkung zu erzielen, wodurch es auch zu weniger Nebenwirkungen kommt.

Säuglinge und Kleinkinder sollten sogenannte Dosieraerosole („Asthmasprays“) benutzen, bei denen der Wirkstoff mittels Treibgas freigesetzt wird. Dafür gibt es verschiedene Inhalierhilfen (sog. „Spacer“), die dabei helfen, das Medikament richtig einzuatmen, sodass weniger im Mund- oder Rachenraum hängen bleibt. Sobald wie möglich sollte anstelle einer gut sitzenden Inhaliermaske ein Mundstück verwendet werden, da damit das Medikament die Lunge besser erreichen kann.

Ein Dosieraerosol sollte nie ohne Inhalierhilfe verwendet werden!

Gerne wird Säuglingen noch eine Inhalation mit Vernebler verordnet. Nachteile dabei sind die größere Tröpfchengröße des Inhalationsaerosols und damit ein schlechteres Erreichen der Lunge sowie die deutlich längere Inhalationsdauer.

Für ältere Kinder (etwa ab dem Schulalter) stehen auch verschiedene Pulverinhalatoren zur Verfügung. Mit einem geeigneten Testgerät muss vorher überprüft werden, ob das Kind einen ausreichenden Sog zustande bringt, um das Pulver einzuatmen. Manche Inhalatoren haben diese Überprüfung schon eingebaut.

Die richtige Anwendung des Inhalationsgerätes ist die wesentliche Voraussetzung für die Wirksamkeit der Behandlung. Der Umgang mit dem jeweiligen Gerät muss daher erlernt und immer wieder geübt werden. Eine Asthmaschulung wird in verschiedenen Zentren angeboten und kann von großem Nutzen sein.

Stufenschema der medikamentösen Therapie

Die medikamentöse Behandlung von Asthma erfolgt nach einem Stufenschema, bei dem der Grundsatz gilt: so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Der Schweregrad der Erkrankung muss dabei ebenso berücksichtigt werden wie das Alter des Kindes. Zudem ist die Ausprägung einer Asthmaerkrankung von verschiedenen Faktoren abhängig, das heißt, sie kann im Laufe der Zeit variieren. Daher muss der Verlauf der Erkrankung auch während einer Therapie in regelmäßigen Abständen ärztlich kontrolliert werden, um die Behandlung entsprechend anpassen zu können.

Beim Stufenschema wird folgendermaßen vorgegangen: Sobald das Kind mit der laufenden Therapie über einen Zeitraum von drei Monaten beschwerdefrei ist (man spricht dann von kontrolliertem Asthma), kann auf die nächstniedrige Therapiestufe reduziert werden. Umgekehrt muss auf die nächsthöhere Therapiestufe gewechselt werden, wenn sich die Symptome mit der laufenden Therapie nicht oder nur teilweise bessern lassen. Ziel ist das Finden der minimal nötigen Therapiestufe, um eine maximale Asthmakontrolle zu erreichen.

Eine Änderung der Medikamentendosis darf immer nur in kleinen Schritten und niemals ohne ärztliche Anweisung erfolgen! Das vorliegende Stufenschema ist nur ein Anhaltspunkt und kann vom Arzt, wenn es die Behandlung des Kindes notwendig macht, abgeändert werden.

Das Stufenschema für Kinder ab dem 6. Lebensjahr finden Sie hier

Ergänzend zur Inhalationstherapie sollte bei Kindern über 6 Jahren mit allergischem Asthma auch an eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) gedacht werden. Dabei wird der Körper langsam an ein bestimmtes asthmaauslösendes Allergen (z.B. Pollen oder Hausstaubmilben) gewöhnt.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Zusätzlich zur Therapie mit Medikamenten spielen nicht-medikamentöse Maßnahmen eine große Rolle bei der Behandlung von Asthma. Dazu zählt insbesondere die Vermeidung von asthmaauslösenden Faktoren, wie etwa bestimmten Allergenen (z.B. Pollen, Hausstaubmilben). Zudem sollten asthmakranke Kinder ausreichend körperliche Bewegung machen.

Selbstverständlich sollte darüber hinaus in einem Haushalt, in dem ein asthmakrankes Kind lebt, auch nicht geraucht werden. Passivrauchen ist ein wesentlicher Auslöser für schwere Asthmaanfälle und kann langfristig die Asthmaerkrankung des Kindes deutlich verschlechtern!

Jede Asthmatherapie sollte durch den Besuch von altersgerechten, speziell auf Kinder abgestimmten Patientenschulungen ergänzt werden. Asthmakranke Kinder und deren Eltern lernen dort, mit der Krankheit umzugehen und sich im Alltag entsprechend zu verhalten.

Inhalte dieser Schulungen sind unter anderem:

  • Aufklärung über die Ursachen und Auslöser der Beschwerden
  • Erlernen der richtigen Inhalationstechnik und Anwendung der Bedarfs- und Langzeitmedikation
  • Erlernen von Atemübungen
  • Verhaltenstraining im Notfall (Notfallplan, atemerleichternde Körperstellungen etc.)
  • Führen eines Beschwerdetagebuches

+++ Mehr zum Thema: Diagnose Asthma +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Prim. Priv. Doz. Dr. med. Fritz Horak
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

Nationale VersorgungsLeitlinien (NVL): Asthma, 3. Auflage, 2018; https://www.leitlinien.de/nvl/html/asthma/kapitel-1 (letzter Zugriff am 13.12.2019)

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